Piloty-Villa wird zum Justizfall

Der Gemeinderat unterstützt die Klage der Kommune gegen das Landratsamt um die Neubaupläne in Ambach
Von Benjamin Engel, Wolfratshauser SZ, 23.04.2020

Münsing – Vor Gericht rechnet sich die Kommune gute Chancen aus, die Neubaupläne für die sogenannte Piloty-Villa an der Ambacher Seeleitn zu verhindern. Der Gemeinderat hat das Vorhaben zweimal abgelehnt. Doch das Tölzer Landratsamt erteilte die Baugenehmigung im vergangenen Februar. Dagegen reichte die Kommune Münsing Klage ein. In der jüngsten Sitzung befürwortete der Gemeinderat dieses Vorgehen auf dem Justizweg.

Die jetzigen Bauherren wollen das bestehende Haus abreißen. An dessen Stelle sollen ein neues Einfamilienhaus, ein Glasverbindungsbau plus Atelierhaus und Tiefgarage entstehen. Die Gemeinde und der Ostuferschutzverband (OSV) sehen damit jedoch das Orts- und Landschaftsbild am Starnberger Seeufer gefährdet. Die Münsinger Bauverwaltung lehnt das Vorhaben ab. Sie begründet das damit, dass die überbauten Flächen deutlich größer sind als bei den Häusern in der Umgebung, was sie sich im Januar 2019 juristisch bestätigen hat lassen. Im März klagte sie fristgerecht gegen die Genehmigung des Tölzer Landratsamts.

Für die Kommune hat Rechtsanwalt Michael Brey von der Münchner Kanzlei Seufert inzwischen die Chancen überprüft. Er kommt zum Ergebnis, dass eine Klage erfolgversprechend ist und das Kostenrisiko bei einem Prozess überschaubar ist.

Die Piloty-Villa war Anfang der 1980er-Jahre erstmals in den Fokus gerückt. Die damaligen Eigentümer rissen vor knapp vier Jahrzehnten das denkmalgeschützte frühere Landhaus des Malers Carl Theodor von Piloty weitgehend ab. Sie errichteten einen Neubau. Die Tölzer Kreisbehörde erließ deshalb Bußgeldbescheide in einer Gesamthöhe von umgerechnet knapp 385 000 Euro. König Ludwig II. hatte dem Historienmaler Piloty das Grundstück in Ambach im Jahr 1877 geschenkt.

Vehement kritisiert der OSV den jetzigen Neubauplan. „Er führt zu einer Verdichtung der Uferbebauung und beeinträchtigt den Blick auf den See, weil er sich wie ein Riegel vor den See legt“, heißt es in einer Stellungnahme. Das jetzige Projekt sei ein weiterer Schlag gegen die Erhaltung der Kulturlandschaft Starnberger See. Der Neubau widerspreche den Zielsetzungen des von der Kommune erlassenen Rahmenplans für das Seeufer und sei abzulehnen. Ob sich etwas einfüge, sei keine rein juristische Frage, argumentiert der OSV. „Auch Gerichte entscheiden diese Frage nach der natürlichen Anschauung und nach gesundem Menschenverstand.“

Gegen das Projekt positionierte sich auch Umweltreferentin Christine Mair (bislang Wählergruppe Münsing, jetzt Grüne). Vom Eindruck einer Wand in Sichtachse zum Starnberger See hatte sie bereits Anfang 2019 gesprochen. Auf dem Grundstück sah sie den alten Baumbestand gefährdet. Insbesondere eine Tiegarage mit acht Stellplätzen passe nicht an diesen Platz, hatte sie damals argumentiert.

Die Kommune hatte Anfang März vorsorglich Klage eingereicht, ohne den Gemeinderat vorher darüber abstimmen zu lassen. Darum hatten die Umweltreferentin Mair und Ursula Scriba (Bürgerliste) an die Verwaltung geschrieben. Sie baten darum, dem Gremium die Sache vorzulegen, um darüber beraten und einen Beschluss zu fassen.

Stellungnahmen zur Pilotyvilla

„Ein Schlag gegen die Erhaltung der Kulturlandschaft“

Der Ostuferschutzverband moniert ein Bauvorhaben auf dem Areal der ehemaligen Piloty-Villa in Ambach. Die Gemeinde Münsing zieht gegen das Landratsamt vor Gericht, weil es das gemeindliche Einvernehmen ersetzt hatte. Der Bürgermeister stellt den Erfolg der Klage jedoch infrage.

Von Benjamin Engel, Wolfratshauser SZ, 13. März 2020

Das Schicksal der sogenannten Piloty-Villa hat bereits in den 1980er-Jahren überregional das Interesse der Öffentlichkeit geweckt. Die damaligen Eigentümer rissen das frühere Landhaus des Malers Carl Theodor von Piloty, das auf einer Landzunge am Starnberger See bei Ambach lag, zu einem Großteil ab. An dessen Stelle entstand ein Neubau. Dieser soll nun ebenfalls verschwinden, weshalb er erneut in den Fokus rückt. Zweimal hat der Münsinger Gemeinderat aktuelle Pläne für ein künftiges Ensemble mit Einfamilienhaus, einem Glasverbindungsbau plus Atelierhaus und Tiefgarage an der Stelle abgelehnt. Doch das Tölzer Landratsamt ersetzte Anfang Februar das „fehlende gemeindliche Einvernehmen“ und erlaubte das Bauvorhaben an der Seeleitn. Dagegen klagt die Gemeinde vor Gericht. „Wir prüfen das in aller Sachlichkeit durch Anwalt und Gericht“, teilt Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wählergemeinschaft) mit.

Damit hat die Kommune fristgerecht juristische Schritte in die Wege geleitet, wie es der Ostuferschutzverband (OSV) am Samstag ebenfalls gefordert hat. „Die Gemeinde hat ihr Einvernehmen mit dieser Planung aus zutreffenden Gründen verweigert“, heißt es in einer Pressemitteilung, die der stellvertretende Vorsitzende Johannes Umbreit verfasst hat. Darüber habe sich das Landratsamt jedoch aus „fragwürdigen“ Gründen hinweggesetzt. Das aktuelle Vorhaben sei ein „weiterer Schlag gegen die Erhaltung der Kulturlandschaft Starnberger See“. Der Bestand werde mit dem neuen Vorhaben endgültig vernichtet und durch eine überbordende Neubebauung ersetzt. Auch Bäume würden zum Opfer fallen.

Um das Projekt bauplanungsrechtlich zu prüfen, hatte die Kommune einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Er hatte das Vorhaben in einer Stellungnahme Ende Januar 2019 als unzulässig eingeschätzt. Aus seiner Sicht fügte es sich nicht in die Umgebungsbebauung ein. Das Münsinger Bauamt begründete seine ablehnende Haltung damit, dass die überbauten Flächen deutlich größer als bei anderen Häusern im Umkreis seien.

Warum die Verwaltung den Gemeinderat nicht ausdrücklich gefragt hat, ob Klage erhoben werden soll, ist für den Ostuferschutzverband unverständlich. Es sei keine rein juristische Frage, ob sich etwas einfüge, heißt es in der Pressemitteilung der Gruppierung. „Auch Gerichte entscheiden diese Frage nach der natürlichen Anschauung und nach dem gesunden Menschenverstand.“

Für die Gemeinde Münsing soll nun ein Rechtsanwalt die Erfolgsaussichten der Klage nochmals überprüfen. Anschließend solle der Gemeinderat darüber abstimmen, ob das Verfahren fortzusetzen sei, teilt Bürgermeister Grasl mit. Dass der Ostuferschutzverband von einem „Schlag gegen die Erhaltung der Kulturlandschaft Starnberger See“ spricht, ist aus Sicht des Münsinger Rathauschefs allerdings stark überzogen, wie er erklärt. Denn das betreffende Grundstück sei schon bebaut. Die Grundfläche sei im Vergleich zu den Nachbargebäuden überschritten. Das sei aus Sicht des Landratsamts vertretbar. „Ob das reicht, ein Klageverfahren erfolgreich zu bestehen, ist zumindest fraglich“, berichtet Michael Grasl auf die entsprechende Nachfrage. Der jetzige Baubestand sei bereits ausgeprägt. Baurecht dürfe nicht entzogen werden.

Isar-Loisachbote, 9. März 2020

Ostuferschutzverband drängt zur Klage


Abbruch der Piloty-Villa in Ambach soll verhindert werden – Appell an Gemeinde

Münsing – Der Ostuferschutzverband (OSV) appelliert an die Gemeinde Münsing, den Abbruch der Piloty-Villa an der Seeleitn in Ambach und einen Neubau an ihrer Stelle per Klage zu verhindern. „Mit Entsetzen haben wir der Zeitung entnommen, dass die Gemeinde sich damit abfinden will, dass das Landratsamt den Abbruch der Piloty-Villa und einen überdimensionierten Neubau genehmigen will“, schreibt OSV-Vorstandsmitglied Johannes Umbreit in einer Pressemitteilung. Die Entscheidung wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekanntgegeben.

Die Gemeinde habe ihr Einvernehmen mit dieser Planung aus zutreffenden Gründen verweigert, so Umbreit. Darüber habe sich das Landratsamt hinweggesetzt und das Einvernehmen „mit fragwürdigen Gründen“ ersetzt. Doch die Gemeinde könne sich gegen den Eingriff in ihre Planungshoheit vor dem Verwaltungsgericht wehren. Der Neubau füge sich nicht in die Umgebungsbebauung ein. Er führe zu einer Verdichtung der Uferbebauung und beeinträchtige den Blick auf den See, weil er sich wie ein Riegel vor den See lege. „Der Neubau widerspricht der Zielsetzung des Rahmenplans und ist unter dem Gesichtspunkt des Ostuferschutzes abzulehnen“, schreibt die Vorstandschaft mit Professor Umbreit, Dr. Gustav Neumeister, Manfred Stecher, Petra Schulze und Anatol Regnier. Die Vorsitzende und Gemeinderätin Ursula Scriba hat nicht unterzeichnet.

Bereits ein früherer Eigentümer hat sich über den Denkmalschutz für die alte Piloty-Villa und über den Landschaftsschutz hinweggesetzt, indem er eigenmächtig Teile der Villa abgerissen hat. Dass nun der Bestand endgültig vernichtet und durch eine Neubebauung ersetzt werden soll, empfindet der OSV als „weiteren Schlag gegen die Erhaltung der Kulturlandschaft Starnberger See“. Er fordert Bürgermeister Michael Grasl und den Gemeinderat auf, wegen des Landratsamts-Beschlusses vor Gericht zu ziehen. Die Klagefrist endet laut Umbreit allerdings an diesem Montag. Der OSV-Vize: „Wir finden es unverständlich, dass die Gemeinde kampflos ihre Überzeugung aufgibt, dass das Neubauvorhaben sich nicht in die Umgebung einfügt.“  
Tanja Lühr

Sehr geehrte Mitglieder,

es ist noch eine Woche bis zur Wahl und der Bürgermeister hat alle Sitzungen vor der Wahl abgesagt, da die Gemeinderäte im Wahlkampf unterwegs sind.

Unsere Ziele behalten wir fest im Auge, weshalb ich Sie über eine Initiative von uns drei Gemeinderäten und Mitgliedern des OSV-Vorstands und Beirats informieren will.

Seit ca. einem Jahr berichtete ich Ihnen mehrfach über das Ziel des Eigentümers der Seeleitn 60 in Ambach, frühere Pilotyvilla, das Gebäude durch ein Doppelhaus zu ersetzen. Die Pilotyvilla ist für die alteingesessenen Ambacher ein besonderes Thema, denn die ehemals denkmalgeschützte Villa wurde von dem Vorbesitzer in einer Nacht und Nebelaktion fast vollständig abgerissen, ebenso alle im Weg stehenden Bäume. Nach Auskunft des Landesamtes für Denkmalpflege blieb nach dieser Aktion lediglich eine Wand des Baudenkmals erhalten.  1998 wurde die Villa deshalb aus der Denkmalliste entfernt.

Die beantragte Bebauung sieht den Abriss des alten Gebäudes und einen Neubau bestehend aus einem Wohn- und einem umfänglichen Atelierhaus, verbunden durch ein Glashaus als Verbindungselement vor.

Der Bebauung wurde von der Gemeinde das Einvernehmen vorenthalten.

Jetzt erhielten wir die Nachricht, dass das Landratsamt Bad-Tölz-Wolfratshausen das Einvernehmen der Gemeinde ersetzen will.

Wie Sie in den gemeindlichen Protokollen lesen können, kämpfen die Gemeinderäte gegen die Baugenehmigung. Aus diesem Grund stehen Christine Mair, Heinz Schreiner und ich seit ca. eineinhalb Wochen in Kontakt, um die vom Rechtsanwalt der Gemeinde empfohlene Klage gegen das Landratsamt voranzubringen. Unseren Brief haben wir am Freitag, 06.03.2020 am späten Vormittag an die Gemeinde gesandt und sofort vom Bürgermeister eine Antwort erhalten. Er wird sich am Montagmorgen 09.03.2020 mit dem beauftragten Rechtsanwalt in Verbindung setzen, um fristwahrende Schritte zu unternehmen. Dem Gemeinderat wird nach heutiger Ankündigung am 24.03.2020 die Angelegenheit vorgelegt, dabei werden sowohl die Verfahrenskosten als auch die Erfolgsaussichten den Gemeinderäten zur Beratung vorgelegt werden. Ich unterrichte Sie rechtzeitig vor dem Termin. Unseren Brief sehen Sie unten stehend.

Die darin geäußerten Kosten wird der Anwalt der Gemeinde berechnen und unsere genannten Angaben sind lediglich eine sehr grobe Schätzung.

Über die Aussichten einer positiven Abstimmung kann ich Ihnen lediglich sagen, dass viele Gemeinderäte sehr verärgert sind über die im letzten Jahr gehäuft aufgetretenen Fälle, in denen das versagte Einvernehmen der Gemeinde durch das Landratsamt ersetzt wurde. Nach unserem gegenwärtigen Kenntnisstand hoffen wir deshalb auf entschlossenes Handeln der Kollegen aus dem Gemeinderat.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, lieber Michi,

der Antwort von Herrn Lanzinger vom 28.2. auf eine Anfrage von Christine Mair vom 26.2. haben wir entnommen, dass die Gemeinde Münsing sich damit abfinden will, dass das Landratsamt einen überdimensionierten Neubaukomplex auf dem Grundstück der ehemaligen Piloty-Villa in Ambach genehmigt.

Die Gemeinde hatte ihr Einvernehmen mit dieser Planung aus zutreffenden Gründen verweigert. Darüber hat sich das Landratsamt hinweggesetzt und das Einvernehmen mit fragwürdigen Gründen ersetzt. Die Gemeinde kann sich gegen den Eingriff in ihre Planungshoheit vor dem Verwaltungsgericht wehren.

Der Neubau fügt sich von außen wahrnehmbar nicht in die Umgebungsbebauung ein. Der bestehende Einzelbaukörper wird nach Planung durch ein verbundenes Doppelhaus im Sinn einer Kettenbebauung ersetzt. Dies führt zu einer Verdichtung der Uferbebauung und beeinträchtigt den Blick auf den See, weil die Bebauung wie ein Riegel vor dem See liegt.  Ausmaß und Architektur des Neubaus sprengen das historische Ortsbild an einer vom See aus besonders sichtbaren Stelle.

Da der Neubau nach Stellungnahme des gemeindlichen RA sich nach Art und Maß, der Bauweise und der überbauten Grundstücksfläche nicht in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt, ist er nach §34 Abs. (1) BauGB nicht zulässig. Der Neubau widerspricht zudem, auch nach Ansicht des von der Gemeinde beauftragten Rechtsanwalts (RA Brey), der Zielsetzung des Rahmenplans und ist daher abzulehnen. Die Wirkung des Baurechts auf die sensible Umgebung, insbesondere z.B. auf das nördliche Grundstück, erfordert die strenge Einhaltung der Vorgaben des Rahmenplanes, der klar die Planungsabsichten der Gemeinde formuliert hat.

Bereits ein früherer Eigentümer hat sich über den Denkmalschutz für die alte Piloty-Villa und über den Landschaftsschutz hinweggesetzt, indem er rechtswidrig Teile der Piloty-Villa abgerissen und Bäume gefällt hat. Dass nun weitere Bäume einer überbordenden Neubebauung zum Opfer fallen sollen, ist ein weiterer Schlag gegen die Erhaltung der Kulturlandschaft am Starnberger See.

Wenn die Gemeinde sich vor Gericht gegen die Ersetzung des Einvernehmens wehrt, ist dies auch nicht mit unverhältnismäßigen Kosten verbunden. Bei einem Regelstreitwert von 7.500 Euro ergeben sich Gerichtsgebühren in Höhe von 609 Euro. Die Kosten bewegen sich somit im Rahmen der Ausgaben, die dem Bürgermeister ohne vorherige Zustimmung des Gemeinderats gestattet sind.

In der Gemeinderatssitzung vom 18.2. wurde den Gemeinderäten lediglich mitgeteilt, dass das Landratsamt das gemeindliche Einvernehmen ersetzt hat. Die Möglichkeit einer Klage gegen diese Ersetzung wurde nicht auf die Tagesordnung gesetzt und beraten. Wir bitten die Gemeindeverwaltung, dies bei der nächsten Sitzung des Gemeinderates nachzuholen.

Nach unserem Kenntnisstand könnte die Klagefrist bis zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits abgelaufen sein. Wir bitten die Gemeinde deshalb, zur Fristwahrung unverzüglich Einspruch gegen den Bescheid des LRA für eine mögliche Klage vor dem Verwaltungsgericht München gegen die Ersetzung des gemeindlichen Einvernehmens durch das Landratsamt Bad-Tölz Wolfratshausen zu erheben.

Mit herzlichen Grüßen

Ursula Scriba ,
Gemeinderätin, Vorsitzende des Ostuferschutzverbandes,
Vorsitzende Bürgerliste
Christine Mair,
Gemeinderätin, Umweltreferentin , Bündnis 90
DIE GRÜNEN                                                    

Herr Gemeindesrat Schreiner ist in unsere Aktion eingebunden.

Liebe Mitglieder des Ostuferschutzverbandes,

in Ergänzung zu den bisherigen Informationen aus dem Gemeinderat möchten wir Sie wissen lassen, daß die Gemeinde Münsing schon zweimal die Zustimmung („das Einvernehmen“) zum Abbruch der Piloty Villa am Ambacher Seeufer und zu einem überdimensionierten Neubau verweigert hat. Das Landratsamt hat nun am 7. Februar die Zustimmung der Gemeinde „ersetzt“ d.h. : Weg frei für Abbruch und Neubau!
Leider hat der Gemeinderat in der letzten Sitzung am 18. Februar nicht darüber beraten, ob die Gemeinde gegen das Landratsamt klagen will, obwohl die Klagefrist am 9. März abläuft.
Zufällig haben wir von dieser Lage der Dinge erfahren und versuchen mit unten stehendem Schreiben an den Bürgermeister in letzter Minute, die Gemeinde zur Klageerhebung zu bewegen. Ohne Rücksprache mit uns hat die erste Vorsitzende dieses Schreiben verändert und gemeinsam mit einem anderen Gemeinderatsmitglied an die Gemeinde geschickt. Besser wäre es gewesen die Frage der Klage gegen das Landratsamt in der Gemeinderatssitzung am 18. Februar gleich zur Sprache zu bringen und zeitnah zu reagieren.
Hoffen wir, daß es uns gelingt, gemeinsam das Schlimmste zu verhüten.

Prof. Johannes Umbreit, Manfred Stecher, Dr. Gustav Neumeister, 
Petra Schulze

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte,

mit gewissem Entsetzen haben wir der Zeitung entnommen, dass die Gemeinde sich damit abfinden will, dass das Landratsamt den Abbruch der Piloty-Villa und einen überdimensionierten Neubau genehmigen will. Die Gemeinde hatte ihr Einvernehmen mit dieser Planung aus zutreffenden Gründen verweigert. Darüber hat sich das Landratsamt hinweggesetzt und das Einvernehmen mit fragwürdigen Gründen ersetzt. 

Die Gemeinde kann sich gegen den Eingriff in ihre Planungshoheit vor dem Verwaltungsgericht wehren. Der Neubau fügt sich nicht in die Umgebungsbebauung ein. Er führt zu einer Verdichtung der Uferbebauung und beeinträchtigt den Blick auf den See, weil er sich wie ein Riegel vor den See legt. Der Neubau widerspricht der Zielsetzung des Rahmenplans und ist unter dem Gesichtspunkt des Ostuferschutzes abzulehnen. Bereits ein früherer Eigentümer hat sich über den Denkmalschutz für die alte Piloty-Villa und über den Landschaftsschutz hinweggesetzt, indem er eigenmächtig Teile der Piloty-Villa abgerissen und Bäume hat fällen lassen. Dass nun der Bestand endgültig vernichtet und durch eine überbordende Neubebauung ersetzt werden soll und die Bäume ihr wahrscheinlich zum Opfer fallen, empfinden wir als weiteren Schlag gegen die Erhaltung der Kulturlandschaft Starnberger See. Wenn die Gemeinde sich vor Gericht gegen die Ersetzung des Einvernehmens wehrt, ist dies auch nicht mit besonderen Kosten verbunden. 

Bei einem Regelstreitwert von Euro 15.000 ergeben sich Gerichtsgebühren in Höhe von Euro 879. Die Gemeinde kann sich auch – wie das Landratsamt – ohne weitere Kosten selbst vor Gericht vertreten. Sowohl Sie, Herr Bürgermeister, wie auch der Bauamtsleiter sind baurechtlich so erfahren, dass Sie die Gemeinde ohne Weiteres vor Gericht kompetent vertreten können. Und selbst wenn die Mithilfe eines Fachanwalts benötigt wird, sollten zehn oder zwanzig Anwaltsstunden zum üblichen Stundensatz zu verkraften sein. Wir verstehen auch nicht, weshalb die Frage, ob Klage gegen die Ersetzung des Einvernehmens erhoben wird, den Gemeinderäten nicht ausdrücklich zur Entscheidung vorgelegt wurde. Soweit wir aus der Gemeinderatssitzung wissen, wurde lediglich mitgeteilt, dass das Landratsamt das Einvernehmen ersetzt hat. Die Möglichkeit einer Klage wurde nicht auf die Tagesordnung gesetzt und deshalb auch nicht öffentlich beraten. Unverständlich finden wir, dass die Gemeinde kampflos ihre Überzeugung aufgibt, dass das Neubauvorhaben sich nicht in die Umgebung einfügt. Wir bitten die Gemeinde deshalb, zur Fristwahrung zunächst Klage gegen die Ersetzung des Einvernehmens durch das Landratsamt zu erheben und dann in der nächsten Gemeinderatssitzung zu beschließen, ob die Gemeinde bei ihrer ursprünglichen Auffassung bleibt, dass das Bauvorhaben sich nicht einfügt. Ob sich etwas einfügt, ist keine rein juristische Frage. Auch Gerichte entscheiden diese Frage nach der natürlichen Anschauung und nach gesundem Menschenverstand. 

Prof. Umbreit, Dr. Neumeister, Manfred Stecher, Petra Schulze, Anatol Regnier 

Das Erbe der Wittelsbacher Fürstbischöfe

Besichtigung der Ammerlander Schlosskapelle lockt viele Besucher – Bald wird sie öffentlich zugänglich sein

Münsing – Der Schlosskapelle Heilige Drei Könige an der Nördlichen Seestraße in Ammerland statteten kürzlich etwa 40 Interessierte einen Besuch ab. Eingeladen hatte Gemeinderätin Ursula Scriba, die die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten als Architektin leitet. Sie stellte die neue, nach der Idee des Erzbischöflichen Ordinariats entwickelte Treppe für die Sakristei gemeinsam mit Schreinermeister Josef Wagner vor. Drei Benefizkonzerte im Haus Scriba waren speziell diesem Thema gewidmet und spielten einen Großteil der Kosten ein. Die Kirchenstiftung Münsing will nach Abschluss der Arbeiten die Schlosskapelle der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Scriba, zugleich Vorsitzende des Ostuferschutzverbands, erzählte die Geschichte der Kapelle. Es handelt sich um einen Rechteckbau mit glockenförmiger Haube, der vermutlich zusammen mit dem Schloss 1683 bis 1685 errichtet worden war. „Sanierungs- und Baumaßnahmen des Ammerlander Schlossareals haben dazu geführt, dass die alte Eingangstür innerhalb des Privatgrundstücks lag und nicht mehr von Besuchern erreichbar war“, erläuterte sie. Das Erzbischöfliche Ordinariat löste diesen Konflikt durch die Entscheidung, einen neuen Zugang an die Nördliche Seestraße zu verlegen. Über die Ostwand der Sakristei wurde der Eingang direkt an der Straße eingefügt.

Was die Architektur des Baudenkmals angeht, erklärte Scriba: „Das starke Gefälle des Seeuferhanges führt zu einer Höhendifferenz zwischen Seestraße und Kapellenboden.“ Die dadurch nötige Treppe sei zwischen Sakristei und Kirchenwand eingefügt worden. Schreinermeister Wagner habe das Sicherheitsgefühl der Besucher durch ein umschlossenes Podest erhöht, von dem man wie von einer Aussichtsplattform Sakristei, Schlossgarten und Kirchenschiff sehen kann. Von dort aus gelangt der Kirchgänger in den Hauptraum: Durch die bunt verglasten Fenster fällt farbiges Licht ein, goldene Sterne glänzen an der Decke. Die Wände in hellem Ocker unterstreichen die Wirkung des sakralen Raums. Besondere Beachtung verdient das Ostfenster: Glaskünstler Bernd Nestler griff hier ein Dreikönigsmotiv des Regensburger Doms auf.

Pfarrer Martin Kirchbichler hat für die Verkleidung der Treppenanlage ein nachhaltiges Holz ausgewählt: eine Weißtanne. Das Exemplar aus dem Schwarzwald zeichnet sich durch einen edlen, samtigen Schimmer aus. Die heimische Eiche blieb den stark beanspruchten Tragkonstruktionen vorbehalten. Zuletzt beantwortete Scriba noch viele Fragen zu den Wittelsbacher Fürstbischöfen, die diese Kapelle in Auftrag gegeben haben.  vu
Isar-Loisachbote vom 28.02.2020

Schützenhilfe vom Schutzverband

BÜRGERVERSAMMLUNG – Ambach ist beherrschendes Thema – Telekom-Antrag zurückgestellt

VON TANJA LÜHR, Isar Loisachbote 19. September 2019

Münsing – Mobilfunk, Verkehr, Kunstrasen und die Zukunft Ambachs: Um diese Themen ging es in der Bürgerversammlung am Dienstagabend im Gemeindesaal. Rund 120 Besucher waren gekommen, deutlich mehr als in den Vorjahren. Zwei Beamte der Wolfratshauser Polizei und Landrat Josef Niedermaier waren als Gäste da.

Ambach

Vorweg hatte Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) erklärt, er könne und werde einen schriftlich eingegangen Fragenkatalog mit über 20 Punkten zum geplanten Seniorenwohnstift in Ambach nicht in der ordentlichen Bürgerversammlung behandeln. Er versprach den Antragstellern, in den kommenden Tagen schriftlich zu antworten. Auf Grundstücks- und Vertragsdetails, zu denen teilweise Auskunft verlangt wurde, werde er aus Gründen der Geheimhaltungspflicht nicht eingehen.

Dennoch ging es in der Diskussion fast eine Stunde lang um Ambach. Die Eigentümer der Hanggrundstücke östlich des Simetsbergwegs fordern wie berichtet, dass diese in den künftigen Bebauungsplan für das Seniorenwohnstift des Kuratoriums Wohnen im Alter (KWA) einbezogen werden. Doris Maier sagte, es würden im Außenbereich eine große Wohnanlage sowie zwei Villen für die Familie Wiedemann entstehen, während für den Bedarf anderer einheimischer Familien jede Möglichkeit ausgeschlossen sei. „Wir warten seit 30 Jahren auf Baulandausweisung“, klagte sie. Josef Bierbichler ergänzte: „Die Bauern haben nie spekuliert. Aber ihre Erben wären in der jetzigen Situation gezwungen, den Grund zu verkaufen.“ Lieber sollte doch für Einheimische Baurecht geschaffen werden. „Sie wischen das einfach weg“, warf er dem Bürgermeister vor.

Überraschend sprang Dr. Gustav Neumeister, Vorstandsmitglied des Ostuferschutzverbands (OSV), den Eigentümern zur Seite. Der OSV hatte zuvor immer davor gewarnt, dass mit dem Bau der Seniorenanlage rund um das ehemalige Wiedemann-Sanatorium ein großes Wohngebiet entstehen könnte. Nun will auch Neumeister „einen umfassenden Bebauungsplan, der die Interessen aller berücksichtigt“. Der Gemeinderat könne dem Gebiet „ein Gesicht geben“, mit genügend Grün zwischen den Häusern, meinte er.

Bürgermeister Grasl betonte, es sei nicht so, dass die Anliegen der Ambacher von der Gemeinde nicht registriert würden. Ob die Wiesen am Hang in Bauland umgewandelt werden könnten, entscheide der Gemeinderat. Dazu müsse er den Flächennutzungsplan ändern. Ausschließen will Grasl das nicht.

Kunstrasen

Das letzte Wort in der Debatte um einen Kunstrasenplatz für den Sportverein Münsing (SVM) ist noch nicht gesprochen. Doch es gibt offenbar viele Gegner des Vorhabens, wie am Applaus abzulesen war, den Nikolaus Mair, Grünen-Kreisrat und Mitglied des Grünen-Ortsverbands, für seine kritischen Äußerungen erhielt. Mair sagte, es sei unverständlich, dass die Gemeinde das Thema Mikroplastik in der heutigen Zeit so fahrlässig angehe. Ein Echtrasenplatz sei zwar auch kein Biotop, aber dort werde immerhin Sauerstoff für 120 Personen erzeugt.

Wowo Habdank vom SVM erklärte, man plane, Granulat aus Kork zu verbauen und kein Plastik. Platzwart Josef Leis sagte, die Rasenfläche sei für die vielen Mannschaften, die darauf spielten, einfach nicht ausgelegt. Eine Sanierung würde „nichts bringen“ und eine einjährige Platzsperre bedeuten. Kunstrasen sei die einzige Alternative.

Mobilfunk

In Sachen Mobilfunk machte Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) den Kritikern keine allzu große Hoffnung. Habdank hatte die neue 5G-Technik zuvor als „groß angelegten Menschenversuch“ bezeichnet. Es sei die Pflicht der Gemeinde, sich dagegen zu wehren. Laut Telekom ist in Holzhausen allerdings ein 4G-Funkmast geplant. Niedermaier sagte, es sei eine demokratische Entscheidung des Bundestags gewesen, die weißen Flecken der Mobilfunkversorgung von der Landkarte zu tilgen. 5G könne man nicht mehr komplett verhindern.

Er, Niedermaier, habe mit der Telekom geredet. Sie sage, viele Menschen beklagten die schlechte Versorgung. Diese Erfahrung habe er persönlich auch bei Gesprächen mit Firmenvertretern im Landkreis gemacht. Gleichwohl werde das Landratsamt die Gemeinde Münsing in ihrem Bestreben unterstützen, einen Alternativstandort für den aktuell in Holzhausen geplanten Standort zu finden. Die Behörde werde den Bauantrag der Telekom für ein Jahr zurückstellen.

Bürgermeister Grasl erklärte, die Suche habe im Moment Vorrang. Die Gemeinde könne nicht parallel dazu, wie von Habdank gefordert, ein Gesamt-Vorsorgekonzept erstellen lassen: „In Holzhausen tickt jetzt erst einmal die Uhr.“

Verkehr

Einen sicheren Übergang über die Münsinger Hauptstraße auf Höhe der Bachstraße forderte erneut Ulrich von der Linde. Die ablehnende Antwort des Landratsamts habe ihn nicht überzeugt, sagte der Anwohner. Andreas Czerweny von der Wolfratshauser Polizei berichtete in dem Zusammenhang, es habe 2018 einen (leichten) Schulwegunfall in dem Bereich gegeben, 2019 noch keinen. Bürgermeister Grasl erinnerte an das Angebot des Landratsamts, die Voraussetzungen für einen freiwilligen Schülerlotsdienst zu schaffen. Grasl. „Den könnten wir morgen bekommen.“

Samstag, 21. September 2019, Isar-Loisachbote / Lokalteil Leserbrief

Bebauungsplan ist überflüssig

„Schützenhilfe vom Schutzverband“ vom 19. September

Im genannten Artikel werde ich mit der Forderung nach einem umfassenden Bebauungsplan am Simetsberg, „der die Interessen aller berücksichtigt“, zitiert. Ich bitte zu beachten, dass ich diesen Vorschlag ausdrücklich nur für den Fall gemacht habe, dass die Gemeinde dort tatsächlich einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für die Errichtung von zirka 80 Wohnungen und zwei Wohnhäusern aufstellt.

Nach wie vor ist meine Position, dass ein vorhabenbezogener Bebauungsplan überflüssig ist, weil eine gültige Baugenehmigung für eine Wiederherstellung der Sanatoriumsgebäude als Reha-Klinik vorliegt. Wenn die Gemeinde stattdessen – ohne Notwendigkeit – Wohnungsbau auf dem Simetsberg plant, muss sie die Interessen aller Nachbarn im Rahmen eines umfassenden Bebauungsplans berücksichtigen. Nur für diesen Fall habe ich die Aufstellung eines umfassenden Bebauungsplans empfohlen.

Gustav Neumeister, Ambach

Bürgerversammlung Münsing Ambach im Fokus

Die Entwicklung am See ist zentrales Thema

Von Benjamin Engel , Wolfratshauser SZ, 19. September 2019

Münsing – Das in Ambach geplante Seniorenwohnstift bleibt das kontroverseste Thema der Kommune. Das hat die Bürgerversammlung am Dienstag gezeigt. Anwohner hatten einen umfangreichen Katalog mit 21 Fragen zu dem Projekt vorgelegt. Doch Bürgermeister Michael Grasl (FW) lehnte es ab, darauf in der Versammlung zu antworten. Fragen zu Vertragsdetails, mit denen sich noch nicht einmal der Gemeinderat beschäftigt habe, könne er aus Datenschutzgründen nicht öffentlich machen, sagte er. „Wir können nicht alles beantworten.“ Das Verfahren des vorhabenbezogenen Bebauungsplans könne die Bürgerversammlung nicht vorwegnehmen. „Das würde dem Gesetz widersprechen.“ Grasl sicherte aber zu, in den nächsten Tagen auf den Fragenkatalog soweit möglich zu antworten.

Heuer füllten 120 Menschen den Gemeindesaal – deutlich mehr als bei der Bürgerversammlung im vergangenen Jahr. Anwohner forderten, den Bebauungsplan für das Seniorenwohnstift auf angrenzende Grundstücke auszuweiten. Manche bemühen sich schon seit Jahrzehnten um Baurecht für ihre Familien. Der aus einer Ambacher Landwirtschaftsfamilie stammende Schauspieler Josef Bierbichler warf der Lokalpolitik vor, sie denke zu wenig an die Interessen der anliegenden Bauern. Die Wünsche der Anwohner sollten nicht weggewischt werden, mahnte er. Ihnen gehe es nicht um Gewinnerzielung. „Die jetzige Generation hat nie spekuliert“, sagte Bierbichler.

Dagegen wehrte sich Grasl. Die Gemeinde habe für die Ambacher Einheimischen einiges getan. Das Wohnstift-Projekt des Kuratoriums Wohnen im Alter und die Forderungen der Anwohner müssten auseinandergehalten werden. Ein weiterreichender Bebauungsplan sei Sache des ganzen Gemeinderats. Im Flächennutzungsplan seien die Wiesen im Außenbereich östlich des Simetsbergwegs auf die Landwirtschaft beschränkt. Mit dem Verweis auf solche Festlegungen habe die Kommune Bauwünsche von Anwohnern in anderen Ortsteilen abgelehnt.

Ähnliche Gegensätze gab es beim vom Sportverein gewünschten Kunstrasenplatz. Solche Spielfelder sind wegen des Mikroplastikeintrags in die Umwelt umstritten. Grünen-Kreisrat Nikolaus Mair argumentierte, dass diese Plätze in der heutigen Zeit nicht mehr zu verantworten seien. Doch für Vereinsvorstandsmitglied Wowo Habdank war ein Kunstrasenplatz alternativlos. Das bisherige Trainingsfeld lasse sich nicht mehr sanieren. Auf Kunststoffgranulat werde verzichtet. Der Verein habe so viele Mannschaften, dass es einen strapazierfähigen Platz brauche.

Mit dem Bau eines neuen Bürgerhauses will die Kommune laut Grasl im kommenden Jahr beginnen. Für eine Verkehrskonzept brauche es erst eine Analyse der Verkehrsströme mit Befragungen, sagte er. „Wir brauchen konkret machbare Maßnahmen“, sagte Grasl.

Seniorenwohnstift: Grasl gibt Antworten

Münsing – Bürgermeister Michael Grasl hat, wie in der Bürgerversammlung zugesagt, alle 21 Fragen einer Gruppe, die sich „Das Team für die Fragen der Bürgerversammlung“ nennt, zum geplanten Seniorenwohnstift in Ambach schriftlich beantwortet. Die Antworten leitete er auch an die Presse weiter.

Unter anderem teilt Grasl den 61 Unterzeichnern mit, dass der Beschluss für den Bebauungsplan als Basis für das anschließende öffentliche Auslegungsverfahren im Laufe der kommenden Wochen vom Gemeinderat gefasst werde. Die Bürger könnten dann im Rahmen des Verfahrens ihre Einwendungen vorbringen.

Der vorhabenbezogene Bebauungsplan biete eine maximale Sicherheit, zum Beispiel, dass Freiflächen auch Freiflächen blieben, entgegnet Grasl auf die Sorgen des „Teams“. Auch die Verkehrssituation werde im Bebauungsplan geregelt. Fragen zur internen Gesellschaftsstruktur des Bauherren „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) seien an KWA selbst zu richten, empfiehlt der Bürgermeister. Zu Vertragsdetails äußere er sich nicht.

Verwundert zeigt sich Grasl über die letzte Frage, wie garantiert werde, dass der Ortsname Ambach für die Namensgebung des Wohnstifts ausgeschlossen sei. Der Name könne im Gegensatz zur Verwendung des Wappens nicht verboten werden, erklärt der Rathauschef. Der Sinn dieser Frage erschließe sich ihm nicht.

In einer Pressemitteilung ergänzt der Bürgermeister, dass er es bedauere, dass die Unterzeichner des Fragenkatalogs offenbar keine Spur von Vertrauen in die Gemeinde hätten. Sie würden das Verfahren weiterhin „verkomplizieren, verzögern oder vermeiden wollen“. Seit 2016 dominierten die Bedenken zum Wohnstift die Bürgerversammlungen, so Grasl. Das führe dazu, dass andere interessierte Bürger, ja ganze Ortsteile, nicht mehr an den Versammlungen teilnähmen. „Die anderen Themen, die uns beschäftigen wie zum Beispiel das Bürgerhaus gehen in den Ambacher Strömungen unter.“

Anders als ursprünglich geplant wird das Wohnstift an diesem Dienstag, 1. Oktober, nicht im Gemeinderat behandelt. „Da es noch Klärungbedarf gibt“, so teilte der Bürgermeister am Wochenende mit, werde der Tagesordnungspunkt zur grundsätzlichen Billigung noch einmal vertagt.  tal

Tag des offenen Denkmals am 8. September

Pocci-Kapelle in Münsing

Von Benjamin Engel

Münsing, 5.9.2019  – Jahrzehntelang ist die Kapelle an der nördlichen Seestraße beim Ammerlander Schloss schon für Besucher unzugänglich. Denn der ursprüngliche Eingang des Sakralbaus aus dem 17. Jahrhundert liegt auf dem Privatgrund der heutigen Schlossinhaber. Niemand konnte mehr hinein. Das könnte sich nun bald ändern. Spätestens 2020 rechnet die Vorsitzende des Ostuferschutzverbandes (OSV), Ursula Scriba, damit, die Kapelle weihen und für die Öffentlichkeit öffnen zu können. Dann kann jeder das prächtige Deckengewölbe im Zustand des 19. Jahrhunderts bewundern. In einen dunkelblauen Nachthimmel blickt, wer im Hauptschiff nach oben schaut. Plastisch heben sich die zahlreichen goldenen Sterne davon ab. „Im Moment habe ich ein sehr gutes Gefühl“, sagt Scriba. „Der Pfarrer unterstützt uns.“

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, steht die Kapelle für einen ersten Eindruck bereits offen. Die OSV-Vorsitzende Scriba wird von 17 Uhr an Fragen beantworten, über die Historie der Kapelle und die Sanierungsarbeiten berichten. Hinein kommen die Besucher durch den neuen von der Straßenseite geschaffenen Eingang an der Sakristei – über eine Treppe. Denn der Boden des Baus liegt heute etwa 75 Zentimeter unterhalb des Straßenniveaus.

Nach dem fast vollständigen Verfall in den 1970er Jahren waren die Sanierungsarbeiten nur stockend vorangegangen. Das lag wohl auch an der vielfältigen Interessenslage mit vielen Beteiligten – von der Münsinger Kirchenstiftung, bis zum Erzbischöflichen Ordinariat, den Schlossbesitzern und dem Landesamt für Denkmalpflege. Umso mehr freut sich Scriba über die jetzige, tragfähige Lösung. Der OSV hatte die Sanierungen federführend betreut. „Die Kapelle sah wüst aus. Aus dem Dach des Hauptschiffs wuchs sogar ein Baum“, beschreibt dessen Vorsitzende den einst traurigen Zustand des Sakralbaus.

Glaskunst von Bernd Nestler

Die besonderen Details machen heute den Charme der denkmalgeschützten Kapelle aus. Das Motiv der Heiligen Drei Könige samt der Muttergottes Maria mit Kind und dem Stern ziert das farbkräftig leuchtende Fenster oberhalb des Altars im Osten des Innenraums. Für die den Heiligen Drei Königen geweihte Kapelle hat der Münchner Glaskünstler Bernd Nestler eine Darstellung aus dem Regensburger Dom aufgegriffen. Um sein Werk vor den Straßenverunreinigungen zu schützen, wurde ein zweites Fenster im Mauerwerk der Kapelle davor gesetzt. Darin ist das Motiv der Heiligen Drei Könige in seinen Umrissen nochmals eingeätzt. Nur noch bruchstückhaft waren auch die Seitenfenster der Kapelle mit gelben und türkisfarbenen Rauten erhalten. Nach diesem Vorbild hat eine Werkstatt aus München neue gefertigt.

Ebenso rudimentär waren auch die Überbleibsel des einstigen Hochaltars. Von den Seitenteilen existierten nur noch einzelne Bretter. Lediglich ein grob gerastertes, altes Zeitungsfoto vermittelte noch einen Eindruck vom Mittelteil. „Das Landesamt für Denkmalpflege hat sich dafür entschieden, den Hochaltar nicht mehr zu restaurieren“, sagt Scriba. Für die Tischplatte des Altars werde derzeit an einer Lösung gearbeitet.

Ein Speziallabor hatte die Farbschichten in den Innenräumen der Kapelle untersucht. Die Restauratoren von Engel & Paric aus Wessobrunn stellten den in den 1920er Jahren weiß übertünchten Sternenhimmel und damit den Zustand aus dem 19. Jahrhundert wieder her. Laut Scirba soll das Fresko dank ausgeklügelter LED-Beleuchtung noch plastischer wirken. „Man meint, die Sterne kommen auf einen zu. Die farbige Decke tritt in den Hintergrund“, beschreibt Scriba die neue Raumwirkung. Damit die Proportionen der Kapelle gefälliger wirken, wurde der Wandsockel farblich abgesetzt. Die Restauratoren ergänzten den durch Salze aus dem nahen Straßenverkehr lädierten Natursteinboden teilweise.

Ursprünglich hatte der Wittelsbacher Fürstbischof Albrecht Sigmund die Kapelle zwischen 1683 und 1685 etwa zeitgleich mit dem neuen Schloss am Ostufer des Starnberger Sees errichten lassen. Der Sakralbau war von damals bis heute im Besitz der Kirchenstiftung Münsing. Die Sakristei wurde 1728 nördlich an die Kapelle angebaut. Im Inneren ist noch ein alter Zierfries erhalten.

Schlossbesitzer Pocci pflegten die Kapelle

Bis in die 1930er Jahre sollen die späteren Schlossbesitzer der Familie von Pocci die Kapelle gepflegt und dort Gottesdienste organisiert haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg verkauften die Poccis das Schloss. Die Besitzer wechselten. Die Räume und auch die Kapelle verfielen. Für deren Erhalt hatten der Ammerlander Freiherr Dietrich von Laßberg und der OSV im Jahr 1981 eine Rettungsaktion begonnen und Spenden gesammelt. 1986 hatte das Erzbischöfliche Ordinariat München und Freising mit der Sanierung begonnen. Die Räume wurden entfeuchtet. Die Kapelle bekam einen neuen Dachstuhl. Doch dann stockten die Arbeiten wieder.

Problematisch blieb der Zugang zur Kapelle. Neue Eigentümer sanierten von 1988 bis 1992 das benachbarte Schloss. Damit war die ursprüngliche Eingangstür von der Nordseite nicht mehr erreichbar, weil sie in dessen Garten liegt. Um neue Zugangsmöglichkeiten wurde lange gerungen. Erst viel später stimmte das Erzbischöfliche Ordinariat zu, eine Tür auf der Straßenseite einzurichten. Über vier Stufen geht es künftig dahinter in die Sakristei hinunter und von dort in die Kapelle. Der Ammerlander Schreiner Josef Wagner fertigt die Holztreppe an.

Für den ersten Bauabschnitt ist laut Scriba mit Kosten von 100000 Euro zu rechnen. Finanziell unterstützen die Kommune Münsing, das Tölzer Landratsamt, der Bezirk Oberbayern und das Landesamt für Denkmalpflege die Sanierungsarbeiten. Zusätzliche Spendengelder flossen. Die Messerschmidt-Stiftung hat beispielsweise mit 22000 Euro die neuen Fenster finanziert. Für die Kapellenbänke hat der OSV die Meitinger Stiftung als Sponsor gewonnen.

Über die Unterstützung freut sich die OSV-Vorsitzende Scriba. Sie ist zuversichtlich, dass die Kapelle von 2020 endlich wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Mein Dank gilt den Helfern dieser Veranstaltung:

  • Manfred Stecher für die Beratung von potenziellen Spendern
  • Josef Wagner für die Präsentation der neuen Treppenplanung und den Holzmustern
  • Regina Wagner für die Vorbereitung des Raumes
  • Bernd Nestler für die Präsentation und Erläuterung unseres Vorgehens zu den künstlerisch gestalteten Gläsern, besonders des Altarfensters.
  • Maria Mannes  für die Chance des OSV sein großes ehrenamtliches Projekt auf einer bundesweiten Liste präsentieren zu dürfen.

Sobald wir einen entscheidenden Schritt weiter sind, werden wir die Mitglieder in die Kapelle wieder einladen. Bitte denken Sie daran, dass wir gerade jetzt dringend auf Spenden angewiesen sind und unterstützen Sie uns.
Ursula Scriba
Die IBAN lautet: DE12 7005 4306 0011 7217 50. Herzlichen Dank.

Einladung zum Tag des Offenen Denkmals am 08.09.2019

Schlosskapelle Ammerland, Münsing, nördliche Seestraße 11
um 17 Uhr zu Führung und Vortrag
mit Ursula Scriba, Manfred Stecher, Josef Wagner und Bernd Nestler.

Auf Einladung unseres Ehrenmitglieds und Kreisheimatpflegerin Maria Mannes und mit Zustimmung von Pfarrer Kirchbichler für die Kirchenstiftung Münsing öffnet der OSV dieses Jahr die Tür der Kapelle zu einer Einführung in die Geschichte und Restaurierungsgeschichte der Filialkirche Ammerland Heilige Drei Könige.

Dies ist der richtige Moment, um mich bei allen bisherig Beteiligten zu bedanken:

An erster Stelle steht das Vertrauen der Eigentümer Herrn Pfarrer Kirchbichler und der Kirchenstiftung Münsing in den OSV für eine professionelle Sanierung und Restaurierung der denkmalgeschützten Kapelle aus dem Jahr 1685. Kreisheimatpflegerin Maria Mannes danken wir für die fürsorgliche Unterstützung all die Jahre bis jetzt.

Baronin Christa von Laßberg (mit Familie) und Annabel von Boetticher gilt unser Dank für die engagierte Unterstützung besonders in der Startphase des Projekts 2007. Freundliche, zugewandte Offenheit und Hilfe für alle Nöte spendeten die Nachbarn und Schlossbesitzer Werner Döttinger und Herr Nickl.

Früherer 2. Vorstand Klaus Reid hat ehrenamtlich die Statik untersucht und geprüft, sowie die ersten baumeisterlichen Schritte unternommen. Manfred Stecher, unser Klassier, hat all die Jahre zuverlässig die Finanzen betreut, auch in Feinabstimmungen mit der Kirche und den vielen, vielen Spenden, die über die Jahre eingetroffen sind. Herr Fritz Noppes, Träger des Gabriel-von-Max-Denkmalpreises, brachte sein Wissen zu Restaurierungen immer wieder ein. Herr Prof. Johannes Umbreit hat mit seinen musikalischen Begleitern viele Benefizkonzerte ausgerichtet, die alle in ihrer phantasievollen Einmaligkeit unvergesslich sind. Im Jahr 2018 haben David Greiner mit Marina Cesarale, Rom feingestimmte vier biblische Lieder vorgetragen und beim vorläufig letzten Konzert Herr Prof. Edgar Krapp und Prof. Markus Bellheim ein vierhändiges Sternstundenkonzert gegeben. Elisabeth Biron und Maria Mannes standen immer zur Verfügung zur konzeptionellen und künstlerischen Beratung. Wir genossen jederzeit die fachliche Begleitung des Erzbischöflichen Ordinariats, des Landesamtes für Denkmalpflege, sowie des Unteren Denkmalschutzes am Landratsamt Bad-Tölz Wolfratshausen.

Spenden erhielten wir dankenswerterweise vom Landkreis, vom Bezirk, vom Landesamt für Denkmalpflege, der Messerschmitt Stiftung, dem Legat Irmingard Haussmann, der Meitinger Stiftung und vielen, vielen Freunden der Schlosskapelle.

Folgende örtliche Firmen brachten sich ein: Schreinerei Will, Fa. Krämmel, Fa. Graf, Fa. Zündorff, Schreinerei Josef Wagner, Ammerland-Seestraße, die Mayersche Hofkunstanstalt, die Restauratoren Engel und Paric sowie Glaskünstler Bernd Nestler.

Wir freuen uns auf Sie und wollen aus der Geschichte der fürstbischöflichen Kapelle und unserer Arbeit berichten.

Ostuferschützer greifen Gemeinde an

Münchner Merkur, Isar Loisachbote vom 16. August 2019

Der Streit um die Neubebauung des ehemaligen Wiedemann-Geländes in Ambach geht weiter. Der Ostuferschutzverband fürchtet ein „Luxuswohngebiet“, während sich Bürgermeister Michael Grasl „ständiger Stimmungsmache“ ausgesetzt sieht. e

Münsing fährt eigentlich eine harte Linie, um ihre Vorstellungen von einer Neubebauung des ehemaligen Wiedemann-Geländes in Ambach durch das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) durchzusetzen. Zwei Entwurf-Details des beauftragten Architekturbüros Matteo Thun wurden in den jüngsten Gemeinderatssitzungen mehrheitlich abgelehnt.

Zum einen wollte der Investor die Gebäude des Seniorenwohnstifts plötzlich in Massivbauweise statt wie versprochen in ökologischer Holzbauweise errichten. Wie berichtet kehrte er zum Holz zurück. Zum anderen sollte eines der Häuser fünfstöckig statt vierstöckig werden, um alle geplanten 80 Wohnungen unterzubringen, nachdem in einem Souterrain zwei Apartments wegen schlechter Belichtung weggefallen waren. Hierzu hat KWA noch nicht Stellung genommen.

Der Ostuferschutzverband (OSV) ist dennoch der Ansicht, dass die Gemeinde zu wenig tut. „Es ist nicht zu spät, dass der Gemeinderat seinen Willen zum Schutz des Ostufers durchsetzt“, schreibt der stellvertretende Vorsitzende Johannes Umbreit jetzt in einer Pressemitteilung. Die Gemeinde habe sich mit einem „Bebauungsplan nach Vorstellung des Investors auf dem Wiedemann-Gelände eine Menge unschöner Probleme eingehandelt“, findet Umbreit.

Der stellvertretende Vorsitzende befürchtet massive, sichtbare Eingriffe in die Hanglandschaft in Form einer Schallschutzwand von 20 Metern Länge zwischen dem KWA-Biergarten und den beiden von der Familie Wiedemann geplanten Villen außerhalb der Wohnanlage. Auch ein Panorama-Schwimmbad mit Glasfront zum See passt für ihn nicht in die Landschaft. Es sei zudem deutlich geworden, dass für eine ordentliche Erschließung der Simetsbergweg zu schmal sei, sodass alle möglichen Notlösungen angedacht würden. „Nicht einmal die hiesige Feuerwehr wurde gefragt“, beklagt Umbreit.

Ferner wird in dem Schreiben kritisiert, dass die Familie Wiedemann neben dem KWA-Seniorenwohnstift an Stelle des ehemaligen Klinik-Gebäudes „Riviera I“ nun womöglich doch zwei Wohnhäuser bauen darf, was ihr bisher verwehrt wurde mit dem Verweis auf den Außenbereich. Umbreit: „Es gibt unter diesen Umständen keinen einleuchtenden Grund mehr, den nördlich, südlich und östlich angrenzenden Nachbarn Baurecht zu versagen.“

Konsequenterweise, so befürchtet Umbreit, könnte sich der gesamte Hang zwischen Pilotyweg, Simetsbergweg und Holzbergstraße und östlich des Simetsbergwegs zum „Luxuswohngebiet“ entwickeln. Er fragt sich, ob diese Konsequenz gewollt sei und verweist auf den Rahmenplan von 2008, welcher eine zusätzliche Bebauung im Bereich des Ostufers verhindern will. „Hätte es der Gemeinderat bei der Möglichkeit belassen, dass der Investor seine Baugenehmigung zur Sanierung der Klinikruinen im bestehenden Umfang ausnutzt, hätte er sich diese Probleme erspart“, heißt es in der Pressemitteilung. Der Gemeinde wird vorgeworfen, sie mache Wohnbauland-Geschenke im Wert von mehreren Millionen Euro und sie dränge nicht auf Personalwohnungen, die aus Sicht des OSV dringend nötig wären.

Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) hatte unabhängig von der Pressemitteilung Umbreits schon zuvor aufgrund einer E-Mail eines OSV-Mitglieds an alle Gemeinderäte gegenüber unserer Zeitung zur Thematik Stellung genommen. Vorweg bedauert er, dass sich die Rathausmitarbeiter und Gemeinderäte „ständigen Forderungen und Mutmaßungen“ ausgesetzt sähen. Grasl macht deutlich, dass der künftige Bebauungsplan für das ehemalige Wiedemann-Areal einen klar abgegrenzten Geltungsbereich haben werde. Die östlichen Nachbargrundstücke seien weder bebaut und damit vorgeprägt noch planungsrechtlich als Bauland ausgewiesen. Sie seien im Flächennutzungsplan als Fläche für die Landwirtschaft dargestellt. „Allein die Gemeinde hat es in der Hand, hieran etwas zu ändern.“

Weiter konstatiert der Bürgermeister, dass ein Aussparen des Grundstücks „Riviera I“ aus dem Bebauungsplan zwar möglich sei, der Gemeinde aber nichts bringe. Das Grundstück sei mit einem Altbauriegel bebaut, der nun durch eine zeitgemäße, hochwertige, ins Gesamtkonzept passende und ortsplanerisch sehr ansprechende Planung ersetzt werden solle. Grasl kritisiert die E-Mail-Verfasserin, die von „Luxus-Häusern“ von je 260 Quadratmetern Fläche schreibt, mit den Worten: „Sozialneid ist hier fehl am Platz.“

Die Gemeinde müsse immer unabhängig, neutral und frei von Emotionen allein nach ortsplanerischen Aspekten handeln. Tue sie es nicht, entstehe eine ungeregelte Lücke, die beliebig und unstrukturiert einer Gestaltung überlassen werde, die nicht abgestimmt sei und eventuell auch eingeklagt werden könne. Mit Nicht-Planen habe die Gemeinde in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen gemacht.

Michael Grasl erklärt, von KWA den Bau von Personalwohnungen zu fordern, entbehre jeder Grundlage. Das Unternehmen könne dies freiwillig tun, müsse es aber nicht. „Die ständige Stimmungsmache bewirkt im Gemeinderat das Gegenteil.“ Für Grasl ist es „absurd“, Seniorenwohnstifte als Störungen abzustempeln. Er sei sich sicher, dass das KWA-Stift von vielen Einheimischen bewohnt werde.

Tanja Lühr

Pressemitteilung des OSV zur Gemeinderatssitzung am 30. Juli 2019

In der Sitzung des Münsinger Gemeinderats vom 30. Juli 2019 hat sich gezeigt, dass die Gemeinde sich mit einem Bebauungsplan nach Vorstellung des Investors auf dem Wiedemann-Gelände in Ambach eine Menge unschöner Probleme eingehandelt hat:

  • Salamitaktisch hat KWA zunächst versucht, die versprochene Holz- durch Massivbauweise zu ersetzen.
  • Nachdem dieser Versuch auf keine Gegenliebe gestoßen ist, soll nun versucht werden, ein fünftes Stockwerk auf die geplanten vier zu setzen, weil zwei der 80 Wohnungen zu tief unten liegen.

Laut Bürgermeister Grasl will die Gemeinde zum Glück nicht mitziehen. Ferner stehen massive sichtbare Eingriffe in die Hanglandschaft bevor:

  • Eine Schallschutzwand von 20 m Länge zwischen Biergarten und neu geplanten Villen außerhalb der Wohnanlage.
  • Ein Panorama-Schwimmbad mit Glasfront zum See.
  • Deutlich wurde auch, dass für eine ordentliche Erschließung der Simetsbergweg eigentlich zu schmal ist, sodass alle möglichen Notlösungen angedacht werden. Nicht einmal die hiesige Feuerwehr wurde gefragt.
  • Im Außenbereich sollen ferner zwei neue Villen entstehen, die mit der Wohnanlage nichts zu tun haben. Wohnungen für Angestellte sind angeblich überflüssig.

Jahrelang hat sich die Familie Wiedemann vergeblich um eine Wohnnutzung des vormaligen Klinikgebäudes Riviera I bemüht. Mit der Begründung, dass es sich um Außenbereich handelt, sind diese Anträge abgelehnt worden. Nun werden zwei Villen geplant, weil in der Nachbarschaft eine Luxus-Wohnanlage entsteht. Es gibt unter diesen Umständen keinen einleuchtenden Grund mehr, den nördlich, südlich und östlich angrenzenden Nachbarn Baurecht zu versagen.

Konsequenterweise dürfte sich der gesamte Hang zwischen Pilotyweg, Simetsbergweg und Holzbergstraße und östlich des Simetsbergwegs zum Luxuswohngebiet entwickeln. Ist diese Konsequenz gewollt? Oder hat der Rahmenplan aus dem Jahr 2008, welcher eine zusätzliche Bebauung im Bereich des Ostufers verhindern will, noch irgendeine Bedeutung? Hätte es der Gemeinderat bei der Möglichkeit belassen, dass der Investor seine Baugenehmigung zur Sanierung der Klinikruinen im bestehenden Umfang ausnutzt, hätte er sich diese Probleme erspart.

Interessant wäre zu erfahren, welche Gegenleistungen die Gemeinde erhält, wenn sie Wohnbaulandgeschenke im Wert von mehreren Millionen macht.

Es ist nicht zu spät, dass der Gemeinderat seinen Willen zum Schutz des Ostufers durchsetzt.

Für den Vorstand des OSV: Prof. Johannes Umbreit, Petra Schulze, Dr. Gustav Neumeister, Manfred Stecher

Ein Nilpferd namens Paul

Ostuferschutzverband feiert 90. Geburtstag und eine Taufe – Arbeit geht auch in Zukunft nicht aus

TANJA LÜHR , Isar Loisachbote vom 8. August 2019

Münsing – Das Nilpferd heißt jetzt Paul. Die hölzerne Skulptur hat der Münsinger Künstler Hannes Neumann, Mitglied im Ostuferschutzverband (OSV), wie berichtet zum 90. Geburtstag des Vereins angefertigt. Sie wurde am Samstag im Rahmen der Jubiläumsfeier getauft.

Paul ist aus massiver Eiche, hat vier Zähne im offenen Maul und liegt ganz friedlich auf dem Badegelände an der Nördlichen Seestraße. Der OSV hatte den Bildhauer Neumann mit dem Werk beauftragt. Seit einiger Zeit schon erfreut das lebensgroße Tier die Kinder auf dem Badeplatz, die nach Herzenslust auf ihm reiten und herumturnen. Aus etlichen Vorschlägen wie „Hippo“, „Würmpferd“, „Melisande“ oder „Nessie vom Starnberger See“ wählten die etwa 40 bei der Feier anwesenden Mitglieder den Namen „Paul“ per Abstimmung aus. Wie die Vorsitzende des Verbands, Ursula Scriba erläuterte, sei dies auch eine Hommage an den früheren Vorsitzenden Paul Dinkelacker, zu dessen Zeiten der OSV 400 Mitstreiter zählte. Mit Wasser aus dem See wurde die Skulptur feierlich getauft.

Scriba blickte in ihrer Ansprache auf die bewegte Vereinsgeschichte zurück. Vieles wurde in Zusammenarbeit mit der Gemeinde erreicht, wie die Beibehaltung der Seeuferstraße Töl 12 zwischen Ammerland und Ambach als reine Anliegerstraße, der Erhalt zahlreicher denkmalgeschützter Villen, die Rettung der „Wort des Lebens“-Einrichtung für Kinder und Jugendliche in Allmannshausen sowie der beiden Schullandheime in Ambach und Seeheim. Die Ammerlander Schlosskapelle wird seit Jahren saniert und soll schon bald in neuem Glanz erstrahlen – auch das ist mit ein Verdienst der unermüdlichen OSV-Vorstandschaft.

2011 wurde in die Satzung der Bereich Kultur aufgenommen. „Seitdem haben viele Interessierte unsere Veranstaltungen rund um den See besucht. Einige von ihnen konnten wir als Mitglieder gewinnen“, sagte Scriba. Jedes Jahr verleiht der OSV einen Denkmalschutzpreis an Hauseigentümer, die ihre alten Anwesen in vorbildlicher Weise hergerichtet haben. Auch für Kinder und Jugendliche bietet der Verein mindestens zweimal im Jahr Aktionen an. Mit dem Gartenbauverein pflanzte der Nachwuchs eine Wildhecke am Schafberg, mit einem Jäger begab er sich auf die Suche nach Tierspuren.

Die Aufgaben werden dem OSV auch künftig nicht ausgehen. Er will weiterhin um die Villa Max kämpfen, den Dampfersteg in Ammerland retten und Tempo 30 auf der Uferstraße durchsetzen, um nur drei wichtige Ziele zu nennen.

Zurück zur Holzbauweise

SENIORENWOHNSTIFT – Architekturbüro präsentiert Gemeinderat geänderte Pläne

VON TANJA LÜHR
Isar Loisachbote vom 1. August 2019

Münsing – Das Architekturbüro Matteo Thun, das für das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) das Seniorenwohnstift in Ambach plant, ist zu der von der Gemeinde geforderten Holzbauweise zurückgekehrt. Wie berichtet wollte KWA, anders als im Wettbewerb angekündigt, die Obergeschosse der Gebäude aus Kostengründen konventionell ausbauen. Das hatte für Ärger im Gemeinderat gesorgt.

Die Planänderungen stellte Architekt Gerald Schnell vom Büro Matteo Thun am Dienstag in der Ratssitzung vor. Anwesend waren auch der von der Gemeinde beauftragte, unabhängige Architekt Christian Weigl, Gemeinde-Anwalt Dr. Gerhard Spiess, Landschaftsplaner Christian Ufer sowie die beiden Vorstandsvorsitzenden von KWA, Horst Schmieder und Dr. Stefan Arend samt KWA-Baumanager Gerhard Schaller. Für die interessierten Bürger aus Ambach reichten die Besucher-Sitzplätze gerade aus.

Zu den Plänen für das Seniorenwohnstift: Die Häuser 1 bis 3 erstrecken sich im Osten entlang des Simetsbergwegs. Weiter unten, im Westen, entstehen drei Häuser, die in den Hang eingegraben sind. Deren oberstes Geschoss ragt jeweils über die Hangkante hinaus, wird aber vom Osten mit einem Gegenhang verdeckt. Sinn dieser Maßnahme sei es, von den Gebäuden Richtung See immer nur auf eine begrünte Wiesenlandschaft zu blicken und niemals auf die Rückseite eines Gebäudes, erklärte Gerald Schnell. Das Schwimmbad schließt sich an die Wohnungen an und öffnet sich zur Landschaft hin. Die Tagespflege etwas weiter unten auf dem Gelände ist über eine eigene Zufahrt erreichbar. Restaurant, Biergarten und eine Tiefgarage gehören ebenfalls zur Planung.

Positiv wertete das Gremium, dass nun alle Stockwerke aus Holz werden sollen. Auch, dass KWA die Dachneigung der Häuser 1 bis 3 auf 20 Grad erhöht hat und die Satteldächer mit rot-braunen Ziegeln decken will, gefiel. Auf zwei schlecht belichtete Wohnungen im Untergeschoss von Haus 2 zum Simetsbergweg hin wurde verzichtet. Jedoch sollen diese Appartements nun im Dachgeschoss des bisher vierstöckig vorgesehenen Hauses 3 im südlichen Bereich untergebracht werden, so dass das Gebäude fünfstöckig wird.

An dieser Neuerung störten sich einige Gemeinderäte. Ursula Scriba (Bürgerliste) kritisierte, dass die Bebauung dadurch „sehr massiv“ wirke. Sie wie auch Thomas Schurz (CSU) fordern vom Bauherren, auf die zwei Appartements zu verzichten. Strauß sprach von „Salamitaktik“, weil diese Höhe ursprünglich nicht vorgesehen gewesen sei. Scriba: „Hier wird deutlich, dass die geplanten 80 Wohnungen für das Grundstück einfach zu viel sind“. Umweltreferentin Christine Mair (Wählergruppe Münsing) sah in der dichten Bebauung eine Gefahr für die Bäume, insbesondere für eine alte Eiche nahe Haus 3. Landschaftsarchitekt Christian Ufer erklärte jedoch, dass fast alle Bäume – auch eine Thuja am Waldschlössl, für deren Erhalt sich Scriba in einer vergangenen Sitzung ausgesprochen hatte – bestehen blieben.

Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) würdigte die Umplanungen als „immensen Aufwand“. Der beratende Architekt Christian Weigl sah alle Forderungen der Gemeinde erfüllt. Über die zwei Wohnungen im Dachgeschoss müsse man allerdings „nachdenken“. Grasl forderte am Mittwoch in einer Pressemitteilung, dass KWA nachgibt und ersatzlos auf einen Dachgeschossausbau in Haus 3 verzichtet.

Über die aktuellen Entwürfe wurde in der Sitzung am Dienstag nicht abgestimmt. Dies soll nach dem Willen Grasls aber „zeitnah“ passieren. Im Anschluss könne die Gemeinde in das formelle Bebauungsplanverfahren einsteigen. Wann KWA dann loslegen kann, hängt vom Verfahren ab. Gerhard Schaller, Geschäftsführer des KWA-Baumanagements, sagte in der Sitzung, er rechne mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren.