Führung mit Iring de Brauw durch seine Ausstellung im Landratsamt


11. März 2024

Anlässlich der Verleihung des Kulturehrenbriefes des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen für sein Lebenswerk an Herrn Iring ten Noever de Brauw hat der Künstler die Mitglieder des OSV durch die Ausstellung seiner Bilder im Landratsamt geführt.

Inspiriert von Kandinsky und Picasso

Iring ten Noever de Brauw stellt noch bis zum 30. April im Landratsamt aus

Bad Tölz – „Ein Wunder!“ Das sagt der 85-jährige Künstler Iring ten Noever de Brauw zu seiner Aufnahme in die Kunstakademie. Dass die Professoren damals sein Talent erkannt haben, bestätigt die derzeitige Schau seiner 80 Werke im Tölzer Landratsamt. 2023 erhielt der Maler, Grafiker und Bildhauer den Kulturehrenbrief des Landkreises. Am Montag führte er über 30 Mitglieder des Schutzverbands für das Ostufer des Starnberger Sees (OSV) durch die Gänge. „Iring ist eines unserer ältesten Mitglieder“, sagte die stellvertretende OSV-Vorsitzende Petra Schulze und fügte schmunzelnd hinzu: „Jeder von uns hat einen Iring zuhause.“

Die Gemälde hängen im Eingangsbereich des Landratsamts, im Treppenhaus und in den Gängen im ersten Stock. Schiffe, Kathedralen, Kamele, Berge und Drachen gehören zu seinen Motiven. Gemalt hat er sie alle mit Acrylfarben, und immer aus einem Blickwinkel, der hinter die Dinge sehen möchte. „Ich male, was man mit den Augen nicht sehen kann“, erklärte de Brauw. So sind die drei Schiffskörper in einem Bild transparent, sie scheinen aus Netzen oder Spinnweben gebaut. Dagegen verzierte er seine detailgetreue „Kogge“ mit weißen, geblähten Segeln und filigranen blauen Mustern. Drei seiner „Kathedralen“ hängen nebeneinander, ähnlich transparent gemalt wie die Schiffe. Die Farbwahl lässt die Gebäude wie von innen leuchten. Es scheint, als bestehe der gesamte Bau nur aus bunten Glasfenstern.

Kleinteilig und farbig ist seine Reihe von Erzengeln, jeder etwa in A3-Format. „Die hat schon jemand weggekauft“, erzählte er nebenbei. Dass er Kandinsky und Picasso zu seinen Vorbildern zählt, ist leicht zu erkennen. „Manchmal baue ich meine Schiffe auch wieder auseinander“, sagte de Brauw. So entstand „Kopfkomposition mit Pferd“. Das Pferd trägt den Kopf jenes Tieres aus dem berühmten Gemälde „Guernica“ von Picasso. Aber de Brauws Bild ist bunt, fröhlich, abstrakt, mitreißend.

Vor ganz unterschiedlichen Bildern hörte man leise flüstern: „Das mag ich am liebsten.“ Die Werke de Brauws sind für ein breites Publikum gemacht. „Einmal sagte man mir, ich solle doch besser bei einer Technik bleiben, aber das geht mit mir nicht“, berichtete der Maler. Er müsse immer wieder etwas Neues ausprobieren. Als Inspirationsquelle dienen ihm die unterschiedlichsten Quellen.

Geboren wurde de Brauw 1938 in Ambach. Während des Zweiten Weltkriegs wuchs er in Rotterdam auf, der Heimat seines Vaters. Er hätte gar nicht zeichnen können, sagte er, nur Geometrie lag ihm. Eines Tages hätten ihn die Formen im Spätwerk Kandinskys fasziniert, er habe zu üben begonnen und sich schließlich an der Kunstakademie beworben. 1965 schloß er die Münchner Kunstakademie ab.

De Brauw nannte drei Dinge, die ein Künstler braucht: „Begabung, eine große Portion Mut und vor allem Durchhaltevermögen.“ De Brauw, der das Haus seiner Großmutter in Ambach geerbt und sich dort 1984 sein Atelier eingerichtet hat, hat seinen Platz als Künstler behauptet. Die Ausstellung im Landratsamt ist noch bis 30. April zu sehen.  bib
Tölzer Kurier, 15. März 2024