Landrat unterliegt vor Gericht

 

Münsing – Die Stimmung war einigermaßen aufgewühlt in der Münsinger Bürgerversammlung Ende Mai 2017. Wieder drängte Thema Nummer eins in den Vordergrund, das umstrittene Seniorenstift in Ambach. Gustav Neumeister, Rechtsanwalt und Beirat des Ostuferschutzverbands, erhob den Vorwurf, dass die Behörden mit zweierlei Maß messen würden. „Kleinen Bürgern werden Schwierigkeiten gemacht, wenn sie im Außenbereich bauen wollen, für Großinvestoren aus der Sozialbranche werden Bebauungspläne erarbeitet“, behauptete er.

Darauf reagierte Landrat Josef Niedermaier ungewohnt harsch. Er wetterte: „Sie müssen sich schon an die Fakten halten. Es handelt sich auf dem ehemaligen Wiedemann-Gelände eben nicht um Außenbereich, auch wenn sie das immer wieder behaupten. Das ist zig mal geklärt werden.“ Und dann, allgemeiner: „Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Anwälte mit ihrem Halbwissen die Leute an der Nase herumführen. Genau so ein Fall sind Sie.“

Wer dabei war, weiß: Der Saal hielt den Atem an, Neumeister rang um Fassung. Er verstand das Ganze als Angriff auf seine Ehre und ließ den Vorgang nicht auf sich beruhen. In einem Leserbrief an unsere Zeitung, die den Wortlaut der Auseinandersetzung zitiert hatte, beharrte Neumeister auf seinem Standpunkt, dass es sich um Außenbereich handelt, verwies auf Stellungnahmen sowohl des Landratsamts als auch der Gemeinde und fragte: „Kann man eine Sachfrage klären, ohne sich gegenseitig die Ehr’ abzuschneiden?“

Doch nicht nur das: Der Jurist klagte vor dem Verwaltungsgericht. Der Fall wurde Anfang Dezember in München entschieden – ohne mündliche Verhandlung. Ergebnis: Das Gericht schloss sich der Ansicht von Neumeister an. Dem Landrat wurde rechtskräftig die Aussage verboten, Neumeister „führe mit seinem Halbwissen die Leute an der Nase herum“. Nach Ansicht des Gerichts stelle diese Äußerung einen nicht gerechtfertigten Angriff auf die persönliche und berufliche Ehre dar.

All das teilt Neumeister in einer Presseerklärung an unsere Zeitung mit. „Fehlendes Wissen lag also nicht bei mir vor“, schreibt er. „Einem juristischen Laien kann man es nachsehen, wenn er Innen- und Außenbereich nicht immer auseinanderhalten kann. Eine Entschuldigung wäre aber angebracht.“ Dazu sei es leider nicht gekommen, weder vor noch nach der Gerichtsverhandlung. „Ich verstehe das nicht, wir hätten das leicht aus der Welt schaffen können.“ Neumeister hat sich zudem an die Anwaltskammer gewandt, die dem Landrat einen geharnischten Brief geschrieben hat.

Der Landrat will sich zu der Affäre nicht äußern. „Mit dem Gerichtsurteil ist die Sache erledigt“, erklärt die Pressesprecherin des Landratsamts, Marlis Peischer.

„Mächtiges Gefühl der Scham“

Von Benjamin Engel, Wolfratshauser und Starnberger SZ 24. Januar 2018

Münsing – Die Musiktheaterregisseurin Verena von Kerssenbrock bewundert ihren Urgroßvater Colombo Max (1877 bis 1970). „Für uns war er immer der Nonno“, erzählt sie. Der Maler und Sohn des Künstlers Gabriel von Max sei ein Vorbild gewesen, das sie als Kind noch persönlich erlebt habe. Colombo Max habe sehr viel gewusst, ganz in und mit der Natur gelebt, erinnert sie sich. Eine weitere Facette lernte Kerssenbrock kennen, als sie auf seine mehr als 1000 Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg stieß. Die zeigen ihn und seine Frau Paula als Skeptiker gegen den Kriegswahnsinn. Daraus ist ein Buch entstanden: „Die Münchner Künstlerfamilie Max. Feldpostbriefe 1914-1918“.

Von der Lektüre der Briefe war die Regisseurin sofort begeistert. „Das sind wahnsinnig spannende, sehr detaillierte Zeitdokumente“, erläutert sie. Paula hatte aus Liebe zu Colombo – sie hatten 1910 geheiratet – ihre Tanzkarriere aufgegeben. Am Gasthaus in Ammerland – in dem Ort hat die Künstlerfamilie Max ein Sommerhaus – liest sie von der Mobilmachung der deutschen Soldaten und notiert am 5. August 1914 in ihrem Tagebuch: „Man glaubt zu träumen, hier diese Ruhe und draußen soll Krieg werden. Mein Verstand kann diese beiden Dinge nicht vereinen.“ Warum ein so selbständiger Mann wie Colombo gezwungen wird, „alles zu verlassen und zum Raufen zu gehen“, versteht sie nicht. „Sind die Menschen noch nicht reif und gebildet genug, um sich so blutig wie Buben oder Raufbolde zu schlagen.“

An dem Buch hat Kerssenbrock fünf Jahre gearbeitet. Sie transkribierte die teils nur schwer entzifferbaren handschriftlichen Feldpostbriefe aus fünf Kriegsjahren. Die Korrespondenz war teils in Familienbesitz, teils wurde sie im Archiv des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg fündig. In den Räumen lagerten viele Briefe in Kisten, erzählt sie. „Die waren noch ungeordnet.“ Die ursprüngliche Idee, die Briefe nur für den privaten Familienkreis zu bearbeiten, gab Kerssenbrock bald auf. Zu spannend erschienen ihr die Briefe als Zeitdokumente für die Öffentlichkeit. Sie kontaktierte den Münchner Scaneg Verlag, der das Buch Ende 2017 herausgab.

Colombo Max wurde als Unteroffizier der Landwehr eingezogen. Von Ingolstadt kam er mit seinem Bataillon im Oktober 1914 an die Westfront. Seine Aufgabe war es, die Infanterie mit Munition zu versorgen. Später war er für die Verpflegung der Soldaten verantwortlich. Noch in Ingolstadt hält Colombo beim Anblick von gefangenen französischen Soldaten fest: „Wenn sie nicht rote Hosen anhätten, könnte man sie für intelligente Bayern ansehen.“ Im April 1915 schreibt er an seine Frau aus Fournes im französischen Flandern von Totenkreuzen, die wie Blumen in den Himmel wachsen. In der Kirche hat die Muttergottes keinen Kopf und keine Hände mehr. „Weggeschossen“, notiert er. „Bei Anblick von Verwundeten, Leichen und all dem Zerstörten habe ich immer nur ein mächtiges Gefühl der Scham“, schreibt er ein paar Tage später.

In inniger Verbundenheit präsentiert sich die Familie Max mit Paula, Colombo und Sohn Thomas (von links) auf einem Gemälde. Foto: Privat

 

Colombo und seine Frau korrespondierten fast täglich. Von Kriegsbegeisterung ist dabei nie zu lesen. Er kann nicht verstehen, warum nur von der hohen Begeisterung der Soldaten und den mächtigen Tönen der Kanonen geschrieben wird. Der Kriegslärm erzeugt in ihm „Wut aus Scham über die Menschheit“. Diese pazifistische Grundhaltung hatte wohl auch mit seiner Erziehung zu tun. Colombo war das dritte Kind aus der Ehe des Malers Gabriel von Max (1840 bis 1915) mit Emma Kitzing. Er hatte noch eine Schwester, Ludmilla, und den Bruder Corneille, ebenfalls Maler. Auf Wunsch des Vaters lebte die Familie isoliert. Er selbst und Hauslehrer unterrichten die Kinder, die keine Schule besuchten. Eine Kinderbuchautorin berichtet, dass die Buben auch nicht mit Soldaten spielen durften

Schrecken ohne Ende

Der Widerstandskämpfer Thomas Max wurde in den letzten Kriegstagen von einem glühenden Nazi in Grünwald erschossen. Das Ereignis wirkt bis heute nach, in der Familie des Opfers und der des Täters

Von Bernhard Lohr

Alles schien nach Plan zu laufen. Thomas Max war in seiner Wohnung, als gegen 8 Uhr die Meldung über Radio verbreitet wurde, die Freiheitsaktion Bayern (FAB) habe die Kontrolle über staatliche Stellen übernommen. Er wurde am Morgen des 28. April 1945 vom Glücksgefühl des nahenden Kriegsendes übermannt und tanzte vor Freude. Dann klingelte das Telefon. Man rief ihn als Arzt zu einem Verletzten ins nahe Rathaus. Seine sechsjährige Tochter Veronika wollte noch mitkommen. Doch ihr Vater wies sie an zu bleiben. Kurz darauf traf Max auf den glühenden NS-Anhänger Friedrich Ehrlicher. Es gab ein Wortgefecht. Und dann hörte die Tochter im Garten des Hauses die Schüsse, die ihren Vater im Alter von 38 Jahren tödlich in den Rücken trafen.

Thomas Max war mit den Kreisen um die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ befreundet und Anhänger der Freiheitsaktion Bayern, deren Mitglieder sich am 28. April an 78 Orten erhoben, um das sinnlose Sterben zu beenden. In Grünwald machten sich die Aktivisten daran, Sprengladungen an der Grünwalder und der Großhesseloher Brücke zu entfernen. Thomas Max setzte mit Freunden in den frühen Morgenstunden zudem den Ortsgruppenleiter Karl Müller und andere Nazigrößen im zweiten Stock des Rathauses fest. Zwei FAB-Aktivisten schoben Wache, als Friedrich Ehrlicher, Zugführer des Grünwalder Volkssturms, in Begleitung von zwei Hitlerjungen kam und die Nationalsozialisten befreite. Dabei wurde der FAB-Mann Erich Sachsinger durch Schüsse an Schulter und Achsel verletzt und Thomas Max wurde gerufen, um seinem Mörder in die Arme zu laufen. Der Aufstand der Freiheitsaktion brach zusammen und die NS-Herrschaft wurde um Tage verlängert. Am 1. Mai rollten Panzer der US-Armee durch Grünwald.

Thomas Max‘ Enkelin Verena von Kerssenbrock hat ein Buch zur Familiengeschichte veröffentlicht. An die Wand projiziert: Thomas Max mit seinen Eltern Colombo und Paula.

Mehr als 70 Jahre später hat Veronika von Kerssenbrock die Schüsse noch im Ohr, die ihr den Vater raubten und das Leben der Familie veränderten. Sein Tod war ein Schock für sie und ihren damals achtjährigen Bruder Nikolaus. „Ich habe ihn noch tot gesehen“, erinnert sich der heute 81-Jährige an das Bild, wie der Vater in einer blutdurchtränkten Militärjacke mit entfernten Hoheitsabzeichen in einem Schuppen in der Nähe des Tatorts lag. Dort hatten ihn Ehrlichers Anhänger lebend hingebracht. Erst zwei Stunden nach seinem Tod wurde die Familie benachrichtigt.

An die Ermordung von Thomas Max am 28. April erinnert ein Gedenkstein vor dem Rathaus. Die Dr.-Thomas-Max-Straße ist nach dem Mann benannt, dem der Widerstand gegen Gewalt und staatliche Willkür in die Wiege gelegt schien. Thomas Max war Adoptivsohn des Malers Colombo Max, der unter dem Eindruck der Gräuel an der Front im Ersten Weltkrieg eine stark pazifistische Ader entwickelte. In einem Feldpostbrief schrieb Colombo Max an seine Frau Paula den prophetischen Satz „Tommi muss ein Freiheitskämpfer werden. Wir sind’s nicht. Noch nicht“. Als sein Sohn ermordet wurde, wollte Colombo Max erst nicht mehr leben und wurde dann für seine Enkel Veronika und Nikolaus Vaterersatz. Sie besuchten ihn in der Max-Villa in Ammerland am Starnberger See, wo der Historienmaler Gabriel von Max schon gelebt und gearbeitet hatte, der Vater von Colombo und Corneille Max – der Malerbrüder aus Ammerland.

Colombo Max kam nie richtig hinweg über die Ermordung des geliebten Sohns , den er in seinen Feldpostbriefen im Ersten Weltkrieg viele Male als „lieben Tommi“ Grüße und Küsse ausrichten ließ. Auch ein Brief des gerade elfjährigen Tommi an seinen Vater, der als Soldat in Frankreich war, ist in dem dieser Tage erschienenen Buch „Die Münchner Künstlerfamilie Max“ abgedruckt, in dem Tommi seinem Vater von den Ereignissen im November 1918 berichtet: „In München ist Revolution! Die Soldaten sind frei und haben heute Nacht in die Luft geschossen. Maschinengewehre haben sie aufgestellt und Unser König hat abgedankt. Bayern ist Republik! […]Gruß und Kuss Dein Sohn Tommi“ Diesen Umsturz erlebte Thomas Max als Kind freudig mit, so wie er als Erwachsener das Kriegsende 1945 erwartete. Als Familienvater war Thomas Max in den Widerstand gegen Diktatur und Militarismus gegangen, als es geboten war – und fand doch nur den Tod.

Der nur ein Jahr ältere Todesschütze Friedrich Ehrlicher stand politisch auf der Gegenseite. Er war seit 1930 Mitglied der NSDAP gewesen und unter anderem Leiter der Abteilung Propaganda/Rednerwesen im Gau München-Oberbayern. Von 1938 bis 1945 führte er das Stadtjugendamt und kämpfte bis zum Schluss für den Fortbestand der Diktatur. Im Jahr 1952 musste er sich wegen der Schüsse auf Thomas Max vor Gericht verantworten. Colombo Max verfolgte die Verhandlung und erlebte, wie seine Familie ein zweites Mal Opfer wurde. „Richter zu alt (National verkalkt)“, notierte Colombo Max damals in sein Tagebuch. Stimmung „pro Ehrlicher“. Dieser sei ein „sturer Nazi“ und „militärisch“. Die Anklage lautete auf versuchten Totschlag an Sachsinger und Totschlag an Max. Ehrlicher wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Ein viel zu mildes, ungerechtes Urteil, wie Colombo Max fand, weil er nicht gelten ließ, dass Ehrlicher angeblich in Notwehr gehandelt hätte. Thomas Max war beim Zusammentreffen bewaffnet. Aber: „Wenn Tommi wirklich geschossen hat, war es in Notwehr. Er konnte sich denken, dass er in den nächsten Stunden gehängt würde, wenn er lebend denen in die Hände fällt.“ So der Vater. Der Täter war jedenfalls bald raus aus dem Gefängnis. Grund sich vom Nationalsozialismus zu distanzieren, sahen er und seine Familie über Jahrzehnte in der jungen Bundesrepublik nicht.

So geriet für die Familie von Thomas Max das Ende des NS-Regimes nicht zur inneren Befreiung. Die Gesellschaft war in den Fünfzigerjahren weit davon entfernt, Widerstandskämpfer als Helden anzusehen. Die Münchner Familientherapeutin Eva Madelung und der Historiker Joachim Scholtyseck beschreiben in ihrem Buch „Heldenkinder, Verräterkinder: Wenn die Eltern im Widerstand waren“, wie belastend für viele Nachkommen das Erbe war. NS-Täter wie Friedrich Ehrlicher waren nicht nur vor national gesinnten Richtern wieder obenauf. Der Verdienst etwa der Männer des 20. Juli wurde herabgesetzt und linker Widerstand nicht anerkannt. Behörden erließen Bescheide, dass „keine staatliche Unterstützung an Verräterfamilien“ zu zahlen sei. Selbst Mitglieder der „Weißen Rose“ hätten sich nicht getraut, sich öffentlich zum Widerstand zu bekennen, schreiben Madelung und Scholtyseck. Widerstandsfamilien seien isoliert gewesen und auf sich gestellt und hätten unter einem janusköpfigen Vermächtnis der Widerstandskämpfer zu leiden gehabt: Helden oder Verräter? Täter oder Opfer? Das war für viele Menschen damals nicht ausgemacht. Madelung und Scholtyseck gehen dem Phänomen in Interviews mit Betroffenen auf den Grund.

Nikolaus Max musste als nicht einmal zehnjähriger Bub erleben, wie verstörend die Umwelt auf die Ermordung seines Vaters reagierte. Der Täter kam gefühlt mit einem Freispruch weg. „Das Ganze ist der Familie sehr nahe gegangen“, sagt der 81-Jährige. Die Familien Ehrlicher und Max kannten sich. Man begegnete sich. Nikolaus Max ging sogar mit einem Sohn des Friedrich Ehrlicher in die Schule und hörte sich an, wie dieser sagte, dass dessen Vater seinen erschossen habe. Mit dem Täter kreuzten sich die Wege des Nikolaus Max später beinahe, als er in München an der Briennerstraße Kurse an der Gewerbeschule besuchte. Friedrich Ehrlicher war dort tätig. Max belegte einen Samstagskurs, Ehrlicher arbeitete dort unter der Woche. Begegnet sind sie sich nicht. Und doch war Nikolaus Max immer klar, wenn er die Schwelle zur Schule überschritt: Hier geht auch der andere ein und aus.

 


Dann vergingen Jahrzehnte. Nikolaus Max machte als Kaufmann sein Glück. Friedrich Ehrlicher lebte später in Haar. Die Geschehnisse vom 28. April 1945 gerieten in den Hintergrund. Doch wie durch ein unsichtbares Band blieben die Familien Max und Ehrlicher durch die Vergangenheit weiter verbunden. Ein Sohn von Friedrich Ehrlicher sprach Veronika von Kerssenbrock vor zehn Jahren bei einer Gedenkfeier für ihren Vater in Grünwald an und offenbarte ihr, dass auch die Täterfamilie bis heute unter dem Ereignis am Kriegsende leidet. Gesprochen wurde aber lange nicht darüber. Jetzt vor kurzem erst wandte sich ein Guy Hofmann mit einem Brief an Veronika von Kerssenbrock. Er ist ein Großneffe zweiten Grades des Volkssturmmanns Friedrich Ehrlicher. Hofmann kam nach dem Krieg zur Welt und war schon jenseits der 50, als er erkannte, wie in seiner Familie das Verbrechen an Thomas Max verdrängt wurde. Eine beiläufige Bemerkung in der Familie brachte Hofmann darauf, den Namen des entfernt Verwandten in eine Internet-Suchmaschine einzugeben, wo er auf einen Artikel in der Online-Enzyklopädie Wikipedia über seinen Großonkel stieß.

Als Guy Hofmann von dem Mord an Thomas Max erfuhr, versetzte es ihm einen Stich. Er dachte an Thomas Max‘ Tochter und Sohn und seine fünf eigenen Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren. Er fand den Gedanken furchtbar, dass Max‘ Kinder keinen Vater gehabt haben. Die Tat eines Fanatikers, sagt Hofmann. In der Familie war das aber nie offen Thema. „Es ist wirklich abenteuerlich“, findet Hofmann. Er und Veronika von Kerssenbrock telefonierten und sie gab ihm weitere Unterlagen. Von Kerssenbrock gibt sich heute versöhnlich und sagt: „Ich glaube, dass es im Moment für diese Familie noch viel schlimmer ist, die Geschichte zu verarbeiten. Als Kind war es natürlich schwer, aber für mich ist es vorbei. Wenn ich ihnen dabei helfen kann, es zu verarbeiten, ist das in Ordnung.“ Die Kinder könnten schließlich nichts dafür.

Doch es lässt sie auch nicht los. Guy Hofmann engagiert sich heute im Osnabrücker Forum „Kriegskinder und Kriegsenkel“ und fragt sich: „Wie viel Nazi steckt in mir?“ Dem gebürtigen Münchner gehen Szenen aus seiner Kindheit und Jugend nicht mehr aus dem Kopf. Ihn beschäftigt, dass Friedrich Ehrlicher lange den 8. Mai als einen „Tag der Niederlage“ bezeichnete und sein Großvater, ein erfolgreicher Geschäftsmann in München, noch in den Sechzigerjahren an Hitlers Geburtstag, dem 20. April, die Reichskriegsfahne hisste. Die Firmenfahrzeuge waren nicht zufällig schwarz-weiß-rot lackiert, in den Farben der umstrittenen Reichskriegsflagge.

Der gelernte Gesundheits- und Krankenpfleger Guy Hofmann erkennt in manchen, die in seiner Generation psychische oder körperlichen Leiden entwickeln, „Symptomträger“, die mit der „gewissen Gefühlsunterkühlung der Eltern“ zu kämpfen haben. „Mit diesem Schicksal bin ich nicht alleine.“ Über Krieg und Schuld zu sprechen war wichtig für Hofmann. Mit seiner Mutter oder Tante ging das nicht.

Hofmann arbeitet nun die Familiengeschichte auf. „Ich kämpfe gegen das Vergessen an“, sagt Hofmann. Gemeinsam mit einem Enkel Friedrich Ehrlichers, dem Romanistikprofessor Hanno Ehrlicher, will er für Wikipedia einen Lexikonartikel für Thomas Max erarbeiten. Beistand erhalten sie von der Historikerin Veronika Diem, die über die Freiheitsaktion Bayern promovierte. Sie hat den Aufstand am 28. April 1945 untersucht, bei dem im südbayerischen Raum 57 Menschen ihr Leben verloren. Außer Max erschossen NS-Schergen von der Grünwalder Widerstandsgruppe den französischen Kriegsgefangenen Lucien Merlin.

Leserbrief von Anatol Regnier zur Situation in Ambach

Anatol RegnierSchlaganfallklinik statt Wohnstift
– starke Argumente für Plan B

Wer eine Schlaganfallklinik aufsucht, hat nur ein Ziel: möglichst schnell und möglichst umfassend wieder gesund zu werden. Lärm und  Betriebsamkeit stören, Ruhe und Natur tun gut. Das ehemalige Wiedemann-Kurgelände erfüllt diese Voraussetzungen perfekt. Seine abgeschiedene Lage ist ein Bonus, das Ambacher Dorfleben erst in zweiter Linie wichtig. Patienten kommen mit dem Auto an und fahren mit dem Auto ab, der steile Anfahrtsweg spielt für sie keine Rolle. Für die Menschen der Region ist ist eine Schlaganfall-Klinik in erreichbarer Entfernung beruhigend und unter Umständen lebensrettend. Standort und Nutzung passen zusammen, ergänzen und unterstützen einander.

Nicht so im Fall des Senioren-Wohnstifts.

Wer in einSenioren-Wohnstift zieht, sucht Perspektive und Lebensqualität. Die abgeschiedene Höhenlage des Ambacher Kurgeländes ist hier ein Malus. Wer ins Dorf will, muss den Berg hinab und wieder hinauf, was mit zunehmendem Alter, zumal im Winter, nicht leichter wird. In Ambach gibt es kein Geschäft, keine Sparkasse, keine Apotheke, keine Eisdiele, Konditorei oder Bäckerei, keinen Friseur, keinen Lebensmittelmarkt und außer zwei Gaststätten und einem sporadisch geöffneten Kiosk wenig, was Menschen, die am Leben teilhaben wollen, wünschen oder brauchen. Daran wird sich nichts ändern, denn Ambach soll nach dem Rahmenplan der Gemeinde und dem erklärten Willen seiner Einwohner seinen einfachen, dörflichen Charakter behalten. Wer einkaufen will, muss nach Münsing, Seeshaupt, Wolfratshausen oder Starnberg, mit Privatauto (wieviele Senioren haben eines oder fahren noch?) oder mit klinikeigenem Transport (der organisiert werden muss und der Unabhängigkeit schadet) oder (mühsam) mit öffentlichen Verkehrsmitteln.  Entsprechende Einrichtungen auf dem Klinikgelände vergrößern das Bauvolumen und verstärken für die Menschen, die permanent dort wohnen und Abwechslung suchen, das Gefühl der Isolation. Fazit: Standort und Nutzung passen nicht zusammen, stehen gegeneinander, behindern einander.

Starke Argumente also für Plan B. Nicht zuletzt wegen der Akzeptanz in der Ambacher Bevölkerung. Rückenwind statt Gegenwind – klingt das nicht verlockend?

Anatol Regnier

Veröffentlichung: Isar Loisachboten und Wolfratshauser SZ am 09.10.2017

 

Nah am Wasser gebaut

Exkursion auf dem Dampfer 

Von Benjamin Engel, Süddeutsche Zeitung vom 10. September 2017

Berg/Münsing – Die MS Bayern zählt selbst zur Historie auf dem Starnberger See. Das Motorschiff ist der älteste der derzeit dort verkehrenden Ausflugsdampfer. Mit dem Bau wurde 1938 in einer Deggendorfer Werft begonnen. Wegen des Zweiten Weltkrieges wurde das Schiff aber erst 1948 fertiggestellt und das Schiff in Betrieb genommen. Jedenfalls passt die MS Bayern zum Historischen Verein Wolfratshausen, der am Samstag eine historische Schifffahrt vorbei an Schlössern und Villen mit dem Ausgangs- und Endpunkt Berg auf dem See organisiert.

Gegen 17 Uhr regnet es leicht bei gerade einmal um die 12 Grad Celsius. Viele der mehr als 100 Gäste haben deshalb Schirme dabei und wetterfeste Jacken an. Die meisten zieht es direkt ins Innere der MS Bayern. Nur wenige trotzen der Kälte am Außendeck. Für alle bieten jedoch Bernhard Reisner, zweiter Vorsitzender im Historischen Verein, und die Vorsitzende des Ostuferschutzverbandes, Ursula Scriba, einen anekdotensatten, historisch-fundierten Überblick zur Geschichte der Bauwerke und Bewohner am See – vom ersten italienischen „In-Lokal“, über Künstler bis hin zum bayerischen Märchenkönig Ludwig II.

Ohne auf den Monarchen und dessen Lieblingsschloss Berg einzugehen, hätte eine historische Schifffahrt ihr Thema verfehlt, wie Reisner sagt. Dem quadratischen Bau fehlen heute die Türme an den Ecken, die König Maximilian II. Mitte des 19. Jahrhunderts errichten ließ. Einen fünften, ebenfalls nicht mehr existenten, mit Namen „Isolde“ ließ Ludwig II. später anbauen. Er nutzte das Berger Schloss als Sommerresidenz, verbrachte darin die letzten Stunden vor seinem Tod im Starnberger See 1886.

Darum ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien bis hin zum Mordkomplott. Unstrittig ist, dass Ludwig II. nach seiner Entmündigung in Schloss Berg interniert wurde. Die Leichen des Königs und des Psychiaters Bernhard von Gudden wurden im Wasser nahe des Ufers im Schlosspark gefunden. Ein Kreuz und die Votivkapelle markieren die Fundstelle. Wie Scriba betont, gehe man davon aus, dass beide ertrunken seien. „Ludwig II. war aber ein ausgezeichneter Schwimmer.“ Jeder solle sich seine eigenen Gedanken machen, sagt sie.

Szenenwechsel ein wenig südlicher: Das Schiff gleitet an Leoni vorbei. Die Gäste erfahren, wie die einst Assenbuch genannte Fischer-Ansiedlung zu diesem ungewöhnlichen Namen kam. Mitte des 16. Jahrhunderts hatte sich Martin Vischer aus Berg dort angesiedelt und ein Fischeranwesen gebaut. Darum erstand eine kleine Siedlung. Laut Scriba soll im Ort eine riesige Buche gestanden haben. In ihr Blätterdach führte eine Treppe bis zu einer Altane, einer Art Balkon. Unter dem Baum stand ein kleines, ärmliches Gebäude, das Buchhaus, woraus sich der Name Assenbuch für die Ansiedlung ableitete.

Im 19. Jahrhundert erbte der der italienische Opernsänger Guiseppe Leoni von Staatsrat Franz von Krenner ein Haus in Assenbuch. Mit seiner zweiten Frau Rosina – sie war eine gute Köchin – betrieb Leoni darin ein Wirtshaus mit der Küche seines Heimatlandes. „Das war in aller Munde. Es war wohl das erste italienische In-Lokal weit und breit“, erläutert Reisner. „Gemma zum Leoni“, habe es fortan geheißen. Der Name blieb. In das an derselben Stelle 1889 erbaute Hotel lieferte der Schriftsteller Oskar Maria Graf als Bub die Semmeln der väterlichen Bäckerei aus Aufkirchen. Nach dem Abriss des Gebäudes in den 70er-Jahren entstand das heutige Seehotel Leoni.

Kurz darauf taucht die nach dem Unternehmer Johann Ulrich Himbsel benannte Villa mit einer der Lüftlmalerei nachempfundenen Fassade am Ufer auf. Der Bau-Tycoon eröffnete 1854 die Eisenbahnverbindung von München nach Starnberg. Zugleich nahm er den ersten Raddampfer am See in Betrieb. Für das Himbsel-Haus war der Typus des Bauernhauses Vorbild – zumindest nach außen. Im Inneren schmücken Wandmalereien namhafter Münchner Maler wie Wilhelm von Kaulbach und Moritz von Schwind das Treppenhaus.

Am ganzen Ostufer entlang steuert Kapitän Günter Engel die MS Bayern an Villen und herrschaftlichen Schlössern vorbei. Südlicher Punkt ist Seeshaupt. Am 1815 zu zwei Dritteln abgebrannten früheren Bauern- und Fischerort wechselt die Fahrt ans Westufer. Über Bernried, Tutzing und die Roseninsel geht es in rund drei Stunden wieder zurück nach Berg. Vor einem Jahr hat Reisner die Idee zur geschichtlichen Schifffahrt im Vorstand des Historischen Vereins präsentiert. Ursula Scriba gewann er zur Mitwirkung. Gemeinsam förderten sie so manches Kurioses zutage.

Im Ammerlander Schloss hielt sich 1816 etwa Antoine Marie Chamans, Graf von Lavallette versteckt. Der französische Offizier und Staatsmann war ein Freund Napoleons. Nach dessen Sturz war es aus Frankreich geflüchtet. Von seinem Versteck in Ammerland wusste der bayerische König Max I. Joseph. Bekannter ist der herrschaftliche Bau in Ammerland als Pocci-Schloss. Franz Graf von Pocci residierte dort im Sommer. Der Zeremonienmeister und Hofmusikintendant schuf mehr als 40 Stücke um den Kasperl Larifari für das Münchner Marionettentheater und wurde als Kasperlgraf bekannt. 1988 hatte Werner Döttinger das Ammerlander Schloss nach rund 20 Jahren Leerstand erworben und aufwendig renoviert. Dafür hat ihn der Ostuferschutzverband 2016 mit dem Gabriel-von-Max-Denkmalpreis ausgezeichnet.

Weniger vorbildhaft haben sich die Eigentümer der Villa Max in Ammerland verhalten. Das frühere denkmalgeschützte Haus des Künstlers Gabriel von Max lassen sie seit Jahren verfallen. Die Balkonbrüstung ist vollkommen eingestürzt. Und vom See wird der Kontrast zwischen dem gepflegten Bootshaus am Ufer und der Villa dahinter erst besonders auffallend.

Zum Abschluss gibt Reisner noch einen Exkurs zur Schifffahrts-Historie am See. Die erlebte ihren Aufschwung in der Barockzeit mit dem Bucentaur. Kurfürst Ferdinand Maria hatte das prächtige dem Staatsschiff des venezianischen Dogen nachempfundene Ruderschiff im 17. Jahrhundert in Auftrag gegeben. Anlass war die Geburt von Thronfolger Max Emanuel. „Seine Frau Henriette Adelaide hatte sich dazu ein Schloss, eine Kirche und ein Schiff gewünscht“, sagt Reisner. „Mit Nymphenburg, der Theatinerkirche und dem Bucentaur hat Sie alles bekommen.“

Breite Ablehnung und ein paar Buh-Rufe

Im Streit um das geplante Seniorenwohnstift in Ambach will Bürgermeister Michael Grasl einen Kompromiss finden. Bei der außerordentlichen Bürgerversammlung am Montagabend wurde deutlich, dass die Münsinger die Entwürfe mit 80 Wohnungen und vierstöckigen Gebäuden ablehnen.
 

Bürgerversammlung zum geplanten Seniorenwohnstift in Ambach

von Tanja Lühr, Isar Loisachbote vom 26.04.2017

Münsing – Den größten Applaus während der vierstündigen Diskussion im Gemeindesaal erhielt Dr. Gustav Neumeister vom Ostuferschutzverband (OSV). Er forderte Bürgermeister Michael Grasl auf, sich vom Investor „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegen zu lassen. Neumeister: „Wenn KWA wirklich nur mit 80 Wohnungen rentabel bauen kann, ist Ambach der falsche Standort dafür.“ Der KWA-Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Arend hatte zuvor erklärt, nur bei dieser Anzahl würde sich die Investition in die Gemeinschaftseinrichtungen wie Restaurant, Schwimmbad und Versammlungsräume, die man auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen wolle, lohnen.

Die Mehrheit der rund 150 Besucher lehnt eine Seniorenwohnanlage auf dem ehemaligen Wiedemann-Klinikgelände nicht generell ab, wie aus den Wortmeldungen hervorging. Der CSU-Ortsvorsitzende Martin Ehrenhuber sieht das Projekt des gemeinnützigen Unternehmens KWA als „riesige Chance für Münsing“, zumal eine angeschlossene Tagespflege und ein ambulanter Pflegedienst dringend benötigt würden. Allein am Ausmaß, das ein Testentwurf von Städteplaner Christian Weigl vorsieht, stören sich die Ambacher wie auch viele andere Gemeindebürger.

Sebastian Wiedemann, Sprecher der „Initiative Ambach“ und sein Onkel Dieter Wiedemann, direkter Nachbar des zirka 13 000 Quadratmeter großen Grundstücks, nannten eine Zahl von 55 bis 60 Apartments verträglich. Es handle sich um das „größte Bauvorhaben in der Geschichte der Gemeinde“, gab Sebastian Wiedemann zu bedenken. Deshalb müsse man „genau hinsehen“. Der Architekt kritisierte die Höhe der Gebäude mit bis zu vier Stockwerken (an Stelle des ehemaligen „Panoramahauses“), die „Riegelwirkung“ des Komplexes, die keine Durchblicke erlaube sowie die seiner Ansicht nach unvermeidliche Fällung alter Bäume.

Christian Weigl relativierte die Angaben seines Testentwurfs. Die Quadratmeterzahlen seien nicht endgültig. Die Gemeinde habe es in der Hand vorzugeben, dass die neue Anlage kleiner als der Bestand werde und dass Bäume geschützt würden. Der Vorschlag Wiedemanns, das Haus „Waldschlössl“ aus dem alten Ensemble zu erhalten oder zu rekonstruieren, sei gut. Das „Panoramahaus“ würde Weigl hingegen lieber abreißen. Ein Umbau eines 60er-Jahre-Gebäudes sei teurer als ein Neubau. Außerdem würde man Nordwohnungen erhalten, die keiner wolle.

Seinen Auftritt hatte der in Ambach lebende Schauspieler, Schriftsteller und „Fischmeister“-Wirt Josef Bierbichler. Er trat mit Manuskript ans Podium und schimpfte eloquent auf KWA. Die Grundstückskäufer seien „Heuschrecken“, die zu erwartende Ankunft von 150 Neubürgern gleiche einer „feindlichen Übernahme“ Ambachs. Wenn auf dem Areal schon unbedingt gebaut werden müsse, dann lieber ein Einheimischenmodell. Buh-Rufe erntete Bierbichler für die markigen Worte, wenig Mitleid für die Aussage, von seiner 3000-Euro-Rente könnte er sich nur die kleinste Wohnungskategorie in einem KWA-Wohnstift leisten.

Auf Kooperation setzen die Gemeinderäte Helge Strauß und Ursula Scriba, letztere gleichzeitig OSV-Vorsitzende. Sie fordern nach wie vor einen Architektenwettbewerb. Er war wie berichtet mehrheitlich vom Gemeinderat abgelehnt worden. Der Münsinger Peter Hacker äußerte die Befürchtung, ein Architektenwettbewerb wäre von den Formalitäten her zu aufwändig. Er sprach sich stattdessen für einen Ideenwettbewerb aus. Dr. Stefan Arend versicherte, KWA sei zu beidem bereit. Die Kosten würde das Unternehmen tragen.

Bürgermeister Michael Grasl wäre an einer „Annäherung“ sehr gelegen, wie er betonte. „Die Gemeinde weiß jetzt, was die Bevölkerung will und wird entsprechend die weiteren Schritte abwägen.“ Grasl zeigte sich offen für einen Wettbewerb, erklärte aber gleichzeitig, auch Städteplaner Weigl könnte einen Alternativentwurf vorlegen. Die Gemeinde wolle „keinen Schnellschuss“ abgeben. Irgendwann müsse sie jedoch ins Bauverfahren einsteigen.

KWA versucht, Vorurteile auszuräumen

Zum ersten Mal stellte sich das in Unterhaching ansässige „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) bei der Bürgerversammlung der Öffentlichkeit vor. Die Vorstandsvorsitzenden Horst Schmieder und Dr. Stefan Arend versuchten dabei vor allem, Vorurteile auszuräumen. Das gemeinnützige Sozialunternehmen betreut in seinen bundesweit 16 Wohn- und Pflegestiften rund 3000 Menschen. Im Jahr 2015 habe man rund 119 Millionen Euro Umsatz gemacht, man verzeichne ein Wachstum von 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr. Die Wohnungen seien zu 93 Prozent belegt. Beschäftigt seien 2400 Mitarbeiter, davon 115 Auszubildende.

Bei KWA habe es in den 50 Jahren seit der Gründung noch nie einen Pflegeskandal gegeben, noch nie sei ein Standort aufgegeben worden. Das Durchschnittsalter der Bewohner liegt laut Arend bei 86 Jahren, das durchschnittliche Einzugsalter bei 83 Jahren. 77 Prozent der Bewohner seien weiblich, der Großteil alleinstehend. Nur sechs Prozent würden mit Partner leben. Bei den geplanten 80 Wohnungen in Ambach sei daher mit maximal 90 bis 95 Bewohnern zu rechnen.

KWA bietet Mietwohnungen mit Zusatzleistungen vom Mittagessen bis zur Pflege an. 37 Prozent der Bewohner würden aktuell Pflege benötigen. Ein Ein-Zimmer-Apartment koste zwischen 1700 und 2500 Euro monatlich. In drei Einrichtungen in München würden Sonderkonditionen für sozial Schwache gewährt. Ein Großteil der Bewohner stamme aus der jeweiligen Region. Im Rupertihof in Rottach-Egern würden 41 Prozent aus dem Ort und dem Tegernseer Tal kommen. In Münsing plant KWA zusätzlich eine Tagespflege für etwa zehn Personen und einen ambulanten Pflegedienst. Restaurant und Veranstaltungsräume sollen der Bevölkerung offen stehen, das Schwimmbad soll von Vereinen genutzt werden können.  tal

Zitate aus der Bürgerversammlung

„Die neu gebaute Anlage muss kleiner als der Bestand werden. Das fordern wir als Gemeinde. Die Entscheidungs- und Planungshoheit liegt ganz klar beim Gemeinderat.“
Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler)

„Unsere Bewohner schätzen an den KWA-Wohnstiften, dass sie dort individuell in ihren eigenen vier Wänden leben und gleichzeitig je nach Wunsch die Gemeinschaft genießen können“
Lisa Brandl-Thür, Einrichtungsleiterin im Rupertihof in Rottach-Egern

„Wir müssen uns vorkommen wie Hanswurste, wenn jetzt der Gemeinderat und der selbe Architekt, der den Rahmenplan für das Seeufer gemacht hat, so ein Projekt befürworten. Der Rahmenplan wird damit auf eine pure Willensbekundung reduziert.“
Josef Bierbichler, Schauspieler aus Ambach

„Wenn die Gemeinde auf dem Klinikgelände wieder eine Bebauung möchte, dann orientiert am Rahmenplan. Es besteht keine Notwendigkeit, alte Bausünden durch neue zu ersetzen.“
Dr. Gustav Neumeister, Anwalt aus Ambach und Mitglied des Ostuferschutzverbands

„Ich fordere einen Wettbewerb. Das haben wir den Ambachern versprochen.“
Gemeinderat Helge Strauß (CSU)

„Ich habe das Gefühl, dass die Gemeinde das Projekt in dieser Größe durchpeitschen will. Mit 60 Wohnungen könnte KWA leben, die Gemeinde könnte es mit gutem Gewissen vertreten, und die Ambacher wären zufrieden.“
Dieter Wiedemann aus Ambach

„Kein Mensch kann auf diesem Grundstück 80 Wohnungen vernünftig realisieren“
Sebastian Wiedemann, Sprecher der Initiative Ambach

Bühnenreife Diskussion um das Seniorenstift

Vertreter des Kuratoriums „Wohnen im Alter“ bemühen sich ihre Pläne zu erläutern. Die Gegner, darunter Schauspieler Sepp Bierbichler, überzeugen sie nicht.

Von Benjamin Engel, Wolfratshauser SZ, 26. April 2017

Als der Schauspieler und Ambacher Sepp Bierbichler von der „feindlichen Übernahme“ durch den Bau eines Seniorenstifts mit 80 Wohnungen und zahlreichen neuen Anwohnern im Ort spricht, reagieren die mehr als 150 Besucher wie im Theater. Viele beginnen frenetisch zu klatschen, „Bravo“ ist zu hören. Darunter mischen sich im Gemeindesaal am Montagabend auch einige Buh-Rufe.

Vier Stunden dauert am Montagabend die Bürgerversammlung zum geplanten Seniorenstift in Ambach. Ausführlich stellen die Vertreter des Betreibers, „Kuratorium Wohnen im Alter“ ihr Unternehmen und das Vorhaben vor. Kritische Anwohner wie Bierbichler können sie damit kaum überzeugen. „Ich möchte mich als Nicht-Befürworter outen“, sagt der gebürtige Ambacher und stellt sich ans Rednerpult.

Der Schauspieler fürchtet einen „Dammbruch“, falls die Kommune einen solchen baulichen „Gewaltakt“ auf dem Gelände des früheren Wiedemann-Kursanatoriums zulässt. „Wir müssen uns jetzt vorkommen wie Hanswurste“, sagt er. Denn der Münsinger Rahmenplan – dieser soll das Ortsbild am Ostufer des Starnberger Sees schützen – habe jegliche Bauaktivität eingeschränkt. „Wie will die Gemeinde verhindern, dass ich meine Grundstücke ebenfalls zur Bebauung freigebe?“, fragt er.

Zwischen Kritik und Zustimmung pendeln die Wortmeldungen. Bürgermeister Michael Grasl (FW) betont die Planungshoheit der Kommune, zeigt sich zum umstrittenen Projekt aber kompromissbereit. „Mir wäre eine Annäherung wichtiger als alles andere“, sagt er. Grasl deutet an, es sei wieder ein Architektenwettbewerb denkbar – den hatte der Gemeinderat im März mehrheitlich abgelehnt.

Die KWA-Vertreter bemühen sich, der Kritik entgegenzutreten. Marketing-Mitarbeiterin Karin Ihringer argumentiert, dass maximal 90 bis 95 Bewohner in den 80 Wohnungen im Seniorenstift leben würden. Im Schnitt lebten 92 Prozent aller Bewohner in bayerischen KWA-Wohnstiften allein, nur sechs Prozent mit dem Partner zusammen. Der größte Teil der Bewohner stamme aus der unmittelbaren Umgebung, im Rupertihof in Rottach-Egern etwa 41 Prozent aus dem Tegernseer Tal und 40 Prozent aus dem Landkreis Miesbach. Eine Ein-Zimmer-Wohnung koste 1700 bis 2500 Euro im Monat.

Die Frage von Landkreis-Seniorenbeirätin Mechthild Felsch nach Möglichkeiten verbilligter Wohnungen für sozial Schwache, bejaht KWA-Vorstandsvorsitzender Horst Schmieder. „Wir bieten tatsächlich Plätze zu Sonderkonditionen“, entgegnet er. Mit der Stadt München gebe es beispielsweise entsprechende Verträge. Teils gebe es auch Mitarbeiterwohnungen.

Im Ambacher Seniorenstift will KWA eine offene Tagespflege, einen Saal für Kulturveranstaltungen und ein Schwimmbad anbieten. Für den KWA-Vorstandskollegen Stefan Arend sind wegen der Infrastruktur 80 Wohnungen für einen wirtschaftlichen Betrieb erforderlich. „Das ist das Kleinste, was KWA je gebaut hat.“

Dafür forderte Gustav Neumeister vom Ostuferschutzverband eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Der Ort vertrage keinen so großen Neubau. Nach vielen Jahren des Leerstands der früheren Sanatoriumsgebäude bestehe kein Baurecht mehr. „Es besteht keine Notwendigkeit, alte durch neue Bausünden zu ersetzen.“ Ebenso erneuerte Sebastian Wiedemann von der Initiative Ambach seine Kritik an den Dimensionen. Aus seiner Sicht wären 55 bis 60 Wohnungen akzeptabel. Zwei der alten Kurklinik-Häuser könnten erhalten werden.

Für Christian Weigl – er hat die Machbarkeitsstudie erstellt – hätte eine Sanierung zumindest des Waldschlösschen-Gebäudes Charme. Mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan will die Kommune den Bau des Seniorenstifts ermöglichen. Wie die örtliche Parteigruppierung zählte auch CSU-Gemeinderat Helge Strauß zu den Befürwortern. Doch er bestand nun doch auf einem Architektenwettbewerb. „Sonst werde ich das Projekt nicht weitertragen.“

 

Einladung zu Diskussion, Information und Gedankenaustausch

Liebe Ambacher, liebe Freunde Ambachs,

die 1250 Jahrfeier Ambach ist verklungen und große bauliche und soziale Veränderungen stehen in Ambach an.

In den letzten Wochen gab es eine einige neue Informationen zum Thema Neubau eines Seniorenwohnheims in Ambach und es wurden von der Gemeinde Münsing wesentliche Entscheidungen getroffen:
Auf Basis der Anforderungen der KWA wurde von einem Architekturbüro eines  „Testentwurfs“ eine mögliche Planung für das Areal entwickelt. Dieser Testentwurf wurde am 14.2. in öffentlicher Sitzung vorgestellt und ist mittlerweile auch auf der Website der Gemeinde Münsing einsehbar.
In seiner Sitzung am 7.3.2017 hat der Gemeinderat Münsing eine Grundsatzentscheidung zum Thema Seniorenwohnheim Ambach gefällt: Hierbei wurde die Bebauung des ehemaligen Klinikareals mit einem Seniorenwohnheim durch den Gemeinderat beschlossen. In diesem Zuge wurden auch bereits Nutzungsdaten betreffend die Wohnfläche und die Anzahl der Wohnungen festgelegt.

Neben dem Beschluss für den Bau eines Seniorenwohnheims mit bis zu 80 Wohnungen wurde auch über die weitere Vorgehensweise bestimmt: Es wurde entschieden, dass der Testentwurf direkt als planerische Grundlage für einen „Vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ dienen soll. Dieser Entwurf ist kein fertiger Planungsstand – da jedoch die Durchführung eines Wettbewerbs für das Areal abgelehnt wurde, ist dies das vorläufige Ergebnis und als Basis für die weitere Planung und die spätere Bebauung maßgeblich.

Der Verzicht auf den Wettbewerb bedeutet den Verlust der Auslobung des Wettbewerbs und damit der gründlichen Erarbeitung der geforderten Randbedingungen. Den Prozess der spontanen Umsetzung nicht ausreichend vorbereiteter Grundlagen sollten wir in die richtige Richtung lenken. Dies geschieht idealerweise durch detailliertes Sondieren und Fragen. Aus unserer Sicht können wir so in der gegenwärtigen Situation Ambach am besten helfen.

Dieser als Plangrundlage beschlossene „Testentwurf“ ist ausreichend konkret um eine erste Einschätzung über Umfang und Auswirkungen des KWA-Projekts zu treffen. Neben den baulichen Aspekten gibt es eine Vielzahl von Themen, die die Bürger bewegen und die bis dato noch keinen ausreichenden Platz in der Diskussion hatten.

Aus diesem Grunde möchten der Ostuferschutzverband und die Initiative Ambach gemeinsam zu einem offenen Informations- und Diskussionsabend einladen:  Ziel ist es die neuesten Entwicklungen informativ zu begleiten und einen Dialog der Bürger über die Konsequenzen dieser Entscheidungen anzuregen.

Alle Ambacher und interessierten Bürger der Gemeinde Münsing sind herzlich eingeladen, sich an diesem Dialog zu beteiligen und einzubringen bei dem:

Offener Informations- und Diskussionsabend
am 3.4.2017 um 19.30h im Gasthof Limm in Münsing

Vielen Dank – jeder Beitrag ist wichtig, bringen Sie sich ein, es geht um Ihr Zuhause. Auf rege Teilnahme freuen sich der Ostuferschutzverband und die Initiative Ambach !

 


 

 

Münsing Bürger müssen warten

Von Benjamin Engel, Wolfratshauser SZ vom 22. März 2017

Münsing – Die Bürgerversammlung zum geplanten Seniorenstift in Ambach findet erst am Montag, 24. April, statt, nicht, wie zunächst geplant, noch im März. Bürgermeister Michael Grasl (FW) begründet den späteren Termin damit, dass sich der Projekt-Planer und Betreiber „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) gezielt vorbereiten müsse. Nach heftigen Kontroversen beschloss der Gemeinderat Anfang März, auf Basis einer Machbarkeitsstudie mit maximal 80 Wohnungen weiterzuplanen. Überraschend lehnte das Gremium einen Architektenwettbewerb ab.

Der Ostuferschutzverband und die Initiative Ambach beurteilen das Projekt am nordöstlichen Ortseingang von Ambach weiterhin kritisch. Schon Anfang kommender Woche will die Kommune auf ihrer Homepage die Kernaussagen der Machbarkeitsstudie aus dem Architektenbüro Goergens & Miklautz veröffentlichen. Demnach könnten drei Einzelhäuser und ein nördlicher Komplex um einen Hof an der nordöstlichen Hangkante gruppiert werden. Die Bauten würden die seit langem leer stehenden Gebäude des früheren Wiedemann-Sanatoriums ersetzen. Das ehemalige Ärztehaus im unteren Hangbereich würde ersatzlos abgerissen.

Bürgermeister Grasl betont, die Vorstudie könne keinesfalls eine abgeschlossene Planung ersetzen. Bisher habe der Gemeinderat noch nichts genehmigt, sondern nur einen Weg hin zu dem notwendigen Bebauungsplan aufgezeigt. Ausdrücklich kündigt Grasl an, die Gemeinde wolle weitere Varianten für eine Bebauung, auch unter teilweisem Erhalt der bisherigen Bauten, untersuchen lassen.

Bei der Bürgerversammlung, die im Gemeindesaal stattfindet und um 19.30 Uhr beginnt, werden Vertreter des KWA ihr Wohn- und Betreuungskonzept mit Tagespflege, Saal für kulturelle Veranstaltungen und Schwimmbad vorstellen. Die Vorsitzenden der gemeinnützigen GmbH stehen für Fragen bereit.

„Schnelles Durchdrücken liegt uns fern“

Tanja Lühr, Isar Loisachbote vom 10. März 2017
Münsings Bürgermeister Michael Grasl reicht den Gegnern des geplanten Seniorenwohnstifts in Ambach die Hand. Er stellt einen Kompromiss in Aussicht. Ein Bürgerbegehren ist laut dem Sprecher der Initiative Ambach, Sebastian Wiedemann, dennoch nicht ausgeschlossen.

Münsing – „Die Stimmung im Ort ist schlecht“, sagt Sebastian Wiedemann zwei Tage nach der Entscheidung des Münsinger Gemeinderats. Das Gremium hat wie berichtet am Dienstag die Weichen für den Bau einer Seniorenwohnanlage in Ambach mit rund 80 Wohnungen plus Gemeinschaftseinrichtungen gestellt. Als Grundlage soll der Testentwurf des Städteplaners Christian Weigl dienen.

Die Kritik der Bürgerinitiative richtet sich in erster Linie gegen das Ausmaß des Vorhabens. „Das passt einfach nicht ins Dorf“, ist der Architekt und Ambacher Wiedemann überzeugt. Am Freitag sei ein Gespräch mit dem Vorstand des Ostuferschutzverbands (OSV) geplant, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Gleichzeitig will Wiedemann alle Gemeinderäte anschreiben und seine Bedenken gegen das „massive Projekt“ noch einma darlegen. Er setze auf die Gesprächsbereitschaft des Bürgermeisters, die er bisher vermisst hat. Sollte das Wohnstift nicht deutlich kleiner und somit für Ambach verträglich ausfallen, wolle er sich als letzte Möglichkeit ein Bürgerbegehren offen halten.

Rathauschef Grasl signalisiert unterdessen in einer Pressemitteilung Kompromissbereitschaft. Zunächst entschuldigt er sich für die beengten Platzverhältnisse in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Nach der Sitzung hatte er erklärt, er sei überrascht gewesen, dass der Gemeinderat mehrheitlich gegen einen Architektenwettbewerb gestimmt habe. Grasl führt die Entscheidung auf „die vielen Mutmaßungen und die harsche Kritik am Projekt, am Träger und am Vorgehen der Gemeinde“ zurück. Gleichzeitig bezeichnet er den Testentwurf des Büros Goergens, Miklautz und Weigl als die richtige Herangehensweise an das schwierig zu überplanende Wiedemann-Grundstück.

Anfang kommender Woche möchte sich Grasl mit dem Grundstückseigentümer, dem Kuratorium Wohnen im Alter (KWA), auf einen Termin für eine Bürgerversammlung speziell zum Wohnstift einigen. Die Versammlung soll möglichst noch im März stattfinden. „Vielleicht ergibt sich in der öffentlichen Diskussion doch noch eine Möglichkeit, über mehrere Varianten sachgerecht zu entscheiden“, stellt der Rathauschef in Aussicht.

Bürgerentscheid fürchtet Grasl nicht

Er erinnert daran, dass die Gemeinde durch die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans die Planungshoheit besitzt. Grasl: „Ein schnelles Durchdrücken einer Planung liegt uns fern und wird nicht gelingen. Mir liegt viel an einem Kompromiss und der möglichen Auswahl zwischen mehreren Varianten.“ Von den Kritikern wünscht er sich eine objektivere Sichtweise, mehr Vertrauen in die Arbeit der Gemeinde sowie in die Kompetenz eines seit 50 Jahren tätigen Fachträgers für Seniorenwohnstifte und Geriatrie.

Einen Bürgerentscheid fürchtet Grasl nicht, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. Seiner Meinung nach erkennt der Großteil der Münsinger die Notwendigkeit einer Senioreneinrichtung, die auch eine Tagespflege beinhalten soll – und von der die Seegemeinde insgesamt profitieren könne. „Lasst uns bitte weiter im Gespräch bleiben. Gehen wir aufeinander zu“, appelliert Grasl an die Gegner.