Leserbrief von Anatol Regnier zur Situation in Ambach

Anatol RegnierSchlaganfallklinik statt Wohnstift
– starke Argumente für Plan B

Wer eine Schlaganfallklinik aufsucht, hat nur ein Ziel: möglichst schnell und möglichst umfassend wieder gesund zu werden. Lärm und  Betriebsamkeit stören, Ruhe und Natur tun gut. Das ehemalige Wiedemann-Kurgelände erfüllt diese Voraussetzungen perfekt. Seine abgeschiedene Lage ist ein Bonus, das Ambacher Dorfleben erst in zweiter Linie wichtig. Patienten kommen mit dem Auto an und fahren mit dem Auto ab, der steile Anfahrtsweg spielt für sie keine Rolle. Für die Menschen der Region ist ist eine Schlaganfall-Klinik in erreichbarer Entfernung beruhigend und unter Umständen lebensrettend. Standort und Nutzung passen zusammen, ergänzen und unterstützen einander.

Nicht so im Fall des Senioren-Wohnstifts.

Wer in einSenioren-Wohnstift zieht, sucht Perspektive und Lebensqualität. Die abgeschiedene Höhenlage des Ambacher Kurgeländes ist hier ein Malus. Wer ins Dorf will, muss den Berg hinab und wieder hinauf, was mit zunehmendem Alter, zumal im Winter, nicht leichter wird. In Ambach gibt es kein Geschäft, keine Sparkasse, keine Apotheke, keine Eisdiele, Konditorei oder Bäckerei, keinen Friseur, keinen Lebensmittelmarkt und außer zwei Gaststätten und einem sporadisch geöffneten Kiosk wenig, was Menschen, die am Leben teilhaben wollen, wünschen oder brauchen. Daran wird sich nichts ändern, denn Ambach soll nach dem Rahmenplan der Gemeinde und dem erklärten Willen seiner Einwohner seinen einfachen, dörflichen Charakter behalten. Wer einkaufen will, muss nach Münsing, Seeshaupt, Wolfratshausen oder Starnberg, mit Privatauto (wieviele Senioren haben eines oder fahren noch?) oder mit klinikeigenem Transport (der organisiert werden muss und der Unabhängigkeit schadet) oder (mühsam) mit öffentlichen Verkehrsmitteln.  Entsprechende Einrichtungen auf dem Klinikgelände vergrößern das Bauvolumen und verstärken für die Menschen, die permanent dort wohnen und Abwechslung suchen, das Gefühl der Isolation. Fazit: Standort und Nutzung passen nicht zusammen, stehen gegeneinander, behindern einander.

Starke Argumente also für Plan B. Nicht zuletzt wegen der Akzeptanz in der Ambacher Bevölkerung. Rückenwind statt Gegenwind – klingt das nicht verlockend?

Anatol Regnier

Veröffentlichung: Isar Loisachboten und Wolfratshauser SZ am 09.10.2017

 

Nah am Wasser gebaut

Exkursion auf dem Dampfer 

Von Benjamin Engel, Süddeutsche Zeitung vom 10. September 2017

Berg/Münsing – Die MS Bayern zählt selbst zur Historie auf dem Starnberger See. Das Motorschiff ist der älteste der derzeit dort verkehrenden Ausflugsdampfer. Mit dem Bau wurde 1938 in einer Deggendorfer Werft begonnen. Wegen des Zweiten Weltkrieges wurde das Schiff aber erst 1948 fertiggestellt und das Schiff in Betrieb genommen. Jedenfalls passt die MS Bayern zum Historischen Verein Wolfratshausen, der am Samstag eine historische Schifffahrt vorbei an Schlössern und Villen mit dem Ausgangs- und Endpunkt Berg auf dem See organisiert.

Gegen 17 Uhr regnet es leicht bei gerade einmal um die 12 Grad Celsius. Viele der mehr als 100 Gäste haben deshalb Schirme dabei und wetterfeste Jacken an. Die meisten zieht es direkt ins Innere der MS Bayern. Nur wenige trotzen der Kälte am Außendeck. Für alle bieten jedoch Bernhard Reisner, zweiter Vorsitzender im Historischen Verein, und die Vorsitzende des Ostuferschutzverbandes, Ursula Scriba, einen anekdotensatten, historisch-fundierten Überblick zur Geschichte der Bauwerke und Bewohner am See – vom ersten italienischen „In-Lokal“, über Künstler bis hin zum bayerischen Märchenkönig Ludwig II.

Ohne auf den Monarchen und dessen Lieblingsschloss Berg einzugehen, hätte eine historische Schifffahrt ihr Thema verfehlt, wie Reisner sagt. Dem quadratischen Bau fehlen heute die Türme an den Ecken, die König Maximilian II. Mitte des 19. Jahrhunderts errichten ließ. Einen fünften, ebenfalls nicht mehr existenten, mit Namen „Isolde“ ließ Ludwig II. später anbauen. Er nutzte das Berger Schloss als Sommerresidenz, verbrachte darin die letzten Stunden vor seinem Tod im Starnberger See 1886.

Darum ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien bis hin zum Mordkomplott. Unstrittig ist, dass Ludwig II. nach seiner Entmündigung in Schloss Berg interniert wurde. Die Leichen des Königs und des Psychiaters Bernhard von Gudden wurden im Wasser nahe des Ufers im Schlosspark gefunden. Ein Kreuz und die Votivkapelle markieren die Fundstelle. Wie Scriba betont, gehe man davon aus, dass beide ertrunken seien. „Ludwig II. war aber ein ausgezeichneter Schwimmer.“ Jeder solle sich seine eigenen Gedanken machen, sagt sie.

Szenenwechsel ein wenig südlicher: Das Schiff gleitet an Leoni vorbei. Die Gäste erfahren, wie die einst Assenbuch genannte Fischer-Ansiedlung zu diesem ungewöhnlichen Namen kam. Mitte des 16. Jahrhunderts hatte sich Martin Vischer aus Berg dort angesiedelt und ein Fischeranwesen gebaut. Darum erstand eine kleine Siedlung. Laut Scriba soll im Ort eine riesige Buche gestanden haben. In ihr Blätterdach führte eine Treppe bis zu einer Altane, einer Art Balkon. Unter dem Baum stand ein kleines, ärmliches Gebäude, das Buchhaus, woraus sich der Name Assenbuch für die Ansiedlung ableitete.

Im 19. Jahrhundert erbte der der italienische Opernsänger Guiseppe Leoni von Staatsrat Franz von Krenner ein Haus in Assenbuch. Mit seiner zweiten Frau Rosina – sie war eine gute Köchin – betrieb Leoni darin ein Wirtshaus mit der Küche seines Heimatlandes. „Das war in aller Munde. Es war wohl das erste italienische In-Lokal weit und breit“, erläutert Reisner. „Gemma zum Leoni“, habe es fortan geheißen. Der Name blieb. In das an derselben Stelle 1889 erbaute Hotel lieferte der Schriftsteller Oskar Maria Graf als Bub die Semmeln der väterlichen Bäckerei aus Aufkirchen. Nach dem Abriss des Gebäudes in den 70er-Jahren entstand das heutige Seehotel Leoni.

Kurz darauf taucht die nach dem Unternehmer Johann Ulrich Himbsel benannte Villa mit einer der Lüftlmalerei nachempfundenen Fassade am Ufer auf. Der Bau-Tycoon eröffnete 1854 die Eisenbahnverbindung von München nach Starnberg. Zugleich nahm er den ersten Raddampfer am See in Betrieb. Für das Himbsel-Haus war der Typus des Bauernhauses Vorbild – zumindest nach außen. Im Inneren schmücken Wandmalereien namhafter Münchner Maler wie Wilhelm von Kaulbach und Moritz von Schwind das Treppenhaus.

Am ganzen Ostufer entlang steuert Kapitän Günter Engel die MS Bayern an Villen und herrschaftlichen Schlössern vorbei. Südlicher Punkt ist Seeshaupt. Am 1815 zu zwei Dritteln abgebrannten früheren Bauern- und Fischerort wechselt die Fahrt ans Westufer. Über Bernried, Tutzing und die Roseninsel geht es in rund drei Stunden wieder zurück nach Berg. Vor einem Jahr hat Reisner die Idee zur geschichtlichen Schifffahrt im Vorstand des Historischen Vereins präsentiert. Ursula Scriba gewann er zur Mitwirkung. Gemeinsam förderten sie so manches Kurioses zutage.

Im Ammerlander Schloss hielt sich 1816 etwa Antoine Marie Chamans, Graf von Lavallette versteckt. Der französische Offizier und Staatsmann war ein Freund Napoleons. Nach dessen Sturz war es aus Frankreich geflüchtet. Von seinem Versteck in Ammerland wusste der bayerische König Max I. Joseph. Bekannter ist der herrschaftliche Bau in Ammerland als Pocci-Schloss. Franz Graf von Pocci residierte dort im Sommer. Der Zeremonienmeister und Hofmusikintendant schuf mehr als 40 Stücke um den Kasperl Larifari für das Münchner Marionettentheater und wurde als Kasperlgraf bekannt. 1988 hatte Werner Döttinger das Ammerlander Schloss nach rund 20 Jahren Leerstand erworben und aufwendig renoviert. Dafür hat ihn der Ostuferschutzverband 2016 mit dem Gabriel-von-Max-Denkmalpreis ausgezeichnet.

Weniger vorbildhaft haben sich die Eigentümer der Villa Max in Ammerland verhalten. Das frühere denkmalgeschützte Haus des Künstlers Gabriel von Max lassen sie seit Jahren verfallen. Die Balkonbrüstung ist vollkommen eingestürzt. Und vom See wird der Kontrast zwischen dem gepflegten Bootshaus am Ufer und der Villa dahinter erst besonders auffallend.

Zum Abschluss gibt Reisner noch einen Exkurs zur Schifffahrts-Historie am See. Die erlebte ihren Aufschwung in der Barockzeit mit dem Bucentaur. Kurfürst Ferdinand Maria hatte das prächtige dem Staatsschiff des venezianischen Dogen nachempfundene Ruderschiff im 17. Jahrhundert in Auftrag gegeben. Anlass war die Geburt von Thronfolger Max Emanuel. „Seine Frau Henriette Adelaide hatte sich dazu ein Schloss, eine Kirche und ein Schiff gewünscht“, sagt Reisner. „Mit Nymphenburg, der Theatinerkirche und dem Bucentaur hat Sie alles bekommen.“

Breite Ablehnung und ein paar Buh-Rufe

Im Streit um das geplante Seniorenwohnstift in Ambach will Bürgermeister Michael Grasl einen Kompromiss finden. Bei der außerordentlichen Bürgerversammlung am Montagabend wurde deutlich, dass die Münsinger die Entwürfe mit 80 Wohnungen und vierstöckigen Gebäuden ablehnen.
 

Bürgerversammlung zum geplanten Seniorenwohnstift in Ambach

von Tanja Lühr, Isar Loisachbote vom 26.04.2017

Münsing – Den größten Applaus während der vierstündigen Diskussion im Gemeindesaal erhielt Dr. Gustav Neumeister vom Ostuferschutzverband (OSV). Er forderte Bürgermeister Michael Grasl auf, sich vom Investor „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegen zu lassen. Neumeister: „Wenn KWA wirklich nur mit 80 Wohnungen rentabel bauen kann, ist Ambach der falsche Standort dafür.“ Der KWA-Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Arend hatte zuvor erklärt, nur bei dieser Anzahl würde sich die Investition in die Gemeinschaftseinrichtungen wie Restaurant, Schwimmbad und Versammlungsräume, die man auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen wolle, lohnen.

Die Mehrheit der rund 150 Besucher lehnt eine Seniorenwohnanlage auf dem ehemaligen Wiedemann-Klinikgelände nicht generell ab, wie aus den Wortmeldungen hervorging. Der CSU-Ortsvorsitzende Martin Ehrenhuber sieht das Projekt des gemeinnützigen Unternehmens KWA als „riesige Chance für Münsing“, zumal eine angeschlossene Tagespflege und ein ambulanter Pflegedienst dringend benötigt würden. Allein am Ausmaß, das ein Testentwurf von Städteplaner Christian Weigl vorsieht, stören sich die Ambacher wie auch viele andere Gemeindebürger.

Sebastian Wiedemann, Sprecher der „Initiative Ambach“ und sein Onkel Dieter Wiedemann, direkter Nachbar des zirka 13 000 Quadratmeter großen Grundstücks, nannten eine Zahl von 55 bis 60 Apartments verträglich. Es handle sich um das „größte Bauvorhaben in der Geschichte der Gemeinde“, gab Sebastian Wiedemann zu bedenken. Deshalb müsse man „genau hinsehen“. Der Architekt kritisierte die Höhe der Gebäude mit bis zu vier Stockwerken (an Stelle des ehemaligen „Panoramahauses“), die „Riegelwirkung“ des Komplexes, die keine Durchblicke erlaube sowie die seiner Ansicht nach unvermeidliche Fällung alter Bäume.

Christian Weigl relativierte die Angaben seines Testentwurfs. Die Quadratmeterzahlen seien nicht endgültig. Die Gemeinde habe es in der Hand vorzugeben, dass die neue Anlage kleiner als der Bestand werde und dass Bäume geschützt würden. Der Vorschlag Wiedemanns, das Haus „Waldschlössl“ aus dem alten Ensemble zu erhalten oder zu rekonstruieren, sei gut. Das „Panoramahaus“ würde Weigl hingegen lieber abreißen. Ein Umbau eines 60er-Jahre-Gebäudes sei teurer als ein Neubau. Außerdem würde man Nordwohnungen erhalten, die keiner wolle.

Seinen Auftritt hatte der in Ambach lebende Schauspieler, Schriftsteller und „Fischmeister“-Wirt Josef Bierbichler. Er trat mit Manuskript ans Podium und schimpfte eloquent auf KWA. Die Grundstückskäufer seien „Heuschrecken“, die zu erwartende Ankunft von 150 Neubürgern gleiche einer „feindlichen Übernahme“ Ambachs. Wenn auf dem Areal schon unbedingt gebaut werden müsse, dann lieber ein Einheimischenmodell. Buh-Rufe erntete Bierbichler für die markigen Worte, wenig Mitleid für die Aussage, von seiner 3000-Euro-Rente könnte er sich nur die kleinste Wohnungskategorie in einem KWA-Wohnstift leisten.

Auf Kooperation setzen die Gemeinderäte Helge Strauß und Ursula Scriba, letztere gleichzeitig OSV-Vorsitzende. Sie fordern nach wie vor einen Architektenwettbewerb. Er war wie berichtet mehrheitlich vom Gemeinderat abgelehnt worden. Der Münsinger Peter Hacker äußerte die Befürchtung, ein Architektenwettbewerb wäre von den Formalitäten her zu aufwändig. Er sprach sich stattdessen für einen Ideenwettbewerb aus. Dr. Stefan Arend versicherte, KWA sei zu beidem bereit. Die Kosten würde das Unternehmen tragen.

Bürgermeister Michael Grasl wäre an einer „Annäherung“ sehr gelegen, wie er betonte. „Die Gemeinde weiß jetzt, was die Bevölkerung will und wird entsprechend die weiteren Schritte abwägen.“ Grasl zeigte sich offen für einen Wettbewerb, erklärte aber gleichzeitig, auch Städteplaner Weigl könnte einen Alternativentwurf vorlegen. Die Gemeinde wolle „keinen Schnellschuss“ abgeben. Irgendwann müsse sie jedoch ins Bauverfahren einsteigen.

KWA versucht, Vorurteile auszuräumen

Zum ersten Mal stellte sich das in Unterhaching ansässige „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) bei der Bürgerversammlung der Öffentlichkeit vor. Die Vorstandsvorsitzenden Horst Schmieder und Dr. Stefan Arend versuchten dabei vor allem, Vorurteile auszuräumen. Das gemeinnützige Sozialunternehmen betreut in seinen bundesweit 16 Wohn- und Pflegestiften rund 3000 Menschen. Im Jahr 2015 habe man rund 119 Millionen Euro Umsatz gemacht, man verzeichne ein Wachstum von 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr. Die Wohnungen seien zu 93 Prozent belegt. Beschäftigt seien 2400 Mitarbeiter, davon 115 Auszubildende.

Bei KWA habe es in den 50 Jahren seit der Gründung noch nie einen Pflegeskandal gegeben, noch nie sei ein Standort aufgegeben worden. Das Durchschnittsalter der Bewohner liegt laut Arend bei 86 Jahren, das durchschnittliche Einzugsalter bei 83 Jahren. 77 Prozent der Bewohner seien weiblich, der Großteil alleinstehend. Nur sechs Prozent würden mit Partner leben. Bei den geplanten 80 Wohnungen in Ambach sei daher mit maximal 90 bis 95 Bewohnern zu rechnen.

KWA bietet Mietwohnungen mit Zusatzleistungen vom Mittagessen bis zur Pflege an. 37 Prozent der Bewohner würden aktuell Pflege benötigen. Ein Ein-Zimmer-Apartment koste zwischen 1700 und 2500 Euro monatlich. In drei Einrichtungen in München würden Sonderkonditionen für sozial Schwache gewährt. Ein Großteil der Bewohner stamme aus der jeweiligen Region. Im Rupertihof in Rottach-Egern würden 41 Prozent aus dem Ort und dem Tegernseer Tal kommen. In Münsing plant KWA zusätzlich eine Tagespflege für etwa zehn Personen und einen ambulanten Pflegedienst. Restaurant und Veranstaltungsräume sollen der Bevölkerung offen stehen, das Schwimmbad soll von Vereinen genutzt werden können.  tal

Zitate aus der Bürgerversammlung

„Die neu gebaute Anlage muss kleiner als der Bestand werden. Das fordern wir als Gemeinde. Die Entscheidungs- und Planungshoheit liegt ganz klar beim Gemeinderat.“
Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler)

„Unsere Bewohner schätzen an den KWA-Wohnstiften, dass sie dort individuell in ihren eigenen vier Wänden leben und gleichzeitig je nach Wunsch die Gemeinschaft genießen können“
Lisa Brandl-Thür, Einrichtungsleiterin im Rupertihof in Rottach-Egern

„Wir müssen uns vorkommen wie Hanswurste, wenn jetzt der Gemeinderat und der selbe Architekt, der den Rahmenplan für das Seeufer gemacht hat, so ein Projekt befürworten. Der Rahmenplan wird damit auf eine pure Willensbekundung reduziert.“
Josef Bierbichler, Schauspieler aus Ambach

„Wenn die Gemeinde auf dem Klinikgelände wieder eine Bebauung möchte, dann orientiert am Rahmenplan. Es besteht keine Notwendigkeit, alte Bausünden durch neue zu ersetzen.“
Dr. Gustav Neumeister, Anwalt aus Ambach und Mitglied des Ostuferschutzverbands

„Ich fordere einen Wettbewerb. Das haben wir den Ambachern versprochen.“
Gemeinderat Helge Strauß (CSU)

„Ich habe das Gefühl, dass die Gemeinde das Projekt in dieser Größe durchpeitschen will. Mit 60 Wohnungen könnte KWA leben, die Gemeinde könnte es mit gutem Gewissen vertreten, und die Ambacher wären zufrieden.“
Dieter Wiedemann aus Ambach

„Kein Mensch kann auf diesem Grundstück 80 Wohnungen vernünftig realisieren“
Sebastian Wiedemann, Sprecher der Initiative Ambach

Bühnenreife Diskussion um das Seniorenstift

Vertreter des Kuratoriums „Wohnen im Alter“ bemühen sich ihre Pläne zu erläutern. Die Gegner, darunter Schauspieler Sepp Bierbichler, überzeugen sie nicht.

Von Benjamin Engel, Wolfratshauser SZ, 26. April 2017

Als der Schauspieler und Ambacher Sepp Bierbichler von der „feindlichen Übernahme“ durch den Bau eines Seniorenstifts mit 80 Wohnungen und zahlreichen neuen Anwohnern im Ort spricht, reagieren die mehr als 150 Besucher wie im Theater. Viele beginnen frenetisch zu klatschen, „Bravo“ ist zu hören. Darunter mischen sich im Gemeindesaal am Montagabend auch einige Buh-Rufe.

Vier Stunden dauert am Montagabend die Bürgerversammlung zum geplanten Seniorenstift in Ambach. Ausführlich stellen die Vertreter des Betreibers, „Kuratorium Wohnen im Alter“ ihr Unternehmen und das Vorhaben vor. Kritische Anwohner wie Bierbichler können sie damit kaum überzeugen. „Ich möchte mich als Nicht-Befürworter outen“, sagt der gebürtige Ambacher und stellt sich ans Rednerpult.

Der Schauspieler fürchtet einen „Dammbruch“, falls die Kommune einen solchen baulichen „Gewaltakt“ auf dem Gelände des früheren Wiedemann-Kursanatoriums zulässt. „Wir müssen uns jetzt vorkommen wie Hanswurste“, sagt er. Denn der Münsinger Rahmenplan – dieser soll das Ortsbild am Ostufer des Starnberger Sees schützen – habe jegliche Bauaktivität eingeschränkt. „Wie will die Gemeinde verhindern, dass ich meine Grundstücke ebenfalls zur Bebauung freigebe?“, fragt er.

Zwischen Kritik und Zustimmung pendeln die Wortmeldungen. Bürgermeister Michael Grasl (FW) betont die Planungshoheit der Kommune, zeigt sich zum umstrittenen Projekt aber kompromissbereit. „Mir wäre eine Annäherung wichtiger als alles andere“, sagt er. Grasl deutet an, es sei wieder ein Architektenwettbewerb denkbar – den hatte der Gemeinderat im März mehrheitlich abgelehnt.

Die KWA-Vertreter bemühen sich, der Kritik entgegenzutreten. Marketing-Mitarbeiterin Karin Ihringer argumentiert, dass maximal 90 bis 95 Bewohner in den 80 Wohnungen im Seniorenstift leben würden. Im Schnitt lebten 92 Prozent aller Bewohner in bayerischen KWA-Wohnstiften allein, nur sechs Prozent mit dem Partner zusammen. Der größte Teil der Bewohner stamme aus der unmittelbaren Umgebung, im Rupertihof in Rottach-Egern etwa 41 Prozent aus dem Tegernseer Tal und 40 Prozent aus dem Landkreis Miesbach. Eine Ein-Zimmer-Wohnung koste 1700 bis 2500 Euro im Monat.

Die Frage von Landkreis-Seniorenbeirätin Mechthild Felsch nach Möglichkeiten verbilligter Wohnungen für sozial Schwache, bejaht KWA-Vorstandsvorsitzender Horst Schmieder. „Wir bieten tatsächlich Plätze zu Sonderkonditionen“, entgegnet er. Mit der Stadt München gebe es beispielsweise entsprechende Verträge. Teils gebe es auch Mitarbeiterwohnungen.

Im Ambacher Seniorenstift will KWA eine offene Tagespflege, einen Saal für Kulturveranstaltungen und ein Schwimmbad anbieten. Für den KWA-Vorstandskollegen Stefan Arend sind wegen der Infrastruktur 80 Wohnungen für einen wirtschaftlichen Betrieb erforderlich. „Das ist das Kleinste, was KWA je gebaut hat.“

Dafür forderte Gustav Neumeister vom Ostuferschutzverband eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Der Ort vertrage keinen so großen Neubau. Nach vielen Jahren des Leerstands der früheren Sanatoriumsgebäude bestehe kein Baurecht mehr. „Es besteht keine Notwendigkeit, alte durch neue Bausünden zu ersetzen.“ Ebenso erneuerte Sebastian Wiedemann von der Initiative Ambach seine Kritik an den Dimensionen. Aus seiner Sicht wären 55 bis 60 Wohnungen akzeptabel. Zwei der alten Kurklinik-Häuser könnten erhalten werden.

Für Christian Weigl – er hat die Machbarkeitsstudie erstellt – hätte eine Sanierung zumindest des Waldschlösschen-Gebäudes Charme. Mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan will die Kommune den Bau des Seniorenstifts ermöglichen. Wie die örtliche Parteigruppierung zählte auch CSU-Gemeinderat Helge Strauß zu den Befürwortern. Doch er bestand nun doch auf einem Architektenwettbewerb. „Sonst werde ich das Projekt nicht weitertragen.“

 

Einladung zu Diskussion, Information und Gedankenaustausch

Liebe Ambacher, liebe Freunde Ambachs,

die 1250 Jahrfeier Ambach ist verklungen und große bauliche und soziale Veränderungen stehen in Ambach an.

In den letzten Wochen gab es eine einige neue Informationen zum Thema Neubau eines Seniorenwohnheims in Ambach und es wurden von der Gemeinde Münsing wesentliche Entscheidungen getroffen:
Auf Basis der Anforderungen der KWA wurde von einem Architekturbüro eines  „Testentwurfs“ eine mögliche Planung für das Areal entwickelt. Dieser Testentwurf wurde am 14.2. in öffentlicher Sitzung vorgestellt und ist mittlerweile auch auf der Website der Gemeinde Münsing einsehbar.
In seiner Sitzung am 7.3.2017 hat der Gemeinderat Münsing eine Grundsatzentscheidung zum Thema Seniorenwohnheim Ambach gefällt: Hierbei wurde die Bebauung des ehemaligen Klinikareals mit einem Seniorenwohnheim durch den Gemeinderat beschlossen. In diesem Zuge wurden auch bereits Nutzungsdaten betreffend die Wohnfläche und die Anzahl der Wohnungen festgelegt.

Neben dem Beschluss für den Bau eines Seniorenwohnheims mit bis zu 80 Wohnungen wurde auch über die weitere Vorgehensweise bestimmt: Es wurde entschieden, dass der Testentwurf direkt als planerische Grundlage für einen „Vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ dienen soll. Dieser Entwurf ist kein fertiger Planungsstand – da jedoch die Durchführung eines Wettbewerbs für das Areal abgelehnt wurde, ist dies das vorläufige Ergebnis und als Basis für die weitere Planung und die spätere Bebauung maßgeblich.

Der Verzicht auf den Wettbewerb bedeutet den Verlust der Auslobung des Wettbewerbs und damit der gründlichen Erarbeitung der geforderten Randbedingungen. Den Prozess der spontanen Umsetzung nicht ausreichend vorbereiteter Grundlagen sollten wir in die richtige Richtung lenken. Dies geschieht idealerweise durch detailliertes Sondieren und Fragen. Aus unserer Sicht können wir so in der gegenwärtigen Situation Ambach am besten helfen.

Dieser als Plangrundlage beschlossene „Testentwurf“ ist ausreichend konkret um eine erste Einschätzung über Umfang und Auswirkungen des KWA-Projekts zu treffen. Neben den baulichen Aspekten gibt es eine Vielzahl von Themen, die die Bürger bewegen und die bis dato noch keinen ausreichenden Platz in der Diskussion hatten.

Aus diesem Grunde möchten der Ostuferschutzverband und die Initiative Ambach gemeinsam zu einem offenen Informations- und Diskussionsabend einladen:  Ziel ist es die neuesten Entwicklungen informativ zu begleiten und einen Dialog der Bürger über die Konsequenzen dieser Entscheidungen anzuregen.

Alle Ambacher und interessierten Bürger der Gemeinde Münsing sind herzlich eingeladen, sich an diesem Dialog zu beteiligen und einzubringen bei dem:

Offener Informations- und Diskussionsabend
am 3.4.2017 um 19.30h im Gasthof Limm in Münsing

Vielen Dank – jeder Beitrag ist wichtig, bringen Sie sich ein, es geht um Ihr Zuhause. Auf rege Teilnahme freuen sich der Ostuferschutzverband und die Initiative Ambach !

 


 

 

Münsing Bürger müssen warten

Von Benjamin Engel, Wolfratshauser SZ vom 22. März 2017

Münsing – Die Bürgerversammlung zum geplanten Seniorenstift in Ambach findet erst am Montag, 24. April, statt, nicht, wie zunächst geplant, noch im März. Bürgermeister Michael Grasl (FW) begründet den späteren Termin damit, dass sich der Projekt-Planer und Betreiber „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) gezielt vorbereiten müsse. Nach heftigen Kontroversen beschloss der Gemeinderat Anfang März, auf Basis einer Machbarkeitsstudie mit maximal 80 Wohnungen weiterzuplanen. Überraschend lehnte das Gremium einen Architektenwettbewerb ab.

Der Ostuferschutzverband und die Initiative Ambach beurteilen das Projekt am nordöstlichen Ortseingang von Ambach weiterhin kritisch. Schon Anfang kommender Woche will die Kommune auf ihrer Homepage die Kernaussagen der Machbarkeitsstudie aus dem Architektenbüro Goergens & Miklautz veröffentlichen. Demnach könnten drei Einzelhäuser und ein nördlicher Komplex um einen Hof an der nordöstlichen Hangkante gruppiert werden. Die Bauten würden die seit langem leer stehenden Gebäude des früheren Wiedemann-Sanatoriums ersetzen. Das ehemalige Ärztehaus im unteren Hangbereich würde ersatzlos abgerissen.

Bürgermeister Grasl betont, die Vorstudie könne keinesfalls eine abgeschlossene Planung ersetzen. Bisher habe der Gemeinderat noch nichts genehmigt, sondern nur einen Weg hin zu dem notwendigen Bebauungsplan aufgezeigt. Ausdrücklich kündigt Grasl an, die Gemeinde wolle weitere Varianten für eine Bebauung, auch unter teilweisem Erhalt der bisherigen Bauten, untersuchen lassen.

Bei der Bürgerversammlung, die im Gemeindesaal stattfindet und um 19.30 Uhr beginnt, werden Vertreter des KWA ihr Wohn- und Betreuungskonzept mit Tagespflege, Saal für kulturelle Veranstaltungen und Schwimmbad vorstellen. Die Vorsitzenden der gemeinnützigen GmbH stehen für Fragen bereit.

„Schnelles Durchdrücken liegt uns fern“

Tanja Lühr, Isar Loisachbote vom 10. März 2017
Münsings Bürgermeister Michael Grasl reicht den Gegnern des geplanten Seniorenwohnstifts in Ambach die Hand. Er stellt einen Kompromiss in Aussicht. Ein Bürgerbegehren ist laut dem Sprecher der Initiative Ambach, Sebastian Wiedemann, dennoch nicht ausgeschlossen.

Münsing – „Die Stimmung im Ort ist schlecht“, sagt Sebastian Wiedemann zwei Tage nach der Entscheidung des Münsinger Gemeinderats. Das Gremium hat wie berichtet am Dienstag die Weichen für den Bau einer Seniorenwohnanlage in Ambach mit rund 80 Wohnungen plus Gemeinschaftseinrichtungen gestellt. Als Grundlage soll der Testentwurf des Städteplaners Christian Weigl dienen.

Die Kritik der Bürgerinitiative richtet sich in erster Linie gegen das Ausmaß des Vorhabens. „Das passt einfach nicht ins Dorf“, ist der Architekt und Ambacher Wiedemann überzeugt. Am Freitag sei ein Gespräch mit dem Vorstand des Ostuferschutzverbands (OSV) geplant, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Gleichzeitig will Wiedemann alle Gemeinderäte anschreiben und seine Bedenken gegen das „massive Projekt“ noch einma darlegen. Er setze auf die Gesprächsbereitschaft des Bürgermeisters, die er bisher vermisst hat. Sollte das Wohnstift nicht deutlich kleiner und somit für Ambach verträglich ausfallen, wolle er sich als letzte Möglichkeit ein Bürgerbegehren offen halten.

Rathauschef Grasl signalisiert unterdessen in einer Pressemitteilung Kompromissbereitschaft. Zunächst entschuldigt er sich für die beengten Platzverhältnisse in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Nach der Sitzung hatte er erklärt, er sei überrascht gewesen, dass der Gemeinderat mehrheitlich gegen einen Architektenwettbewerb gestimmt habe. Grasl führt die Entscheidung auf „die vielen Mutmaßungen und die harsche Kritik am Projekt, am Träger und am Vorgehen der Gemeinde“ zurück. Gleichzeitig bezeichnet er den Testentwurf des Büros Goergens, Miklautz und Weigl als die richtige Herangehensweise an das schwierig zu überplanende Wiedemann-Grundstück.

Anfang kommender Woche möchte sich Grasl mit dem Grundstückseigentümer, dem Kuratorium Wohnen im Alter (KWA), auf einen Termin für eine Bürgerversammlung speziell zum Wohnstift einigen. Die Versammlung soll möglichst noch im März stattfinden. „Vielleicht ergibt sich in der öffentlichen Diskussion doch noch eine Möglichkeit, über mehrere Varianten sachgerecht zu entscheiden“, stellt der Rathauschef in Aussicht.

Bürgerentscheid fürchtet Grasl nicht

Er erinnert daran, dass die Gemeinde durch die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans die Planungshoheit besitzt. Grasl: „Ein schnelles Durchdrücken einer Planung liegt uns fern und wird nicht gelingen. Mir liegt viel an einem Kompromiss und der möglichen Auswahl zwischen mehreren Varianten.“ Von den Kritikern wünscht er sich eine objektivere Sichtweise, mehr Vertrauen in die Arbeit der Gemeinde sowie in die Kompetenz eines seit 50 Jahren tätigen Fachträgers für Seniorenwohnstifte und Geriatrie.

Einen Bürgerentscheid fürchtet Grasl nicht, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. Seiner Meinung nach erkennt der Großteil der Münsinger die Notwendigkeit einer Senioreneinrichtung, die auch eine Tagespflege beinhalten soll – und von der die Seegemeinde insgesamt profitieren könne. „Lasst uns bitte weiter im Gespräch bleiben. Gehen wir aufeinander zu“, appelliert Grasl an die Gegner.

Den Blickwinkel unnötig verengt

Kommentar zum Seniorenstift in Ambach

Von Benjamin Engel

Eines steht nach der Entscheidung des Münsinger Gemeinderats zum Seniorenstift in Ambach seit Dienstag fest: Die Kommune hat eine echte Chance vertan. Die Mehrheit der Gemeinderäte glaubt offensichtlich, auf einen Architektenwettbewerb verzichten zu können. Gerade mit diesem Instrument hätten sie aber wichtige Perspektiven gewinnen können – für das breite Spektrum zu Ambach passender innovativer architektonischer Gestaltungsmöglichkeiten und zeitgemäßer Lösungen. Das hätte nur positiv sein können. Denn das Grundstück am Ortseingang von Ambach erfordert wegen seiner Hanglage und dem wertvollen Baumbestand am Starnberger See eine behutsame Entwicklung. Nur mit dem Entwurf aus der Machbarkeitsstudie weiterzuplanen, verengt den Blickwinkel unnötig.

Die Befürchtungen, gar Ängste der Ambacher vor maßloser Bebauung sind durchaus ernst zu nehmen. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass die Gemeinde richtig entschieden hat, das Projekt weiterzuentwickeln. Nach allen Versicherungen der künftigen Betreiber soll sich die Baumasse im Vergleich zu den bisherigen Bauten der früheren Wiedemann-Kurklinik nicht erhöhen. Und deren seit Jahren leer stehenden Gebäude sind nun wahrlich kein ästhetisches Gusto-Stück. Das Argument des Ostuferschutzverbandes, den Eigentümer auch zum Abriss der Gebäude zwingen zu können, erschien von Anfang an als wenig erfolgsversprechend. Von einem Seniorenstift könnte die Gemeinde profitieren – mit Aufträgen für örtliche Handwerker, Übernachtungsgästen und sogar noch einem Saal für kulturelle Veranstaltungen, wie die Betreiber ankündigen.

Senioren am See

 

Von Benjamin Engel, Wolfratshauser SZ vom 9. März 2017

Münsing – Die Kommune wird die Pläne für ein Seniorenstift in Ambach vorantreiben – allerdings ohne Architektenwettbewerb. Grundlage soll die Mitte Februar vorgestellte Machbarkeitsstudie des Büros Goergens & und Miklautz mit maximal 80 Wohnungen sein. So hat der Gemeinderat in der Sitzung am Dienstagabend mit elf zu sechs Stimmen entschieden. Die Stimmung war aufgeladen: Dicht an dicht drängten sich die Zuhörer. Einige mussten im Sitzungssaal stehen oder sogar auf Stühlen vor der geöffneten Saaltür Platz nehmen – unter ihnen auch der Ambacher Schauspieler Sepp Bierbichler.

Die Debatte blieb kontrovers: Vor allem Ursula Scriba, Gemeinderätin der Bürgerliste und Vorsitzende des Ostuferschutzverbands (OSV), war über das Votum gegen einen Architektenwettbewerb enttäuscht: „Wir wären das den Ambachern schuldig gewesen. Der Gemeinderat hat sich einer wichtigen städtebaulichen Möglichkeit beraubt“, sagte sie. Bei besonders schwierigen Bauvorhaben wie an diesem Standort seien Wettbewerbe üblich. Aus Sicht von Scriba sind die geplanten Bauten zu hoch und wuchtig. Mit vier Geschossen überragten sie das Gasthaus Fischmeister am Seeufer noch um 1,50 Meter.

Auf dem früheren Sanatoriums-Gelände soll das Seniorenstift entstehen. Foto: Hartmut Pöstges

 

Auf dem zum Starnberger See abfallenden Standort für das Seniorenstift am nordöstlichen Ortseingang stehen noch die Gebäude des aufgegebenen, früheren Wiedemann-Sanatoriums. An deren Stelle will die gemeinnützige GmbH „Kuratorium Wohnen im Alter“(KWA) mit Sitz in Unterhaching bauen. Laut Machbarkeitsstudie könnten drei Einzelhäuser und ein nördlicher Komplex um einen Hof an der nordöstlichen Hangkante gruppiert werden. Das frühere Ärztehaus würde abgerissen. Laut Beschluss sollen die Wohnflächen maximal 4377 Quadratmeter groß sein.

Mit seinem Antrag eine Entscheidung zum weiteren Vorgehen erst einmal ganz zurückzustellen, scheiterte Matthias Richter-Turtur (Wählergruppe Ammerland). Erst müssten die Auswirkungen von Besucher- und Lieferverkehr auf Ambach geklärt werden, sagte er. Der Gemeinderat kritisierte ein Empfehlungsschreiben des Bürgermeisters von Rottach-Egern – dort betreibt KWA auch ein Wohnstift – zu dessen positiven Auswirkungen. Ambach und der Ort am Tegernsee als Zentrum von Luxushotels ließen sich nicht vergleichen.

Der Andrang in der Gemeinderatssitzung ist groß. Foto: Hartmut Pöstges

Christian Weigl vom Büro Goergens & Miklautz betonte, dass die Kommune im weiteren Planungsverfahren noch durch Gutachten belegen müsse, wie sich der Verkehr oder Lärm auf den Ort auswirkten. Seiner persönlichen Einschätzung nach würden die Auswirkungen nicht negativer sein als die der früheren Kurklinik.

Über die Aufregung gegen das Projekt wunderte sich Dritter Bürgermeister Ernst Grünwald (Wählergruppe Ammerland). „Das Seniorenstift ist eine Bereicherung für Ambach mit Schwimmbad, Kultursaal und Leistungen zur Pflege“, sagte er. Helge Strauß (CSU) erinnerte an die frühere Wiedemann-Kurklinik in ähnlicher Größenordnung. „Es hat funktioniert, mit Zulieferverkehr, mit Leuten bei deutlich höherer Fluktuation als in einem Seniorenstift“, sagte er. Strauß vermisste eine sachliche Diskussion über das Projekt und setzte sich für einen Architektenwettbewerb ein.

Auf Nachfrage der SZ kündigte Bürgermeister Michael Grasl (FW) an, Anfang kommender Woche einen Termin für eine Bürgerversammlung zum Seniorenstift zu veröffentlichen. Das KWA werde über das Projekt informieren, die Anwohner könnten ihre Bedenken äußern. Noch müsse der Gemeinderat einen Aufstellungsbeschluss für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan als Voraussetzung für das Seniorenstift fassen. Er störte sich an der aus seiner Sicht teils maßlosen Kritik. Grasl deutete an, dass dies womöglich die Entscheidung gegen einen Architektenwettbewerb gefördert habe.