Verleihung des ersten Gabriel-von-Max Denkmalpreises an Josef und Katharina Strobl

6.4.2014
Isar-Loisachbote

Verleihung des ersten Gabriel-von-Max Denkmalpreises an Josef und Katharina Strobl

Münsing – Josef und Katharina Strobl haben den ersten Gabriel-von-Max-Denkmalpreis bekommen, weil sie ihren Gorythoma-Hof in Weipertshausen mit Liebe, Engagement und Kraft restauriert haben.

Stolze Sieger: Ursula Scriba (re.) überreichte den grübelnden Affen an Josef und Katharina Strobl. Foto: sabine hermsdorf
Stolze Sieger: Ursula Scriba (re.) überreichte den grübelnden Affen an Josef und Katharina Strobl. Foto: sabine hermsdorf

Initiiert hatte den Denkmalpreis vor nunmehr einem Jahr der Ostufer-Schutzverband (OSV). Dessen Vorsitzende Ursula Scriba betonte, dass der Preis ein Zeichen setzen und all jene dazu ermuntern solle, ihr Denkmal zu pflegen, die unentschlossen seien, ob sich dies wirklich lohne. Die Frage, warum ausgerechnet das Ehepaar Strobl ausgezeichnet wurde, beantwortete die Architekturhistorikerin Dr. Kaija Voss. Aus einer Vielzahl an Einsendungen waren zunächst sechs Objekte in die engere Wahl gekommen. „Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen“, sagte Voss, die mit Kreisheimatpflegerin Maria Mannes und Martin Wölzmüller, Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, in der Jury saß. Die Wahl sei auf die Strobls gefallen, weil sie ihr Denkmal mit einem großen Erhaltungswillen restauriert hätten – und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem der Hof noch nicht offiziell in der amtlichen Denkmalliste geführt wurde. „Dieser Wille zum Denkmal kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, sagte Voss. Zumal Besitzer eingetragener Denkmäler häufig alles tun würden, um sich bei der Instandsetzung nicht an enge Richtlinien halten zu müssen. Besonders den restaurierten Giebel auf der wettergeschützten Ostseite des Einfirsthofes hob Voss lobend hervor. Dessen filigrane Laubsägearbeiten und Malereien aus dem Jahr 1850 seien 1992 instandgesetzt worden. Dabei habe sich Ehepaar Strobl fachkundig beraten lassen. Katharina Strobl, selbst Schreinermeisterin, hat die nötigen Arbeiten sogar selbst durchgeführt. Seit rund 250 Jahren ist der Gorythoma-Hof im Besitz der Familie Strobl. Seine Geschichte reicht zurück bis ins 17. Jahrhundert. Noch heute sind wertvolle Details erhalten, wie beispielsweise der 1795 entstandene, hölzerne Getreidekasten, schöne Fenster und Schiebetore aus Holz, „die nicht aus dem Baumarkt stammen“. Josef Strobl, Landwirt und Vize-Bürgermeister der Gemeinde Münsing, habe laut Jury außerdem gezeigt, dass man auch mit einem Denkmal nachhaltig und im Sinne der Energiewende umgehen könne. Der Hof hat eine Solaranlage auf dem Dach und eine Hackschnitzelheizung. Als Denkmalpreis bekam das Ehepaar Strobl eine vom Bildhauer und dritten Bürgermeister Ernst Grünwald gefertigte Bronzefigur. Sie zeigt einen grübelnden Affen, der auf einer Säule sitzt und ein Haus in der Hand hält. Der Preis soll an den Affenmaler Gabriel von Max erinnern. Dieser residierte einst in der Max-Villa in Ammerland, einem Denkmal, das zusehends verfällt und dessen Eigentümer den Denkmalschutz ignorieren. Bürgermeister Michael Grasl plädierte dafür, sich weiterhin zum Denkmalschutz zu bekennen und nicht aufzugeben. Deswegen begrüßte er die Initiative des OVB, einen Preis zu vergeben. Dieser ermutige ausdrücklich dazu, sich im positiven Sinne mit Denkmälern auseinanderzusetzen. Auch Martin Wölzmüller vom Landesverein für Heimatpflege betonte, wie wichtig es sei, baukulturelle Glanzlichter zu erhalten. Wer sie abreiße, entferne das Gedächtnis an die Menschen, die die Häuser erbaut haben und an die, die darin gelebt haben.

Begründung für die Verleihung des Gabriel-von-Max Preises 2014

1.4.2014

Gabriel-von-Max-Denkmalpreis 2014
Begründung der Jury für die Preisvergabe: Dr. Kaija Voss

Der Gabriel-von-Max-Denkmalpreis wird 2014 zum ersten Mal verliehen. Die Jury, bestehend aus Frau Maria Mannes (Kreisheimatpflegerin), Frau Dr. Kaija Voss (Architekturhistorikerin) und Herrn Martin Wölzmüller (Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege) hatte den Preisträger aus sechs Bauwerken, die aus einer Fülle an Vorschlägen hervorgegangen waren, zu ermitteln. Das war es nicht leicht, denn eigentlich hätten alle Häuser, die in die letzte Auswahlrunde gekommen waren, den Preis verdient. Das Endergebnis der Jury war, dass der Hof „Gorythoma“ in Weipertshausen, Besitzer ist die Familie Strobl, den Gabriel-von-Max-Denkmalpreis bekommt.

Der Hof ist nicht nur schön anzuschauen, besonders der Ostgiebel mit seinen ursprünglich aus dem Jahre 1850 stammenden Laubsägearbeiten, doch das war nicht das wesentliche Kriterium, wichtiger war, dass der Hof seitens der Besitzer mit einer Art von ganz „natürlicher“ Denkmalpflege bedacht wird. Die Eigentümer sind Herr Joseph Strobl, Landwirt und Frau Katharina Strobl, Schreinermeisterin. Menschen mit einer ganz besonderen Kraft: Zur Familie gehören 5 Kinder, 4 davon sind mittlerweile erwachsen. Herr Strobl ist nicht nur als Landwirt gefordert, er ist auch zweiter Bürgermeister von Münsing, die Schreinerei Strobl an der Münsinger Hauptstraße eine feste Größe.

Und daneben noch qualitativ hochwertige Denkmalpflege betreiben? Ein wichtiger Punkt, der vom Preisgericht an dieser Stelle ganz besonders gewürdigt wurde. Denn es geht hier um ein sowohl als auch: sowohl Familie als auch Beruf als auch Denkmalpflege. Die Pflege des Anwesens „Gorythoma“ ist nicht die Verwirklichung des eigenen Lebenstraums im Ruhestand – gegen den ja prinzipiell auch nichts einzuwenden wäre – oder die Lifestyle-Idee eines Showmasters oder eine Kapitalanlage im Voralpenland. Man merkt, dass ein wichtiges Stück familiärer Identität und Tradition in dem Anwesen steckt, vielleicht auch ein Geheimnis familiärer Kraft?

Der teilweise verputzte Blockbau wurde 1848 aufgestockt, ein 3 Generationenhaus. Vermutlich stand schon im 17. Jahrhundert hier ein Hof. Die Familie Strobl wohnt bereits seit ca. 250 Jahren dort. In der 2013 erschienen Chronik von Münsing findet man den folgenden Eintrag, entnommen einem der so genannten „älteren“ Familienbücher, welche die Personen erfassen, die vom 17. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Münsing gelebt haben: „Michael Strobl, geboren am 17.10.1782 in Weipertshausen, gestorben 1837“. Über seinen Vater, Herrn Joseph Strobl von Hohenstein informiert uns eine Randnotiz über folgende Lebensdaten, geboren 1744, verstorben 1832.

Im Jahre 1994, aus dem die hier zitierte Denkmaltopographie des Landkreises stammt, war der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, gemessen an der Zahl seiner denkmalwürdigen bäuerlichen Altbauten an der Spitze Oberbayerns: „Das Gebiet gehört der großen Hofererschen (nach Rudolf Hoferer 1892-1943) Hauslandschaft an, d.h. es herrscht durchwegs der Einfirsthof vor, bei dem Wohn- und Wirtschaftsteil (Stall, Tenne, und Bergeraum) unter einem Dach vereinigt sind. Nebengebäude wie Schupfen, Badstube (keine Beispiele mehr im Gebiet), Kornkasten und vereinzelt das Austragshäusl kamen bei größeren Anwesen dazu.“ Der preisgekrönte Hof war wohl ein Blockbau, so zeigt es sich in Ost- und Südseite, West- und Nordseite sind gemauert. Alte Haustypen haben den Eingang häufig auf der Traufseite, meist als Zäsur zwischen Stall- und Wohnteil.

Die umfassende Renovierung des Giebels und der gesamten Fassade wurde von der Familie Strobl 1992/1993 vorgenommen. Hierzu ließ sich die Familie fachkundig beraten, eine Dokumentation des Objektes wurde vorgenommen, es entstanden Zeichnungen zur Herstellung einer „Rekonstruierenden Fassung“ des Giebels. Die Urheber der Holztafeln auf dem Giebel sind nicht namentlich bekannt. Die Motive sind historisierend, barocke Ornamentik dient den Bildern des 19. Jahrhunderts als Vorlage.

Familie Strobl hatte den Wunsch, neben der konservierenden auch die restauratorische Komponente zu betonen, also historische Fassungen wieder herzustellen. Die Rekonstruktion des Giebel wurde unter anderem dadurch begünstigt, dass er an der Ostseite liegt – eine Orientierung, die man vor allem bei älteren Höfen findet: An der Wetterseite, also der Westeite, lagen die Stallungen, an der Ostseite der geschützte Wohnteil. Die Holztafeln waren auch aufgrund ihrer in Laubsägetechnik ausgeführten Ornamentik, die eine Belüftung ermöglichte, in einem guten Erhaltungszustand. Ein weiterer günstiger Umstand zur Wiederherstellung des Giebels war, dass die Eigentümer selber, insbesondere Frau Strobl, als Schreinerin, die Arbeiten, nach dem Restaurierungskonzept selber fachkundig ausführen konnten. Ein Glücksfall. Doch das entscheidende und nicht zu unterschätzende Element ist tatsächlich: Der Erhaltungswille! Denn – und das muss besonders betont werden- das Haus stand in jener Zeit, als die Restaurierung erfolgte, noch nicht unter Denkmalschutz. Im Regelfall hüten sich Bewohner denkmalverdächtiger Häuser eher davor, dass die Denkmaleigenschaft wahr wird und tun alles um da keine „schlafenden Hunde zu wecken“, erfinden Geschichten, um nur ja nicht ein Denkmal zu pflegen zu müssen. Der Wille zu Denkmal – der natürliche Erhaltungswille des kulturellen Erbes der eigenen Familie kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Zum Hof gehört auch der historische Getreidekasten, auch er ein Denkmal und der Sicherheit geschuldet: Wenn der Hof brennt, bleibt die Nahrung und Saat erhalten. Der Getreidekasten ist zweigeschossig, mit einem Flachsatteldach abgeschlossen und auf das Jahr 1795 zurückgehend. In der Umgebung von Münsing gibt es weitere Beispiele derartiger Getreidekästen, zum Beispiel in Ambach am Luigenkamer Weg oder in der Holzbergstraße.

So wie es für die Familie Strobl selbstverständlich ist, Traditionen aufzunehmen, so steht sie auch Innovationen positiv gegenüber: Mit dem Bau der Hackschnitzelanlage im Jahre 2008, die 11 Gebäude mit insgesamt 16 Wohnungen mit Wärme versorgt. Die Hackschnitzel stammen überwiegend aus dem eigenen Wald. Für die aus Biomasse erzeugte Wärme wurde Familie Strobl bereits mit dem Umweltpreis geehrt. Auch die Solaranlage auf dem Dach zeugt von einer nicht nur im Denkmalschutz sondern auch in Sachen Umweltschutz nachhaltig handelnden Familie.

Eigentum verpflichtet, auch zur Denkmalpflege. Ein großer Denkmalpfleger aus dem 19. Jahrhundert, Ferdinand von Quast (1807-1877) prophezeite schon damals, dass wir, ohne den Denkmalschutz, „in kurzer Zeit unheimlich nackt und kahl, wie eine neue Colonie in einem vorher nicht bewohnten Lande dastehen“ werden. Der Gabriel-von-Max-Denkmalpreis soll heute vielen anderen Eigentümern denkmalwürdiger Häuser Mut machen, nicht aufzugeben, wenn es darum geht, ein Denkmal zu erhalten und zu pflegen, auch wenn es ganz sicher nicht immer leicht ist, doch ein Kraftquell dafür kann auch das denkmalwürdige Haus selbst sein.

Einladung zur Verleihung des Gabriel-von-Max Preises 2014

25.3.2014

Einladung zur Verleihung des Gabriel-von-Max Denkmalpreises 2014 des OSV am 3. April

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Musikalische Umrahmung: Trio Chordon Blue

Begrüßung: Prof. Johannes Umbreit

Grußwort: Bürgermeister Michael Grasl

Trio Chordon Blue

Gedanken zur Beziehung zwischen Menschen und Gebäuden:

Martin Wölzmüller, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege

Trio Chordon Blue

Die Idee des Preises: Ursula Scriba, 1. Vorsitzende

Entstehung der Preisfigur: Ernst Grünwald, Bildhauer

Die Auslobung: Dr. Albert von Schrenck-Notzing, Beirat

Trio Chordon Blue

Begründung der Wahl: Dr. Kaija Voss

Bilder: Prof. Johannes Umbreit

Preisverleihung: Ursula Scriba

Trio Chordon Blue

Jury

Maria Mannes, Kreisheimatpflegerin

Dr. Kaija Voss, Architekturhistorikerin

Martin Wölzmüller, Geschäftsführer Bayerischer Landesverein für Heimatpflege

Vorjury

Ursula Scriba, Klaus-Peter Reid, Manfred Stecher, Prof. Johannes Umbreit,

Anatol Regnier

Trio Chordon Blue: LISA.SCHOETTL@CHORDONBLUE.DE

Lisa Schoettl: Hackbrett

Alma Voß: Harfe

Patrick Hollnberger: Kontrabass

Anmeldung erbeten unter Tel.: 08177/92310 oder Mail: osv-vorstand@scribaup.de

Wir danken allen, die uns bei der Suche beraten und unterstützt haben und den Teilnehmern, die bereit waren, ihr Gebäude für die Teilnahme zur Verfügung zu stellen

Für Kultur und gegen Windkraft

28.2.2014

Für Kultur und gegen Windkraft

Ammerland – Die Bürgerliste hat vor wenigen Tagen ihr Wahlkampfprogramm vorgestellt.

Zahlreiche Listenkandidaten sowie interessierte Bürger, insgesamt gut 30 Besucher, waren ins Gasthaus Sailer am See gekommen.

Ursula Scriba, derzeit einzige amtierende Bürgerlisten-Gemeinderätin und Spitzenkandidatin, sprach sich dafür aus, wieder einen Bauausschuss einzuführen. „Gerade über Bebauungspläne sollte eingehender diskutiert werden“, sagt die Architektin. Sie lobt zwar die gute Vorbereitung durch die Verwaltung, glaubt aber auch, dass das unterschiedliche Fachwissen der Gemeinderäte einfließen sollte. Bei der geplanten Wiederbelebung des Ambacher Wiedemann-Grundstücks – wie berichtet gibt es einen Kaufinteressenten für das ehemalige Klinikgelände – mahnt Scriba zu „äußerster Vorsicht“, damit nur maßvoll erweitert wird und die wertvollen Bäume erhalten bleiben. Für ihr Herzensanliegen, den Denkmalschutz, möchte sich die Vorsitzende des Ostuferschutzverbands im Fall ihrer Wiederwahl ebenfalls einsetzen.

Die Bürgerliste hat sich nach gründlicher Recherche und interner Diskussion gegen Windkraftanlagen in der Gemeinde entschieden. Das machte Listenkandidat Johannes Umbreit deutlich. Den von einem Fachbüro favorisierten möglichen Standort im Eurasburger Forst bei St. Heinrich hält die Bürgerliste wegen der dort vorkommenden Orchideenarten, Vögel und Schmetterlinge für ungeeignet. Laut Umbreit ist die Windgeschwindigkeit zu gering, um ein Windrad rentabel zu betreiben.

Für eine bessere Busanbindung für Schüler sowohl zur Münsinger Grundschule als auch zu den weiterführenden Schulen in der Umgebung möchte sich Nina Wendt stark machen. Die Schüler müssten zum Beispiel um 6.42 Uhr mit dem Bus ans Ickinger Gymnasium fahren und würden dort fast eine Stunde lang auf den Unterrichtsbeginn warten, berichtete sie.

Florian Rank und Frank Fischer wollen die Zeiten der Mittagsbetreuung an der Grundschule für berufstätige Eltern optimieren. Auf das Thema Breitbandversorgung haben sich Rank und Fritz Noppes spezialisiert. Sie wiesen darauf hin, dass die Hybridfunk-Lösung in Degerndorf keine dauerhafte Lösung sein könne. Insgesamt müsse das schnelle Internet ausgebaut werden, um Münsing als Gewerbestandort zu sichern und um die – ökologisch sinnvolle – Heimarbeit zu fördern.

Mechthild Felsch ist die Seniorenpolitikerin innerhalb der Bürgerliste. Die Münsingerin fordert mehr Angebote wie etwa Computerkurse für ältere Menschen. Die Einrichtung einer Tagesbetreuung für Senioren im neuen Pallaufhof würde sie begrüßen. Außerdem glaubt sie, dass ein Bedarf an Trauerbegleitung in der Gemeinde besteht.

Die Kultur besitzt einen hohen Stellenwert für die Bürgerliste-Kandidaten, unter denen sich namhafte Künstler wie Anatol Regnier, Johannes Umbreit und Tom Carstens befinden. Umbreit möchte einen Kulturausschuss des Gemeinderats einführen. Die „Wahlprüfsteine“ der Lokalen Agenda Kultur will die Bürgerliste laut Ursula Scriba nicht beantworten. Scriba: „Weil wir eng an den Ostuferschutzverband angelehnt sind, betreiben wir selbst eine sehr konsequente Kulturarbeit.“ Tanja Lühr

Absage an die Agenda Kultur

27.2.2014
Isar-Loisachbote

Absage an die Agenda Kultur

Münsing – Dem Münsinger Gemeinderat reicht es. In einer Erklärung, die Bürgermeister Michael Grasl in der jüngsten Ratssitzung verlas, beendet das Gremium offiziell die Zusammenarbeit mit der Agenda Kultur

„Eine weitere Zusammenarbeit mit der aktuellen Agenda Kultur ist unter diesen Umständen nicht vorstellbar und bedarf anderer Voraussetzungen“: So lautet der Kernsatz der vom Rathauschef vorgetragenen Stellungnahme. Der Entscheidung vorausgegangen waren jahrelange, teils öffentliche, teils interne Angriffe von Agenda-Mitgliedern gegen den Bürgermeister und gegen einzelne Gemeinderäte, insbesondere gegen den Dritten Bürgermeister Ernst Grünwald. Die Beleidigungen und Beschuldigungen erfolgten überwiegend durch E-Mails.

„Da durch diese Schreiben die Grundlage eines guten Dialogs, nämlich der respektvolle Umgang miteinander, wiederholt ignoriert wurde, fordert der Gemeinderat dazu auf, beleidigende und herabwürdigende Angriffe zu unterlassen“, heißt es in der Erklärung. Im Schlusssatz bedauert der Rat die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit der Agenda Kultur, da das Gremium die ehrenamtliche Arbeit im Kulturbereich und auf allen anderen Ebenen schätze.

Gegen die Verabschiedung des Papiers stimmte allein Gemeinderat Prof. Matthias Richter-Turtur, selbst Mitglied der Agenda Kultur. Die inakzeptablen E-Mails würden von „Einzelmitgliedern“ stammen, die man nicht mit der gesamten Agenda gleichsetzen könne, sagte Richter-Turtur. Dem widersprach Gemeinderat Christoph Bühring-Uhle. Er sah die E-Mails nicht als Einzelmeinung und stellte fest: „Mit den Herren Kohn, Köhle und Spiegel kann ich nicht zusammenarbeiten.“

Gemeinderat Thomas Sebald sieht Agenda-Sprecher Christian Kohn in der Pflicht, gegen Mitstreiter, „die aus der Reihe tanzen“ einzuschreiten. Rat Josef Leis kritisierte, dass in der Gruppe jeder machen könne, was er wolle. Gemeinderat Ernst Ramerth bezeichnete die E-Mails als „unter die Gürtellinie zielend“ und als „katastrophalen Stil“. Rätin Regina Reitenhardt erklärte, nicht mehr mit elektronischer Post solchen Inhalts „belastet“ werden zu wollen. Amtskollegin Ursula Scriba vertrat die Ansicht: Eine öffentliche Institution wie ein Gemeinderat „muss mit einer solch unkultivierten Gruppe nicht Kontakt halten“.

Das Thema wurde nicht zuvor mit der Tagesordnung veröffentlicht, sondern am Dienstag unter „Bekanntgaben“ angesprochen. Weil das Ratsgremium den direkten Kontakt mit der Agenda Kultur scheut? Richter-Turtur vermutete genau dies: „Gerade die Bürger, die es betrifft, wären sicher heute in die Sitzung gekommen“, meinte er. Der Ammerlander warf Bürgermeister Michael Grasl ein „unrechtmäßiges Vorgehen“ vor. Das Landratsamt in Bad Tölz habe ausdrücklich empfohlen, das Thema öffentlich zu diskutieren. Laut Grasl ist es dagegen nicht notwendig, alles auf die Tagesordnung zu schreiben. Diesen Umstand will Richter-Turtur nun mit Hilfe der Rechtsaufsichtsbehörde des Landratsamtes prüfen.

Tanja Lühr

So etwas wie die Grünen

16.12.2013

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Sie wollen alle Münsinger vertreten: Für die Bürgerliste kandidieren (stehend v. li.) Fritz Noppes, Johannes Umbreit, Christopher Kleine, Florian Rank, Petra Schulze, Wolfgang Kube, Klaus Reid, Anatol Regnier sowie (sitzend v. li.) Nina Wendt, Ursula Scriba, Mechthild Felsch. Foto: sabine hermsdorf

Münsing – Die Bürgerliste steht für den Erhalt der Landschaft und maßvolle Bebauung in Münsing und strebt zwei Mandate für den Gemeinderat an.

Die amtierende Münsinger Gemeinderätin Ursula Scriba wird die Bürgerliste bei der Kommunalwahl 2014 anführen. Mit 16:4 Stimmen wurde die 56-jährige Architektin auf Platz eins gewählt. Auf Platz zwei folgt der Weipertshauser Pianist Johannes Umbreit. Auf die beiden Spitzenkandidaten hatte sich die Bürgerliste im Vorfeld geeinigt.

Die weiteren Kandidaten wurden von den Mitgliedern in der Aufstellungsversammlung am Freitagabend im Landhotel Huber in Ambach auf ihre Listenplätze gewählt. Die Bürgerliste, die nach eigenen Angaben alle Ortsteile der Seegemeinde vertritt, steht dem Ostuferschutzverband nahe. Ihre Vertreter sind in gewisser Weise „die Grünen“ im Gemeinderat. Sie stehen für den Erhalt der Landschaft und für eine maßvolle Bebauung.

Allmählich rückt bei der Bürgerliste die zweite Generation nach. Auf Platz drei tritt Nina Wendt, Tochter des langjährigen Gemeinderats, stellvertretenden Bürgermeisters und OSV-Vorsitzenden Dr. Florian Müller, an. Die 44-jährige Dolmetscherin nannte die Verkehrsberuhigung während der Sommermonate eines ihrer Hauptziele. Wendt hat sich gemeinsam mit anderen Holzhausern dafür eingesetzt, dass eine Geschwindigkeitsanzeige im Ort aufgestellt wird. Das Gerät zeige Erfolg, es werde weniger gerast, sagte die zweifache Mutter bei ihrer Vorstellung. Weitere lokalpolitisch bekannte Namen auf der Liste sind Florian Rank (Platz fünf) und Christopher Kleine (Platz zehn). Ihre Väter waren ebenfalls jahrzehntelang engagiert. Mit dem Schriftsteller und Musiker Anatol Regnier (Platz sieben) konnte die Vorstandschaft einen berühmten Künstler gewinnen. Überregional bekannt sind auch der Maler, Grafiker und Musiker Herbert Nauderer aus Weipertshausen (Platz 13) sowie der Degerndorfer Kunstschmied Tom Carstens (Platz 16).

Der Bereich Denkmalschutz wird vor allem von der Ambacherin Petra Schulze (Platz vier) abgedeckt. Für die Belange der Senioren möchte sich Mechthild Felsch (Platz sechs) im Falle ihrer Wahl stark machen. Als „Stimmenfänger“ bezeichnete Ursula Scriba den aktiven Umweltschützer Fritz Noppes aus Degerndorf (Platz Acht).

Wie berichtet war es der Bürgerliste nicht leicht gefallen, „zugkräftige“ Kandidaten aus allen Ortsteilen zu finden. Nach einem internen Vorgespräch haben sich nun offenbar doch genügende gefunden. Fast die Hälfte von ihnen sind Frauen.

Die Jugend ist nicht vertreten; der jüngste Bewerber für den Münsinger Gemeinderat ist Christopher Kleine mit 37 Jahren. Ihre Ziele für die kommende Legislaturperiode will die Bürgerliste bei einer Wahlkampfveranstaltung Anfang nächsten Jahres bekannt geben. Momentan sitzt mit Scriba nur eine Listenvertreterin im Gemeinderat. „Wieder zwei Mandate zu bekommen, wäre unser Wunsch“, sagt sie.

(Tanja Lühr)

 

Preisträger für den Gabriel-von-Max Ehrenpreis gesucht

27.11.2013

Gabriel-von-Max-Denkmalpreis –
Preisträger gesucht

Münsing – Der Ostuferschutzverein (OSV) wird erstmals einen Denkmalpreis vergeben. Dadurch sollen Eigentümer gewürdigt werden, die sich besonders um ihr Bau- oder Gartendenkmal kümmern und so zu dessen Erhalt beitragen.

Ein Affe, der die denkmalgeschützte Max-Villa in der Hand hält: Ernst Grünwald hat den Denkmalpreis gestaltet.

Der Name des Preises „Gabriel-von-Max-Denkmalpreis“ erinnert an den bedeutenden Maler und Naturforscher Gabriel von Max (1840 bis 1915), der die heute unter Denkmalschutz stehende Max-Villa erbaute. Diese Villa befindet sich laut dem OSV seit längerem in einem durch die aktuellen Eigentümer „bewusst herbeigeführten desolaten Zustand und droht verlorenzugehen“. Der Preisträger erhält eine Bronzefigur des Bildhauers Ernst Grünwald, die auf ebenso heitere wie nachdenkliche Weise auf die Villa und das Lieblingstier des „Affenmalers“ Max Bezug nimmt.

Suche nach dem Preisträger

Der OSV bittet alle Interessierten sich an der Suche nach dem Preisträger zu beteiligen. Vorschläge können bis 17. Januar schriftlich und mit einer kurzen Begründung bei der Geschäftsstelle des OSV c/o Ursula Scriba, Lerchenweg 3, 82541 Münsing, eingereicht werden.

Die Objekte sollen sich im Satzungsgebiet des OSV befinden, das sich vom Ostufer des Starnberger Sees bis zum Wiederabfall des Geländes in das Isar- oder Loisachtal erstreckt. Kriterien für die Vergabe sind insbesondere die fachliche, ästhetische und ökologische Qualität von Erhaltungsmaßnahmen, die Kreativität bei der Durchführung, der persönliche Aufwand für den Eigentümer sowie die Bedeutung des Denkmals. Die genauen Richtlinien für die Vergabe können auf der Homepage des OSV eingesehen werden.

Eine Fachjury ermittelt den Preisträger

Eine achtköpfige Fachjury wird aus den eingegangenen Vorschlägen den Preisträger ermitteln. Die Verleihung findet voraussichtlich am 6. März 2014 an einem noch bekanntzugebenden Ort statt.

(red)

Konkurenz in Münsing ist groß – Bürgerliste sucht noch nach Kandidaten

26.11.2013
Münsing – Im Laufe der Woche stellen die Freien Wähler, die Wählergemeinschaft Münsing und die Einigkeit Degerndorf ihre Kandidaten für die Kommunalwahl vor. Die Bürgerliste sucht noch nach selbigen.

„Wir stehen dieses Mal vor einer gewaltigen Herausforderung“, sagt die Vorsitzende der Bürgerliste und amtierende Gemeinderätin, Ursula Scriba. Die Konkurrenz der übrigen Listen werde besonders groß sein und die Bürgerliste werde mit einer komplett neuen Mannschaft antreten. Erstmals müsse man ohne die ehemaligen Spitzenkandidaten Hubert Rank, Ernst Kink und Florian Müller bestehen, die die Liste über Jahrzehnte geprägt hätten, sagt Scriba.

Sie selbst hat angekündigt, wieder kandidieren zu wollen. Seit 1978 vertritt die Bürgerliste die Interessen des Ostuferschutzverbands (OSV) im Gemeinderat. Der OSV habe davon immer profitiert, sagt die Vorsitzende Scriba. Er habe schneller Informationen erhalten und seinen Anliegen mehr Nachdruck und Aufmerksamkeit verschaffen können. „Wenn wir wollen, dass die Stimme des Schutzverbands auch in Zukunft gehört wird, müssen wir uns dafür einsetzen“, appelliert die Vorsitzende an die Mitglieder und an alle Bürger, die die Anliegen des OSV teilen.

Diese sind aufgerufen, die Bürgerliste als Kandidaten, Spender oder auch als Wahlkampfhelfer unterstützen. In den vergangenen Jahren hätten OSV und Bürgerliste einiges erreicht, so Scriba. Sie nennt den Erhalt der Max-Villa und des Brosi-Hofs, den Fortbestand von Seeburg und Schloss Allmannshausen, die auf den Weg gebrachte Renovierung der Pocci-Kapelle und die entstehende Münsinger Chronik. Ziele in der kommenden Wahlperiode würden unter anderem eine maßvolle, energiesparende und an das Ortsbild angepasste Bauweise sein, die Verhinderung „unrentabler Windräder an ungeeigneten Standpunkten“ sowie die Schaffung von Radwegen. (tal)