Architekt fürs Bürgerzentrum steht fest

Jury kürt den Entwurf des Münsinger Büros um Bernhard Peck und Achim Daam zum Sieger. Das Gebäude folge dem natürlichen, leicht nach Süden abfallenden Geländeverlauf, heißt es in der Begründung

Von Benjamin Engel, Wolfratshauser SZ vom 6. August 2018

Zehn Jahre nach dem Grundstückskauf nimmt das Bürgerzentrum „Neuer Pallaufhof“ konkrete Gestalt an: Bis Ende Juni hatten 16 Büros ihre Ideen für den Architektenwettbewerb eingereicht. Eine Jury hat am vergangenen Donnerstag vier Planungen in die engere Wahl genommen – und den Entwurf von Peck.Daam Architekten aus Münsing zum Sieger gekürt. Das Büro um Bernhard Peck und Armin Daam greift die traditionelle Form des lang gestreckten Einfirsthofs auf. An der Südseite lässt sich die Bühne durch ausklappbare Glaselemente nach außen öffnen. Sitzstufen südlich davon ermöglichen Freiluftveranstaltungen. Im Obergeschoss entstehen Verwaltungsräume für das Rathaus. Der erste Preis ist mit 24 000 Euro dotiert.

Einhellig positiv gestimmt zeigten sich Vertreter des Preisgerichts und der prämierten Büros, als sie am Montag im Gemeindesaal die Ergebnisse der elfstündigen Beratungen vorstellten. Bürgermeister Michael Grasl (FW) schilderte, dass er beeindruckt sei, wie viel Einfühlungsvermögen die Architekten für die Struktur der Kommune Münsing gezeigt hätten. Die Münchner Architektin Stefanie Seeholzer – die Juryvorsitzende – lobte die Qualität aller eingereichten Entwürfe. „Ich hoffe, dass von ihrer Gemeinde ein positives Beispiel für andere Gemeinden ausgehen kann.“

Für Seeholzer zeichnet sich der Siegerentwurf vor allem auch dadurch aus, dass das Gebäude dem natürlichen, leicht nach Süden abfallenden Geländeverlauf folgt. Über das Treppenhaus im Foyer im Nordteil wird der Bau erschlossen. Eine Freitreppe führt nach Süden zum Saal und den Mehrzweckräumen herunter. Zum Obergeschoss mit den neuen Räumen für das Rathaus geht es nach oben. Der Sitzungs- und Trauungssaal auf dieser Ebene im Norden öffnet sich zur gegenüberliegenden Pfarrkirche und zum Dorf.

Die Tiefgarage kann wegen der Hanglage des Grundstücks fast ebenerdig von der Westseite angefahren werden. Auf dieser Seite des Gebäudes soll ein mit alten Obstbäumen bestandener Bürgerplatz entstehen. Mit ihrem Entwurf repräsentieren Peck.Daam Architekten eine der beiden Tendenzen zur Gestaltung des Bürgerzentrums – in ihrem Fall die Bauform des Einfirsthofs. Andere Büros so wie die Zweitplatzierten Hirner & Riehl Architekten aus München verteilen die Funktionen für Bürger- und Rathaus auf zwei Gebäude. Die beiden konisch-trapezförmigen Häuser sind versetzt angeordnet. Damit entstehen zwei Plätze, im Norden der Rathausplatz sowie im Süden der sogenannte Bürgerhof. Von der ursprünglichen Idee eines Langhauses seien sie abgekommen, berichtete Robert Härtl von Hirner & Riehl Architekten. So hätten sie die Lösung entwickelt im Norden direkt gegenüber der Pfarrkirche einen kleinen Platz zu schaffen, über den die Besucher beide Gebäude betreten könnten. Durch die konische Form der Häuser würden sich spannende Grundrisse für die Räume im Inneren ergeben.

Kritisch diskutierten die Jurymitglieder allerdings etwa den fehlenden Dachüberstand beim zweitplatzierten Preisträger. Auch dass die Mehrzweckräume im Stockwerk über dem Veranstaltungssaal liegen, wurde kontrovers diskutiert.


Ebenfalls auf zwei Baukörper verteilt hat das Team von Berger Röcker Gork Architekten aus Stuttgart seinen mit dem dritten Preis honorierten Entwurf. Die beiden Häuser sind versetzt direkt aneinander anschließend geplant. So entsteht ein einladender Platz nach Norden zur Kirche. Im Südosten öffnet sich eine Terrasse zum Grünbereich. Ein Fußweg verläuft entlang des bis zu 3,50 Meter hohen Sockelgeschosses zur Tiefgagarge. Als angenehm ruhig bewertete die Jury die Gesamterscheinung. Allerdings wirkten die geschlossenen Fassaden im Norden wenig einladend. Über das vorgesehene Blechdach sowie die fehlenden Dachüberstande diskutierten die elf Preisrichter kontrovers.

Als Zwiehof bezeichnet das Büro von Holzer Architekten aus Wolfratshausen seinen Entwurf. Dafür sprach die Jury den Anerkennungspreis an vierter Stelle aus. Ihm sei wichtig gewesen, dass der Platz zur Straße im Norden eindeutig als grünes Entrée zu erkennen sei, schilderte Christian Holzer. Die Jury lobte den klaren und einfachen Ansatz der beiden versetzten Häuser mit Satteldach. Allerdings würde der Vorplatz in der Beziehung zum Kirchplatz und dem benachbarten Kinderhaus als rückseitig empfunden.

Jeweils im Süden haben alle vier honorierten Entwürfe im sogenannten Ideenteil ein Gebäude für soziale Nutzungen für Senioren und weitere Zwecke vorgesehen. Derartige Funktionen standen im Zentrum der jahrelangen Debatte um das Bürgerzentrum. Im jetzigen, engen, hellhörigen und für die Mitarbeiter zu kleinen Rathaus soll später ein Haus für Kinder unterkommen. Noch bis Donnerstag, 23. August, ist die Ausstellung aller Entwürfe im Gemeindesaal zu sehen (Montag bis Mittwoch und Freitag 10 bis 12 Uhr sowie Donnerstag von 16 bis 18 Uhr.

Link zum Bericht in der Süddeutschen Zeitung

Ein „Gesicht“ für Münsing

SIEGERENTWURF FÜR RATHAUS MIT BÜRGERZENTRUM STEHT FEST
von TANJA LÜHR; Isar Loisachbote vom 6.August 2018

Münsing Elf Stunden lang hat das Preisgericht am Donnerstag getagt. Es bestand aus sechs Architekten sowie Bürgermeister Michael Grasl und vier Gemeinderäten (Ernst Ramerth, Regina Reitenhardt, Ursula Scriba und Thomas Schurz). Außerdem nahmen Mitarbeiter der Verwaltung und Georg Sebald als Sprecher der Münsinger Vereine an dem Verfahren teil. Es handelte sich um einen anonymen, nicht offenen Realisierungswettbewerb mit 16 Teilnehmern. Das heißt, die Jury kannte die Architekten bei der Präsentation nicht, und der Sieger erhielt neben der Prämie in Höhe von 24 000 Euro auch den Planungsauftrag.

„Das Ergebnis überrascht nicht“, sagte Bürgermeister Michael Grasl am Montag bei der Vorstellung des Siegerentwurfs. Im Prinzip gab es zwei Varianten: den Einfirsthof oder zwei Häuser, entweder aneinander oder getrennt gebaut. Auch eine ungewöhnliche Idee mit zwei dreieckigen Gebäuden wurde eingereicht. Alle Arbeiten sind derzeit im Gemeindesaal zu besichtigen.

Bernhard Peck vom Büro Peck.Daam Architekten aus München stellte sein Siegermodell persönlich vor. Er schickte vorweg, dass er sich „wahnsinnig“ über den Auftrag freue. In einem „gewachsenen, authentischen Ort“ wie Münsing ein so zentrales Objekt wie das Bürger- und Rathaus verwirklichen zu dürfen, sei eine Ehre. Pecks zweistöckiger Baukörper nimmt die lang gezogene Form des alten Pallaufhofs auf. Zum Dorf mit der Kirche hin entsteht ein Bürgerplatz mit Brunnen und Sitzgelegenheiten. Die Räume des Rathauses und das Foyer sind im Eingangsbereich untergebracht. Ein repräsentatives Treppenhaus führt vom Foyer aus nach unten in das Bürgerhaus mit mobilen Wänden und nach oben in die weiteren Zimmer des Rathauses sowie zur Hausmeisterwohnung. Der Sitzungs- und Trausaal zeigt zur Kirche. Nach Süden ist der Veranstaltungssaal ausgerichtet. „Von hier aus kann man eventuell die Zugspitze sehen“, stellte Peck in Aussicht. Eine Besonderheit bildet die an den Saal grenzende Freilichtbühne. Eine Tiefgarage, erschlossen über die Straße Am Labbach, bietet Platz für 50 Fahrzeuge. Das kleinere Haus im Süden, gedacht für soziale Zwecke, ist Teil des Ideenwettbewerbs. Es stellt nur eine Anregung dar. Gebaut werden soll es – nicht zwangsläufig vom Architekten des Bürgerhauses – erst „in der nächsten Legislaturperiode“, wie Bürgermeister Michael Grasl sagt.

Das verwendete Material Holz, der luftige Laubengang und der Dachüberstand seien für die Jury wichtige Kriterien gewesen, erklärte Grasl. Das Ensemble füge sich in überzeugender Weise in das Ortsbild ein. Die Freiflächen, gestaltet von Landschaftsarchitekt Jochen Rümpelein aus Freising, würden sich vielfältig nutzen lassen. Last but not least könne das Gebäude durch seine klare, einfache Struktur „wirtschaftlich“ errichtet werden. Die Gemeinde geht wie berichtet von mindestens zehn Millionen Euro Baukosten aus.

Nur knapp hinter dem Gewinner (11:0 Stimmen) landete mit 10:1 Stimmen der Entwurf von Hirner & Riel Architekten aus München. Er sieht zwei parallel und leicht versetzt liegende Gebäude vor, wodurch zwei Höfe im Freien entstehen. Der südliche wird durch das Haus aus dem Ideenteil abgeschlossen. Platz drei (Berger Röcker Gork Architekten, Stuttgart) ist von der Gebäudeaufteilung ähnlich. Den Anerkennungspreis, dotiert mit 5000 Euro, erhielt das Büro Holzer Architekten aus Wolfratshausen. Christian Holzer trennt Bürger- und Rathaus und schafft in der Mitte einen Platz.

Laut Stefanie Seeholzer, Vorsitzende des Preisgerichts, war man sich bei der Beurteilung in der Jury einig, dass alle Vorschläge ein „hohes Maß an Gespür“ für die Gemeinde aufweisen. Das von der Gemeinde vorgegebene Raumprogramm sei von allen Teilnehmern erfüllt worden. Grasl glaubt, dass mit dem Siegermodell nun nach vielen Jahren der Vorbereitung ein Gemeindezentrum verwirklicht wird, das „ein Gesicht besitzt“.

Info

Die Entwürfe sind von Montag bis Mittwoch und freitags jeweils von 10 bis 12 Uhr zu besichtigen. Donnerstags ist die Ausstellung von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Am Mittwoch, 15. August, bleibt der Gemeindesaal wegen des Feiertags geschlossen.

Link zum Zeitungsbericht im Isar-Loisachboten, Münchner Merkur

Seniorenwohnstift: Zeit zum Aktenstudium

von Tanja Lühr, Isar Loisachbote vom 19. Juli 2018

Münsing Bis nach der Sommerpause – die nächste Sitzung findet am 28. August statt – haben die Münsinger Gemeinderäte Zeit, sich alle 32 Stellungnahmen von Bürgern zum geplanten Seniorenwohnstift in Ambach zu Gemüte zu führen. Wie berichtet waren die beiden zur Auswahl stehenden Modelle der Architekturbüros Matteo Thun sowie Beer, Bembé, Dellinger zwei Wochen lang im Rathaus ausgestellt. Nach Ablauf der Frist für Stellungnahmen vergangenen Freitag gingen noch einmal über 20 schriftliche Äußerungen bei der Gemeinde ein.

„Weit überwiegend wird der Entwurf von Beer, Bembé, Dellinger favorisiert“, berichtet Bürgermeister Michael Grasl gegenüber unserer Zeitung. Das Büro schlägt sieben Einzelhäuser mit Wohnungen, gruppiert um einen Anger vor. Es werde eine Reduzierung der von beiden Architekten vorgesehenen rund 80 Wohnungen angestrebt, die Stellplätze würden als nicht ausreichend angesehen, fasst Grasl die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

In der Ratssitzung am Dienstag, in der Grasl das Heft mit den Bürgerkommentaren an die Ratsmitglieder übergab, betonte er, dass man diese ernst nehmen werde. „Es ist keine einfache Abwägung, die uns bevorsteht“, sagte der Bürgermeister. Der Vorhabensträger, das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA), müsse sich ebenfalls zu den Punkten äußern. Bei der Entscheidung werde die Gemeinde „ohne Zeitdruck vorgehen“. Ob es am 28. August einen Beschluss geben wird, steht noch nicht fest. tal

„Alter Wein in neuen Schläuchen“

Stellungnahmen zum Seniorenwohnstift: Der vom Investor favorisierte Entwurf fällt bei den Bürgern durch

VON TANJA LÜHR, Isar-Loisachbote vom 14./15. Juli 2018

Münsing – Zehn Stellungnahmen zu den Plänen für das KWA-Seniorenwohnstift in Ambach sind bei der Gemeinde Münsing eingegangen. Wie berichtet waren die beiden zur Auswahl stehenden Entwürfe der Architekturbüros Matteo Thun sowie Beer, Bembé, Dellinger zwei Wochen lang im Sitzungssaal zur Ansicht ausgestellt. Am Freitag endete die Frist für Stellungnahmen. Bürgermeister Michael Grasl rechnet jedoch noch mit einigen Nachzüglern.

Bisher lasse sich erkennen, dass der Entwurf von Beer, Bembé, Dellinger (BBD) von den Bürgern favorisiert werde. Unserer Zeitung liegen drei Stellungnahmen vor, die sich für diese Variante aussprechen. Während Matteo Thun eher hotelartige, langgezogene Gebäude mit Blick auf den See vorsieht, gruppiert Sebastian Dellinger seine Zeltdachhäuser rund um einen Anger.

Ursula Scriba, selbst Architektin, Vorsitzende des Ostuferschutzverbands und Gemeinderätin, schreibt, das „Ambacher Gefühl“ greife ihrer Meinung nach nur BBD auf. Das Büro orientiere sich an der lockeren Villenstruktur am Seeufer. Dadurch werde eine bessere Durchlüftung gewährleistet, die Bewohner könnten aus allen etwa 80 Wohnungen den Seeblick genießen. Das alte Waldschlösschen, das erhalten und renoviert werden soll, stehe „froh und frei“ als Alleinstellungsmerkmal da und nicht, wie bei Matteo Thun, an die restliche Bebauung angefügt. Bei Thun würden zudem 16 der ebenfalls etwa 80 Wohnungen auf den Wald blicken.

Scriba mahnt bei beiden Plänen eine Reduzierung der Appartments an. Sie schlägt dem Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) vor, dafür auf das Schwimmbad zu verzichten und somit Kosten zu sparen. Münsing beteilige sich schließlich finanziell am interkommunalen Hallenbad in Geretsried. Shuttle-Busse könnten die KWA-Stiftbewohner dorthin zum Schwimmen bringen.

Sebastian Wiedemann, Sprecher der „Initiative Ambach“ und von Beruf ebenfalls Architekt, kommentiert den – von KWA favorisierten – Entwurf des Mailänder Stararchitekten Matteo Thun mit den Worten „Alter Wein in neuen Schläuchen“. Er unterscheide sich nicht großartig vom so genannten Testentwurf Christian Weigls aus dem Jahr 2016. „Schade, dass KWA das Potenzial des Wettbewerbs nicht nutzen und sich auf frische Ideen einlassen will“, schreibt Wiedemann.

Mit frischen Ideen meint er die kleinteilige Bebauung von BBD. Die lockere Anordnung vermeide eine Riegelbildung und öffne sich nach Süden, so Wiedemann. Die pavillonartigen Gebäude seien weniger an die althergebrachte Gestaltung angelehnt, wodurch sich ein freundliches Bild ergebe. Dem Argument von KWA, die Privatsphäre sei durch die Blickbeziehungen nicht gewährleistet, setzt der Ambacher entgegen, soziale Kontakte würden dadurch eher gefördert.

Mechthild Felsch, Grünen-Kreisrätin aus Münsing und Seniorenbeirätin des Landkreises, bevorzugt die BBD-Variante, weil sie die Villenstruktur am Ostufer, die auch im Rahmenplan als schützenswert genannt wird, besser nachempfinde. Außerdem könnten die Pavillons im Fall einer Pleite des Seniorenstifts besser als Wohnungen für die Allgemeinheit genutzt werden, schreibt sie. Felsch weist zudem darauf hin, dass KWA statt einer „Tagesbetreuung“, von der bisher die Rede sei, eine „Tagespflege“ anbieten solle. Denn nur dafür gebe es Zuschüsse von den Krankenkassen. Zuletzt bemerkt sie, dass Betreutes Wohnen im Hochpreissegment nicht als Bedarf im seniorenpolitischen Gesamtkonzept des Landkreises auftauche.

Bürgermeister Grasl will nun allen Gemeinderäten die Stellungnahmen zukommen lassen. Wann über den Siegerentwurf entschieden werde, stehe noch nicht fest. „Mir ist es wichtig, dass eine kritische Beleuchtung der Entwürfe und Argumente erfolgt“, betont Grasl. Eine Reduzierung der Wohneinheiten könne er nicht versprechen, auch wenn er in den Gesprächen mit KWA versucht habe, dies durchzusetzen. „Ein Träger muss doch auch wirtschaften können“, findet er. Bei 60 Wohnungen, wie von vielen Ambachern gefordert, spare sich KWA vielleicht den Saal für öffentliche Veranstaltungen oder die Tagespflege. „Dafür muss dann der Gemeinderat den Kopf hinhalten.“ Im Übrigen sei die ehemalige Wiedemann-Klinik auf dem Grundstück mit 145 Betten, 99 Zimmern und durchschnittlich 135 ambulanten und stationären Patienten für die Bevölkerung nie ein Problem gewesen.

Link zu den Stellungnahmen von OSV Mitgliedern

Zwei Entwürfe und eine Tendenz

VON TANJA LÜHR, Münchner Merkur, Isar Loisachbote vom 28. Juni 2018

Link zum Originalartikel im Isar-Loisachboten vom 28. Juni 2018

Zwischen zwei ganz unterschiedlichen Entwürfen für ein Seniorenwohnstift in Ambach muss sich der Münsinger Gemeinderat demnächst entscheiden. Sie wurden am Dienstag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von den Architekten präsentiert. Die Bürger können sich in den kommenden zwei Wochen dazu äußern.

Münsing Der Bauausschuss hatte in einem Workshop eine Vorauswahl aus vier Entwürfen getroffen. Die zwei, die noch im Rennen sind, stammen vom Mailänder Stararchitekten und -designer Matteo Thun sowie vom Büro Beer, Bembé, Dellinger aus Greifenberg. Während der gebürtige Südtiroler Thun auf langgezogene, mehrstöckige Baukörper im Stil eines Hotels setzt, will Sebastian Dellinger mehrere Einzelhäuser, gruppiert um einen Innenhof, als lockeres Ensemble errichten. Beide Bewerber wollen das historische „Waldschlössl“-Gebäude auf dem ehemaligen Wiedemann-Sanatoriumsgelände erhalten und sanieren.

Klarer Favorit des Investors, des Kuratoriums Wohnen im Alter (KWA), ist der Entwurf des Büros Thun. KWA-Vorsitzender Horst Schmieder erklärte im Anschluss an die Vorstellung, warum. Die Anlage sei „funktionaler“. Restaurant, Küche und Veranstaltungssaal lägen auf einer Ebene. Es gebe im Gegensatz zu Dellingers Einzelhäusern mit Souterrain-Apartments eine größere Anzahl heller Wohnungen mit Blick auf den See. Ältere Menschen würden aus Sicherheitsgründen auch nicht gerne im Erdgeschoss wohnen. Bei Thun sei zudem mehr Privatsphäre gewährleistet, weil nicht jeder auf den Balkon des anderen schauen könne, weil das Schwimmbad schlechter einsehbar sei und die Anlage in sich abgeschlossener sei. Schließlich falle Senioren die Orientierung leichter bei weniger Gebäuden.

Die Fachjury, die unter anderem aus Kreisbaumeister Andreas Hainz und Landschaftsplaner Christian Ufer bestand, hielt beide Modelle für städtebaulich gelungen. Der Baumbestand werde weitgehend geschützt, in beiden Fällen entstehe ein reizvoller Innenhof. Die Funktionalität stelle jedoch bei Dellinger eine „Herausforderung“ dar, wie Jurymitglied Architekt Christian Weigl einräumte.

Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) sprach sich für den Thun-Entwurf aus. In der Diskussion zeichnete sich eine Mehrheit dafür ab. Sozialreferentin Regina Reitenhardt (Wählergruppe Münsing) sagte, sie wisse aus ihrer Erfahrung im Umgang mit Senioren, dass bei diesen die Faktoren Helligkeit, Sicherheit und gute Orientierung entscheidend seien: „Das Wohnstift und die Tagespflege müssen in erster Linie von den Senioren gut angenommen werden.“

Umweltreferentin Christine Mair (WG Münsing) lobte, dass beide Architekten einen Sockel aus Stein und darauf in Holz bauen wollen. Bei Thun sieht sie den Vorteil, dass der geplante Aufbau aus vorgefertigten Holzteilen schneller ginge und somit für die Anwohner erträglicher wäre. Thomas Schurz (CSU) meinte, Dellingers Zeltdachhäuser erinnerten ihn an eine „Ferienwohnsiedlung in der Karibik“. Ihm gefällt die von Thun vorgesehene Begrünung der Dachterrassen und Dächer. Ernst Ramerth (Wählergruppe Holzhausen) erklärte, als Ingenieur stehe für ihn die Zweckmäßigkeit an oberster Stelle.

Bürgermeister Grasl hätte sich zwar „keine Entscheidung“, aber eine Abstimmung gewünscht, in welche Richtung es gehen soll. Auf Drängen von Ursula Scriba (Bürgerliste) sollen aber erst die schriftlichen Einwendungen und Anregungen der Bürger abgewartet werden. Diese können die Modelle und die Pläne bis 11. Juli im Sitzungssaal des Rathauses ansehen und sich dazu äußern. Sebastian Wiedemann, Sprecher der Initiative Ambach, nannte das ein „faires Angebot“. Er persönlich tendiere zum Dellinger-Entwurf, sagte er. Dr. Gustav Neumeister, Mitglied des Ostuferschutzverbands, spr

Langhäuser oder Pavillons

 

Für das Ambacher Seniorenwohnstift gibt es zwei bevorzugte Entwürfe – von Matteo Thun und Beer Bembé Dellinger. Die Modelle sind derzeit im Rathaus einzusehen. Die Münsinger können dazu Stellung nehmen.

Von Benjamin Engel, Münsing, Wolfratshauser SZ, 28. Juni 2018

Link zum Originalartikel in der Wolfratshauser SZ vom 28. Juni 2018

Im Gemeindesaal hat es Architektin Nicolette Baumeister am Dienstagabend auf den Punkt gebracht. „Die heutige Sitzung ist ein wichtiger Meilenstein im Verfahren“, sagte sie. Erstmals konnte die Öffentlichkeit erfahren, wie das in Ambach auf dem Gelände der früheren Wiedemann-Klinik geplante Seniorenwohnstift aussehen könnte. Am von Baumeister moderierten Workshop-Verfahren hatten sich vier Architekturbüros beteiligt. Zwei davon hat der Bauausschuss des Gemeinderats vorausgewählt. Um seinen Entwurf zu präsentieren, war der italienische Stardesigner Matteo Thun mit seinem Team aus Mailand angereist. Die beiden Architekten vom Büro Beer Bembé Dellinger hatten es aus Greifenberg weniger weit.

Matteo Thun & Partners

Zur Landschaft als Ausgangspunkt seiner Architektur bekannte sich Matteo Thun. „Meine These ist: Die Natur gewinnt und nicht die Architektur“, sagte er. Das könne jeder sehen, der über das Gelände mit den seit mehr als zehn Jahren leer stehenden früheren Sanatoriumsgebäuden gehe. Die Häuser seien komplett kaputt.

An deren Stelle will der Architekt sechs Neubauten im oberen Hangbereich errichten. Die Häuser sollen sich am Archetypus des Langhauses orientieren – mit Zementsockel und den oberen Stockwerken in Holzfertigbauweise. Das begründet Thun mit dem Bedürfnis von Senioren nach einfachen, klaren Architekturformen. Die unteren Bauten sollen auf dem Dach begrünt werden. So sollen die Häuser gleichsam in grüner Landschaft verschwinden und beim Blick aus den höher am Hang liegenden Gebäuden Richtung See kaum mehr als Architektur kenntlich werden. Die oberen Häuser gruppieren sich um einen inneren Hofbereich. Die 81 Wohnungen sollen größtenteils zum Starnberger See hin ausgerichtet werden.

Die frühere Waldschlösschen-Villa – darum hat sich die ehemalige Wiedemann-Klinik entwickelt – soll laut Thun vom „Speck der 1960er-Jahre Bauten“ befreit werden. Für ihn ist das historische Haus mit Restaurant und Lobby Herzstück der gesamten Anlage. „Für Ambach und Umgebung soll das wieder der Ort werden, wo man sich trifft“, schildert der Architekt.

Beer Bembé Dellinger

Sieben kleine Häuser und das frei stehende Waldschlösschen gruppieren sich nach dem Entwurf des Greifenberger Büros um einen terrassierten Innenhof. Alle Häuser mit Satteldach sind unterirdisch durch Gänge verbunden, oberirdisch über separate Eingänge aber genauso erreichbar. Nach allen vier Seiten der Gebäude sind Wohnungen mit Balkonen orientiert. „Die klassische Altenheimtypologie wollen wir vermeiden“, schilderte Sebastian Dellinger.

Mit dem Aufzug oder per Treppe kommen die Bewohner von jedem der Pavillons in den Hof mit Wegen zum Spazierengehen. Vom verputzten Waldschlösschen sind die holzverkleideten weiteren Häuser optisch bewusst abgegrenzt. „Wir wollen eine bessere Orientierung allein schon über die Baukonfiguration schaffen“, berichtete Dellinger. Im Erdgeschoss des historischen Baus soll das Restaurant, im Obergeschoss sollen Rückzugsräume zum Kaffeetrinken oder Kartenspielen entstehen. Das Schwimmbad soll in den Terrassenarkaden unter dem Erdgeschoss der Villa integriert werden. Alle Räumlichkeiten mit größerem Volumen, etwa für die Tagespflege oder den Veranstaltungssaal, werden in den Hang geschoben. Damit bilden sie die Basis für die darüber liegenden Pavillons.

Favorit der Betreiber

Das „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) hat große Teile des Sanatorium-Grundstücks vor rund zwei Jahren gekauft. Laut dessen Vorstand Horst Schmieder ist für die Bewohner eines Seniorenstifts wichtig, dass ihre Intimsphäre gewahrt bleibt. In Ambach wollten sie auf den See blicken, was im Entwurf von Thun besser möglich sei. Die Wohnbereiche müssten von anderen Einrichtungen wie Tagespflege, Schwimmbad oder Veranstaltungssaal abgesetzt sein. Eine einfache Orientierung müsse es in der Anlage geben. Das sehen er und Gerhard Schaller vom KWA-Baumanagement im Thun-Entwurf besser verwirklicht. Noch bis Mittwoch, 11. Juli, sind alle vier Entwürfe zum Plangutachten im Rathaus – und auf der KWA-Homepage – einzusehen. Die Münsinger können bis Freitag, 13. Juli, schriftliche Stellungnahmen beim Bauamt einreichen. Ende August soll der Gemeinderat entscheiden, welcher Entwurf weiterverfolgt wird.

Jagdhornklänge fürs Jägerhaus

Von Sabine Bader, Stanrberger SZ vom 26.06.2918

Allmannshausen – Der Maler Gabriel von Max (1840 bis 1915) hätte sie sicher gemocht, die kleine Bronzeskulptur, mit der der Ostufer-Schutzverband alljährlich jene Villenbesitzer ehrt, die ihre denkmalgeschützten Häuser besonders liebevoll in Schuss halten. In diesem Jahr gibt es gleich zwei Neuerungen: Zum einen steht die Villa, um die es geht, zum erstem Mal in der fünfjährigen Geschichte des Preises nicht in der Gemeinde Münsing, der Heimat des Schutzverbands, sondern in der Nachbargemeinde Berg. Gewonnen hat das dortige Jägerhaus des Schlosses Unterallmannshausen, auch bekannt unter dem Namen Villa Rambaldi. Zum anderen geht die Auszeichnung erstmals an eine Eigentümergemeinschaft: Die Erbengemeinschaft von Nagel zu Aichberg. Ihr steht die 103-jährige Maria-Gabriele von Nagel zu Aichberg vor, die mit einigen ihrer Familienangehörigen auch zur Preisverleihung in den Gasthof „Zur Post“ nach Aufkirchen gekommen ist.

Noch heute bewohnt sie das Anwesen am Ostufer des Sees alljährlich zwischen Frühjahr und Herbst mit ihrer Tochter Barbara Bering. Nur im Winter leben die Frauen in München: Die Villa wird nur mit Kachelöfen beheizt. Die anderen Familienmitglieder nutzen das Haus nur im Sommer sporadisch. Ansonsten wohnen noch zwei Mieter ganzjährig im Gebäude. Es ist also ständig bewohnt. „Wir lieben das Haus sehr, sind auch in Aufkirchen zur Schule gegangen“, erzählt Barbara Bering der SZ.

Die Geschichte des Hauses hängt eng mit Schloss Unterallmannshausen zusammen. Die Villa war einst das südlich gelegene Jägerhaus des Schlosses und wurde von Otto Graf Rambaldi erbaut, nachdem dieser Schloss Unterallmannshausen 1880 an den Mannheimer Chemieunternehmer Christoph Heinrich Boehringer verkauft hatte. Die Villa zählt laut Kreisheimatpfleger Gerhard Schober zu den typischen Landhäusern am Starnberger See. Und doch sticht sie Spaziergängen und Radlern sofort ins Auge. Denn das Jägerhaus wirkt weit weniger bäuerlich als andere Landhäuser, was sowohl an den feingliedrigen, schmiedeeisernen Balkonen als auch der doppelläufigen Freitreppe zum See liegt.

Apropos Jägerhaus: Die Vorsitzende des Ostufer Schutzverbands, Ursula Scriba, ist selbst Jägerin und läutete die Preisverleihung mit einem Ständchen der Münchner Reiterlichen Jagdhornbläser ein, denen sie selbst angehört. Aber auch die Klassikfreunde kamen an diesem Abend auf ihre Kosten: Professor Johannes Umbreit (Klavier) und Therese Hahn (Violine) lockerten die Veranstaltung musikalisch auf. Scriba ist hin und weg vom Gebäude, dass es auszuzeichnen gilt. Denn sie ist selbst Architektin. Wen wundert es also, dass sie in ihrem einstündigen Vortrag den Gästen der Preisverleihung in Aufkirchen alle Vorzüge des Gebäudes minutiös erklären konnte. „Das Haus hat die Jury sofort überzeugt“, sagte sie. „Die Abstimmung war unstrittig.“ Der Bau besteche durch seine perfekten Proportionen, und auch die Fenster seien im „Goldenen Schnitt“, sagte sie.

Doch dem Verband geht es nicht nur darum, schöne Denkmalbauten zu würdigen. Er will mit dem Preis auch erreichen, dass noch mehr Eigentümer sich dessen bewusst werden, was es bedeutet, ein Baudenkmal zu besitzen. Das erfordert neben vielen Absprachen mit den Denkmalschützern auch erhöhten finanziellen Aufwand. Denn die Gebäude sind alle in einem Alter, in dem es ständig etwas zu renovieren gibt. Im Fall der Villa Rambaldi hätten die Eigentümer das Glück, dass ein Familienmitglied Schreinermeister sei und damit ein ausgewiesener Fachmann, erzählt Scriba.

Auch der stellvertretende Landrat Georg Scheitz zollte „allen, die in einem denkmalgeschützten Haus leben, Respekt“. Und mit Blick auf die 103-jährige Geehrte meinte er: „Wenn ich sie so anschaue, dann ist es ein sehr gesundes Haus.“ Er hoffe, so Scheitz, dass der Preis weitere Denkmaleigentümer motiviere. Und auch Vinzenz Dufter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege, Münsings Rathauschef Michael Grasl und die Dritte Bürgermeisterin von Berg, Elke Link, hoffen, dass der Preis weitere Eigentümer wachrüttelt (Grasl).

Dass das bislang nicht immer fruchtet, weiß Grasl am Besten. Steht doch in seiner Gemeinde, in Ammerland, die denkmalgeschützte Max-Villa, die seit vielen Jahren zusehens verfällt. Mit aus diesem Grund hat der Ostufer Schutzverband seinen Denkmalpreis vor fünf Jahren auch nach dem Maler Gabriel von Max benannt. Der Künstler und Naturforscher Gabriel von Max liebte Affen über alles. Er malte sie in allen erdenklichen Posen. Die Preis-Skulptur stammt aus der Hand des Ammerlander Bildhauers Ernst Grünwald. Sie zeigt darum einen Affen, der auf einer Säule hockt und eine Miniaturausgabe der Max-Villa auf dem Schoß trägt. Aber dazu will das Bronzeäffchen lieber nichts sagen.

Das Juwel von Allmannshausen

VON VOLKER UFERTINGER, Isar Loisachbote vom 23. Juni 2018

Erneut hat der Ostuferschutzverband den Gabriel-von-Max-Denkmalpreis vergeben. Zum ersten Mal ging er an eine Erbengemeinschaft, die die Villa Rambaldi in der Nähe des Allmannshauser Schlosses hegt und pflegt.

Link zum Originalartikel im Isar Loisachbote vom 23. Juni 2018

Münsing/Allmannshausen – Wer am Ostufer des Starnberger Sees auf der Assenhauser Straße nordwärts schlendert, gelangt irgendwann zum altehrwürdigen Schloss Allmannshausen. Doch schon wenige hundert Meter vorher steht rechterhand ein entzückendes kleines Anwesen: Das ehemalige Jägerhaus des Schlosses, nach dem einstigen Eigentümer auch Villa Rambaldi genannt. Dass der Anblick beim Betrachter Glücksgefühle auslöst, ist nach Angaben vor Ursula Scriba, Architektin und Vorsitzende des Ostuferschutzverbands, kein Zufall, sondern vom – unbekannten – Architekten genau so gewollt: „Die Front bildet ein regelmäßiges Quadrat, und wenn wir so etwas sehen, fühlen wir uns einfach wohl.“ Perfekte Proportionen, makellose Haltung, ein lässiger Umgang mit der schwierigen Hanglage am Ostufer: Das sind die architektonischen Markenzeichen der Villa Rambaldi.

Sämtliche Juroren des Gabriel-von-Max-Denkmalpreises haben unter den sechs Vorschlägen die formschöne Villa mit ihren grünen Fensterläden und dem filigranen Eisenbalkon auf Platz eins gewählt. „Das Votum war also eindeutig“, sagte Scriba in ihrer Laudatio. Und so brachte die Verleihung des Gabriel-von-Max-Denkmalpreises am Mittwochabend im Landgasthof zur Post in Aufkirchen zwei Neuheiten mit sich. Erstmals blieb der Preis nicht in Münsing, sondern ging in die Gemeinde Berg. Und: Zum ersten Mal wurde eine Erbengemeinschaft ausgezeichnet, bestehend aus den vier Familien Nagel zu Aichberg, Bering, Keitlinghaus und Breitenbach. Vier Generationen leben dort zeitweise unter einem Dach, meist im Sommer, im Winter ist die Villa mangels Heizung unbewohnt. Besonders hob Ursula Scriba hervor, dass Felix Keitlinghaus, von Beruf Schreiner, viel an dem denkmalgeschützten Haus selbst macht. „Die Geduld und das Engagement im Umgang mit dem ehrwürdigen Gebäude ist vorbildhaft“, sagte Scriba bei dem kleinen, aber feinen Festakt.

Der Gabriel-von-Max-Denkmalpreis hat eigentlich einen traurigen Hintergrund: Anlass für seine Verleihung ist die Tatsache, dass ein besonders schönes Exemplar, die Villa des Malers, Darwinisten und Spiritisten Gabriel von Max (1840 – 1915) in Ammerland, mangels Interesse der Eigentümer vor aller Augen zusehends verfällt. Doch statt darüber zu klagen, prämiert der Ostuferschutzverband (OSV) lieber Besitzer von Denkmälern, die es besser machen. Dazu gehörte bislang der Gorythomahof der Familie Strobl in Weipertshausen (2014), das Handwerkerhaus der Familie Wagner in Ammerland (2015), das Schloss Ammerland von Werner Döttinger (2016) sowie der Eierwastl der Familie Noppes in Degerndorf (2017). Jedes einzelne Beispiel zeigt, dass es geht, wenn man will. „Mit diesem Preis sendet der Ostuferschutzverband ein Signal rund um den See“, sagte der Münsinger Bürgermeister Michael Grasl. Und noch etwas hob er hervor: „Wer Denkmäler erhält, stellt übergeordnete Interessen über die eigenen.“ Und das sei heutzutage die absolute Ausnahme

Nicht zu vergessen: Der Abend wurde auch musikalisch begleitet, von Therese Hahn an der Violine und OSV-Mitglied Johannes Umbreit am Klavier. Ihre Mozart-Sonate und ihre Schumann-Romanze schmeichelte dem Ohr, wie der Anblick der Rambaldi-Villa dem Auge. Es war eben ein Abend in Aufkirchen, der dem Schönen gewidmet war.

 

Die Geschichte des Hauses

Die Geschichte des Hauses ist natürlich eng mit der des Allmannshauser Schlosses verknüpft, das heute dem Freistaat gehört und an die Religionsgemeinschaft „Wort des Lebens“ verpachtet ist. Der Pate der Bewerbung, Juror Manfred Stecher aus Münsing, hat einiges aus der Historie von Schloss und Villa zusammengetragen. Eine wichtige Rolle spielte demnach die international gut vernetzte Adelsfamilie Hörwarth, die 1696 das Schloss hatte errichten lassen. Sie ließ etwa 1780 auch die kleine Villa für die Jäger und möglicherweise auch Förster anlegen. 1800 erlosch das Geschlecht, durch Erbteilung gingen große Teile von Allmannshausen an die Familie Rambaldi.

1880 trat der Chemieunternehmer Christoph Heinrich Böhringer auf den Plan: Er ließ das Ensemble im Stil der Neo-Renaissance umbauen und verhalf ihm zu dem Aussehen, das es auch heute noch hat. 1883 heiratete der Schriftsteller Karl von Rambaldi die Böhringer-Tochter Mathilde. Deren Tochter, die ebenfalls den Namen Mathilde trug, heiratete in Erster Ehe Heinrich von Nagel zu Aichberg, der im Ersten Weltkrieg fiel. Diesen Namen trägt heute noch die älteste der acht Eigentümer, die 103 Jahre alte Gabriele von Nagel zu Eichberg, die die Verleihung des Preises sichtlich genoss.  vuVilla Rambaldi in Allmannshausen

Landrat unterliegt vor Gericht

 

Münsing – Die Stimmung war einigermaßen aufgewühlt in der Münsinger Bürgerversammlung Ende Mai 2017. Wieder drängte Thema Nummer eins in den Vordergrund, das umstrittene Seniorenstift in Ambach. Gustav Neumeister, Rechtsanwalt und Beirat des Ostuferschutzverbands, erhob den Vorwurf, dass die Behörden mit zweierlei Maß messen würden. „Kleinen Bürgern werden Schwierigkeiten gemacht, wenn sie im Außenbereich bauen wollen, für Großinvestoren aus der Sozialbranche werden Bebauungspläne erarbeitet“, behauptete er.

Darauf reagierte Landrat Josef Niedermaier ungewohnt harsch. Er wetterte: „Sie müssen sich schon an die Fakten halten. Es handelt sich auf dem ehemaligen Wiedemann-Gelände eben nicht um Außenbereich, auch wenn sie das immer wieder behaupten. Das ist zig mal geklärt werden.“ Und dann, allgemeiner: „Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Anwälte mit ihrem Halbwissen die Leute an der Nase herumführen. Genau so ein Fall sind Sie.“

Wer dabei war, weiß: Der Saal hielt den Atem an, Neumeister rang um Fassung. Er verstand das Ganze als Angriff auf seine Ehre und ließ den Vorgang nicht auf sich beruhen. In einem Leserbrief an unsere Zeitung, die den Wortlaut der Auseinandersetzung zitiert hatte, beharrte Neumeister auf seinem Standpunkt, dass es sich um Außenbereich handelt, verwies auf Stellungnahmen sowohl des Landratsamts als auch der Gemeinde und fragte: „Kann man eine Sachfrage klären, ohne sich gegenseitig die Ehr’ abzuschneiden?“

Doch nicht nur das: Der Jurist klagte vor dem Verwaltungsgericht. Der Fall wurde Anfang Dezember in München entschieden – ohne mündliche Verhandlung. Ergebnis: Das Gericht schloss sich der Ansicht von Neumeister an. Dem Landrat wurde rechtskräftig die Aussage verboten, Neumeister „führe mit seinem Halbwissen die Leute an der Nase herum“. Nach Ansicht des Gerichts stelle diese Äußerung einen nicht gerechtfertigten Angriff auf die persönliche und berufliche Ehre dar.

All das teilt Neumeister in einer Presseerklärung an unsere Zeitung mit. „Fehlendes Wissen lag also nicht bei mir vor“, schreibt er. „Einem juristischen Laien kann man es nachsehen, wenn er Innen- und Außenbereich nicht immer auseinanderhalten kann. Eine Entschuldigung wäre aber angebracht.“ Dazu sei es leider nicht gekommen, weder vor noch nach der Gerichtsverhandlung. „Ich verstehe das nicht, wir hätten das leicht aus der Welt schaffen können.“ Neumeister hat sich zudem an die Anwaltskammer gewandt, die dem Landrat einen geharnischten Brief geschrieben hat.

Der Landrat will sich zu der Affäre nicht äußern. „Mit dem Gerichtsurteil ist die Sache erledigt“, erklärt die Pressesprecherin des Landratsamts, Marlis Peischer.

Leserbrief von Anatol Regnier zur Situation in Ambach

Anatol RegnierSchlaganfallklinik statt Wohnstift
– starke Argumente für Plan B

Wer eine Schlaganfallklinik aufsucht, hat nur ein Ziel: möglichst schnell und möglichst umfassend wieder gesund zu werden. Lärm und  Betriebsamkeit stören, Ruhe und Natur tun gut. Das ehemalige Wiedemann-Kurgelände erfüllt diese Voraussetzungen perfekt. Seine abgeschiedene Lage ist ein Bonus, das Ambacher Dorfleben erst in zweiter Linie wichtig. Patienten kommen mit dem Auto an und fahren mit dem Auto ab, der steile Anfahrtsweg spielt für sie keine Rolle. Für die Menschen der Region ist ist eine Schlaganfall-Klinik in erreichbarer Entfernung beruhigend und unter Umständen lebensrettend. Standort und Nutzung passen zusammen, ergänzen und unterstützen einander.

Nicht so im Fall des Senioren-Wohnstifts.

Wer in einSenioren-Wohnstift zieht, sucht Perspektive und Lebensqualität. Die abgeschiedene Höhenlage des Ambacher Kurgeländes ist hier ein Malus. Wer ins Dorf will, muss den Berg hinab und wieder hinauf, was mit zunehmendem Alter, zumal im Winter, nicht leichter wird. In Ambach gibt es kein Geschäft, keine Sparkasse, keine Apotheke, keine Eisdiele, Konditorei oder Bäckerei, keinen Friseur, keinen Lebensmittelmarkt und außer zwei Gaststätten und einem sporadisch geöffneten Kiosk wenig, was Menschen, die am Leben teilhaben wollen, wünschen oder brauchen. Daran wird sich nichts ändern, denn Ambach soll nach dem Rahmenplan der Gemeinde und dem erklärten Willen seiner Einwohner seinen einfachen, dörflichen Charakter behalten. Wer einkaufen will, muss nach Münsing, Seeshaupt, Wolfratshausen oder Starnberg, mit Privatauto (wieviele Senioren haben eines oder fahren noch?) oder mit klinikeigenem Transport (der organisiert werden muss und der Unabhängigkeit schadet) oder (mühsam) mit öffentlichen Verkehrsmitteln.  Entsprechende Einrichtungen auf dem Klinikgelände vergrößern das Bauvolumen und verstärken für die Menschen, die permanent dort wohnen und Abwechslung suchen, das Gefühl der Isolation. Fazit: Standort und Nutzung passen nicht zusammen, stehen gegeneinander, behindern einander.

Starke Argumente also für Plan B. Nicht zuletzt wegen der Akzeptanz in der Ambacher Bevölkerung. Rückenwind statt Gegenwind – klingt das nicht verlockend?

Anatol Regnier

Veröffentlichung: Isar Loisachboten und Wolfratshauser SZ am 09.10.2017