Holzhauser Musiktage

DAS FESTIVAL

Erstklassige Musik
am bezaubernden Starnberger See

Seit nahezu 40 Jahren findet im Juli rund um den malerischen Ort Holzhausen ein Klassik-Festival der besonderen Art statt. Der Charme des Festivals ist das Außergewöhnliche, denn selten begegnen Künstler und Zuhörer sich in solch inspirierender Nähe an derart ungewöhnlichen Plätzen. Erleben Sie renommierte Musiker sowie junge Ensembles, welche dabei sind, die großen Konzertsäle der Welt zu erobern, in einer Umgebung, wo Sie sonst eher kein Konzert vermuten würden. Zu unseren Spielstätten gehören die Reithalle des Gut Ried in Ammerland, Loth Hof Tenne in Münsing, Schloss Seeburg in Allmanshausen und die Seeresidenz Alte Post in Seeshaupt.

Das Ostufer des Starnberger Sees war und ist noch stets für viele bekannte Künstlerinnen und Künstler aller Disziplinen Heimat und Inspirationsquelle zugleich. 1978 riefen der bekannte ungarische Geiger Dénes Zsigmondy und seine Frau, die Pianistin Anneliese Nissen, gemeinsam mit dem Pianisten Wilhelm Kempff die Holzhauser Musiktage ins Leben. Seitdem hatte dieses Festival jährlich viele große Interpretinnen und Interpreten der klassischen Musik zu Gast, unter ihnen Alfred Brendel, Isabelle Faust, Juliane Banse, das Cherubini Quartett, Nicolai Lugansky, Loriot, Ingolf Turban und Julian von Karolyi. Der in Ammerland ansässige Wilhelm Kempff gab 1980 in Holzhausen sein letztes Konzert und Loriot, ein enger Vertrauter des Festivals, zeichnete das Titelbild der Jubiläums CD der Holzhauser Musiktage. Auch in diesem Jahr erwartet Sie ein spannendes Programm und wir laden Sie herzlich ein, große Musik in besonderem Ambiente zu genießen.

TRIO ENTRE AMIS

Sonntag 8.7.2018 Ⅰ 19 Uhr
Seeburg
Nördliche Seestraße 130 | Allmannshausen

Anne Solveig Weber – Violine
Nuala McKenna – Violoncello
Johannes Umbreit – Klavier

Ludwig van Beethoven – Klaviertrio in B-Dur op.97 “Erzherzog Trio”
Felix Mendelssohn-Bartholdy – Klaviertrio in d-Moll op. 49

Bei ihrem letzten Auftritt im Rahmen der Holzhauser Musiktage begeisterte die junge Cellistin Nuala McKenna mit ihrem mitreißendem Spiel und ihrer starken Ausstrahlung das Publikum. Auch die Geigerin Anne Solveig Weber und der Pianist Johannes Umbreit sind dem Publikum vertraute Gesichter. Gemeinsam werden sie Perlen der Klavierkammermusik aufführen.

 

GRIGROYAN – KELLING –
TURBAN & FRIENDS

Donnerstag 12.7. Ⅰ 20 Uhr
Seeresidenz Alte Post
Alter Postplatz 1 | Seeshaupt

Lilit Grigoryan – Klavier
Susanne Kelling – Mezzosopran
Ingolf Turban – Violine
Anne Solveig Weber – Violine
Alice Marie Weber – Viola
Nuala McKenna – Violoncello

Wort und Ton. Lieder mit und ohne Worte

Werke von F. Mendelssohn, R. Schumann, J. Brahms, G. Mahler, A. Dvorak, P.d. Sarasate

Du Sehnen, das die Brust beweget,
Wann ruhest du, wann schlummerst du?
(Rückert/Brahms)

Tondichtungen verschiedenster Art bestimmen den Abend. Ob mit Text oder ohne: Die Kompositionen berühren die Seele und gehen unter die Haut. Sechs erstklassige Musiker lassen Sie in variierenden Formationen in die Welt der musikalischen Dichtung eintauchen.

ARMIDA QUARTETT

Mittwoch 18.7.2018 Ⅰ 20 Uhr
Loth Hof Tenne
Lothgasse 1 | Münsing

Aus meinem Leben

J. S. Bach – Auszüge aus der Kunst der Fuge
B. Smetana – Streichquartett Nr.1 in e-Moll “Aus meinem Leben”
W. A. Mozart – Adagio und Fuge in c-Moll KV 546
L. v. Beethoven – Streichquartett Nr. 8 in e-Moll op.59/2 “Razumovsky”

„Kein Zweifel: Das Armida Quartett gehört zu jenen jungen Nachwuchsensembles, die uns Musik (…) auf neue Art erleben lassen. (…) Um die Zukunft der Kammermusik müssen wir uns keine Sorgen mehr machen. Sie hat längst begonnen.“ (RONDO Magazin, 02.01.2016)

Es erwartet Sie ein Abend mit feinster Kammermusik, gespielt von vier herausragenden Musikern. Auszüge aus Bachs Kunst der Fuge stehen Smetanas berühmten Quartett „aus meinem Leben“ gegenüber. Angeregt zu seiner „Autobiographie in Tönen“ wurde der tschechische Komponist durch den fortschreitenden Verlust seines Gehörs. Die Taubheit wurde im Entstehungsjahr des Quartetts Gewissheit. Er schrieb darüber: „ … sie (gemeint die vier Musiker) sollen sich sozusagen im engsten Freundeskreis darüber unterhalten, was mich so bedeutungsvoll bewegt.“ Des weiteren stehen auf dem Programm Adagio und Fuge von W.A. Mozart und das berühmte zweite Razumovsky Streichquartett von Ludwig v. Beethoven.

Lassen Sie sich mitreißen von vier jungen Vollblutmusikern!

DUO GERASSIMEZ

Samstag 21.7.2018 Ⅰ 19 Uhr
Gut Ried
Riedweg | Ammerland

Alexej Gerassimez – Percussion
Wassily Gerassimez – Violoncello

Zwei Brüder – Zwei Vollblutmusiker

Von Bach bis Jazz.
Werke von u.a. J.S. Bach, A. Piazzolla, H. Villa-Lobos, A. Gerassimez und W. Gerassimez

Wenn die beiden Brüder auf Cello und Schlagzeug loslegen, bebt der Saal und keiner kann sich ihrer unglaublichen Energie entziehen. Wassily Gerassimez begeisterte bereits 2017 das Publikum der Holzhauser Musiktage mit seiner Interpretation des Cellokonzert von Friedrich Gulda. Am 21. Juli 2018 kehrt er in die Reithalle des Gut Ried zurück – an der Seite seines Bruders Alexej, einem der herausragendsten Schlagzeuger unserer Zeit. Erleben Sie einen aufregenden Abend mit Musik von Klassik bis Jazz!

Gabriel von Max und seine „Faust“-Bilder

Montag, 30. April 2018, Isar-Loisachbote
von VOLKER UFERTINGER

Münsing/München – München huldigt dem „Faust“. Noch bis Juli läuft ein Festival, wie es die Stadt noch nicht gesehen hat. Im Mittelpunkt: Goethes großes Drama, das wohl wichtigste oder zumindest bekannteste Werk der deutschen Literatur. In einer unüberschaubaren Anzahl an Veranstaltungen wird der Gelehrte, der sich dem Teufel verschreibt, als Prototyp des modernen Menschen dargestellt, unruhig, getrieben, rastlos. Die Ausstellung „Du bist Faust!“ in der Kunsthalle München an der Theatinerstraße zeigt, wie der „Faust“ Eingang in die bildende Kunst gefunden hat. Drei der ausgestellten Bilder stammen von Gabriel von Max: „Mephisto in Fausts Kleidern“ (1869), „Gretchen in der Walpurgisnacht“ (um 1875) und „Die Kindsmörderin“ (1877). Sie wurden aus ganz Deutschland zusammengetragen.

Gabriel von Max ist das, was man eine schillernde Figur nennt. Er malte Bilder, die die Zeitgenossen elektrisierten, etwa die „Märtyerin am Kreuz“ von 1867, das wohl bekannteste Beispiel seiner berühmten „Seelenmalerei“. Er war ein früher Anhänger Darwins und von dessen umkämpfter Evolutionstheorie und hatte Riesenerfolge mit Affenbildern. Das Geld, das er damit erwirtschaftete, steckte er in eine 60 000 Objekte umfassende Sammlung, vor allem bestehend aus prähistorischen Tier-Schädeln. Und: Ab etwa 1900 wohnte er am Starnberger See, in jener 1871 errichteten Villa, die seit vielen Jahren dem Verfall preisgegeben ist.

Zeit seines Lebens war Gabriel von Max bekennender Verehrer des Weimarer Dichters. „Ich bewundere Göthes okkultistisches Wissen, seine Geschicklichkeit im Schreiben und im Innern anders zu denken, seine Keckheit und Missachtung der Leute. Poetisch zu sein traf er auch“, schreibt er einmal. Eine besondere Stellung nahm für den gebürtigen Prager – wie für fast alle Zeitgenossen – der „Faust“ ein, vor allem der 1808 erschienene erste Teil der Tragödie. Ende der 1860er Jahre erhielt Gabriel von Max den Auftrag, eine Prachtausgabe zu illustrieren, wie sie für die damalige Zeit typisch war. Doch die – insgesamt 60 – Zeichnungen, die er anfertigte, waren dem Berliner Verleger Grote nicht prächtig genug. Zu wenig Pomp, zu wenig vaterländisch, zu wenige historische Details: Das waren die Einwände gegen die Illustrationen des eigenwilligen Künstlers. Das Projekt zerschlug sich.

Immerhin gingen aus diesen Arbeiten teilweise jene Bilder hervor, die heute in München zu sehen, besser: zu bewundern sind. Da wäre einmal das Bild „Mephisto in Fausts Mantel“ von 1869. Es zeigt, wie Teufel und Faust zu einer Figur verschmelzen. „Die linke Hand liegt, vom Umhang befreit, ruhig auf dem Schoß, während die rechte sich, zur Kralle geformt, unter dem Mantel hervorschiebt und dabei ein Stück des roten Ärmels sichtbar werden lässt“, heißt es im Ausstellungskatalog. Faust hat längst eine doppelte Identität. Die Tragödie kann ihren Lauf nehmen.

Ebenso sehr wie der Faust beschäftigte den Maler dessen blutjunge Geliebte, das berühmte Gretchen. Bekanntlich bringt sie, von Faust verlassen, das gemeinsame Kind um und wird dafür zum Tode verurteilt wird – ein Schicksal, das damals häufig vorkam und das die Generation Goethes entsetzte. Das Bild „Gretchen in der Walpurgisnacht“ (um 1875) zeigt die Vision, die Faust während eines Hexensabbats in der Nacht auf den 1. Mai von seiner Ex-Geliebten hat. Geisterhaft starr schaut sie aus, eine kleine Flamme auf dem Kopf, die Raben neben ihr verstärken die düstere Stimmung.

Allgemeiner gehalten ist der Titel des Bildes „Die Kindsmörderin“ (1875). Es zeigt eine Frau in einer extrem seelischen Notlage, die verzweifelt und voller Liebe das von ihr soeben getötete Kind küsst. Genau dies ist der Fall von Gretchen – und der Kern der „Gretchentragödie“.

Vergleicht man von Max’ Illustrationen mit denen vieler Zeitgenossen, fällt auf, wie wenig er mit nationalistischem Pomp anfangen konnte. Nach der vorherrschenden Lesart war der „Faust“ ein Beweis dafür, dass die Deutschen anderen Nationen ebenbürtig, wenn nicht überlegen sind. Da machte Gabriel von Max nicht mit. Auch in dieser Hinsicht war der Wahl-Ammerlander ein eigenwilliger Mann.

Infos:

Die Ausstellung in der Kunsthalle dauert noch bis 29. Juli. Ein Aufsatz über Gabriel von Max und seine Faustillustrationen bietet der Ausstellungskatalog des Lenbachhauses „Gabriel von Max: Malerstar, Darwinist, Spiritist“ (2010). Infos zum Faustfestival im Internet unter www.faust.muenchen.de