Warnung vor einem „Monster“-Riegel

Grünen-Kreisrätin Mechthild Felsch protestiert gegen neues Haus der Volksbank in der Münsinger Ortsmitte mit zwölf Wohnungen und einer Tiefgarage.

Süddeutsche Zeitung, Wolfratshauser SZ  vom 28. November 2016
von Benjamin Engel

An den Abriss- und Neubauplänen für die Münsinger Volks- und Raiffeisenbank-Filiale am Dorfplatz entzündet sich Protest: Die Grünen-Kreisrätin Mechthild Felsch und Gemeinderätin Ursula Scriba (Bürgerlisten) sehen den dörflichen Charakter in der Ortsmitte bedroht. Aus ihrer Sicht ist der geplante Neubau mit zwei Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss sowie zwölf Wohnungen im ersten Stock und dem Dachgeschoss plus Tiefgarage für 17 Stellplätze zu massiv. Nach den Plänen der Volks- und Raiffeisenbank München Land sollen das bisherige Gebäude am Kirchberg und das anschließende Lagerhaus mit dem Getränkemarkt Graf dem Neubau weichen – aber erst 2019, solange läuft noch der Pachtvertrag mit dem Händler. Der Gemeinderat hat den Vorbescheid bereits im Oktober genehmigt. Aus Sicht der Verwaltung fügt sich der Bau in die Umgebung ein.

Mitten in Münsing entstehe ein richtiger Riegelbau, kritisiert Grünen-Kreisrätin Felsch. „Da wird ein Monster hingestellt. Das passt vielleicht in eine Stadt wie Wolfratshausen, am Münsinger Dorfplatz habe ich Bauchweh.“ Rundherum sei der Ort eher durch Einfamilienhäuser geprägt. Aus ihrer Sicht passt sich das Haus, das zwar wie bisher sieben Meter hoch, aber bedeutend länger wird, nicht in die Umgebung ein. Zudem fürchtet Felsch, dass damit nur noch mehr Autoverkehr angezogen wird. Doch schon jetzt mangele es an Parkplätzen. Zudem gebe es dann keinen Getränkemarkt mehr mitten im Ort. Als schön empfindet Felsch das Lagerhaus zwar nicht: „Doch am Sonntag war wenigstens Ruhe.“ Und zu Dorffesten konnten die Besucher davor immer gut parken.

Die Kreisrätin aus Münsing wünscht sich einen Bebauungsplan für den Ortskern, um den Verlust der dörflichen Struktur zu verhindern. Die Abstimmung über das Vorhaben sei im Oktober regelrecht durchgepeitscht worden, sagt sie. Dass Münsing mehr Wohnungen braucht, kann Felsch verstehen. Doch dann sollte die Bank zumindest einen Teil davon nach sozialen Kriterien abgeben, findet sie.

Scriba warnt vor einem Dominoeffekt. Sie sagt, kein einziges vergleichbares Gebäude in der Umgebung sei so groß, wie der Neubau es werden soll. Stehe das neue Gebäude erst einmal, könne es als Bezugsfall für weitere Bauvorhaben in ähnlicher Größenordnung dienen. Münsing würde seinen dörflichen Charakter verlieren. „Ein solcher Umbau wäre wirklich bedrückend.“ Wäre es nach Scriba gegangen, hätte der Gemeinderat der Bank keinen Dachgeschoss-Ausbau genehmigt. „Das ist ein Geschenk an das Unternehmen.“ Zudem bedauert sie den drohenden Verlust des Getränkemarkts. Der sei für alle Münsinger im Ortskern fußläufig zu erreichen.

Die Bauherren sagen, das Lagerhaus sei marode, das Dach undicht. „Das ist keine besondere Attraktion“, sagt der Vorsitzende der Volks- und Raiffeisenbank München Land, Anton Lautenbacher. Der Neubau werde die Dorfmitte aufwerten und sich in die Umgebung einfügen. Die überbaute Grundfläche falle mit 840 Quadratmetern um zehn Quadratmeter geringer aus als jetzt.

Das Ziel ist für Lautenbacher klar. „Wir wollen den Standort langfristig sichern.“ Bisher kommen Kunden in die Beratungsräume im ersten Stock nur über eine Treppe. Künftig sollen alle Filialräume barrierefrei und somit für Ältere, Kunden mit Kindern und alle, die sich schwer mit dem Gehen tun, leichter zu erreichen sein. Ebenso möchte Lautenbacher den Weg neben dem Lüßbach – daneben steht das Haus – verschönern und neu gestalten lassen.

Mit der Kommune sieht sich der Sprecher der Volksbank einig in der Einschätzung, dass der Ort mehr Wohnungen brauche. Zwar müsse sich die Investition auch wirtschaftlich lohnen. Doch wolle die Bank zu fairen Preisen vermieten. Bisher befinden sich keine Wohnungen unterm Dach der Volksbank.

Bürgermeister Michael Grasl (FW) erwartet, dass die Bank den Bau verträglich gestaltet. Das barrierefrei geplante Haus sei für die Kunden vorteilhaft. Derzeit bearbeite das Landratsamt den Vorbescheid. Mehr gibt es aus seiner Sicht im Moment kaum zu sagen. Grundsätzlich habe die Bank das Baurecht. Über einen Bebauungsplan für die Ortsmitte sei schon früher nachgedacht worden. Sei ein solcher gewünscht, müsse der Gemeinderat darüber entscheiden. Allerdings gibt es aus Sicht von Grasl nur noch wenig Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten im Ortskern.

Es tut sich was am Dorfplatz

Die VR-Bank München Land plant, ein sieben Meter hohes Gebäude zu errichten – Gemeinderat stimmt Vorbescheidsantrag zu

Münchner Merkur, Isar-Loisachbote vom 22. November 2016
von Tanja Lühr

Münsing – Die VR-Bank München Land möchte am Kirchberg 16 groß bauen. Sie plant, das ihr gehörende Gebäude, in dem der Getränke- und Gartenmarkt Graf untergebracht ist, abzureißen und dort ein neues Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage zu errichten. Der Gemeinderat befasste sich kürzlich mit dem Vorbescheidsantrag.

Die Bank mit Sitz im benachbarten Haus plant zwölf „nicht störende“ Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss des neuen Gebäudes, zwölf Wohnungen im ersten Stock und Dachgeschoss sowie eine Tiefgarage mit 17 Stellplätzen. Insgesamt will sie 840 Quadratmeter Grundfläche bebauen. Das Gebäude soll rund sieben Meter hoch werden.

Nach Meinung der Gemeinde ist die Größe verträglich. Der jetzige Getränkemarkt hat 850 Quadratmeter Fläche. Positiv wertet man im Bauamt, dass die Antragstellerin den bislang nicht sehr schönen Weg entlang des Lüßbachs hinter der Halle ausbauen möchte. Wichtig ist der Gemeinde auch, dass in Zeiten, in denen die Banken eher Filialen abbauen, der langfristige Erhalt des Standorts für die Kunden gesichert ist. Und schließlich brauche Münsing Wohnungen, wie Bürgermeister Michael Grasl sagt: „Es ist im Moment kaum Bewegung auf dem Wohnungsmarkt.“

Gemeinderätin Ursula Scriba (Bürgerliste) äußerte ihre Zweifel, ob das Vorhaben in die Umgebung passt. In der Nachbarschaft gebe es keine ähnlich großen Häuser. Christine Mair (Wählergruppe Münsing) schlug vor, ein Phantomgerüst zu errichten, um besser beurteilen zu können, wie der Neubau wirken würde. Ihr Antrag wurde jedoch abgelehnt. Dem Vorbescheidsantrag der VR Bank wurde mehrheitlich zugestimmt.

Grünen-Kreisrätin Mechthild Felsch aus Münsing, die als Zuhörerin in der Gemeinderatssitzung saß, befürchtet, dass der Ortskern durch das Projekt „total umgestaltet“ wird. Die Höhe des neuen Hauses werde zum Bezugspunkt für weitere Vorhaben, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Dorfplatz werde für Feste gar nicht mehr nutzbar, weil Bewohner und Kunden trotz Tiefgarage sicher alles zuparken würden. Sie rechnet damit, dass die Nachbarn sich ähnlich wie beim Milchhäusl-Neubau an der Hauptstraße gegen das in ihren Augen überdimensionierte Projekt wehren.

Bürgermeister Grasl ist dagegen zuversichtlich, dass die Bauherrin demnächst einen „ansprechenden Bauantrag“ einreicht. Er bedauert allerdings, dass für den Getränkemarkt bislang kein Ersatzgrundstück gefunden werden konnte. Die Bürger würden den Markt sehr schätzen. Der Pachtvertrag laufe 2019 aus.

Münsing Denkmalpreis zu vergeben

Münsing Denkmalpreis zu vergeben

Von Benjamin Engel, Wolfratshauser SZ vom 15. November 2016

Münsing – Viel Geld und Zeit kostet es Privatbesitzer, ein wertvolles historisches Gebäude zu erhalten. Umso wichtiger ist es für den Ostuferschutzverband (OSV), beispielgebendes Engagement zu würdigen. Zum vierten Mal verleiht der Verein deshalb den Gabriel-von-Max-Denkmalpreis. Damit zeichnet der OSV Eigentümer für den Erhalt ihrer Bau- und Gartendenkmäler im Gebiet vom Ostufer des Starnberger Sees bis zum Isar- und Loisachtal aus. Verbandsvorsitzende Ursula Scriba mag das Engagement kaum hoch genug schätzen. „So wird ein Stück Geschichte bewahrt, das sonst unwiederbringlich verloren wäre“, erklärt sie. Noch bis 15. Dezember können Anwohner Vorschläge inklusive kurzer Begründung schriftlich an die OSV-Geschäftsstelle senden.

Seit 2014 zeichnet der OSV jeden Preisträger mit der Bronzeminiatur eines Affen aus: Das Tier hockt auf einer Säule mit der Ammerlander Villa Max auf seinem Schoss. Damit will der Verband an das verfallende, denkmalgeschützte frühere Haus des als „Affenmaler“ bekannten Künstlers Gabriel von Max (1840 bis 1915) erinnern. Für Scriba ist die Vernachlässigung der Villa ein Negativbeispiel im Umgang mit historisch wertvollen Gebäuden.

Für den Gabriel-von-Max-Denkmalpreis prüft eine achtköpfige Jury die eingegangenen Vorschläge. Die Mitglieder bewerten die fachliche, ökologische und ästhetische Qualität der Erhaltungsmaßnahmen. Der Jury gehören beispielsweise der Geschäftsführer im bayerischen Landesverein für Heimatpflege, Martin Wolzmüller, die Tölzer Kreisheimatpflegerin Maria Mannes oder die Geretsrieder Architekturhistorikerin Kaija Voss an. Hinzu kommen die OSV-Vorstandsmitglieder.

Erstmals vergab der Verband im Jahr 2014 seinen Denkmalpreis. Damals konnten Katharina und Josef Strobl die Bronzeminiatur entgegennehmen. Beide haben den im Kern aus dem 17. Jahrhundert stammenden Gorithoma-Hof in Weipertshausen saniert. Seit mehr als 250 Jahren ist das Haus in Familienbesitz. Im Vorjahr folgte Josef Wagner. Der Schreinermeister in vierter Generation hat sein Elternhaus von 1871 in Ammerland vorbildhaft restauriert. Das Gebäude zählt zu den ältesten im heutigen Münsinger Ortsteil direkt am Ostufer des Starnberger Sees. Es prägt das traditionelle Bild des Dorfes.

Im Vorjahr überreichte die OSV-Vorsitzende Ursula Scriba schließlich Werner Döttinger den Denkmalpreis. Er hat 1988 das frühere Schloss der Familie Pocci in Ammerland gekauft. Damals stand es bereits etwa zwei Jahrzehnte leer und war heruntergekommen. In jahrelanger Arbeit renovierte Döttinger das große Haus mit den charakteristischen Zwiebeltürmen am Starnberger Seeufer.

Mit den Ehrungen will der OSV auf lokaler Ebene fördern, wofür Auszeichnungen wie der renommierte Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung etwa bayernweit bereits das Bewusstsein schärfen. Wie sehr die Bevölkerung sich für renovierte Baudenkmäler interessiert, zeigt für Scriba auch der Tag des Offenen Denkmals. Allein in Bayern hätten in diesem Jahr rund vier Millionen Menschen weit mehr als 8000 historische Bauten, archäologische Stätten und Parkanlagen besucht, erklärt die OSV-Vorsitzende.

Gabriel-von-Max-Denkmalpreis 2017, schriftliche Vorschläge bis Donnerstag, 15. Dezember, Geschäftsstelle, Ostuferschutzverband, Ursula Scriba, Lerchenweg 3, 82541 Münsing

Erhalt von Denkmälern: Preisträger gesucht

Münsing – Zum vierten Mal lobt der Ostufer-Schutzverband (OSV) den Gabriel-von-Max-Denkmalpreis aus. Der Verein bittet alle Interessierten und Mitglieder des OSV, sich an der Suche nach dem nächsten Preisträger zu beteiligen. Aus den eingegangen Vorschlägen wird eine Fachjury den Preisträger ermitteln. Sie bewertet die fachliche, ästhetische und ökologische Qualität, die Bedeutung des Gebäudes und die Kreativität der Besitzer.

Für die Eigentümer sei der Erhalt eines Baudenkmals oft eine Sisyphus-Arbeit und außerdem auch noch ein nervenzehrendes finanzielles Abenteuer mit ungewissem Ausgang, heißt es in einer Pressemitteilung des OSV. Umso mehr sei anzuerkennen, wenn sie ihr Geld in ein abbruchreifes Kleinbauernhaus oder einen historischen Zehentstadel stecken. So werde ein Stück Geschichte bewahrt, das sonst unwiederbringlich verloren wäre. Um diese Haltung Einzelner zu würdigen, wurden Auszeichnungen geschaffen wie der renommierte bayernweite Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung – oder auf lokaler Ebene der Gabriel-von-Max-Denkmalpreis.

Namensgeberin des Preises ist die Villa Max in Ammerland, in der einst der Künstler und Naturforscher Gabriel von Max (1840 bis 1915) lebte. Gerade das „traurige Schicksal“ dieses Landhauses zeige, dass der Privateigentümer entscheidend für Wohl und Wehe eines denkmalgeschützten Gebäudes ist. Seit Jahren sei es dem Verfall preisgegeben, obwohl das Landratsamt versichere, alles für den Erhalt des Hauses Nötige zu tun: „Macht der Privateigentümer nicht mit, beißen sich die Behörden und die Öffentlichkeit die Zähne aus“, heißt es in der Pressemitteilung.

Inzwischen hat der Ostufer-Schutzverband den Gabriel-von-Max-Denkmalpreis drei Mal verliehen. Die Erste Vorsitzende Ursula Scriba zeichnete zunächst Katharina und Josef Strobl für Sanierung und Erhalt des Gori-Hofes in Weipertshausen aus. Der Einfirst-Hof stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es folgte Josef Wagner in der Seestraße, dessen Anwesen von 1871 zu den ältesten in Ammerland gehört. Dritter im Bunde ist Werner Döttinger, Schlossherr von Ammerland. 1988 hat er das heruntergekommene Domizil des Grafen Pocci mit den markanten Zwiebeltürmen erworben und mit viel Geld wieder zum Strahlen gebracht. Alle Preisträger erhielten den kleinen Affen, der auf einer Säule hockt und die Villa Max im Schoß trägt. Affen waren die Lieblingstiere von Gabriel von Max, der sie in allen möglichen Posen porträtierte. Geschaffen hat die Bronze-Skulptur der Münsinger Bildhauer Ernst Grünwald.  red

Vorschläge einreichen

Vorschläge können bis Donnerstag, 15. Dezember, schriftlich und mit einer kurzen Begründung bei der Geschäftsstelle des OSV, c/o Ursula Scriba, Lerchenweg 3, 82541 Münsing, eingereicht werden.

 Isar Loisachbote vom 12. November 2016