Münsinger Ortsentwicklung „Ambach ist ein Fischerdorf“

Von Benjamin Engel, Münsing  27. Februar 2019, Wolfratshauser SZ

Bereits zum zweiten Mal lehnt der Gemeinderat die Pläne für einen Neubau im Garten der Bonsels-Villa ab. Das Landratsamt ist anderer Auffassung.

Die frühere Villa des Biene-Maja-Erfinders Waldemar Bonsels zählt zu den prägenden Gebäuden in Ambach. Die Pläne, im Garten des denkmalgeschützten Hauses ein Wohn- und Atelierhaus zu errichten, lehnt der Gemeinderat ab. Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate hat das Gremium einstimmig dagegen votiert. Damit positioniert sich der Gemeinderat gegen die Auffassung des Landratsamts und eines von der Kommunalverwaltung eingeschalteten Rechtsanwalts.

Erst 2014 hatte die Waldemar-Bonsels-Stiftung die einstige Villa des Schriftstellers aufwendig sanieren lassen. Jetzt wollen die Verantwortlichen den Anbau aus den Sechzigerjahren im Westen des Gebäudes abreißen. Dafür ist ein neues Wohn- und Atelierhaus im Garten geplant. Sowohl das Kreisbauamt als auch der Rechtsanwalt der Kommune halten die Pläne für zulässig. Ihrer Ansicht nach fügt sich das Projekt in die Umgebungsbebauung ein.

Genau das beurteilt der Gemeinderat jedoch gegensätzlich. Das Grundstück mit der Villa zählt für Ursula Scriba (Bürgerliste) zum Kernstück des kommunalen Rahmenplans für das Seeufer. Das denkmalgeschützte Haus sei einer der wichtigsten Bausteine im Ortsgefüge Ambachs, heißt es in einer Stellungnahme des Ostuferschutzverbandes (OSV), an dessen Spitze Scriba steht. Die wechselseitigen Blickbeziehungen zwischen Starnberger See und offener Landschaft müssten demnach erhalten bleiben. Das Grundstück dürfe keinesfalls bebaut werden. Sonst würde einer der bedeutsamsten Orte des Seeufers zerstört, heißt es aus dem OSV.

Ebenso umstritten ist die Erschließung für das Projekt. Der Grundstücksstreifen direkt an der Straße gehört weitestgehend einem Nachbarn. Lediglich eine Vereinbarung aus dem Jahr 1885 erlaubt den Zugang. Skeptisch zeigte sich Ernst Ramerth (Wählergruppe Holzhausen), ob damit die Erschließung dauerhaft gesichert sei. Zudem sei es wichtig, die Interessen des angrenzenden Fischereibetriebs zu schützen, sagt er. „Ambach ist ein Fischerdorf.“

Allerdings könnten die Pläne für ein Wohn- und Atelierhaus laut Bauamtsleiter Stephan Lanzinger am Immissionsschutz scheitern. Das Vorhaben könne die Stiftung nur realisieren, wenn die Immissionen des benachbarten landwirtschaftlichen Betriebs für eine Wohnbebauung zumutbar seien, schildert er. Genau das müsse die zuständige Behörde des Tölzer Landratsamts im weiteren Genehmigungsverfahren prüfen. Lanzinger beurteilt eher kritisch, einen Bebauungsplan für den Bereich zu erlassen. Dieser müsste positive Ziele definieren und würde für weitere Grundstücke gelte. Damit könnte dort womöglich Baurecht definiert werden, was gar nicht gewünscht sei.

Gegen das Projekt der Bonsels-Stiftung hat auch ein Nachbar einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Der hält das Vorhaben für nicht genehmigungsfähig. „Es sind so viele Unwägbarkeiten, dass ich empfehle, das abzulehnen“, sagt Gemeinderätin Scriba.

Kein Neubau an der Bonsels-Villa

von Tanja Lühr, Isar-Loisachbote vom 28.02.2019

Gemeinderat setzt sich über Verwaltung hinweg und lehnt Antrag ab

Münsing–Ambacher Landwirte,Nachbarn und Bürger sowieMitglieder des Ostuferschutzverbands (OSV) waren zur Gemeinderatssitzung am Dienstag gekommen. Sie alle gingen erleichtert nach Hause. Denn der Rat beschloss einstimmig, keinen Neubau im Garten der denkmalgeschützten Waldemar-Bonsels-Villa an der Seeuferstraße zuzulassen, wie von der Bonsels-Stiftung beantragt. „Bleibt zu hoffen, dass die Gemeinde auf ihrem Veto beharrt, auch wenn das Landratsamt anderer Ansicht ist“, sagte Dr. Gustav Neumeister, Vorstandsmitglied des OSV, nach der Entscheidung. Sowohl das Landratsamt als auch ein von der Gemeinde beauftragter Rechtsanwalt waren aufgrund eines Vorbescheidsantrags der Stiftung vom Oktober 2018 zu dem Schluss gekommen, dass sich das geplante Wohn-und Ateliergebäude im vorderen Grundstücksbereich – rund 7,50 mal 15 Meter groß mit Firstrichtung zum See – in die Umgebung einfügen würde. Es handle sich bei dem Gelände um bebaubaren Innenbereich. Die Verwaltung schlug deshalb vor, den Neubau und gleichzeitigen Abriss eines wenig geglückten Anbaus an die Bonsels-Villa im Westen zu genehmigen.

Doch die Gemeinderäte erhoben Einspruch. Selbst Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) stimmte gegen seine Verwaltung. Er nannte den Immissionsschutz als schwerwiegendes Argument gegen das Vorhaben. Direkt neben dem geplanten Haus lebt und arbeitet der Fischer Johann Strobl. Seine Räucherkammer befände sich in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung, womit Ärger vorprogrammiert wäre. Ernst Ramerth (Wählergruppe Holzhausen), Ursula Scriba (Bürgerliste und OSV-Vorsitzende) sowie Heinz Schreiner (SPD) sprachen sich ausdrücklich für den Schutz des heimischen Betriebs aus. Ramerth: „Es gibt nur noch wenige Fischer am See, die müssen wir unterstützen.“ Scriba erinnerte zudem daran, dass der Bereich mit der Mutter-Gottes-Kapelle, dem Ungarn-Tor und der Bonsels- Villa das „Kernstück“ des Ambacher Rahmenplans seien, der keine Bauten zulasse, die die Blickbeziehungen zwischen Landschaft und See zerstörten. Der Ersatzbau müsste von der Größe her zumindest dem Anbau entsprechen, forderte Scriba. Der Anbau sei aber viel kleiner. Die OSV-Vorsitzende bezweifelt zudem genau wie Hans Strobls Anwalt, dass es sich bei dem Baugrundstück um Innenbereich handelt. Sie hält es für Außenbereich. Ihren Antrag, die Gemeinde solle einen Bebauungsplan zur Sicherung der Ziele des Rahmenplans aufstellen, zog Scriba vorerst zurück.

Wegen zu vager Angaben abgelehnt wurde vom Rat ein weiterer Antrag der Waldemar- Bonsels-Stiftung auf Errichtung einer Gedenkstätte im Garten. Umweltreferentin Christine Mair (Wählergruppe Münsing) appellierte an die Stiftung, die vor einigen Jahren von ihr aufwendig sanierte Villa mit kleinem Museum entgegen kursierender Gerüchte zu behalten. Bonsels, Autor der „Biene Maja“, habe den Menschen die Augen für die Artenvielfalt geöffnet – ein Thema, das aktueller denn je sei.



Rettet die Biene Maja

Kein Neubau an der Bonsels-Villa“

Erleichtert haben wir am vergangenen Dienstag festgestellt, dass der Gemeinderat sich einstimmig gegen eine weitere Bebauung im Garten der Bonsels-Villa in Ambach wehrt. Respekt für den Willen, sich gegen die Auffassung des Landratsamts zu stellen. Wie zu hören war, geht es einerseits um den Schutz der einheimischen Bauern und Fischer in ihrer Heimat, andererseits auch um den Kern von Ambach als Teil der Kulturlandschaft Starnberger See. Die Gemeinde hat bei ihrem Widerstand noch weitere, gute Argumente: Das Gelände zwischen dem „Seitz“ und dem Brosi-Hof kann durchaus als „Außenbereich“ betrachtet werden. Die Muttergottes-Kapelle ist keine Wohnbebauung. Und weshalb keine „zweite Reihe“ entsteht, wenn ein neues Haus zwischen die Bonsels-Villa und die Seeuferstraße gesetzt wird, versteht niemand  recht.

Ein Argument gegen eine Neubebauung wurde unseres Erachtens noch nicht ausreichend betrachtet: Der angebotene Abriss einer Doppelgarage mit darüberliegendem Atelier im Westen der Bonsels-Villa steht unseres Erachtens in keinem Verhältnis zur Größe des geplanten Ersatzbaus. Zu hoffen bleibt, dass das Landratsamt die einstimmige Ablehnung des Rats nicht ersetzt und die Gemeinde damit zwingt, aus dem Rahmenplan heraus einen Bebauungsplan zu entwickeln. Solch ein neuer Bebauungsplan hätte die Umsetzung der Ziele bezüglich Städtebau und Landschaftsschutz im Auge, wie sie die Gemeinde gottlob im Rahmenplan schon formuliert hat, kann also nicht als „Verhinderungsplanung“ gewertet werden.

Wenn dann die Bonsels-Stiftung klagt, müssen Gemeinde und Landratsamt zusammenstehen, um den zerstörerischen Eingriff in das Ortsbild abzuwehren. Der Einsatz dürfte sich aber lohnen, wenn man es mit der Erhaltung Ambachs ernst meint. Jedenfalls sollte erst einmal geklärt werden, ob die Zufahrt wirklich rechtlich gesichert wäre und ob ein Neubau direkt neben einem Bauernhof mit Rinderstall, Fischereibetrieb und Räucherkammer überhaupt einen Sinn hat, weil es nur Probleme gibt. Ich erinnere an den Miesbacher Kuh-Glocken-Streit. Lassen Sie uns nicht nur auf Landesebene die Bienen retten, sondern auch in unserer nächsten Umgebung „unsere Biene Maja“.

Leserbrief von Petra Schulze Ambach, 28.02.2019

Gemeinderat lehnt Neubau am Seeufer ab

Von Benjamin Engel, Münsing , 12. Februar 2019

In der Ambacher Seeleitn hat ein Bauherr aus Sicht der Verwaltung zu groß geplant. In der jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat es abgelehnt, die Baugenehmigung für ein neues Einfamilienhaus am Starnberger Seeufer zu erteilen. Laut Bauamtsleiter Stephan Lanzinger war zwischen dem Haupthaus und dem Ateliergebäude ein Gewächshaus vorgesehen. Der geplante Wintergarten und die Terrassen hätten das Grundstück weiter versiegelt. Die überbauten Flächen hätten die Häuser in der Umgebung deutlich übertroffen.

In ihrer Einschätzung stützt sich die Verwaltung auf die Stellungnahme eines eigens beauftragten Rechtsanwalts. Allerdings habe der Tölzer Kreisbaumeister im Gegensatz dazu signalisiert, dass sich das Vorhaben in die Umgebungsbebauung einfüge.

Der Eindruck, eine Wand vor sich zu haben, drängte sich Umweltreferentin Christine Mair (Wählergruppe Münsing) auf. „Die Sichtachse zum See ist total verbaut“, sagte sie. Sollte der Bau verwirklicht werden, sehe sie alte Bäume wie eine Linde, die Buche und die Eiche auf dem Grundstück gefährdet. Außerdem zähle das Areal zum Landschaftsschutzgebiet „Ostufer Starnberger See“. Eine geplante Tiefgarage mit acht Stellplätzen passe aus ihrer Sicht nicht dorthin, sagte Mair.

Für den Neubau zu stimmen, konnte sich dagegen Helge Strauß (CSU) vorstellen. Die Planungen wirkten leichter als die „hingemurkste Burg“, die jetzt dort stehe. Auch mit einer Tiefgarage könne er sich anfreunden, sagte er.

Überdimensioniert: Vorhaben am Seeufer fällt durch

Tanja Lühr, Isar Loisachbote vom 07.02. 2019

Münsing – Obwohl der Kreisbaumeister zugestimmt hätte, lehnte der Münsinger Gemeinderat am Dienstag einen Bauantrag an der direkt am Starnberger See gelegenen Seeleitn in Ambach ab. Dort wollen Bauwerber ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung und Tiefgarage für acht Autos errichten. Aus einem großen bestehenden Gebäude sollen dabei zwei entstehen. In ihrer Mitte ist noch in Gewächshaus geplant. Nach Ansicht eines von der Gemeinde hinzugezogenen Rechtsanwalts ist das Vorhaben in dem sensiblen Uferbereich überdimensioniert. „Die Bebauung in der Umgebung wird deutlich übertroffen“, sagte Bauamtsleiter Stephan Lanzinger. Umweltrefenrentin Christine Mair (Wählergruppe Münsing) wies zudem darauf hin, dass einige alte Laubbäume durch den Neubau akut gefährdet wären. Eine Tiefgarage für acht Fahrzeuge passt ihrer Meinung nach nicht ins Landschaftsschutzgebiet. Ursula Scriba (Bürgerliste) kritisierte, dass die zwei Kopplungsgebäude den hinteren Nachbarn die Sicht auf den See versperrten. Helge Strauß (CSU) dagegen sagte, er könnte sich mit dem Vorhaben anfreunden. Die zwei Baukörper wirkten leichter und durchlässiger als der bestehende. Eine Tiefgarage sei besser als offene Stellplätze. Strauß und Tobias Eckart (Freie Wähler) stimmten als einzige für den Antrag. tal

Matteo Thun am Seeufer

Von Benjamin Engel, Wolfratshauser SZ vom 29. November 2018

Münsing – Über die Architektenentwürfe zum geplanten Seniorenwohnstift in Ambach ist eine eindeutige Entscheidung gefallen: Mehr als zwei Drittel des Münsinger Gemeinderats sprachen sich am Dienstag für den Vorentwurf des italienischen Büros von Matteo Thun aus. Auf dieser Basis soll nun der vorhabenbezogene Bebauungsplan ausgearbeitet werden. Die Idee sieht lang gezogene Häuser in der Typologie ortsüblicher Bauweisen vor. Der Entwurf des Greifenberger Büros Beer Bembé Dellinger mit Pavillons zog damit den Kürzeren. Für dieses Konzept stimmten nur fünf Gemeinderäte. Die historische Waldschlösschen-Villa soll Herzstück der neuen Anlage in Ambach werden.

Das Gebäude auf dem Areal der früheren Wiedemann-Klinik soll saniert werden. Die Planungen des Betreibers „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) von 80 Wohnungen waren stets umstritten. Doch an dieser Größenordnung wird sich nichts ändern. Mit dem Antrag, das Flächenvolumen für die Wohnungen um zehn Prozent zu reduzieren, scheiterte Ursula Scriba (Bürgerliste). Die Gemeinderätin und Vorsitzende im Ostuferschutzverband (OSV) hatte argumentiert, dass das KWA so das nötige „Willkommen“ in Ambach erhalten könne. Unter Anwohnern waren die Dimensionen des Projekts umstritten.

Über die vier grundlegenden Punkte stimmte der Gemeinderat getrennt ab. Scriba verließ den Saal bei der ersten Grundsatzentscheidung, das Bebauungsplanverfahren fortzuführen oder einzustellen. Die OSV-Vorsitzende hatte erst kürzlich einen offenen Brief nicht unterzeichnet, in dem ihre Vorstandskollegen sich für eine Klinik auf dem Areal aussprachen. Auch dafür gibt es ein Baurecht.

Darauf verwies erneut Matthias Richter-Turtur (Wählergruppe Ammerland). Eine Klinik könne sofort verwirklicht werden, sagte er. Ein Bebauungsplanverfahren brauche die Kommune nicht vorantreiben. Das lehne er ab, solange wesentliche Kritikpunkte wie die Wohnungszahl ungelöst blieben. Die Dimensionen sah auch Heinz-Jürgen Schreiner (SPD) kritisch. Im Umkreis von 50 Kilometern gebe es 871 Plätze für Senioren. Für ihn bedeute das, dass das KWA auf Wohnungen verzichten müsse. Für den Entwurf von Beer Bembé Dellinger hatte sich Helge Strauß (CSU) vergeblich eingesetzt. Deren Idee sei sein Favorit, sagte er. Damit werde die von der Kommune geforderte Kleinteiligkeit am besten umgesetzt.

80 Seniorenwohnungen am See

Gemeinderat entscheidet sich für Entwurf von Matteo Thun – Kritiker tief enttäuscht

Münsing – Mit einer Zweidrittel-Mehrheit hat der Münsinger Gemeinderat am Dienstagabend beschlossen, ein Seniorenwohnstift nach dem Modell des Mailänder Stararchitekten Matteo Thun auf dem ehemaligen Wiedemann-Sanatoriums-Gelände in Ambach bauen zu lassen. Eine Reduzierung der 80 Wohneinheiten, wie von Ursula Scriba beantragt, wird nicht stattfinden. Damit kann das „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) seine Pläne so umsetzen, wie von ihm gewünscht.

Das Unternehmen hatte von Anfang an die lang gezogenen Thun-Baukörper mit Blick auf den Starnberger See favorisiert, weil deren Anordnung seniorengerecht sei, so die Begründung. Der „Initiative Ambach“ hätten dagegen die pavillonartigen, über das Grundstück verteilten Häuser des Greifenberger Büros Beer, Bembé, Dellinger (BBD) besser gefallen. Für diesen Entwurf stimmten die Gemeinderäte Ludwig Derleder (Einigkeit Degerndorf), Helge Strauß (CSU), Ursula Scriba (Bürgerliste), Tobias Eckart (Freie Wähler) und Heinz Schreiner (SPD). Strauß argumentierte, dass viele Bürger sich in ihren Stellungnahmen nach dem Architektenwettbewerb für diese kleinteiligere Lösung ausgesprochen hätten. „Hier hätten wir den meisten Rückhalt aus der Bevölkerung“, sagte er. Scriba meinte, bei BBD würden mehr Bewohner einen Seeblick genießen als bei Thun.

Zuvor wurde über den Antrag Scribas, gleichzeitig Vorsitzende des Ostuferschutzverbands (OSV), abgestimmt. Sie forderte für beide Entwürfe eine Reduzierung der Wohnungen um zehn Prozent – an sich nicht viel. Mit insgesamt 72 Appartements „würde KWA das nötige Willkommen in Ambach erhalten“, glaubt sie. Dritter Bürgermeister Ernst Grünwald (Wählergruppe Ammerland) entgegnete, es handle sich bei dem Bauvorhaben nun einmal um ein Sondergebiet, in dem andere Regeln gelten würden als in einem normalen Baugebiet. Das KWA habe plausibel dargelegt, dass die Anzahl von 80 Wohnungen für sein Projekt wirtschaftlich sei. Grünwald: „Ich schreibe einem Landwirt, der im Außenbereich einen Stall baut, ja auch nicht vor, dass er dort nur 80 statt 100 Kühen halten darf.“

Sozialreferentin Regina Reitenhardt (Wählergruppe Münsing) erklärte, sie sei dankbar, dass im Hinblick auf den demografischen Wandel in Münsing 80 Senioren-Wohnungen geschaffen würden. Wären es weniger, würde jede einzelne Wohnung teurer werden, ergänzte Ernst Ramerth (Wählergruppe Holzhausen). Für die abgespeckte Variante stimmten am Ende Professor Dr. Matthias Richter-Turtur, Christine Mair, Ursula Scriba und Heinz Schreiner.

Die Gemeinde wird nun als nächsten Schritt mit dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan auf Grundlage der Planung von Matteo Thun & Partners fortfahren. Details wie die Erschließung, die Einrichtung einer Tagespflege und ein Belegungsrecht für Gemeindebürger werden darin festgelegt. Die bisherigen Einwendungen der Bürger sollen zuvor noch einmal in einer Sitzung behandelt und abgewogen werden.

Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler), der einführend ein leidenschaftliches Plädoyer pro Wohnstift gehalten hatte, zeigte sich nach der Sitzung erleichtert über das doch recht deutliche Votum. Bei den KWA-Vertretern, die als Zuhörer anwesend waren, dürften die Sektkorken geknallt haben.

Sebastian Wiedemann, Sprecher der Initiative Ambach, ist dagegen schwer enttäuscht. „Alle Bitten und Appelle der Bürger wurden von ihren Vertretern im Gemeinderat beiseite gewischt. Es wurde zugunsten des KWA entschieden“, sagte er. Die Kritik von Dr. Gustav Neumeister, Vorstandsmitglied des OSV, geht in dieselbe Richtung: „All unsere Argumente haben beim Gemeinderat nichts bewirkt.“

KWA besteht auf 80 Wohnungen

SENIORENWOHNSTIFT – Vorstände werben für Projekt – „Wir haben wirklich alles abgeklopft“ VON TANJA LÜHR, Isar Loisachbte vom 16.11.2018

Münsing – „Der Ball liegt jetzt bei KWA“ hatte Bürgermeister Michael Grasl nach der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärt. Dort hatten die beiden zur Auswahl stehenden Architekten Matteo Thun und Sebastian Dellinger ihre überarbeiteten Entwürfe zum Seniorenwohnstift in Ambach vorgestellt. Bei den Gemeinderäten waren danach noch Fragen offengeblieben, die jedoch nur das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) und nicht die Planer beantworten können.

„Eine ausführliche Stellungnahme zu allen angesprochenen Punkten wird den Gemeinderäten noch in dieser Woche zugehen“, kündigen die gleichberechtigten KWA-Vorsitzenden Dr. Stefan Arend und Horst Schmieder am Dienstag in einem Pressegespräch im Schlossgut Oberambach an. Die beiden hatten von Anfang an kein Geheimnis daraus gemacht, dass sie dem Entwurf des Mailänder Stararchitekten Thun den Vorzug geben. „Das ist ein absoluter Glücksfall für uns, dass ein so renommierter Architekt ein so verhältnismäßig kleines Projekt wie unseres übernehmen würde“, sagt Arend.

Egal, ob sich der Gemeinderat – laut Bürgermeister Grasl voraussichtlich noch heuer – für das Büro Matteo Thun oder das Büro Beer, Bembé, Dellinger entscheidet – KWA wird den entsprechenden Entwurf umsetzen. Allerdings so, dass das Konzept hundertprozentig für ein Seniorenwohnstift funktioniert, wie die Vorsitzenden betonen. Das heißt unter anderem, Situierung und Grundrisse der Wohnungen müssen seniorengerecht sein, die Zugänge zu den Angeboten für Externe wie Krankengymnastik, Tagespflege, Schwimmbad und Abendveranstaltungen dürfen nicht durch den Wohnbereich führen, um die Privatsphäre der Bewohner zu gewährleisten.

Arend verweist auf die 50-jährige Erfahrung von KWA in diesen Dingen sowie auf seine persönliche über 25-jährige Erfahrung. Aus genau diesem Grund weicht das gemeinnützige Unternehmen auch nicht von seiner Forderung nach 80 Wohneinheiten ab – der größte Kritikpunkt aus der Ambacher Bevölkerung. Schmieder erinnert daran, dass KWA ursprünglich 120 Wohnungen vorgesehen hat. Damals habe man noch gehofft, das Haus „Riviera“ im Eigentum der Familie Wiedemann zusammen mit dem Sanatoriums-Grundstück erwerben zu können. Als das nicht klappte, habe man auf 90 Wohneinheiten reduziert und schließlich – auf den Druck der Bürger hin – auf 80. In diesen 80 Appartments würden aber nicht, wie von einigen Projektgegnern angeführt, 100 Menschen leben, so Arend. „Die meisten Senioren wohnen alleine. Alle Wohnungen sind nie gleichzeitig belegt“, erklärt er und nennt Zahlen vom KWA-Rupertihof in Rottach-Egern. Dort lebten aktuell 86 Menschen in 103 Wohnungen.

50 Prozent der bebauten Fläche seien zudem Einrichtungen für die Allgemeinheit, wozu die Bevölkerung Münsings zähle. Diese Mischung mache die KWA-Häuser so attraktiv und letztlich rentabel. Schmieder: „Würden wir den Wohnungsanteil verringern, müssten wir die Preise derart erhöhen, dass wir tatsächlich, wie uns einige vorwerfen, eine Luxusanlage bekommen würden.“

Eine Umfrage zum Verkehr und zu den Stellplätzen habe ergeben, dass nur elf Prozent der Bewohner ein eigenes Auto besitzen, fährt Schmieder fort. Den Simetsbergweg habe man vermessen und festgestellt, dass der Begegnungsverkehr nur an einer Stelle eingeschränkt sei: „Sie sehen, wir haben wirklich alles abgeklopft“.

Die Frage nach Personalwohnungen auf dem Grundstück stellt sich für das Unternehmen nicht. Die rund 50 Beschäftigten würden entweder bereits in der Region wohnen und noch in andere KWA-Stifte in München pendeln oder sie könnten auch in den Appartements des Unternehmens in Berg unterkommen.

Abschließend berichten die Vorsitzenden, sie hätten bereits etliche Voranfragen für das geplante Wohnstift aus dem Landkreis, aus der Starnberger Gegend und dem Münchner Westen. „Wir verfolgen dieses Projekt wirklich mit großem Engagement und sind überzeugt, dass es sich als Gewinn für die Gemeinde Münsing herausstellen wird“, betonen beide.

„Absoluter Gewinn für die Gemeinde“

Von Benjamin Engel, Wolfratshauser SZ 16. November 2018

 

Münsing – Zweieinhalb Jahre nach dem Grundstückskauf erwartet der Vorstand des „Kuratoriums Wohnen im Alter“ (KWA) eine Entscheidung. Kontrovers wurde über das geplante Seniorenwohnstift auf dem Areal der früheren Wiedemann-Kurklinik in Ambach diskutiert. Erst entschied sich der Gemeinderat gegen einen Architektenwettbewerb. Dann startete das Gremium ein Workshop-Verfahren mit vier Architekturbüros. Die Entwürfe der Teams von Matteo Thun und Beer Bembé Dellinger aus Greifenberg stehen nun zur Auswahl. So intensive Diskussionen habe er noch bei keinem KWA-Vorhaben erlebt, schilderte Vorstandsmitglied Stefan Arend bei einem Pressegespräch am Dienstag. „Was man da abverlangt bekommt, ist außergewöhnlich.“

Um sich zu erklären, hatten Arend und Vorstandskollege Horst Schmieder in das Bio-Hotel Oberambach geladen. Im Gespräch unterstrichen die Vorsitzenden, am Projekt des Seniorenwohnstifts festzuhalten. Baurecht hätte das KWA zwar auch für eine Schlaganfallklinik. Das hat aber keine Priorität. Noch diese Woche wollen die KWA-Vorsitzenden dem Gemeinderat mitteilen, wie sie die verbliebenen Architektenentwürfe bewerten.

An der umstrittenen Zahl von 80 Wohneinheiten wollen sie aber nicht mehr rütteln. Diese Größenordnung sei nötig, um die Senioreneinrichtung nachhaltig zu betreiben, sagte Arend. Zudem habe sich das KWA bei den Dimensionen bewegt. Ursprünglich habe man mit 120 Wohnungen geplant, allerdings auf einem größeren Areal. In einem Konzept sei dann von 91 gesprochen worden. Jetzt gehe es nur noch um 80 Wohnungen. „Das ist keine Zahl nach Jux und Dollerei“, schilderte Arend. Das werde das KWA deutlich begründen.

Was ein Seniorenwohnstift laut Schmieder prägt, sind die großen Gemeinschaftsflächen. Sie machen etwa 50 Prozent aller Räumlichkeiten aus – wie Restaurant, Theater, Schwimmbad und Clubräume. Beliebig verkleinern, lasse sich eine solche Einrichtung kaum, betonten Schmieder und Arend.

Der eigene ambulante Dienst brauche eine gewisse Größe. Das Schwimmbad könne zwar kleiner ausfallen, nicht aber die Technik. Gleiches gelte für einen Veranstaltungssaal. Werde das Seniorenwohnstift zu klein, entstehe genau die Luxuswohnanlage, die dem KWA immer unterstellt werde, sagte Arend.

Weiter führte Schmieder aus, dass niemals alle Wohnungen belegt seien. Das KWA betreibe mit dem Ruperti-Hof in Rottach-Egern am Tegernsee eine Einrichtung. In 103 Wohnungen lebten dort beispielsweise 86 Menschen. Vergleichbar sei es in anderen KWA-Wohnstiften. „80 Wohnungen sind keine 100 Bewohner“, äußerte sich Schmieder zu Ambach.

Befürchtungen nach zu viel Verkehr traten die Vorsitzenden ebenfalls entgegen. Ihnen zufolge haben nur elf Prozent aller Bewohner in KWA-Einrichtungen überhaupt ein Auto. Genauso sei auch die Zufahrt über den Simetsbergweg keineswegs zu schmal. Selbst Baufahrzeuge kämen dort um die Kurve, schilderten Arend und Schmieder. Das hätten sie extra ausgemessen. In Ambach würden etwa 50 Mitarbeiter benötigt. Entgegen Gerüchten plane das KWA aber dort nicht mit Personalwohnungen. Das sei auch nicht nötig, weil damit zu rechnen sei, dass die meisten Beschäftigten aus der Region kommen.

Vom Mehrwert der Ambacher Einrichtung gab sich der KWA-Vorstand überzeugt. „Wir sehen so ein Wohnstift als absoluten Gewinn für Gemeinde“, schilderte Arend. Rund um den Starnberger See gebe es zu wenige Angebote für ambulante Dienste oder Tagespflege. Die Leistungen stünden der gesamten Bevölkerung offen.

Ende Oktober hatten die Architekten Matteo Thun und Sebastian Dellinger ihre überarbeiteten Entwürfe für das Seniorenstift im Gemeinderat präsentiert. Nach Kritik hatte Thun die lang gezogenen Strukturen seiner Gebäude aufgelockert. Um Bäume zu schonen, wurden einzelne Häuser anders platziert. Drei Viertel der Bewohner könnten auf den Starnberger See blicken, die restlichen 25 Prozent auf grüne Wiesen. Das überdachte Schwimmbad wurde mitten in die Anlage platziert.

Für beide Architekturbüros ist das historische Waldschlösschen einschließlich Restaurant und Rezeption das Herzstück des Seniorenwohnstifts. Das Team von Dellinger hat nun auf die schlecht belichteten Souterrain-Appartements verzichtet. Jeder der sieben zweistöckigen Pavillons hat nun vier Wohnungen pro Etage. In einer Stellungnahme hatte sich Münsings Bürgermeister Michael Grasl (FW) für eine baldige Grundsatzentscheidung ausgesprochen. Er favorisiert ein Wohnstift statt einer Klinik

Tiefgreifender Verlust

Leserbrief vom 13. November 2018 an den Isar Loisachboten

„Aus für Steg schlägt Wellen“ vom 8. November über den Dampfersteg in Ammerland

Dankenswerterweise nimmt sich Tanja Lühr der großen Sorge der Ammerlander Bürger und des Münsinger Bürgermeisters Michael Grasl vor dem endgültigen Verlust des historischen Stegs an. Was heißt: Kein Steg in Ammerland? Das würde nicht nur den tief greifenden, nicht ersetzbaren Verlust der historischen Erreichbarkeit des Dorfs über das Wasser, über den Steg mit praktischer Bedeutung als Verkehrsverbindung oder dem Genuss paradiesischen Freizeitgefühls mit Wind, Wasserduft und Wasservögeln sowie fantastischem Bergpanorama für das idyllische alte Fischerdorf mit seiner Villenkolonie bedeuten. Sondern im großen Rahmen für die Seenschifffahrt des gesamten Starnberger Sees den Wegfall der östlichen Mitte im Wasserverkehr. Wer einen Blick auf den Fahrplan wirft, sieht, dass die Haltestelle Ammerland der Schlussstein zwischen nördlicher und südlicher Seenschifffahrt ist.

Die Achse Ammerland-Tutzing verbindet drei von vier Rundfahrten. Ausflügler kommen zum Beispiel aus München über die Garmischer Autobahn, um mit dem Schiff zum Westufer, zum Beispiel zum Buchheim-Museum, dem Bernrieder Park oder zum Biergarten nach Tutzing zu fahren. Letzten Sommer startete die Villa Waldberta mit ihren Künstlerstipendiaten Events auf dem Wasser, vom Westufer wollen Kunst- und Kulturinteressierte wiederum zum ursprünglicheren Ostufer. Das Buchheim-Museum das gerade jetzt wieder zu neuem lebendigen Ausstellungsgeschehen mit umfangreichen Leihgaben gefunden hat, konnte im letzten Jahr seine Besucherzahlen sensationell steigern und zieht internationale Besucher an. Ammerland ist historischer Kulturort der Landschaft Starnberger See mit seinem frühbarocken fürstbischöflichen Schloss und Schlosskapelle, seinen historischen Villen, die regelmäßig Besucher und Führungen anziehen. Man denke auch an die Künstler – Ernst Grünwalds Skulpturen unter Apfelbäumen beim Hoffischer –, ehrwürdige Fischerfamilien mit ihren Angeboten an frischen Seefischen und die Möglichkeit zu kulinarischer Rast am See oder im Garten. Meine Führungen in Ammerland sind häufig gebucht, und jeder Platz ist dabei vergeben. Als Ammerlanderin, Gemeinderätin und Vorsitzende des Ostuferschutzverbands richte ich den dringenden Appell an die Beteiligten: Bauen Sie den Dampfersteg für Ammerland für die Zukunft weiterer 150 Jahre. Wir danken es Ihnen.

Ursula Scriba, Ammerland

Erklärung der Gemeinde Münsing zum Ammerlander Dampfersteg (Stand: 11/2018)

(mg) Die Gemeinde bemüht sich aktuell mit der Seenschifffahrt und einigen zuständigen Fachbehörden in Starnberg in den nächsten Monaten um einen anderen Standort. Ob das gelingen wird, bleibt abzuwarten.

Auch wir sehen seit jeher den Steg als einen wichtigen Teil Ammerlands und nicht zuletzt wegen der direkten Querverbindung einen der fahrplantechnisch bedeutenden Standorte am Ostufer.

Auch historisch gesehen war der Steg ein Tor zur Region, noch bevor es Bus und Bahn gab. Daher haben wir als Gemeinde uns auch immer für die Erhaltung stark gemacht und dies auch gefördert. Die Fahrgastzahlen deuten aber leider nicht auf eine hohe Unterstützung der Schifffahrt seitens der Einheimischen hin.

Dass der Zugang zum Steg offenbar seit Jahrzehnten über Privatgrund verläuft, ist eine Tatsache, die wir als Gemeinde nicht zu vertreten haben.

Standorte, wo Steg und benachbarte Infrastruktur funktionieren (Gaststätten, Kioske, Biergärten etc.) sind mit Ammerland nicht 1:1 vergleichbar. Auch hat sich das Verweilverhalten der Fahrgäste stark verändert. Ammerland verfügt nicht über angebundene und öffentlich zugängliche Sehenswürdigkeiten wie Starnberg (Promenade, Museum, Innenstadt), Berg (König Ludwig, Seehotel) oder Bernried (Kloster, Park, Buchheim-Museum). Schloss und Schlosskapelle sind derzeit nicht zugänglich und es fehlt generell an Parkplätzen am See.

Unser Ostufer ist eher ein Eldorado für Radfahrer geworden, was sich durch die Frequentierung der Biergärten deutlich zeigt. Durch E-Bikes kommen inzwischen auch Radler aus der Stadt an einem Tag leicht ans Ostufer. Das führt natürlich auch zu mehr Verkehr, aber auch zu einem Vorteil für die angesiedelten Gastgeber.

Manche Dampfer-Fahrgäste wollen bestenfalls nur ein Getränk oder ein Eis bzw. ein WC aufsuchen und lassen den Gastwirt wenig verdienen. Auch muss sich jede/r von uns überlegen, wann sie/er das letzte Mal selbst Dampfer gefahren ist…

All das hilft aber im Hinblick auf den aktuellen Abbau des Steges nicht weiter. Ammerland braucht weiterhin einen Steg.

Es ist das gute Recht jedes Grundstückseigentümers, mit seinem anvertrauten Grund auch nach Generationen anders zu verfahren wie bisher. Hier nur zu (ver)urteilen, hilft nicht weiter.

Beim Maibaum hat der Burschenverein für einen neuen Standort gesorgt und die Gemeinde hat an anderer Stelle ein neues Bushäuschen gebaut. Und genauso wird aktuell der Versuch unternommen, einen Stegstandort zu finden.

Ohne geeignete Flächen, die im Eigentum der Gemeinde oder zumindest des Freistaates stehen, kann die öffentliche Hand nicht agieren. Dass die Schifffahrt oder die öffentliche Hand von privater Seite ein Angebot erhält, erscheint nicht sehr realistisch.

Michael Grasl, 1. Bürgermeister der Gemeinde Münsing

Aus für Steg schlägt Wellen

Ammerlander Bürger empört – anderer Standort für Bürgermeister „nicht sehr realistisch“
VON TANJA LÜHR

Ammerland – Die Gemeinde Münsing möchte an einem Dampfersteg in Ammerland festhalten. „Wir sehen den Steg seit jeher als einen wichtigen Teil Ammerlands, nicht zuletzt wegen der direkten Querverbindung ans Westufer“, erklärt Bürgermeister Michael Grasl in einer Pressemitteilung. Die bisherige Haltestelle beim „Hotel am See“ wird wie berichtet abgebaut und, so wie es aussieht, nicht mehr neu aufgebaut.

Der Eigentümer und Wirt des Gasthauses und Hotels am See, Reinhard Sailer, möchte den Pachtvertrag, der der Bayerischen Seenschifffahrt erlaubt, dass ihre Passagiere über Sailers Grund den Steg betreten, nicht langfristig aufrecht erhalten. Für das Schifffahrtsunternehmen rentiert sich deshalb nicht, in einen Stegneubau zu investieren. Wie Sailer der Süddeutschen Zeitung erklärte, wollen er und seine Frau das Hotel am See in absehbarer Zukunft aufgeben.

Viele Ammerlander Bürger zeigen sich traurig bis empört über das Ende des Anlegers. Bürgermeister Michael Grasl berichtet von Briefen und E-Mails, in denen er gebeten wird, der Schifffahrt einen Alternativstandort in Ammerland anzubieten. „Das würden wir gerne, es ist aber nicht so einfach“, so Grasl. In den kommenden Wochen sollen ihm zufolge Gespräche mit der Seenschifffahrt und dem Landratsamt Starnberg stattfinden.

„Historisch gesehen war der Steg ein Tor zur Region, noch bevor es Bus und Bahn gab“, sagt Grasl. Früher seien Kinder aus der Gemeinde mit dem Dampfer zur Oberschule in Starnberg gefahren, Pendler hätten ebenfalls den Seeweg benutzt. Heute würden die Fahrgastzahlen nicht mehr auf eine hohe Unterstützung der Schifffahrt durch die Einheimischen hindeuten, kritisiert der Bürgermeister. Es solle sich jeder fragen, wann er zuletzt einen Dampferausflug unternommen habe.

Standorte, wo Steg und benachbarte Infrastruktur funktionierten, weil es dort Gaststätten und Kioske gebe, seien mit dem beschaulichen Ammerland nicht vergleichbar. Das Dorf verfüge nicht über angebundene und öffentlich zugängliche Sehenswürdigkeiten, so wie Starnberg mit der Promenade, Berg mit der König-Ludwig-Gedenkstätte oder Bernried mit dem Kloster und Buchheim-Museum. Die einzigen Attraktionen – Ammerlander Schloss und Schlosskapelle – seien nicht zugänglich.

Beim an sich wunderschön gelegenen Hotel am See mit Biergarten beklagen viele die raren Öffnungszeiten. „Unser Ostufer ist eher ein Eldorado für Radfahrer geworden. Dank E-Bikes kommen inzwischen auch Radler aus der Stadt an einem Tag leicht ans Ostufer“, sieht Grasl eine Trendwende im Freizeitverhalten. Trotzdem ist der Rathauschef der Ansicht, dass Ammerland weiterhin einen Steg braucht. Es sei jedoch das gute Recht jedes Grundstückseigentümers, mit seinem anvertrauten Grund auch nach Generationen anders zu verfahren als bisher, nimmt er die Familie Sailer in Schutz. „Hier nur zu (ver)urteilen, hilft nicht weiter“, schreibt Grasl. Nachdem Rainer Sailer bereits den Maibaum nicht mehr auf seinem Grundstück haben wollte, habe der Burschenverein für einen neuen Standort gesorgt. Die Gemeinde habe ihr benachbartes Bushäuschen ebenfalls an anderer Stelle aufgebaut.

Die Suche nach einem alternativen Stegstandort werde sich nicht ganz so einfach gestalten, glaubt der Bürgermeister. Ohne geeignete Flächen, die im Eigentum der Gemeinde oder des Freistaates stehen, könne die öffentliche Hand nicht agieren. Dass die Schifffahrt oder die Gemeinde von privater Seite ein Angebot erhalten, erscheint Grasl „nicht sehr realistisch“.

„Wir sind in der Schwebe“

Süddeutsche Zeitung, Wolfratshauser SZ vom 7. November 2018

Münsing sucht nach einem neuen Anlegesteg für die Passagierschiffe, doch das gestaltet sich schwierig.

In der derzeitigen Winterpause ruht die öffentliche Passagierschifffahrt auf dem Starnberger See. Doch die Kommune Münsing arbeitet weiter daran, einen Ersatzstandort für den abgebauten Dampfersteg in Ammerland zu finden. Noch im November will Bürgermeister Michael Grasl (FW) einen runden Tisch mit der Bayerischen Seenschifffahrt und Fachbehörden organisieren. „Wir prüfen andere Standorte“, berichtet der Bürgermeister. „Das wird aber schwierig.“ Denn in Ammerland gebe es kaum öffentliche Flächen, auf denen sich ein neuer Steg realisieren lasse. Wenig realistisch erscheine es, dass Privatleute Grundstücke anböten. „Wir sind in der Schwebe“, sagt Grasl.

Zumindest 2019 wird wohl kein öffentlicher Passagierdampfer in Ammerland anlegen. Die Bayerische Seenschifffahrt hat den jetzigen Holzsteg direkt neben dem Hotel am See abbauen lassen. Die Konstruktion war so in die Jahre gekommen, dass sie nicht mehr repariert werden konnte. Ein erforderlicher Neubau mit einer Unterkonstruktion aus Metall würde 100 000 bis 120 000 Euro kosten. Das erschien der Seenschifffahrt zu kostspielig. Denn der Anleger hätte wohl nur noch ein bis maximal zwei Jahre betrieben werden können.

In Ammerland hat die Seenschifffahrt für den Zugang zum Steg einen kurzfristig kündbaren Vertrag mit Hotelier Sailer geschlossen. Wollen die Passagiere nämlich bei den Dampfern ein- und aussteigen, müssen sie über dessen Privatgrund gehen. Jetzt habe der Hotelier die Regelung nur noch maximal bis zur übernächsten Saison verlängern wollen, schildert Seenschifffahrts-Geschäftsführer Michael Grießer. So lohne sich aber ein teurer Neubau für den Steg nicht mehr. Gemeinsam mit der Kommune arbeite man daran, nach einem Ersatzstandort in Ammerland zu suchen. Die Seenschifffahrt wollen einen Halt in Ammerland weiterbetreiben, auch wenn dort nur etwa 1,5 Prozent aller Gäste zu- und aussteigen.

Mit der Entwicklung ist Münsings Bürgermeister Grasl unglücklich. Weil der Zugang zum Steg über Privatgrund führe, seien der Kommune die Hände gebunden, sagt er. Als Verwaltungschef halte er den Anleger für einen wichtigen Teil Ammerlands. Von dort gebe es eine direkte Querverbindung über den See. Für das Ostufer sei der Standort bedeutend. „Auch historisch gesehen war der Steg ein Tor zur Region, noch bevor es Bus und Bahn gab“, schreibt Münsings Bürgermeister in einer Stellungnahme. Mit dem Schiff seien Oberschüler oder Pendler nach Starnberg gefahren. Darum habe sich die Gemeinde stets für den Standort eingesetzt.

Vor allzu schnellen Urteilen über den Hotelier warnt Grasl. „Es ist das gute Recht jedes Grundstückseigentümers, mit seinem anvertrauten Grund auch nach Generationen anders zu verfahren wie bisher“, teilt er mit. Ergänzten sich Steg und benachbarte Infrastruktur – mit Gaststätten, Biergarten oder Kiosk – am See, spricht der Bürgermeister von Win-win-Situationen. Allerdings lasse sich das so einfach kaum auf Ammerland übertragen. Dort gebe es keine öffentlich zugänglichen Sehenswürdigkeiten. Das unterscheide Ammerland von anderen Orten rund um den Starnberger See. Starnberg habe etwa das Museum oder die Promenade. In Berg stehe der Schlosspark mit der Votivkapelle von Ludwig II. für Besucher offen.Zudem sieht Grasl ein geändertes Freizeitverhalten der Ausflügler. Manche Dampfer-Passagiere wollten am Steg für ein Getränk oder Eis nur kurz aussteigen. Der Gastwirt verdiene dann wenig. Das Verhältnis zwischen der Seenschifffahrt und dem Hotelier aber war auch früher schon kompliziert. Vor zwölf Jahren stand der Zugang zum Steg schon einmal zur Debatte. Damals war eine Grunddienstbarkeit ausgelaufen, welche die Eltern von Sailer der Seenschifffahrt gewährt hatten. Der Hotelier verhandelte über eine Pacht. Gegen eine „kleine Entschädigung“ einigten sich die Vertragsparteien.

Im Frühjahr 2016 musste der Maibaum vom Privatgrundstück des Hotelinhabers weichen. Sailer hatte das mit Haftungsfragen begründet. Der örtliche Burschenverein fand einen Ersatzstandort bei der Ammerlander Kirche am Elzerberg. Die Kommune hatte auch die Bushaltestelle vom Privatgrund des Hoteliers auf die gegenüberliegende Straßenseite verlegen lassen. „Genauso wird aktuell der Versuch unternommen, einen Stegstandort zu finden“, schildert Grasl. Wegen der vielfältigen Interessen von Privatbesitzern bis hin zu Bade- und Bojenplätzen sei das herausfordernd.

Unterdessen will sich Sailer in absehbarer Zeit offenbar als Hotelier zur Ruhe setzen. Über seine Pläne mit der Immobilie schweigt er aber.