„Weder verbandelt noch beeinflusst“

Münchner Merkur, Isar-Loisachbote vom 02. 11.2018

SENIORENWOHNSTIFT – Bürgermeister wehrt sich gegen Vorwürfe, Gerüchte und Mutmaßungen
VON TANJA LÜHR

Münsing – „Die Gemeinde ist nicht der Handlanger von KWA.“ Das stellt Münsings Bürgermeister Michael Grasl in einer Pressemitteilung klar. Auslöser für seine Stellungnahme sind laut Grasl „immer wieder alte und neue Vorwürfe, Gerüchte und Mutmaßungen“ seitens der Bevölkerung.

Das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA), das auf dem ehemaligen Wiedemann-Klinikgelände in Ambach ein Seniorenwohnstift mit rund 80 Wohnungen, Restaurant und Schwimmbad bauen möchte, werde nicht anders behandelt als ein vergleichbarer Grundstückskäufer und keinesfalls bevorzugt, betont der Bürgermeister. „Ich bin weder verbandelt noch in irgendeiner Weise beeinflusst. Wer anderes verbreitet, hat keine Ahnung“, schreibt er.

Am 23. Oktober haben die Architekten Matteo Thun und Sebastian Dellinger wie berichtet dem Gemeinderat ihre überarbeiteten Entwürfe für die Wohnanlage präsentiert. Beide waren als Sieger aus einem Wettbewerb mit mehreren Architekten hervorgegangen. Eine Entscheidung, welche der beiden Varianten – die eher lang gezogenen, hotelähnlichen Gebäude von Thun oder die kleinteiligeren Pavillons von Beer, Bembé, Dellinger – KWA verwirklichen soll, wurde noch nicht gefällt. Das soll in einer der nächsten Sitzungen passieren. Im Anschluss wird die Gemeinde einen Bebauungsplan aufstellen, in dem alle Details, wie zum Beispiel die Zufahrt zu der Anlage und die Situierung von Stellplätzen, festgelegt werden.

„Die Gemeinde hat bis zum Schluss die Entscheidungs- und Planungshoheit, die sie sich von niemandem nehmen lässt“, erklärt Michael Grasl. Man sitze im Rathaus auch nicht auf „geheimen Informationen“. Vielmehr habe man KWA aufgefordert, zu noch offenen Fragen Stellung zu nehmen. Dies sei leider noch nicht umfassend genug geschehen. Grasl: „Der Ball liegt jetzt bei KWA.“

Das Unternehmen müsse sich unter anderem zu den von den Gemeinderäten aufgeworfenen Fragen nach Personalwohnungen und Gesamtzahl der Wohneinheiten äußern. Ursula Scriba (Bürgerliste und gleichzeitig Vorsitzende des Ostuferschutzverbands) hatte bei allem Lob für die verbesserten beiden Entwürfe beklagt, dass die vorgesehenen 80 Wohneinheiten immer noch zu viel seien für den kleinen Ort Ambach – ein Problem, dass allerdings KWA lösen müsse. Die Zahl ist auch für den Sprecher der „Initiative Ambach“, Sebastian Wiedemann, sowie für viele Dorfbewohner der Knackpunkt.

Michael Grasl macht deutlich, dass nach Klärung aller angesprochenen Themen endlich eine „Grundsatzentscheidung für eine der Varianten oder gar keine“ fallen müsse. Er persönlich favorisiere eindeutig das Wohnstift gegenüber einer Klinik, für die KWA als „Plan B“ eine Genehmigung besitzt. Eine Klinik – gedacht war einmal an eine Schlaganfall-Einrichtung – würde Grasls Meinung nach in Anbetracht des täglichen Betriebes und zu erwartenden Verkehrs für ganz andere Beeinträchtigungen sorgen. Er findet: „So ehrlich sollte die Diskussion schon geführt werden.“