„Kein Handlanger der KWA“ Grasl weist Gerüchte zurück

Münsinger Bürgermeister nimmt Stellung zu geplantem Seniorenstift

Im Streit um das geplante Seniorenstift in Ambach meldet sich Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) jetzt mit einer Stellungnahme zu Wort. Der Grund: „Die Gemeinde sieht sich immer wieder alten und neuen Vorwürfen ausgesetzt“, moniert er in einer Pressemitteilung. Diese Gerüchte und Mutmaßungen gipfelten darin, dass der Gemeinde unterstellt werde, ein Handlanger des „Kuratoriums Wohnen im Alter“ (KWA) zu sein. „KWA wird nicht anders behandelt als ein vergleichbarer Grundstückskäufer und keinesfalls bevorzugt“, betont Grasl.

Das Sozialunternehmen, das bundesweit 16 Altenwohnstifte betreibt, will eine solche Einrichtung auf großen Teilen der Wiedemann-Kurklinik errichten, die seit Jahren leer steht. Um dieses Projekt gab es jedoch von Anfang an eine kontroverse Debatte: Die geplanten 80 Wohneinheiten halten Anwohner für zu viel, sie fürchten auch zusätzlichen Verkehr. Die schmale Zufahrt zum Hanggrundstück über den Simetsbergweg wird ebenfalls kritisch gesehen.

„Bisher hat KWA nur bezahlt und aufwendig entrümpelt“, betont Bürgermeister Grasl. Mit dem Sozialunternehmen sei er selbst weder verbandelt, noch sei er von ihm in irgendeiner Weise beeinflusst. „Wer anderes verbreitet, hat keine Ahnung.“ Die Gemeinde habe ein aufwendiges Plangutachten organisiert, Fachleute hinzugezogen und das Verfahren neutral moderieren lassen. Dabei habe es allerdings noch nicht um Straßenbreiten und Stellplätze gehen können, so Grasl. „Diese Schritte sind dem späteren Bebauungsplan vorbehalten.“ Die Kommune habe die Planungs- und die Entscheidungshoheit – und die lasse sie sich auch von niemandem nehmen.

„Wir als Gemeinde sitzen nicht auf geheimen Informationen und haben die KWA aufgefordert, zu den angesprochenen Punkten Stellung zu nehmen.“ Das sei noch nicht umfassend genug passiert, weswegen der Ball derzeit im Feld der KWA liege. In der Ratssitzung vom 23. Oktober hätten die beiden favorisierten Büros ihre Vorentwürfen erläutert. „Eine Aussprache oder Bürgerversammlung war das nicht, daher wurde weder der KWA noch der ‚Initiative Ambach‘ ein Rederecht eingeräumt“, so Grasl. Nun müssten die Erklärungen der KWA folgen, danach bedürfe es eine Grundsatzentscheidung für eine der beiden Varianten oder für gar keine. Grasl selbst favorisiert „eindeutig das Wohnstift gegenüber einer Klinik“.

KWA und das Ambacher Gefühl

Leserbrief Süddeutsche Zeitung am 30.10.2018
Zu „Streit um Seniorenstift am See“ vom 25. Oktober:

Benjamin Engel schreibt in seinem Artikel „Streit um Seniorenstift am See“ ganz richtig: Den Anwohnern sind 80 geplante Wohneinheiten zu viel. Die Bürger haben sich im Sommer in ihren Bedenken und Anregungen klar geäußert: „80 Wohneinheiten sind zu viel, es muss abgespeckt werden“. Jeder bebaute Quadratmeter erhöht die Grundstückspreise. Einheimische wissen nicht mehr, wie sie ihr Erbe gerecht aufteilen sollen und müssen tradierte Familiensitze verkaufen. Als Gemeinderätin und Vorsitzende des Ostuferschutzverbandes stehe ich hinter den Bürgern: So habe ich mich auch mehrfach deutlich in der Gemeinderatsitzung vom 23.10.2018 geäußert.

Die Gemeinde selbst ist dem Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) bereits mehrmals in folgenden Schritten entgegengekommen: Erster Schritt: KWA hat das Grundstück erworben mit dem in der Baunutzungsverordnung als „Sonstiges Sondergebiet, hier Gesundheitszentrum, Klinik“, ausgewiesenen Areal. Um dort Seniorenwohnungen zu bauen,muss diese Kategorie geändert werden. Die Gemeinde kam KWA entgegen und hat ihre Bereitschaft erklärt, diese Nutzungskategorie im Flächennutzungsplan zu verändern,um das Vorhaben zu ermöglichen. Zweitens gab es einen Aufstellungsbeschluss am 27. September 2017 zur Aufstellung eines Qualifizierten Bebauungsplanes und damit erhöhtes Baurecht in Toplage am Starnberger See für das Seniorenstift.

Jetzt verlangen wir, wie ich klar in der Sitzung einforderte: KWA specke ab, erarbeite Dir die Überschrift:KWA und dasAmbacher Gefühl.

Ursula Scriba, Ammerland

„KWA, mach’ Deine Hausaufgaben“

Leserbrief Münchner Merkur, Isar Loisachbote vom 26.10.2018

„Architekten machen ihre Hausaufgaben“ vom 25. Oktober, zum geplanten Seniorenwohnstift in Ambach

Vielen Dank für den Artikel von Tanja Lühr. Als Gemeinderätin und Vorsitzende des Ostuferschutzverbandes ergänze ich den Artikel um die entscheidenden Fragen, die ich in der Sitzung stellte.

Für die Bürger, die Mitglieder und mich forderte ich neben dem Thema fehlender Straßenbreite der Erschließung vor allem jedes Architekturbüro auf, die Wohneinheiten, die Baumasse zu reduzieren.

Das engagierte Büro Beer Bembé, Dellinger – das Büro mit dem Ambacher Gefühl, das die Anregungen der Bürger und des KWA (Kuratorium Wohnen im Alter, Anm. d. Red.) arbeitsintensiv aufgenommen hatte – antwortete, dies sei Aufgabe des zukünftigen Bauherrn, des KWA. Deshalb die dringende Aufforderung: „KWA, mache jetzt Du Deine Hausaufgaben – biete den Bürgern die verlangte Reduzierung der Wohneinheiten, der Baumasse.“
Die Gemeinde Münsing kam mit dem Aufstellungsbeschluss für einen qualifizierten Bebauungsplan am 27. September 2017 den Wünschen des Investors entgegen, die Gemeinde ist bereit, den Flächennutzungsplan von der Sondernutzung Gesundheit, Klinik in Wohnen zu ändern und zusätzliches Baurecht auszuweisen. Jetzt muss auch KWA bereit sein, den Bürgern entgegenzukommen. „KWA – mach’ Deine Hausaufgaben!“

Ursula Scriba, Ammerland

Architekten machen ihre Hausaufgaben

SENIORENWOHNSTIFT – Pläne wurden überarbeitet – Bürger kritisieren weiterhin die Anzahl der Wohnungen
VON TANJA LÜHR

Münsing – Die beiden Architekten, die noch im Rennen sind um die Planung des Seniorenwohnstifts in Ambach, haben ihre ursprünglichen Entwürfe überarbeitet und am Dienstag dem Gemeinderat präsentiert. Die Sitzung verfolgten zahlreiche Zuhörer sowie die Vorsitzenden des Kuratoriums Wohnen im Alter (KWA), das die Anlage baut. Eine Entscheidung für eine der beiden recht unterschiedlichen Varianten wird der Gemeinderat demnächst fällen.

Wie berichtet waren nach der ersten Vorstellung der Entwürfe des Mailänder Stararchitekten und -designers Matteo Thun sowie des Büros Beer, Bembé, Dellinger (BBD) aus Greifenberg 32 Stellungnahmen von Bürgern bei der Gemeinde eingegangen. Die Mehrheit favorisierte das kleinteilige Konzept mit mehreren Wohnhäusern rund um einen Anger von BBD.

Matteo Thun hat nach der Kritik an seinen lang gezogenen, hotelähnlichen Gebäuden mit Blick auf den Starnberger See die Struktur gelockert, die „langen Stangen“ (Ursula Scriba, Bürgerliste) durchbrochen und somit mehr Durchlüftung geschaffen. 75 Prozent der Bewohner schauen jetzt auf den See, die übrigen 25 Prozent auf eine grüne Wiese. Es bleiben weitere Bäume erhalten, das überdachte Schwimmbad lädt nun inmitten des Ensembles zu einem Besuch ein. Das historische „Waldschlösschen“ mit Rezeption und anschließendem Restaurant bildet für Thun „die DNA“ der Wohnanlage. Der Architekt kommt auf eine Grundflächenzahl (GRZ) von 0,34, das heißt 34 Prozent überbaute Fläche.

Sebastian Dellinger hat den Einwand von Bürgern und Gemeinderäten an den schlecht belichteten Souterrain-Appartments berücksichtigt und diese ganz weggelassen. Jedes zweistöckige Haus verfügt nun über vier Wohnungen pro Geschoss. Die Tagespflege wird ebenfalls in helleren, attraktiveren Räumen untergebracht, was Sozialreferentin Regina Reitenhardt (Wählergruppe Münsing) lobend anerkannte. Küche und Speisesaal wurden nebeneinander statt übereinander platziert, um bessere Abläufe zu gewährleisten. Entree und Herzstück bleibt wie bei Thun das „Waldschlössl“. Die GRZ beträgt 0,33.

Die von KWA vorgegebene, von den Bürgern aber am stärksten kritisierte Anzahl der Wohnungen von 80 Stück hat keiner der beiden Planer reduziert. Das ärgert den Sprecher der Initiative Ambach, Sebastian Wiedemann, wie er nach der Sitzung gegenüber unserer Zeitung sagte. Wiedemann gibt dem Bürgermeister und dem Gemeinderat die Schuld daran, dieser KWA-Forderung nachzugeben. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Arend erklärt dazu, man werde aus wirtschaftlichen Gründen nicht von dieser Zahl abrücken. Für welchen Entwurf sich der Gemeinderat auch entscheide, KWA werde sich in diesem aufwändigen Verfahren dem Votum fügen und ihn realisieren, so Arend. Nach der ersten Präsentation hatte KWA dem Thun-Modell den Vorzug gegeben.

Sobald ein Beschluss vorliegt, müssen im Bebauungsplanverfahren wichtige Punkte wie die Verkehrserschließung geklärt werden. Der Simetsbergweg zum Beispiel sei viel zu schmal, sagte Umweltreferentin Christine Mair (Wählergruppe Münsing). Professor Dr. Matthias Richter-Turtur (Wählergruppe Ammerland) stand alleine da mit seinem Wunsch, wie von KWA als Alternative beantragt und vom Landratsamt in diesen Tagen genehmigt, eine Klinik an Stelle einer Wohnanlage zu errichten. Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) machte deutlich, dass die Gemeinde das Stift wolle.

Architekt fürs Bürgerzentrum steht fest

Jury kürt den Entwurf des Münsinger Büros um Bernhard Peck und Achim Daam zum Sieger. Das Gebäude folge dem natürlichen, leicht nach Süden abfallenden Geländeverlauf, heißt es in der Begründung

Von Benjamin Engel, Wolfratshauser SZ vom 6. August 2018

Zehn Jahre nach dem Grundstückskauf nimmt das Bürgerzentrum „Neuer Pallaufhof“ konkrete Gestalt an: Bis Ende Juni hatten 16 Büros ihre Ideen für den Architektenwettbewerb eingereicht. Eine Jury hat am vergangenen Donnerstag vier Planungen in die engere Wahl genommen – und den Entwurf von Peck.Daam Architekten aus Münsing zum Sieger gekürt. Das Büro um Bernhard Peck und Armin Daam greift die traditionelle Form des lang gestreckten Einfirsthofs auf. An der Südseite lässt sich die Bühne durch ausklappbare Glaselemente nach außen öffnen. Sitzstufen südlich davon ermöglichen Freiluftveranstaltungen. Im Obergeschoss entstehen Verwaltungsräume für das Rathaus. Der erste Preis ist mit 24 000 Euro dotiert.

Einhellig positiv gestimmt zeigten sich Vertreter des Preisgerichts und der prämierten Büros, als sie am Montag im Gemeindesaal die Ergebnisse der elfstündigen Beratungen vorstellten. Bürgermeister Michael Grasl (FW) schilderte, dass er beeindruckt sei, wie viel Einfühlungsvermögen die Architekten für die Struktur der Kommune Münsing gezeigt hätten. Die Münchner Architektin Stefanie Seeholzer – die Juryvorsitzende – lobte die Qualität aller eingereichten Entwürfe. „Ich hoffe, dass von ihrer Gemeinde ein positives Beispiel für andere Gemeinden ausgehen kann.“

Für Seeholzer zeichnet sich der Siegerentwurf vor allem auch dadurch aus, dass das Gebäude dem natürlichen, leicht nach Süden abfallenden Geländeverlauf folgt. Über das Treppenhaus im Foyer im Nordteil wird der Bau erschlossen. Eine Freitreppe führt nach Süden zum Saal und den Mehrzweckräumen herunter. Zum Obergeschoss mit den neuen Räumen für das Rathaus geht es nach oben. Der Sitzungs- und Trauungssaal auf dieser Ebene im Norden öffnet sich zur gegenüberliegenden Pfarrkirche und zum Dorf.

Die Tiefgarage kann wegen der Hanglage des Grundstücks fast ebenerdig von der Westseite angefahren werden. Auf dieser Seite des Gebäudes soll ein mit alten Obstbäumen bestandener Bürgerplatz entstehen. Mit ihrem Entwurf repräsentieren Peck.Daam Architekten eine der beiden Tendenzen zur Gestaltung des Bürgerzentrums – in ihrem Fall die Bauform des Einfirsthofs. Andere Büros so wie die Zweitplatzierten Hirner & Riehl Architekten aus München verteilen die Funktionen für Bürger- und Rathaus auf zwei Gebäude. Die beiden konisch-trapezförmigen Häuser sind versetzt angeordnet. Damit entstehen zwei Plätze, im Norden der Rathausplatz sowie im Süden der sogenannte Bürgerhof. Von der ursprünglichen Idee eines Langhauses seien sie abgekommen, berichtete Robert Härtl von Hirner & Riehl Architekten. So hätten sie die Lösung entwickelt im Norden direkt gegenüber der Pfarrkirche einen kleinen Platz zu schaffen, über den die Besucher beide Gebäude betreten könnten. Durch die konische Form der Häuser würden sich spannende Grundrisse für die Räume im Inneren ergeben.

Kritisch diskutierten die Jurymitglieder allerdings etwa den fehlenden Dachüberstand beim zweitplatzierten Preisträger. Auch dass die Mehrzweckräume im Stockwerk über dem Veranstaltungssaal liegen, wurde kontrovers diskutiert.


Ebenfalls auf zwei Baukörper verteilt hat das Team von Berger Röcker Gork Architekten aus Stuttgart seinen mit dem dritten Preis honorierten Entwurf. Die beiden Häuser sind versetzt direkt aneinander anschließend geplant. So entsteht ein einladender Platz nach Norden zur Kirche. Im Südosten öffnet sich eine Terrasse zum Grünbereich. Ein Fußweg verläuft entlang des bis zu 3,50 Meter hohen Sockelgeschosses zur Tiefgagarge. Als angenehm ruhig bewertete die Jury die Gesamterscheinung. Allerdings wirkten die geschlossenen Fassaden im Norden wenig einladend. Über das vorgesehene Blechdach sowie die fehlenden Dachüberstande diskutierten die elf Preisrichter kontrovers.

Als Zwiehof bezeichnet das Büro von Holzer Architekten aus Wolfratshausen seinen Entwurf. Dafür sprach die Jury den Anerkennungspreis an vierter Stelle aus. Ihm sei wichtig gewesen, dass der Platz zur Straße im Norden eindeutig als grünes Entrée zu erkennen sei, schilderte Christian Holzer. Die Jury lobte den klaren und einfachen Ansatz der beiden versetzten Häuser mit Satteldach. Allerdings würde der Vorplatz in der Beziehung zum Kirchplatz und dem benachbarten Kinderhaus als rückseitig empfunden.

Jeweils im Süden haben alle vier honorierten Entwürfe im sogenannten Ideenteil ein Gebäude für soziale Nutzungen für Senioren und weitere Zwecke vorgesehen. Derartige Funktionen standen im Zentrum der jahrelangen Debatte um das Bürgerzentrum. Im jetzigen, engen, hellhörigen und für die Mitarbeiter zu kleinen Rathaus soll später ein Haus für Kinder unterkommen. Noch bis Donnerstag, 23. August, ist die Ausstellung aller Entwürfe im Gemeindesaal zu sehen (Montag bis Mittwoch und Freitag 10 bis 12 Uhr sowie Donnerstag von 16 bis 18 Uhr.

Link zum Bericht in der Süddeutschen Zeitung

Ein „Gesicht“ für Münsing

SIEGERENTWURF FÜR RATHAUS MIT BÜRGERZENTRUM STEHT FEST
von TANJA LÜHR; Isar Loisachbote vom 6.August 2018

Münsing Elf Stunden lang hat das Preisgericht am Donnerstag getagt. Es bestand aus sechs Architekten sowie Bürgermeister Michael Grasl und vier Gemeinderäten (Ernst Ramerth, Regina Reitenhardt, Ursula Scriba und Thomas Schurz). Außerdem nahmen Mitarbeiter der Verwaltung und Georg Sebald als Sprecher der Münsinger Vereine an dem Verfahren teil. Es handelte sich um einen anonymen, nicht offenen Realisierungswettbewerb mit 16 Teilnehmern. Das heißt, die Jury kannte die Architekten bei der Präsentation nicht, und der Sieger erhielt neben der Prämie in Höhe von 24 000 Euro auch den Planungsauftrag.

„Das Ergebnis überrascht nicht“, sagte Bürgermeister Michael Grasl am Montag bei der Vorstellung des Siegerentwurfs. Im Prinzip gab es zwei Varianten: den Einfirsthof oder zwei Häuser, entweder aneinander oder getrennt gebaut. Auch eine ungewöhnliche Idee mit zwei dreieckigen Gebäuden wurde eingereicht. Alle Arbeiten sind derzeit im Gemeindesaal zu besichtigen.

Bernhard Peck vom Büro Peck.Daam Architekten aus München stellte sein Siegermodell persönlich vor. Er schickte vorweg, dass er sich „wahnsinnig“ über den Auftrag freue. In einem „gewachsenen, authentischen Ort“ wie Münsing ein so zentrales Objekt wie das Bürger- und Rathaus verwirklichen zu dürfen, sei eine Ehre. Pecks zweistöckiger Baukörper nimmt die lang gezogene Form des alten Pallaufhofs auf. Zum Dorf mit der Kirche hin entsteht ein Bürgerplatz mit Brunnen und Sitzgelegenheiten. Die Räume des Rathauses und das Foyer sind im Eingangsbereich untergebracht. Ein repräsentatives Treppenhaus führt vom Foyer aus nach unten in das Bürgerhaus mit mobilen Wänden und nach oben in die weiteren Zimmer des Rathauses sowie zur Hausmeisterwohnung. Der Sitzungs- und Trausaal zeigt zur Kirche. Nach Süden ist der Veranstaltungssaal ausgerichtet. „Von hier aus kann man eventuell die Zugspitze sehen“, stellte Peck in Aussicht. Eine Besonderheit bildet die an den Saal grenzende Freilichtbühne. Eine Tiefgarage, erschlossen über die Straße Am Labbach, bietet Platz für 50 Fahrzeuge. Das kleinere Haus im Süden, gedacht für soziale Zwecke, ist Teil des Ideenwettbewerbs. Es stellt nur eine Anregung dar. Gebaut werden soll es – nicht zwangsläufig vom Architekten des Bürgerhauses – erst „in der nächsten Legislaturperiode“, wie Bürgermeister Michael Grasl sagt.

Das verwendete Material Holz, der luftige Laubengang und der Dachüberstand seien für die Jury wichtige Kriterien gewesen, erklärte Grasl. Das Ensemble füge sich in überzeugender Weise in das Ortsbild ein. Die Freiflächen, gestaltet von Landschaftsarchitekt Jochen Rümpelein aus Freising, würden sich vielfältig nutzen lassen. Last but not least könne das Gebäude durch seine klare, einfache Struktur „wirtschaftlich“ errichtet werden. Die Gemeinde geht wie berichtet von mindestens zehn Millionen Euro Baukosten aus.

Nur knapp hinter dem Gewinner (11:0 Stimmen) landete mit 10:1 Stimmen der Entwurf von Hirner & Riel Architekten aus München. Er sieht zwei parallel und leicht versetzt liegende Gebäude vor, wodurch zwei Höfe im Freien entstehen. Der südliche wird durch das Haus aus dem Ideenteil abgeschlossen. Platz drei (Berger Röcker Gork Architekten, Stuttgart) ist von der Gebäudeaufteilung ähnlich. Den Anerkennungspreis, dotiert mit 5000 Euro, erhielt das Büro Holzer Architekten aus Wolfratshausen. Christian Holzer trennt Bürger- und Rathaus und schafft in der Mitte einen Platz.

Laut Stefanie Seeholzer, Vorsitzende des Preisgerichts, war man sich bei der Beurteilung in der Jury einig, dass alle Vorschläge ein „hohes Maß an Gespür“ für die Gemeinde aufweisen. Das von der Gemeinde vorgegebene Raumprogramm sei von allen Teilnehmern erfüllt worden. Grasl glaubt, dass mit dem Siegermodell nun nach vielen Jahren der Vorbereitung ein Gemeindezentrum verwirklicht wird, das „ein Gesicht besitzt“.

Info

Die Entwürfe sind von Montag bis Mittwoch und freitags jeweils von 10 bis 12 Uhr zu besichtigen. Donnerstags ist die Ausstellung von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Am Mittwoch, 15. August, bleibt der Gemeindesaal wegen des Feiertags geschlossen.

Link zum Zeitungsbericht im Isar-Loisachboten, Münchner Merkur

Seniorenwohnstift: Zeit zum Aktenstudium

von Tanja Lühr, Isar Loisachbote vom 19. Juli 2018

Münsing Bis nach der Sommerpause – die nächste Sitzung findet am 28. August statt – haben die Münsinger Gemeinderäte Zeit, sich alle 32 Stellungnahmen von Bürgern zum geplanten Seniorenwohnstift in Ambach zu Gemüte zu führen. Wie berichtet waren die beiden zur Auswahl stehenden Modelle der Architekturbüros Matteo Thun sowie Beer, Bembé, Dellinger zwei Wochen lang im Rathaus ausgestellt. Nach Ablauf der Frist für Stellungnahmen vergangenen Freitag gingen noch einmal über 20 schriftliche Äußerungen bei der Gemeinde ein.

„Weit überwiegend wird der Entwurf von Beer, Bembé, Dellinger favorisiert“, berichtet Bürgermeister Michael Grasl gegenüber unserer Zeitung. Das Büro schlägt sieben Einzelhäuser mit Wohnungen, gruppiert um einen Anger vor. Es werde eine Reduzierung der von beiden Architekten vorgesehenen rund 80 Wohnungen angestrebt, die Stellplätze würden als nicht ausreichend angesehen, fasst Grasl die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

In der Ratssitzung am Dienstag, in der Grasl das Heft mit den Bürgerkommentaren an die Ratsmitglieder übergab, betonte er, dass man diese ernst nehmen werde. „Es ist keine einfache Abwägung, die uns bevorsteht“, sagte der Bürgermeister. Der Vorhabensträger, das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA), müsse sich ebenfalls zu den Punkten äußern. Bei der Entscheidung werde die Gemeinde „ohne Zeitdruck vorgehen“. Ob es am 28. August einen Beschluss geben wird, steht noch nicht fest. tal

„Alter Wein in neuen Schläuchen“

Stellungnahmen zum Seniorenwohnstift: Der vom Investor favorisierte Entwurf fällt bei den Bürgern durch

VON TANJA LÜHR, Isar-Loisachbote vom 14./15. Juli 2018

Münsing – Zehn Stellungnahmen zu den Plänen für das KWA-Seniorenwohnstift in Ambach sind bei der Gemeinde Münsing eingegangen. Wie berichtet waren die beiden zur Auswahl stehenden Entwürfe der Architekturbüros Matteo Thun sowie Beer, Bembé, Dellinger zwei Wochen lang im Sitzungssaal zur Ansicht ausgestellt. Am Freitag endete die Frist für Stellungnahmen. Bürgermeister Michael Grasl rechnet jedoch noch mit einigen Nachzüglern.

Bisher lasse sich erkennen, dass der Entwurf von Beer, Bembé, Dellinger (BBD) von den Bürgern favorisiert werde. Unserer Zeitung liegen drei Stellungnahmen vor, die sich für diese Variante aussprechen. Während Matteo Thun eher hotelartige, langgezogene Gebäude mit Blick auf den See vorsieht, gruppiert Sebastian Dellinger seine Zeltdachhäuser rund um einen Anger.

Ursula Scriba, selbst Architektin, Vorsitzende des Ostuferschutzverbands und Gemeinderätin, schreibt, das „Ambacher Gefühl“ greife ihrer Meinung nach nur BBD auf. Das Büro orientiere sich an der lockeren Villenstruktur am Seeufer. Dadurch werde eine bessere Durchlüftung gewährleistet, die Bewohner könnten aus allen etwa 80 Wohnungen den Seeblick genießen. Das alte Waldschlösschen, das erhalten und renoviert werden soll, stehe „froh und frei“ als Alleinstellungsmerkmal da und nicht, wie bei Matteo Thun, an die restliche Bebauung angefügt. Bei Thun würden zudem 16 der ebenfalls etwa 80 Wohnungen auf den Wald blicken.

Scriba mahnt bei beiden Plänen eine Reduzierung der Appartments an. Sie schlägt dem Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) vor, dafür auf das Schwimmbad zu verzichten und somit Kosten zu sparen. Münsing beteilige sich schließlich finanziell am interkommunalen Hallenbad in Geretsried. Shuttle-Busse könnten die KWA-Stiftbewohner dorthin zum Schwimmen bringen.

Sebastian Wiedemann, Sprecher der „Initiative Ambach“ und von Beruf ebenfalls Architekt, kommentiert den – von KWA favorisierten – Entwurf des Mailänder Stararchitekten Matteo Thun mit den Worten „Alter Wein in neuen Schläuchen“. Er unterscheide sich nicht großartig vom so genannten Testentwurf Christian Weigls aus dem Jahr 2016. „Schade, dass KWA das Potenzial des Wettbewerbs nicht nutzen und sich auf frische Ideen einlassen will“, schreibt Wiedemann.

Mit frischen Ideen meint er die kleinteilige Bebauung von BBD. Die lockere Anordnung vermeide eine Riegelbildung und öffne sich nach Süden, so Wiedemann. Die pavillonartigen Gebäude seien weniger an die althergebrachte Gestaltung angelehnt, wodurch sich ein freundliches Bild ergebe. Dem Argument von KWA, die Privatsphäre sei durch die Blickbeziehungen nicht gewährleistet, setzt der Ambacher entgegen, soziale Kontakte würden dadurch eher gefördert.

Mechthild Felsch, Grünen-Kreisrätin aus Münsing und Seniorenbeirätin des Landkreises, bevorzugt die BBD-Variante, weil sie die Villenstruktur am Ostufer, die auch im Rahmenplan als schützenswert genannt wird, besser nachempfinde. Außerdem könnten die Pavillons im Fall einer Pleite des Seniorenstifts besser als Wohnungen für die Allgemeinheit genutzt werden, schreibt sie. Felsch weist zudem darauf hin, dass KWA statt einer „Tagesbetreuung“, von der bisher die Rede sei, eine „Tagespflege“ anbieten solle. Denn nur dafür gebe es Zuschüsse von den Krankenkassen. Zuletzt bemerkt sie, dass Betreutes Wohnen im Hochpreissegment nicht als Bedarf im seniorenpolitischen Gesamtkonzept des Landkreises auftauche.

Bürgermeister Grasl will nun allen Gemeinderäten die Stellungnahmen zukommen lassen. Wann über den Siegerentwurf entschieden werde, stehe noch nicht fest. „Mir ist es wichtig, dass eine kritische Beleuchtung der Entwürfe und Argumente erfolgt“, betont Grasl. Eine Reduzierung der Wohneinheiten könne er nicht versprechen, auch wenn er in den Gesprächen mit KWA versucht habe, dies durchzusetzen. „Ein Träger muss doch auch wirtschaften können“, findet er. Bei 60 Wohnungen, wie von vielen Ambachern gefordert, spare sich KWA vielleicht den Saal für öffentliche Veranstaltungen oder die Tagespflege. „Dafür muss dann der Gemeinderat den Kopf hinhalten.“ Im Übrigen sei die ehemalige Wiedemann-Klinik auf dem Grundstück mit 145 Betten, 99 Zimmern und durchschnittlich 135 ambulanten und stationären Patienten für die Bevölkerung nie ein Problem gewesen.

Link zu den Stellungnahmen von OSV Mitgliedern

Zwei Entwürfe und eine Tendenz

VON TANJA LÜHR, Münchner Merkur, Isar Loisachbote vom 28. Juni 2018

Link zum Originalartikel im Isar-Loisachboten vom 28. Juni 2018

Zwischen zwei ganz unterschiedlichen Entwürfen für ein Seniorenwohnstift in Ambach muss sich der Münsinger Gemeinderat demnächst entscheiden. Sie wurden am Dienstag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von den Architekten präsentiert. Die Bürger können sich in den kommenden zwei Wochen dazu äußern.

Münsing Der Bauausschuss hatte in einem Workshop eine Vorauswahl aus vier Entwürfen getroffen. Die zwei, die noch im Rennen sind, stammen vom Mailänder Stararchitekten und -designer Matteo Thun sowie vom Büro Beer, Bembé, Dellinger aus Greifenberg. Während der gebürtige Südtiroler Thun auf langgezogene, mehrstöckige Baukörper im Stil eines Hotels setzt, will Sebastian Dellinger mehrere Einzelhäuser, gruppiert um einen Innenhof, als lockeres Ensemble errichten. Beide Bewerber wollen das historische „Waldschlössl“-Gebäude auf dem ehemaligen Wiedemann-Sanatoriumsgelände erhalten und sanieren.

Klarer Favorit des Investors, des Kuratoriums Wohnen im Alter (KWA), ist der Entwurf des Büros Thun. KWA-Vorsitzender Horst Schmieder erklärte im Anschluss an die Vorstellung, warum. Die Anlage sei „funktionaler“. Restaurant, Küche und Veranstaltungssaal lägen auf einer Ebene. Es gebe im Gegensatz zu Dellingers Einzelhäusern mit Souterrain-Apartments eine größere Anzahl heller Wohnungen mit Blick auf den See. Ältere Menschen würden aus Sicherheitsgründen auch nicht gerne im Erdgeschoss wohnen. Bei Thun sei zudem mehr Privatsphäre gewährleistet, weil nicht jeder auf den Balkon des anderen schauen könne, weil das Schwimmbad schlechter einsehbar sei und die Anlage in sich abgeschlossener sei. Schließlich falle Senioren die Orientierung leichter bei weniger Gebäuden.

Die Fachjury, die unter anderem aus Kreisbaumeister Andreas Hainz und Landschaftsplaner Christian Ufer bestand, hielt beide Modelle für städtebaulich gelungen. Der Baumbestand werde weitgehend geschützt, in beiden Fällen entstehe ein reizvoller Innenhof. Die Funktionalität stelle jedoch bei Dellinger eine „Herausforderung“ dar, wie Jurymitglied Architekt Christian Weigl einräumte.

Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) sprach sich für den Thun-Entwurf aus. In der Diskussion zeichnete sich eine Mehrheit dafür ab. Sozialreferentin Regina Reitenhardt (Wählergruppe Münsing) sagte, sie wisse aus ihrer Erfahrung im Umgang mit Senioren, dass bei diesen die Faktoren Helligkeit, Sicherheit und gute Orientierung entscheidend seien: „Das Wohnstift und die Tagespflege müssen in erster Linie von den Senioren gut angenommen werden.“

Umweltreferentin Christine Mair (WG Münsing) lobte, dass beide Architekten einen Sockel aus Stein und darauf in Holz bauen wollen. Bei Thun sieht sie den Vorteil, dass der geplante Aufbau aus vorgefertigten Holzteilen schneller ginge und somit für die Anwohner erträglicher wäre. Thomas Schurz (CSU) meinte, Dellingers Zeltdachhäuser erinnerten ihn an eine „Ferienwohnsiedlung in der Karibik“. Ihm gefällt die von Thun vorgesehene Begrünung der Dachterrassen und Dächer. Ernst Ramerth (Wählergruppe Holzhausen) erklärte, als Ingenieur stehe für ihn die Zweckmäßigkeit an oberster Stelle.

Bürgermeister Grasl hätte sich zwar „keine Entscheidung“, aber eine Abstimmung gewünscht, in welche Richtung es gehen soll. Auf Drängen von Ursula Scriba (Bürgerliste) sollen aber erst die schriftlichen Einwendungen und Anregungen der Bürger abgewartet werden. Diese können die Modelle und die Pläne bis 11. Juli im Sitzungssaal des Rathauses ansehen und sich dazu äußern. Sebastian Wiedemann, Sprecher der Initiative Ambach, nannte das ein „faires Angebot“. Er persönlich tendiere zum Dellinger-Entwurf, sagte er. Dr. Gustav Neumeister, Mitglied des Ostuferschutzverbands, spr

Langhäuser oder Pavillons

 

Für das Ambacher Seniorenwohnstift gibt es zwei bevorzugte Entwürfe – von Matteo Thun und Beer Bembé Dellinger. Die Modelle sind derzeit im Rathaus einzusehen. Die Münsinger können dazu Stellung nehmen.

Von Benjamin Engel, Münsing, Wolfratshauser SZ, 28. Juni 2018

Link zum Originalartikel in der Wolfratshauser SZ vom 28. Juni 2018

Im Gemeindesaal hat es Architektin Nicolette Baumeister am Dienstagabend auf den Punkt gebracht. „Die heutige Sitzung ist ein wichtiger Meilenstein im Verfahren“, sagte sie. Erstmals konnte die Öffentlichkeit erfahren, wie das in Ambach auf dem Gelände der früheren Wiedemann-Klinik geplante Seniorenwohnstift aussehen könnte. Am von Baumeister moderierten Workshop-Verfahren hatten sich vier Architekturbüros beteiligt. Zwei davon hat der Bauausschuss des Gemeinderats vorausgewählt. Um seinen Entwurf zu präsentieren, war der italienische Stardesigner Matteo Thun mit seinem Team aus Mailand angereist. Die beiden Architekten vom Büro Beer Bembé Dellinger hatten es aus Greifenberg weniger weit.

Matteo Thun & Partners

Zur Landschaft als Ausgangspunkt seiner Architektur bekannte sich Matteo Thun. „Meine These ist: Die Natur gewinnt und nicht die Architektur“, sagte er. Das könne jeder sehen, der über das Gelände mit den seit mehr als zehn Jahren leer stehenden früheren Sanatoriumsgebäuden gehe. Die Häuser seien komplett kaputt.

An deren Stelle will der Architekt sechs Neubauten im oberen Hangbereich errichten. Die Häuser sollen sich am Archetypus des Langhauses orientieren – mit Zementsockel und den oberen Stockwerken in Holzfertigbauweise. Das begründet Thun mit dem Bedürfnis von Senioren nach einfachen, klaren Architekturformen. Die unteren Bauten sollen auf dem Dach begrünt werden. So sollen die Häuser gleichsam in grüner Landschaft verschwinden und beim Blick aus den höher am Hang liegenden Gebäuden Richtung See kaum mehr als Architektur kenntlich werden. Die oberen Häuser gruppieren sich um einen inneren Hofbereich. Die 81 Wohnungen sollen größtenteils zum Starnberger See hin ausgerichtet werden.

Die frühere Waldschlösschen-Villa – darum hat sich die ehemalige Wiedemann-Klinik entwickelt – soll laut Thun vom „Speck der 1960er-Jahre Bauten“ befreit werden. Für ihn ist das historische Haus mit Restaurant und Lobby Herzstück der gesamten Anlage. „Für Ambach und Umgebung soll das wieder der Ort werden, wo man sich trifft“, schildert der Architekt.

Beer Bembé Dellinger

Sieben kleine Häuser und das frei stehende Waldschlösschen gruppieren sich nach dem Entwurf des Greifenberger Büros um einen terrassierten Innenhof. Alle Häuser mit Satteldach sind unterirdisch durch Gänge verbunden, oberirdisch über separate Eingänge aber genauso erreichbar. Nach allen vier Seiten der Gebäude sind Wohnungen mit Balkonen orientiert. „Die klassische Altenheimtypologie wollen wir vermeiden“, schilderte Sebastian Dellinger.

Mit dem Aufzug oder per Treppe kommen die Bewohner von jedem der Pavillons in den Hof mit Wegen zum Spazierengehen. Vom verputzten Waldschlösschen sind die holzverkleideten weiteren Häuser optisch bewusst abgegrenzt. „Wir wollen eine bessere Orientierung allein schon über die Baukonfiguration schaffen“, berichtete Dellinger. Im Erdgeschoss des historischen Baus soll das Restaurant, im Obergeschoss sollen Rückzugsräume zum Kaffeetrinken oder Kartenspielen entstehen. Das Schwimmbad soll in den Terrassenarkaden unter dem Erdgeschoss der Villa integriert werden. Alle Räumlichkeiten mit größerem Volumen, etwa für die Tagespflege oder den Veranstaltungssaal, werden in den Hang geschoben. Damit bilden sie die Basis für die darüber liegenden Pavillons.

Favorit der Betreiber

Das „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) hat große Teile des Sanatorium-Grundstücks vor rund zwei Jahren gekauft. Laut dessen Vorstand Horst Schmieder ist für die Bewohner eines Seniorenstifts wichtig, dass ihre Intimsphäre gewahrt bleibt. In Ambach wollten sie auf den See blicken, was im Entwurf von Thun besser möglich sei. Die Wohnbereiche müssten von anderen Einrichtungen wie Tagespflege, Schwimmbad oder Veranstaltungssaal abgesetzt sein. Eine einfache Orientierung müsse es in der Anlage geben. Das sehen er und Gerhard Schaller vom KWA-Baumanagement im Thun-Entwurf besser verwirklicht. Noch bis Mittwoch, 11. Juli, sind alle vier Entwürfe zum Plangutachten im Rathaus – und auf der KWA-Homepage – einzusehen. Die Münsinger können bis Freitag, 13. Juli, schriftliche Stellungnahmen beim Bauamt einreichen. Ende August soll der Gemeinderat entscheiden, welcher Entwurf weiterverfolgt wird.

Jagdhornklänge fürs Jägerhaus

Von Sabine Bader, Stanrberger SZ vom 26.06.2918

Allmannshausen – Der Maler Gabriel von Max (1840 bis 1915) hätte sie sicher gemocht, die kleine Bronzeskulptur, mit der der Ostufer-Schutzverband alljährlich jene Villenbesitzer ehrt, die ihre denkmalgeschützten Häuser besonders liebevoll in Schuss halten. In diesem Jahr gibt es gleich zwei Neuerungen: Zum einen steht die Villa, um die es geht, zum erstem Mal in der fünfjährigen Geschichte des Preises nicht in der Gemeinde Münsing, der Heimat des Schutzverbands, sondern in der Nachbargemeinde Berg. Gewonnen hat das dortige Jägerhaus des Schlosses Unterallmannshausen, auch bekannt unter dem Namen Villa Rambaldi. Zum anderen geht die Auszeichnung erstmals an eine Eigentümergemeinschaft: Die Erbengemeinschaft von Nagel zu Aichberg. Ihr steht die 103-jährige Maria-Gabriele von Nagel zu Aichberg vor, die mit einigen ihrer Familienangehörigen auch zur Preisverleihung in den Gasthof „Zur Post“ nach Aufkirchen gekommen ist.

Noch heute bewohnt sie das Anwesen am Ostufer des Sees alljährlich zwischen Frühjahr und Herbst mit ihrer Tochter Barbara Bering. Nur im Winter leben die Frauen in München: Die Villa wird nur mit Kachelöfen beheizt. Die anderen Familienmitglieder nutzen das Haus nur im Sommer sporadisch. Ansonsten wohnen noch zwei Mieter ganzjährig im Gebäude. Es ist also ständig bewohnt. „Wir lieben das Haus sehr, sind auch in Aufkirchen zur Schule gegangen“, erzählt Barbara Bering der SZ.

Die Geschichte des Hauses hängt eng mit Schloss Unterallmannshausen zusammen. Die Villa war einst das südlich gelegene Jägerhaus des Schlosses und wurde von Otto Graf Rambaldi erbaut, nachdem dieser Schloss Unterallmannshausen 1880 an den Mannheimer Chemieunternehmer Christoph Heinrich Boehringer verkauft hatte. Die Villa zählt laut Kreisheimatpfleger Gerhard Schober zu den typischen Landhäusern am Starnberger See. Und doch sticht sie Spaziergängen und Radlern sofort ins Auge. Denn das Jägerhaus wirkt weit weniger bäuerlich als andere Landhäuser, was sowohl an den feingliedrigen, schmiedeeisernen Balkonen als auch der doppelläufigen Freitreppe zum See liegt.

Apropos Jägerhaus: Die Vorsitzende des Ostufer Schutzverbands, Ursula Scriba, ist selbst Jägerin und läutete die Preisverleihung mit einem Ständchen der Münchner Reiterlichen Jagdhornbläser ein, denen sie selbst angehört. Aber auch die Klassikfreunde kamen an diesem Abend auf ihre Kosten: Professor Johannes Umbreit (Klavier) und Therese Hahn (Violine) lockerten die Veranstaltung musikalisch auf. Scriba ist hin und weg vom Gebäude, dass es auszuzeichnen gilt. Denn sie ist selbst Architektin. Wen wundert es also, dass sie in ihrem einstündigen Vortrag den Gästen der Preisverleihung in Aufkirchen alle Vorzüge des Gebäudes minutiös erklären konnte. „Das Haus hat die Jury sofort überzeugt“, sagte sie. „Die Abstimmung war unstrittig.“ Der Bau besteche durch seine perfekten Proportionen, und auch die Fenster seien im „Goldenen Schnitt“, sagte sie.

Doch dem Verband geht es nicht nur darum, schöne Denkmalbauten zu würdigen. Er will mit dem Preis auch erreichen, dass noch mehr Eigentümer sich dessen bewusst werden, was es bedeutet, ein Baudenkmal zu besitzen. Das erfordert neben vielen Absprachen mit den Denkmalschützern auch erhöhten finanziellen Aufwand. Denn die Gebäude sind alle in einem Alter, in dem es ständig etwas zu renovieren gibt. Im Fall der Villa Rambaldi hätten die Eigentümer das Glück, dass ein Familienmitglied Schreinermeister sei und damit ein ausgewiesener Fachmann, erzählt Scriba.

Auch der stellvertretende Landrat Georg Scheitz zollte „allen, die in einem denkmalgeschützten Haus leben, Respekt“. Und mit Blick auf die 103-jährige Geehrte meinte er: „Wenn ich sie so anschaue, dann ist es ein sehr gesundes Haus.“ Er hoffe, so Scheitz, dass der Preis weitere Denkmaleigentümer motiviere. Und auch Vinzenz Dufter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege, Münsings Rathauschef Michael Grasl und die Dritte Bürgermeisterin von Berg, Elke Link, hoffen, dass der Preis weitere Eigentümer wachrüttelt (Grasl).

Dass das bislang nicht immer fruchtet, weiß Grasl am Besten. Steht doch in seiner Gemeinde, in Ammerland, die denkmalgeschützte Max-Villa, die seit vielen Jahren zusehens verfällt. Mit aus diesem Grund hat der Ostufer Schutzverband seinen Denkmalpreis vor fünf Jahren auch nach dem Maler Gabriel von Max benannt. Der Künstler und Naturforscher Gabriel von Max liebte Affen über alles. Er malte sie in allen erdenklichen Posen. Die Preis-Skulptur stammt aus der Hand des Ammerlander Bildhauers Ernst Grünwald. Sie zeigt darum einen Affen, der auf einer Säule hockt und eine Miniaturausgabe der Max-Villa auf dem Schoß trägt. Aber dazu will das Bronzeäffchen lieber nichts sagen.