Villa Max: Eigentümerin will Abbruch

29.3.2011
Merkur-online, Isar-Loisachbote

Villa Max: Eigentümerin will Abbruch

Münsing – Jetzt ist es offiziell: Die Eigentümer der Villa Max wollen das altehrwürdige Gebäude abreißen lassen. Die Entscheidung trifft das Landratsamt.

Seit Jahren dem Verfall preisgegeben: Einst war die Villa Max, Heimat der Künstlerfamilie gleichen Namens, ein stolzer, schöner Bau. Jetzt will ihn die neue Eigentümerin endgültig abreißen lassen. Foto: red
Seit Jahren dem Verfall preisgegeben: Einst war die Villa Max, Heimat der Künstlerfamilie gleichen Namens, ein stolzer, schöner Bau. Jetzt will ihn die neue Eigentümerin endgültig abreißen lassen. Foto: red

 

Der Abbruchantrag der Max-Villa-Eigentümerin ist inzwischen bei der Gemeinde Münsing angekommen. Bürgermeister Michael Grasl ist sicher, dass der Gemeinderat den Antrag ablehnen und zur Entscheidung an das Landratsamt weiterleiten wird. Nach dem bayerischen Denkmalschutzgesetz obliegt der Vollzug des Denkmalschutzes der Unteren Denkmalschutzbehörde – in diesem Fall dem Landratsamt. Das Landesamt für Denkmalpflege wirkt lediglich beratend.

Die Gemeinde Münsing kann also wenig tun. „Im Bebauungsplan für einen Teilbereich Ammerlands werden wir das Denkmal Villa Max als solches festsetzen“, erklärt Michael Grasl. Weiter reicht die Kompetenz der Gemeinde in einem solchen Fall nicht. Fast erleichtert ist Gras über die Tatsache, dass die jahrelange Hängepartie nun zu Ende scheint. „Die Eigentümer haben nun wenigstens Farbe bekannt“, sagt Grasl mit Blick auf die Tatsache, dass das Sanierungskonzept so lange hinausgezögert wurde. Jetzt sei klar, dass die Münchner – Mutter und Sohn – das Haus gar nicht erhalten wollten. Dies müsse aber endgültig notfalls von einem Gericht entschieden werden. „Andernfalls wird der Gemeinde oder dem Landratsamt immer wieder der Schwarze Peter zugeschoben.“

Auch Landrat Josef Niedermaier beteuert, die Villa retten zu wollen. Das bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) ist in seiner gründlichen Untersuchung der Villa im Januar dieses Jahres zu dem Schluss gekommen, dass das Baudenkmal „instandsetzungsfähig“ sei. Die überlieferte Grundriss-Struktur müsse dabei unbedingt erhalten bleiben. Ebenso seien Fenster, Treppen, Holzdecken und Türen im Inneren in ihrem Ursprungszustand zu belassen. Die arg heruntergekommene seeseitige Veranda und die Balkone könnten – falls nicht mehr zu retten – originalgetreu rekonstruiert werden, heißt es in dem Gutachten des BLfD. Ein Anbau sei möglich, wenn er sich hinter dem Denkmal sozusagen „verstecke“. (tal)/Tanja Lühr/

Kulturschande am Ostufer

14.3.2011 Süddeutsche Zeitung, Felicitas Amler

Kulturschande am Ostufer

Ursula Scriba, Architektin und Vorsitzende des Ostuferschutzverbands am Starnberger See, hat ihren Diavortrag über die Künstlervilla Max in Ammerland wirksam inszeniert. Wenn man zwei ihrer Motive so unmittelbar aufeinanderfolgend sieht, ist man schockiert.

Die Balustrade am Balkon der denkmalgeschützten Max-Villa ist schon längst zusammengebrochen. (Foto: Hartmut Pöstges)
Die Balustrade am Balkon der denkmalgeschützten Max-Villa ist schon längst zusammengebrochen.
(Foto: Hartmut Pöstges)

Da ist zunächst ein Gemälde von Colombo Max: Eine Frau und ein junger Mann nehmen ein Sonnenbad auf einem Balkon, der Blick geht hinaus auf den See, eine strahlend blaue Szene, eine malerische heile Welt. Dann ein Klick des Beamers: Auf der Leinwand erscheint derselbe Balkon – heruntergekommen, das Holz morsch, die Balustrade völlig desolat, ein Bild des Jammers. Ein Raunen geht durch den Saal im Münsinger Pfarrheim. Die beiden Impressionen führen krass vor Augen, was mit der Max-Villa seit der Idylle aus den 1920er Jahren geschehen ist. Das Haus, das als exemplarisch für die Künstlervillen am Ostufer des Starnberger Sees gilt – und daher denkmalgeschützt ist -, verwahrlost. Ursula Scriba hält ihren Vortrag im passenden Ambiente: inmitten der beachtlichen und stark beachteten Ausstellung über die Malerbrüder Colombo und Corneille Max, die gerade zu Ende geht. Das Interesse an der Schau wie am einstigen Zuhause der Brüder ist auch deswegen so groß, weil in München eine spektakuläre Ausstellung des Vaters der beiden läuft: des Künstlers, Darwinisten, Spiritisten, Affenmalers und Schädelsammlers Gabriel von Max. Und eben nach ihm ist die Villa unten am See benannt. Er erwarb das 1868erbaute Haus im Jahr 1875 für 12000 Goldgulden. Doch unglücklicherweise blieb es nur eine weitere Generation lang im Familienbesitz. Seit die Villa – 1996– in fremde Hände kam, verfällt sie.

Ursula Scriba schildert mit reicher Detailkenntnis, wie das Ostufer, das bis dahin von Fischern besiedelt war, Mitte des19.Jahrhunderts auf einmal das Interesse der Münchner Künstler und Wissenschaftler auf sich zog. Wie der Genremaler und Akademieprofessor Carl von Piloty nach Ambach strebte, und wie er immer mehr Schüler – darunterGabriel von Max – an den See lockte. Sie skizziert die innere Einstellung jener neuen Villenbesitzer, die von einer Liebe zur Natur und einer Lust am eher bescheidenen ländlichen Leben geprägt war. „Mit demokratischem Hochmut verachten wir die Schlossbesitzer“, zitiert sie Piloty. Und zeigt Gemälde der Maxens, die diese bukolischen Szenen thematisieren: einfache Villen, fröhliche Menschen an Badehäusern und auf kleinen Booten. Heute berühmte Namen sind damit verbunden: Waldemar Bonsels, Gyula Benczur, Ulrich Himbsel. Und vielerlei lässt sich kunst- wie sozialgeschichtlich an dieser Entwicklung ablesen. Scriba macht es am Beispiel Interieur anschaulich: In der Villa Max war das „wunderbare Speisezimmer“ – wie zu jener Zeit üblich – ein zentraler Raum von wichtiger familiärer und gesellschaftlicher Bedeutung. Entsprechend liebe- und kunstvoll war er ausgestattet: mit Südtiroler Holzkassettendecke, Kachelofen, sorgsam ausgewählten Möbeln wie dem großen Tisch, der keineswegs nur zum Speisen diente – an ihm fanden auch die berühmten Séancen des Spiritisten Gabriel von Max statt… Verloren und dahin: Jene wertvollen Teile des Innenlebens der Villa seien von der jetzigen Besitzerin „in einer Nacht- und Nebelaktion“ beseitigt worden, berichtet Scriba. Wohin? Niemand weiß es, und die heutige Eigentümerin vermeidet es, mit Menschen zu sprechen, die ein lebhaftes Interesse an Erhaltung und Pflege des Hauses haben. Sie habe „ein sehr distanziertes Verhältnis zur Villa“, urteilt Scriba. Schlicht gesagt, liebe die Dame das Haus wohl nicht. Denn vielfache Appelle, Ermunterungen, Aufforderungen der Gemeinde oder der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen oder des Landesamts für Denkmalpflege haben die Eigentümerin nicht dazu bewogen, die nötige Instandsetzung des mehr als 140 Jahre alten Hauses endlich in Angriff zu nehmen. Unterschriftenaktionen bewirkten nichts, Presseveröffentlichungen lockten die Frau nicht aus der Reserve. Sie verweigert sich. Selbst der Bürgermeister tut sich schwer, mit ihr in Kontakt zu kommen. Michael Grasl sieht dennoch einen Hoffnungsschimmer: Die Denkmalschützer hätten jetzt für das geplante Sanierungskonzept einen Historiker engagiert. Allerdings: Ein Konzept ist das eine, seine Umsetzung das andere. Zwangsmaßnahmen, so Grasl auf eine Frage aus dem Publikum, seien kaum durchsetzbar. Allenfalls zum „Mindestunterhalt“ könne man die Eigentümerin verpflichten. Den Zuhörern klingt daher an diesem Samstag ein warnender Zwischenruf noch lange in den Ohren: Michael Stanic, Anwohner des Ostufers, ehemaliger Dachauer Kulturamtsleiter und Fachmann für Denkmalschutz, erinnert sich an eine Episode aus seiner Zeit als Leiter der „Pasinger Fabrik“: Vor mehr als zwanzig Jahren sei dort eine denkmalgeschützte Villa des Architekten August Exter einem „Zug-um-Zug-Verfall“ preisgegeben worden. Nachdem auch noch im Innern ein Feuerchen gebrannt hätte, habe man sie nur noch abreißen können. Stanic mit Blick auf die Max-Villa: „Ich kann nur empfehlen, da eine Web-Kamera anzubringen.“