Bauvorhaben KWA am Simetsbergweg in Ambach

Ostuferschutzverband sorgt sich wegen Umplanungen des Seniorenwohnstiftes
Link zum Online Bericht des Isar Loisachboten zu dem
https://www.merkur.de/lokales/wolfratshausen/muensing-ort29101/ostuferschutzverband-sorgt-sich-wegen-umplanungen-des-seniorenwohnstifts-ambach-kwa-reagiert-92853185.html

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren Gemeinderäte,

sehr geehrter Herr Dr. Rückert,

bei der letzten Gemeinderatssitzung am 6.2.24 haben wir gehört, dass KWA größere Umplanungen vorhat und den Gemeinderat um Zustimmung bittet.
Wir machen uns Sorgen, wie es weitergeht, weil es bisher schon anders gelaufen ist, als geplant.
 

  • Der vertraglich vereinbarte Baubeginn soll hinausgeschoben werden, weil der Aufsichtsrat dem Bau noch nicht zugestimmt hat und offenbar Umplanungen beabsichtigt sind. Es bestehen auch Bedenken bezüglich der Wirtschaftlichkeit, weil die Zahl der Wohnungen an der Untergrenze liegt.
    Wenn dazu allerdings eine Erhöhung der Wohneinheiten geplant ist, werden wir uns massiv dagegen positionieren. Wir erinnern an unser Bürgerbegehren vom Herbst 2021, das von 431 Bürger/innen unterstützt wurde.
  • Der Veranstaltungssaal soll der Öffentlichkeit nicht mehr zur Verfügung stehen, wie im Durchführungsvertrag vereinbart, angeblich, weil keine Konkurrenz zum Pallaufsaal entstehen soll.
    Das überzeugt nicht: Dieser Saal sollte der Integration in den Gemeindeteil Ambach dienen und für die Ambacher einen Versammlungsort bieten.
  • Auch das Café soll nicht mehr öffentlich zugänglich sein. Damit findet eine Abschottung gegen die Gemeinde statt. Wir erinnern daran, dass die KWA immer über eine „Einbeziehung des Dorfes“ für Stimmen geworben hat!
  • Man darf gespannt sein, wie das mit den versprochenen Pflegeeinrichtungen und der Schwimmbadnutzung gehandhabt wird.
  • Wird eventuell als nächstes an Club- und Veranstaltungsräumen, Fitness- oder Gymnastikräumen, im Wellnessbereich gekürzt? Darüber hinaus sind auch Dienstleister im Bereich Haarpflege, Kosmetik, Fußpflege und ein kleiner Laden vorgesehen (laut Begründung). Das rentiert sich doch alles nur, wenn auch die Gemeindebürger daran teilhaben können.
  • Unser OSV Vorstandsmitglied und Seniorenbeirätin Mechthild Felsch gibt noch zu bedenken: „Ich finde es kontraproduktiv, wenn die Bevölkerung am See von diesem Angebot an kulturellen Veranstaltungen und ortsansässige Senioren vielleicht einem gemütlichen, kommunikativen Mittagstisch ausgeschlossen werden, nur um Parkplätze und damit Geld zu sparen. Das würde den Ort, wenn schon denn schon,  sehr beleben. Als Seniorenbeirätin dringe ich darauf, dieses Angebot, wie versprochen, der Allgemeinheit zu öffnen. Dadurch haben die Bewohner die Möglichkeit mit der ortsansässigen Bevölkerung in Kontakt zu treten und sich einzuleben. Für alle ist das doch eine Bereicherung, sonst müssten die Senioren noch mehr in der abgeschlossenen Welt des Stiftes leben. Die Konkurrenz des KWA-Saals in Ambach ist für den Pallaufsaal in Münsing unbedeutend. Der geplante Saal ist nur halb so groß und eignet sich gar nicht für Großveranstaltungen, wie sie im Pallaufsaal angestrebt werden. Die KWA wird Veranstaltungen in jedem Fall organisieren, nur werden die Bürger ausgeschlossen.“
  • Ein Tiefgaragendeck kann laut KWA entfallen, wenn die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird. Wo sind allerdings Parkplätze für die Pflegeplätze, das Schwimmbad und Besucher? Dafür sollen zwanzig Parkplätze gegenüberliegend auf der Ostseite des Simetsbergwegs nachgewiesen werden. Dieser Bereich ist Außenbereich und zudem nur für ein paar Jahre gepachtet. Eine Nutzung als Parkplatz wäre rechtswidrig, auch wenn diese Nutzung in der Vergangenheit teilweise geduldet worden ist.
    Wenn das Bauvolumen durch Wegfall eines ganzen Parkdecks verkleinert würde, wäre das zwar zu begrüßen, aber die Tiefgarage sollte ja gerade Autos von der Straße wegbringen. Oberirdisch bringt das leider gar nichts. Alle benötigten Stellplätze müssen auf dem Gelände von KWA untergebracht werden. Die Anpachtung von Parkplätzen kann enden. Sie stellt keinen dauerhaften Nachweis dar. Deswegen sollte auf den Nachweis der Parkplätze auf dem Gelände der KWA nicht verzichtet werden.
  • Wenn KWA sich verkalkuliert hat, kann dies nicht auf Kosten des Außenbereichs gehen. Unter Landschaftsschutzgesichtspunkten ist es ein Unding, wenn im Außenbereich ein Parkplatz entstehen soll, auch wenn dies für die Bauzeit als Wendefläche genutzt worden ist. Frühere unberechtigte Nutzungen können keinen Bestandsschutz erzeugen, wie der Gemeinde aus vielen anderen Verfahren bekannt ist.
  • Von den Bestandsbäumen, die erhalten werden sollten, steht nahezu keiner mehr, es hat ein fast vollständiger Kahlschlag stattgefunden.
  • Das Waldschlössl, das „als identifikationsstiftendes Merkmal“ erhalten werden sollte, wurde platt gemacht.

Wie zu hören war, kann das Vorhaben noch an der Zustimmung des Aufsichtsrats der KWA scheitern. Gibt es schon einen Plan B für diesen Fall? Hat die Gemeinde schon eine Dienstbarkeit eintragen lassen, dass die Umwandlung in Eigentumswohnungen der Zustimmung der Gemeinde bedarf?

Wir hätten gerne Antworten auf diese Fragen.

Mit freundlichen Grüßen,

Professor Johannes Umbreit, Petra Schulze, Manfred Stecher, Dr. Gustav Neumeister, Mechthild Felsch

Wie der Gorilla ins Tölzer Land kam

Der Bildhauer HANS KASTLER

ein Film von MAX KRONAWITTER

Drei Jahre lang hat Filmemacher Max Kronawitter den Eurasburger Künstler Hans Kastler immer wieder besucht, um ihm bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Auf diese Weise entstand ein vergnügliches Portrait des Bildhauers, das nicht nur einen Einblick in seine facettenreiche Kunst gewährt, sondern auch viel über den Menschen Kastler und seine Heimat erzählt.

In Memoriam Hans Kastler zeigen wir den Film am

Sonntag, den 3. März um 19 Uhr
Pfarrheim Münsing

Eintritt frei, freuen uns über Spenden

Mich mag kein Schwein

Ein „Columbo“-Fan und ein Zwillings-Vater

Dr. Georg Unterholzner und Volker Ufertinger lesen aus ihrem Krimi „Mich mag kein Schwein“

Münsing – Ein junger Tierarzt, der von seinen Patienten gehasst wird und sie deshalb am Liebsten behandelt, wenn sie in Narkose liegen. Dazu sein dubioser Onkel aus Amerika und eine Handvoll Auftragskiller. Das Ganze noch mit tiefsinnigen Humor gewürzt – und schon hat man einen ersten Eindruck des neuen Krimis von Veterinär Dr. Georg Unterholzner und seinem Co-Autor, Merkur-Redakteur Volker Ufertinger. „Mich mag kein Schwein“ ist ein unterhaltsames Werk, das man nicht so schnell aus der Hand legen will.

Einen kleinen Einblick in das Buch gewährten die Autoren kürzlich bei einer Lesung auf Einladung des Ostuferschutzverbandes im Münsinger Pfarrheim. Die musikalische Begleitung übernahm Anton Kometer aus Höhenrain mit seiner Drehorgel.

Während der Vorlesepausen zwischen den ausgesuchter Kapiteln interviewten sich die beiden Autoren gegenseitig. Der Ascholdinger Unterholzner entpuppte sich auf die Frage, warum er seine Hauptperson als übergewichtigen, von den Tieren gehassten jungen Mann darstellt, als „Columbo“-Fan. Columbo war der Titelheld einer US-TV-Serie, die ab 1967 auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Inspektor Columbo, dessen Gesicht ähnlich zerknautscht ist wie sein Trenchcoat, ist nicht gerade eine Augenweide, aber weltgewandt. „Und ich wollte keinesfalls so einen Tierarzt, wie er in Nachmittagsserien gezeigt wird, nämlich hübsch und smart“, so Unterholzner. Außerdem stehe er auf Geschichten wie „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ sowie die aus der Feder von Friedrich Dürrenmatt. „Eben skurril, aber in sich logisch. Eine schwierige Situation, aus der man einfach so wieder herauskommt – das war mir zu billig.“

Journalist Ufertinger verriet, dass ihm das Angebot des Hauptautors, bei dem Roman mit zu wirken, nicht unbedingt zum passenden Zeitpunkt ereilte. „Ich war gerade Vater von Zwillingen geworden – da hat man erst einmal anderes im Kopf.“ Doch Unterholzner ließ nicht locker: „Ich war an einem Punkt, an dem die Geschichte immer verworrener geworden ist. Ich brauchte einfach einen Cut“, so der Veterinär mit der Krimi-Leidenschaft. „Schließlich hat er nicht mehr nein gesagt – und deshalb sitzen wir jetzt hier.“

Das Buch spielt in Münsing und Umgebung. „Genau das macht mit seinen Reiz aus“, sind sich Lilo Hacker und Constance Lämmle, Besucherinnen der Lesung, einig. „Man fährt bei der Verfolgungsjagd praktisch im Auto mit, weil man die Umgebung kennt, und man ist Teil der Geschichte“, ergänzte Sophie Herold. Die „ironisch-schräge“ Erzählweise der zwei Autoren begeistert alle – und auch, wie sich Unterholzner und Ufertinger nicht nur im Gespräch die Bälle zuwarfen, sondern beim Vorlesen die Rollen der Hauptpersonen quasi verkörperten: sowohl mit ihren Stimmen als auch mit ihrer Mimik.

Als absolut passend dazu erwies sich Kometer. Der Höhenrainer spielte die Drehorgel und sang „Jennerwein“ und „Meckie Messer“. Fazit: Ein kurzweiliger Abend, der viel zu schnell zu Ende ging. SABINE HERMSDORF-HISS

Info

Das Buch „Mich mag kein Schwein“ von Dr. Georg Unterholzner und Volker Ufertinger ist unter ISBN 978-3-86222-457-9 im Volk Verlag München erschienen. Es kostet 18 Euro.

Sabine Hermsdorf-Hiss, Isar-Loisachbote, 27. und 28. Januar 2024

Die beiden Protagonisten sind: Ein Tierarzt, dem seine Patienten überdeutlich mit Bissen und Tritten klar machen, dass sie ihn nicht mögen und dessen von Auftragskillern ver-folgtem Onkel aus Amerika.

Autoren sind Dr. Georg Unterholzner und Volker Ufertinger. Unterholzner ist seit 20 Jahren Amtstierarzt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und leidenschaftlicher Krimiautor. In Zusammenarbeit mit seinem Co-Autor Volker Ufertinger, Redakteur beim Münchner Merkur, erzählt er die skurrile Geschichte des hundert Kilo schweren, jungen Tierarztes Karl Hornsteiner, der von allen Tieren, die nicht in Narkose liegen, regelrecht gehasst wird. Ein weiterer schräger Typ ist eben jener Onkel Joe, ein Hollywoodfotograf, der durch ein Bild, das er von Marilyn Monroe geschossen hatte, berühmt geworden ist. Nun steckt er in Schwierigkeiten und Karl gleich mit.

Die musikalische Begleitung übernimmt Anton Kometer auf der Drehorgel. Er hat seine „Musik Rollen“ durchforstet und wird passend zum Thema Titel wie Mackie Messer, den Jennerwein oder Küchenlieder beisteuern und er singt den entsprechenden Text dazu.

Wir freuen uns wieder auf eine schöne Veranstaltung und freuen uns auf Ihr Kommen. Eintritt 12 Euro

Chronik Münsing, Band 3

Kriegsende und Nachkriegszeit in der Gemeinde
Erzählte Erinnerungen

Der dritte Band der Reihe „Chronik Münsing“ ist den Erinnerungen von 25 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gewidmet, die das Kriegsende 1945 miterlebt haben und längere Zeit in Münsing, Holzhausen, Degerndorf, Ammerland, Ambach, Attenkam, St. Heinrich, Sonderham oder Weipertshausen gelebt haben. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Ereignisse sie als besonders prägend für sich selbst, ihre Familie oder die Dorfgemeinschaft empfunden haben und was aus ihrer Sicht das „Früher“ vom „Heute“ unterscheidet.

Idyll vor der Villa: Veronika Kreuzhage als Kleinkind mit ihrer Großmutter Minna Schulze und Hund Mida. (Foto: Privat/oh)

Die hier abgedruckten Interviews sind sehr persönliche Zeugnisse über eine Zeit, die geprägt war von Verlust und Schmerz infolge des Zweiten Weltkriegs, den Umgang mit den Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen, dem Eintreffen und der Integration von Vertriebenen und dem hoffnungsvollen Neustart in den Jahren des Wirtschaftswunders. Die Erzählungen führen zurück in eine Lebenswirklichkeit, die uns – obwohl sie nur einige Jahrzehnte zurückliegt – heute sehr fremd erscheint. Der Band ist mit zahlreichen historischen Fotografien ausgestattet.

Format 16,5 x 24 cm, Hardcover, gebunden, 228 Seiten, 24,90 €

ISBN 978-3-9822633-3-5

Zeitungsberichte:

Süddeutsche Zeitung, Wolfratshauser SZ vom 21. November 2023

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/wolfratshausen/muensing-chronik-zweiter-weltkrieg-nachkriegszeit-erzaehlungen-1.6306935

Isar Loisachbote vom 23. November 2023

https://www.merkur.de/lokales/wolfratshausen/muensing-ort29101/25-schicksale-und-viele-emotionen-wie-erging-es-muensingern-nach-dem-weltkrieg-92687372.html

CHRISTOPH  BRECH   zeigt uns die von ihm gestalteten Glasfenster in der Pfarrkirche Heilig-Kreuz in Giesing

29. Oktober 2023, Treffpunkt 11 Uhr vor der Kirche Ichostraße 1, 81541 München

Es besteht die Möglichkeit bereits um 9:30 Uhr dort selbständig den Gottesdienst zu besuchen.


Der Ammerlander Medien-Künstler Christoph Brech gestaltete die sieben Chor- und Oratorienfenster in der Kirche am Giesinger Berg.  Brech übernahm die Neugestaltung der 11 Meter hoch aufragenden Fenster mit einer Fläche von insgesamt 85 qm² . Seine gewählten Themen „Himmel“, „Luft“ und „Atem“ führten den aus einem medizinisch vorgeprägten Elternhaus stammenden Künstler schließlich zum Motiv der menschlichen Lunge, die vom Thorax, dem Brustraum, geschützt wird. Grundlage waren Röntgenaufnahmen. Das Licht fällt in zarten Blau- und Weißtönen durch die mehr als tausend künstlerisch abgewandelten Thorax-Aufnahmen, die fast wie Schmetterlinge wirken. Die hellen Lungenflügel sind besonders gut erkennbar und verweisen auf die menschliche Verletzlichkeit. Schon wenige Monate nach ihrer Einweihung gewannen die Kirchenfenster an brisanter Bedeutung durch die plötzliche weltweite Ausbreitung von Corona, dem Covid-19- Lungenvirus.

LORIOT zum 100. Geburtstag

Samstag, 23. Sep. 2023
um 18:30 in der Lothhof Tenne in Münsing

Johann von Bülow

„Der ganz offene Brief“

Lesung von
Johann von Bülow

In den Jahren 1957 bis 1961 erschien in der Illustrierten QUICK die Kolumne „Der ganz offene Brief„. LORIOT unterrichtete in jenen Anschreiben die Redaktion und die Leser über Seltsamkeiten des öffentlichen Lebens, zeichnete ein Sittengemälde der jungen Bundesrepublik und machte den ersten Schritt vom Illustrator zum Autor. Danach gerieten die Werke lange Jahre in Vergessenheit und wurden erst 2014 im Wege der gleichnamigen Buchveröffentlichung (hrsg. von S. v. Bülow, P. Geyer und OA Krimmel) wiederentdeckt.

Die Veranstaltung ist ausverkauft

Weblink zu Johann von Bülow:
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_von_B%C3%BClow

Weblink zu „Der ganz offene Brief“
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_ganz_offene_Brief

Loriots 100. Geburtstag

Donnerstag, 28. September 2023, Isar-Loisachbote / Lokalteil

Satirisches Sittengemälde

Johannes von Bülow begeistert mit seiner Loriot-Lesung – Humorist wäre heuer 100 geworden
von TANJA LÜHR

Johann von Bülow

Münsing – Am Loriot-Gedenktag auf Gut Nantesbuch in Bad Heilbrunn im Juli war Petra Schulze dem Theater- und Filmschauspieler Johann von Bülow zum Schluss extra hinterhergerannt, um ihn nach seiner Schuhgröße zu fragen. Verwundert gab dieser Auskunft. Am Samstagabend erfuhr er nun den Grund für die Neugier der Vize-Vorsitzenden des Ostuferschutzverbands (OSV). Bevor er aus Loriots Kolumne „Der ganz offene Brief“ las, überreichte sie ihm ein Paar von OSV-Vorstandsmitglied Mechthild Felsch gestrickte Socken. Anthrazitfarben mit roter Spitze aus Regia-Wolle, vierfädig – genau solche, wie Vicco von Bülow sie jahrelang bei der Münsingerin Josefine Schmid (inzwischen 90) bestellt hatte. Außerdem gab es gelbe Gummi-Entchen für den Vorleser, der entfernt mit Vicco von Bülow alias Loriot verwandt ist, sowie für Susanne von Bülow. Die Tochter des Münsinger Ehrenbürgers lebt noch zeitweise im Haus der Familie in Wimpasing.

100 Jahre alt wäre ihr Vater heuer geworden. Aus diesem Anlass hatte der OSV zu der Lesung in die Loth Hof Tenne der Familie Mair eingeladen, wo an dem Abend kein Stuhl unbesetzt blieb.

Zwischen 1957 und 1961 war in der Illustrierten „Quick“ die Kolumne „Der ganz offene Brief“ erschienen. In Text und Bild zeichnete der noch junge Karikaturist und Autor Loriot darin im Wechsel mit seinem Ambacher Kollegen Manfred Schmidt, Schöpfer des Meisterdetektivs Nick Knatterton, ein Sittengemälde der damaligen Bundesrepublik – zwischen Wirtschaftswunder, Verordnungsdschungel und Italienliebe. Die 115 satirischen Beiträge wären wohl in Vergessenheit geraten, hätte Susanne von Bülow 2014 nicht gemeinsam mit Peter Geyer ein Buch mit ihnen herausgegeben.

Vorleser Johann von Bülow erwies sich als ganz hervorragende Wahl. Mit näselnder Stimme traf er den distinguierten Ton der Briefe. Mit russischem Akzent – der Kalte Krieg hatte damals eine große Rolle gespielt – trug er die Texte über Wettrüsten und Atombomben vor. In einwandfreiem Wiener Dialekt gab er einen Antwortbrief eines Österreichers zu Toni Sailer wider. Der Schauspieler ließ sein ganzes Talent in Betonung, Mimik und Gestik einfließen.

„Sehr geehrte Quick“, beginnt jeder Text. Zu „Laika“, der ersten Hündin, die 1957 von den Russen mit einem Raumflugkörper ins Weltall geschickt worden war, bemerkte Loriot bedauernd, dass seine beiden Möpse „in solchen Dingen gar keinen Ehrgeiz zeigen“. Elvis Presley bezeichnete er als „teuerste Nervensäge der Welt“ und einen neuartigen „Taschen-Lügendetektor für den innerfamiliären Bereich“ als Bedrohung für jede Ehe.

Manches würde heute nicht mehr durchgehen, weil zu frauenfeindlich. Das Publikum lachte trotzdem herzlich über eine angebliche wissenschaftliche Erkenntnis, die Loriot aufgegriffen hatte: „Lebensbedrohlich für das männliche Herz ist“ – bedeutungsvolle Pause – „der weibliche Redeschwall.“ Oft waren es Alltagsbeobachtungen, die der unsterbliche Humorist thematisierte. Da waren die schmalen Olivengläser, deren Inhalt nur mit Mühe zu entnehmen war, oder die 29 Stecknadeln im neuen Herrenhemd, bei dem man die letzte Nadel stets zu entfernen übersah. In seiner Kolumne nahm Loriot viele Dinge aufs Korn, die sich in seinen späteren Fernsehsketchen wiederfanden. Der „Hosenkauf“ ist eindeutig eine Fingerübung für den Sketch, in dem der Mann mit der Hose in den Kniekehlen das Bekleidungsgeschäft verlässt.

Mitunter besaß der junge Vicco von Bülow einen prophetischen Blick. Etwa, als er sich darüber ausließ, dass im Fernsehen Ehestreitigkeiten geschlichtet und fristlose Entlassungen rückgängig gemacht würden. Reality-TV gab es erst viel später. Vor 50 Jahren schon monierte er in der ihm eigenen, blumenreichen Sprache die Kurzlebigkeit von Industrieerzeugnissen und die Taktik dahinter.

Köstlich sind die Karikaturen zu jedem Thema, etwa die zum Massentourismus mit der Bildunterschrift „Die Deutschen haben sich den italienischen Stiefel angezogen“, wo ein Mann sich tatsächlich in einen Schuh mit extrahohem Schaft zwängt. 1961 wurden die Zuckerung des Weins und die Zugabe verschiedener Chemikalien erlaubt. Weinkenner Loriot spottete, dass trotzdem noch jeweils genau eine Traube den Weg ins Fass finde. Damit hatte er sich natürlich keine Freunde unter den Winzern gemacht. Aus Angst vor Repressalien bat er die Redaktion der „Quick“ um Entbindung vom „Ganz offenen Brief“. Die Antwort lautete zwar „Nein!“, er hörte trotzdem auf und wurde auf anderen Gebieten erfolgreich, bekannt und beliebt.

nches würde heute nicht mehr durchgehen, weil zu frauenfeindlich. Das Publikum lachte trotzdem herzlich über eine angebliche wissenschaftliche Erkenntnis, die Loriot aufgegriffen hatte: „Lebensbedrohlich für das männliche Herz ist“ – bedeutungsvolle Pause – „der weibliche Redeschwall.“ Oft waren es Alltagsbeobachtungen, die der unsterbliche Humorist thematisierte. Da waren die schmalen Olivengläser, deren Inhalt nur mit Mühe zu entnehmen war, oder die 29 Stecknadeln im neuen Herrenhemd, bei dem man die letzte Nadel stets zu entfernen übersah. In seiner Kolumne nahm Loriot viele Dinge aufs Korn, die sich in seinen späteren Fernsehsketchen wiederfanden. Der „Hosenkauf“ ist eindeutig eine Fingerübung für den Sketch, in dem der Mann mit der Hose in den Kniekehlen das Bekleidungsgeschäft verlässt.

Mitunter besaß der junge Vicco von Bülow einen prophetischen Blick. Etwa, als er sich darüber ausließ, dass im Fernsehen Ehestreitigkeiten geschlichtet und fristlose Entlassungen rückgängig gemacht würden. Reality-TV gab es erst viel später. Vor 50 Jahren schon monierte er in der ihm eigenen, blumenreichen Sprache die Kurzlebigkeit von Industrieerzeugnissen und die Taktik dahinter.

Köstlich sind die Karikaturen zu jedem Thema, etwa die zum Massentourismus mit der Bildunterschrift „Die Deutschen haben sich den italienischen Stiefel angezogen“, wo ein Mann sich tatsächlich in einen Schuh mit extrahohem Schaft zwängt. 1961 wurden die Zuckerung des Weins und die Zugabe verschiedener Chemikalien erlaubt. Weinkenner Loriot spottete, dass trotzdem noch jeweils genau eine Traube den Weg ins Fass finde. Damit hatte er sich natürlich keine Freunde unter den Winzern gemacht. Aus Angst vor Repressalien bat er die Redaktion der „Quick“ um Entbindung vom „Ganz offenen Brief“. Die Antwort lautete zwar „Nein!“, er hörte trotzdem auf und wurde auf anderen Gebieten erfolgreich, bekannt und beliebt. VON TANJA LÜHR

Münsing Aktuell Nr. 3 – 2023

„Ich kenne mich besser mit Loriot- Sketchen aus, als Ralf Schmitz“, behauptet  Anfang dieses Jahres die 13jährige Alley in der Spielshow „Klein gegen Groß“. Schön zu sehen, wie  Loriot auch in den nächsten Generationen präsent ist! Man sprach darüber, dass Loriot, alias Bernhard-Viktor Christoph-Carl, kurz Vicco von Bülow am 12. November 100 Jahre alt geworden wäre. Schon hier reifte die Idee, ihn mit einer ganz besonderen Veranstaltung zu feiern (s.u.). Das war uns dann auch möglich, da  Loriot und  seine Familie seit Jahrzehnten treue und interessierte OSV Mitglieder sind, die sich engagiert, aber stets zurückhaltend einbringen.

Bei unserer OSV-Lesung am 23. September müssen wir auf Sätze wie: „Ich lasse jetzt die Ente zu Wasser“, „Früher war mehr Lametta!“, „Ja wo laufen sie denn?“ oder „Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen!“ verzichten. Dafür hören wir sehr satirisch „aktuelle Ereignissen, kuriose Meldungen und alltäglichen Erlebnisse“ und sehen viele Karikaturen, die bisher kaum jemand zu Gesicht bekommen hat. Um Loriot selbst zu zitieren: „Meine Zeichnungen sind Handarbeit, ausgeführt in wasserfester Tusche auf Papier. Mein grafisches Gesamtwerk wäre im Bedarfsfall also kompostierbar!“

Bei der Enthüllung des Pocci Denkmals in Münsing war unter den Zuschauern auch Vicco von Bülow alias Loriot
Foto: Neubauer, Süddeutsche Zeitung vom 18./19. März 2006

Nochmals zur Erinnerung: Der Pirol ist der Wappenvogel Derer von Bülow und heißt auf Französisch „Loriot“. Dabei legte der Meister besonderen Wert darauf, keinesfalls mit „Herr Loriot“ angesprochen zu werden.

Vicco von Bülow wurde in Brandenburg an der Havel geboren. Am 12.11.1923 „lernte ich mit einer Länge von 50 cm und einem Gewicht von 7 Pfund meine Eltern kennen.“ Von 1963 an bis zu seinem Tod am 22.8.2011 lebte er in Ammerland. Sein Grab befindet sich in Berlin. 1993 wurde er Ehrenbürger Münsings. Damals wie heute wissen wir Gemeindebürger, wie man mit „unseren Promis“ lebt: Ein freundliches Kopfnicken,  ansonsten lässt man sie in Ruhe. Freunde und Nachbarn berichten, dass Loriot  in der Öffentlichkeit nie auffiel. Kannte man ihn näher, fiel das Schutzschild der Ironie weg, es wurde herzlich gelacht und man konnte über alles sprechen.

Im Sommer 1989 fand das viele Jahre sehr beliebte „Spiel ohne Grenzen“ am Schweiblbach in der Gemeinde Münsing statt. Zwei Gemeinden traten in sportlichem Wettstreit gegeneinander an, unterstützt  von einem Rateteam. In unserem saß neben dem damaligen Bürgermeister Silvester Pölt auch Loriot. Nach 34 Jahren spiegeln die verschwommenen Bilder noch immer den spitzbübischen Witz des damals 66jährigen wieder. Der Moderator Michael Schanze fragte ihn: „Sind Sie ein Pedant?“ Darauf sehr spontan: „Ich bin pingelig, wenn Sie’s genau wissen wollen!“

Jede Gemeinde wurde mit einem kleinen Werbefilm vorgestellt. Loriot hat unseren damals mit folgenden Kommentaren unterlegt: „An klaren Tagen stehen die Alpen direkt vor der Türe. Damit uns das nicht zu viel wird, sind sie bei Dunst und Nebel unsichtbar.“ oder „In München sind die Mieten nur deswegen so hoch, weil Münsing in einer halben Stunde erreichbar ist!“

Die gegnerische Partei aus Recklinghausen wurde von Hape Kerkeling auf der Bühne unterstützt. Wir haben ihn nach 34 Jahren angeschrieben und ihn zu Loriot befragt. Freundlicherweise hat er uns umgehend einen Text zukommen lassen, den er anlässlich von Loriots Tod 2011 im Spiegel veröffentlichte. Darin heißt es: „ Auf eine internationale Karriere hat Loriot ja immer verzichtet, da er nach eigenem Bekunden Worte wie ‚Sitzgruppe‘ oder ‚Auslegeware‘ für nicht ins Englische übersetzbar hielt. Aber für unsere Nation war er so etwas wie der heimliche Bundespräsident….. Dieser liebenswürdige, menschenfreundliche, kluge, gebildete und edle Preuße!“

Über einige Besonderheiten unseres Ehrenbürgers Loriot möchten wir noch berichten.

Wer zum „Neujahranblasen“ der Blaskapellen oder welche Sternsinger an Dreikönig  im Ortsteil Wimpasing mitgehen durften, wurde heiß debattiert. War es doch eine besondere Ehre, wenn Loriot selbst zum Taktstock griff oder neben Geld für die Sammelbüchse noch etwas für die durchgefrorenen Dreikönige bereithielt.

Nachbarn haben Loriot nicht als Sportler mit Spazierstöcken oder im Laufdress in Erinnerung. Nur das weithin hörbare Ping Pong – Ping Pong  zeugte von Tischtennisspielen mit seinem Freund Patrick Süskind.

Sicher allen Gemeindebürgern ist das SZ- Interview mit Josefine Schmid noch im Gedächtnis, das sie zum 10. Todestag von Loriot gab. Darin verriet sie, dass dieser gerne von ihr persönlich handgestrickte, anthrazitfarbene Socken mit einer knallroten Spitze trug, natürlich ausschließlich aus vierfädiger Regia-Wolle.

Aus dem Flurfunk der Münsinger Briefträger/innen gibt es noch eine nette Geschichte: Früher kamen Glückwunschtelegramme per Telefon in der Poststelle an. Man nahm diese handschriftlich auf, tippte das Ganze dann in das dafür vorgesehene Schmuckblatt und fuhr dieses wichtige Telegramm umgehend an den Empfänger aus. Loriot, der immer einen ganze Reihe von Telegrammen zum Geburtstag bekam, bat in seiner bescheidenen Art darum, diese zu sammeln und ihm am nächsten Tag gebündelt zu übergeben.

Als unser ehemaliger OSV Vorsitzender Dr. Florian Müller als Gemeinderat und dritter Bürgermeister verabschiedet wurde, bekam er, wie auch eine ganze Reihe ausscheidender Gemeinderäte, diese herrliche Karikatur von der Gemeinde.

Der Münsinger Gemeinderat, Bildrechte Studio Loriot

Nachruf im Heute Journal vom 23.8.2011:

„Loriots Humor ist anarchisch, zugleich bürgerlich, subversiv aber nicht ätzend, elegant aber nicht elitär, durchaus anzüglich aber nie obszön, spöttisch aber immer menschenfreundlich. Ein Humor über den man lauthals lachen konnte, aber ohne die Schenkelklopfer heutiger Comedians. Wäre jemals jemand auf die Idee gekommen, Loriot einen Comedian zu nennen? Natürlich nicht. Er war eine andere Welt: Individualist, Feingeist, Vielkönner.“

Das Bundesministerium der Finanzen bringt am 28. September 2023 zu Ehren des 100. Geburtstag eine 20-Euro-Silbermünze  heraus. Diese „Sammlermünzen greifen historische, kulturelle oder gesellschaftspolitische Themen auf, die für Deutschland von Bedeutung sind.“ Welch wohlverdiente Ehre! Eine Briefmarke wird am 2. November 2023 erscheinen.

Am 23.9. findet um 18:30 Uhr die OSV-Lesung „Der ganz offene Brief“ in der Lothoftenne in Münsing statt.

Diese  „Seltsamkeiten des öffentlichen Lebens“  erschienen in den 1960er Jahren als Kolumnen in der Illustrierten Quick, immer abwechselnd mit seinem Vorbild und Ambacher Freund  Manfred Schmidt. Der Schauspieler Johann von Bülow, ein Mitglieder dieser großen, mecklenburgischen Familie, stellt sich für eine „Nachbarschaftslesung“ zur Verfügung. Bereichert mit wunderbaren Karikaturen wird dieses „Sittengemälde der jungen BRD“ sicher ein Augen- und Ohrenschmaus sein.

Karten nur online unter www.ostuferschutzverband.de

Während der OSV mit seiner Lesung  Loriot als Autor zum Thema nimmt, geht es beim Festkonzert am 12.11.23 in der Isarphilharmonie um  „Loriot und die Musik – eine Liebesgeschichte“. Eintrittskarten über „München Ticket“.

Loriot bleibt für immer in unserem Gedächtnis, schon alleine wegen der Ampelanlage in Münsing, die uns täglich an ihn erinnert, denn „egal, von welcher Seite man sich ihr nähert, sie ist immer rot!“

Petra Schulze und Mechthild Felsch, OSV Vorstand

Tag des verrottenden Denkmal

Stemmen sich gegen den Verfall der Villa Max: Mitglieder des Schutzverbandes für das Ostufer des Starnberger Sees protestierten am Sonntag, am Tag des offenen Denkmals, auf der Südlichen Seestraße in Ammerland.
Fotos: M. Felsch

Zeitungsberichte

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/wolfratshausen/muensing-ostuferschutzverband-protestaktion-villa-max-denkmalschutz-1.6218636

https://www.merkur.de/lokales/wolfratshausen/muensing-ort29101/schutzverband-demonstriert-fuer-erhalt-von-denkmalgeschuetzter-villa-und-macht-behoerden-schwere-vorwuerfe-92517582.html

Schutzverband demonstriert für Erhalt der Villa Max

Ammerland – „Wir sind hier, wir sind laut“, skandierten am Sonntagnachmittag rund 30 Mitglieder des Schutzverbandes für das Ostufer des Starnberger Sees vor der Hecke der Villa Max – und stoppten mit ihrer Protestaktion vorübergehend den Strom an Radfahrern und Passanten auf der Südlichen Seestraße in Ammerland.

„Tag des verrottenden Denkmals“, „Das Haus des Affenmalers Max wird zum Affentheater“ und „Hier wird der Denkmalschutz im Starnberger See versenkt“ lauten einige der Aufschriften auf den Transparenten, die die Demonstranten hochhielten. „Sauer“ sind die Vize-Vereinsvorsitzende Petra Schulze und ihre Mitstreiter – konkret auf die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt in Bad Tölz sowie auf das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in München. Beide Behörden, so der Ostuferschutzverband, würden im Fall der Villa Max, die nach und nach verfalle, nichts unternehmen. Auf einen Brandbrief, abgeschickt im Juli (wir berichteten), habe die Untere Denkmalschutzbehörde bis auf den Tag nicht geantwortet.

Der Streit um den Erhalt der denkmalgeschützten Villa des Malers Gabriel von Max schwelt seit über 25 Jahren. Nach Wunsch der aktuellen Eigentümerfamilie soll das Gebäude abgerissen werden und an der Stelle ein Neubau entstehen. Die Erteilung einer Abrissgenehmigung wurde bisher allerdings dreimal versagt. Immer wieder schalteten sich Unterstützer für den Erhalt der Villa in den Prozess als Vermittler ein, es gab Gespräche über mögliche Sanierungskonzepte – alles ohne sichtbaren Erfolg.

Der Wegbruch des rechten Stützpfeilers des Vorbaus an der Villa vor rund acht Wochen war für den Ostuferschutzverband (OSV) erneuter Anlass, sich gemäß seiner satzungsgemäßen Aufgaben in das Geschehen einzumischen und die zuständigen Behörden über den fortgeschrittenen Verfall des Denkmals zu informieren. Es bestehe die Gefahr, dass der gesamte Hausvorbau einknicke. „Die sollen am Ball bleiben“, fordert Schulze von Denkmalschutzbehörde und -amt, die Anordnung sofortiger Erhaltungsmaßnahmen sei laut der bayerischen Denkmalschutzordnung rechtlich möglich und aus Sicht des Verbandes dringend nötig.

In seinem Brandbrief hatte der OSV, der am bundesweiten Tag des Denkmals vor der Villa Max protestierte, die Vermutung geäußert, dass die Eigentümer den Einsturz des Vorbaus bewusst in Kauf nehmen: „Auf diese Weise soll offenbar gezielt die völlige Vernichtung des Denkmals weitergetrieben werden, sodass endlich die ersehnte Abbruchgenehmigung erteilt wird.“  nd
Isar-Loisachbote, 13.09.2023

Pressemitteilung zum Bauvorhaben im Aussenbereich Degerndorf

In Degerndorf plant die Firma AGROBS nach eigener Angabe eine Betriebserweiterung durch Bau zweier großer neuer Produktions- und Lagerhallen im Außenbereich auf der Nordseite des Betriebsgeländes. Dieses Vorhaben beschäftigt anscheinend seit längerer Zeit Landratsamt und Gemeinde Münsing. Es stellt die Bürger der Gemeinde und unseren Verband vor die schwierige Frage, was schwerer wiegt: Der verständliche Wunsch eines heimischen Futtermittelbetriebs nach Vergrößerung oder der Schutz des Außenbereichs vor weiterer Zersiedelung und Versiegelung. Einerseits sollen einheimische Betriebe in ihrer Entwicklung nicht behindert werden. Andererseits soll der Außenbereich nicht einer Bebauung geopfert werden, deren Ende nicht abzusehen ist. Ob die Belastung der Umwelt durch die Staubentwicklung der Futtermittelherstellung tatsächlich so groß ist, dass dafür Außenbereich geopfert werden muss, sollte genau geprüft werden. Für derartige Betriebe sind eigentlich Gewerbe- und Industriegebiete vorgesehen. Es ist ja eine seltsame Logik, dass ein Betrieb sich umso leichter im Außenbereich ansiedeln darf, je stärker er die Umwelt belastet. Diese Fragen und die Frage der zusätzlichen Verkehrsbelastung sollten mit den Bürgern und dem Gemeinderat vor einer Entscheidung gründlich diskutiert werden. Jedenfalls sollte ohne gründliche Planung und Abwägung aller Fragen kein ständig weiterwachsendes Futtermittelindustriegebiet am Rand von Degerndorf geschaffen werden.

Isar Loisachbote, 26./27. August 2023, Tanja Lühr

Wolfratshauser SZ vom 6.01.2024

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/wolfratshausen/muensing-agrobs-degerndorf-erweiterung-landschaftsschutz-flaechenversiegelung-1.6328140

Dilemma mit Pferdefuß

Gemeinderat berät am Dienstag über die teils umstrittenen Erweiterungspläne der Firma Agrobs

Münsing Die Degerndorfer Firma Agrobs möchte erweitern. Am kommenden Dienstag, 29. August, wird der Gemeinderat über den Bauantrag für zwei weitere Hallen – Nummer 6 und Nummer 7 – auf dem Grundstück an der Angerbreite beraten. Zum Ärger mancher Bürger gab es bereits nicht öffentliche Vorbesprechungen zu dem Projekt.

Der Pferdefutter-Hersteller wäre nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BimSchG) privilegiert, das heißt zum Bauen berechtigt. Weil täglich um die 350 Tonnen staubintensive Schüttgüter bei der Produktion anfallen, kann Agrobs nicht einfach in ein Gewerbegebiet oder an einen anderen Standort mit Menschen in der Nachbarschaft ausweichen. Versucht haben die Brüder Simon und Florian – beide Geschäftsführer – sowie Thomas Berger (Prokurist) das nach eigenen Angaben, indem sie unter anderem im neuen Gewerbegebiet in Gelting angefragt haben. Doch dort wollte man sie nicht.

Die Expansionspläne sind im Gemeinderat und in der Bevölkerung umstritten. 2016 errichtete Agrobs zwei neue, rund zehn Meter hohe Hallen zu den damals bereits bestehenden drei. Der Gemeinderat hatte das aufgrund der Rechtslage zähneknirschend genehmigt, jedoch betont, dass man die Entwicklung im Außenbereich damit als abgeschlossen betrachte. Die zwei neuen Gebäude sollen nun auf der freien Wiese nördlich des Bestands entstehen, mit gut 150 Metern Abstand zur geplanten Freiflächen-Photovoltaik-Anlage, um Staub auf den neuen Paneelen auszuschließen.

Während einer Firmenbesichtigung erklärten Simon und Thomas Berger unserer Zeitung, warum die Neubauten notwendig sind. Das vor genau 30 Jahren von Jakob Berger gegründete Unternehmen floriert. Auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten gibt es genügend Pferdebesitzer, die ihren Sport- und Freizeittieren nur das beste Futter anbieten möchten.

Hochwertig sind die mehrfach preisgekrönten Produkte von Agrobs zweifelsohne. Jakob Berger brachte 1983 die ersten gepressten Heupellets für Pferde auf den Markt, die noch heute erhältlichen „Pre Alpin Wiesencobs“. Das Sortiment wurde mit Hilfe von Tierärzten stetig verfeinert und verbessert. Heute findet man von völlig getreidefreien und somit gut verdaulichen Produkten über eiweißreiche Mischungen für laktierende Stuten und Sportpferde bis hin zu kurz geschnittenem Seniorenfutter so ziemlich alles, was das Herz begehrt – Leckerlis, kompakte Würfel für unterwegs sowie mit Luzerne, Ölen, Apfeltrester oder Sonnblumenkernen angereicherte „Müslis“ eingeschlossen. Schon seit 1989 gibt es eine Bio-Schiene.

„Wir verarbeiten 50 verschiedene Rohstoffe“, sagt Simon Berger, der das Unternehmen mit seinen Brüdern seit 2007 leitet, und zeigt auf die vielen, unterschiedlich etikettierten Säcke in den Regalen. 78 eigene Produkte sind es. Auch einige andere Pferdefuttermittel-Hersteller nahmen seine Eltern 1996 mit auf. Das verarbeitete Gras stammt von rund 600 Vertragslandwirten aus der Gemeinde und Umgebung, die nicht alles selbst für ihre Tiere benötigen, beziehungsweise keine Viehhaltung betreiben. Es wird getrocknet, gesiebt, entsteint und entstaubt.

Trotz aller Technik entweiche Staub, und dieser setze sich rund um den Standort ab, erklärt Simon Berger. Das tägliche Volumen sei begrenzt: 400 Tonnen staubintensive Schüttgüter dürften es maximal sein. Das Landratsamt in Tölz habe die Werte vor der Genehmigung der Hallen 4 und 5 prüfen lassen und jetzt noch einmal ganz aktuell, sagt Simon Berger.

Bürgermeister Michael Grasl erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung, der Gemeinderat müsse in der kommenden Sitzung darüber entscheiden, ob er einen Bebauungsplan für das Gelände aufstellt. „In dem Fall könnten wir die Entwicklung dort oben besser steuern“, meint Grasl. Denn mehrfach hatte der Rat in den vergangenen Jahren bekräftigt, dass die Entwicklung auf der Anhöhe am Ortsrand nicht endlos so weitergehen könne.

Der Münsinger Rathauschef weist allerdings auch darauf hin, dass Agrobs ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler sei. Die Firma beschäftigt rund 100 Mitarbeiter. 30 von ihnen sind in einem Büro im Gewerbegebiet Am Schlichtfeld in Münsing ausgelagert – auf Dauer ist das kein Idealzustand. Im Jahr 2022 machte Agrobs laut Thomas Berger einen Jahresumsatz von mehr als 40 Millionen Euro.

Die Kritiker der Erweiterungspläne, darunter die Vorstandschaft des Ostuferschutzverbands (OSV), sehen in den neuen Gebäuden eine Verschandelung des Landschaftsbilds und prangern die Versiegelung von Grünland an. In einer Pressemitteilung fragt sich der Vorsitzende Johannes Umbreit, was schwerer wiege: der verständliche Wunsch eines heimischen Betriebs nach Vergrößerung oder der Schutz des Außenbereichs vor weiterer Zersiedelung und Versiegelung, deren Ende „nicht abzusehen“ sei. Bereits der geplanten und mittlerweile vom Gemeinderat genehmigten Freiflächen-Photovoltaik-Anlage von rund fünf Hektar Größe stand der OSV skeptisch gegenüber. Außerdem befürchtet der Umweltverband eine weitere Zunahme des Schwerlastverkehrs zwischen Münsing und Degerndorf. Darauf entgegnet Thomas Berger: „Neu geschaffene Lagermöglichkeiten am Standort würden die Warenbewegungen zu den gut 20 Außenlagern in der Region reduzieren.“

Mit der Freiflächenanlage möchte Agrobs seinen eigenen Strom generieren. Über 90 Prozent davon sollen ins Netz fließen. 250 Kilowatt Strom liefern bereits Module auf den Dächern der bestehenden Hallen. „Wir sehen uns als ökologisch verantwortungsvollen Betrieb“, sagt Simon Berger, selber Gemeinderat der Einigkeit Degerndorf.

Isar Loisachbote, 31. August 2023, Tanja Lühr

„Entwicklung nicht verhindern,
aber steuern“

Geplante Erweiterung der Firma Agrobs: Gemeinderat beschließt Aufstellung eines Bebauungsplans

Münsing – Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Dienstag beschlossen, einen Bebauungsplan (B-Plan) für das Firmengelände des Pferdefutterherstellers Agrobs in Degerndorf aufzustellen. Der Tagesordnungspunkt hatte zahlreiche Zuhörer ins Rathaus gelockt.

Wie berichtet möchte das florierende Unternehmen an der Angerbreite zwei neue Produktions- und Lagerhallen von 50 mal 30 Metern Größe zusätzlich zu den bestehenden fünf Hallen bauen. Sie sollen nördlich des Betriebsgeländes entstehen. In einer internen Sitzung hat die Leiterin der Bauabteilung des Landratsamts, Juristin Maya Mantel, den Mandatsträgern wohl gesagt, Agrobs dürfe in jedem Fall bauen – ob nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG), das staubintensive Betriebe im Außenbereich zulässt, oder mit einem durch die Gemeinde aufgestellten Bebauungsplan. Das berichtete Helge Strauß (CSU) von den Vorberatungen. „Wir können also gar nichts beeinflussen“, ergänzte sein Fraktionskollege Thomas Schurz. Beide sprachen sich gegen einen B-Plan aus, weil dieser nur Zeit und Geld koste. Schurz drückte es, wie immer, plakativ aus: „Über was entscheiden wir hier: Darüber, ob zwei Hallen gebaut werden oder ob zwei Hallen gebaut werden.“

Ganz so ist es Bauamtsleiter Stephan Lanzinger zufolge nicht. „Wir können die bauliche Entwicklung mit einem Bebauungsplan zwar nicht verhindern, aber steuern“, erklärte er. Über die Größe der Gebäude lasse sich beispielsweise reden und weitere, eventuell geplante Neubauten könnten abgelehnt werden.

Ein Antrag von Christine Mair (Grüne), Erweiterungen im Norden des Geländes per B-Plan ganz auszuschließen, fand keine Mehrheit. Mit 9:5 Stimmen beschloss der Rat, einen Bebauungsplan in Angriff zu nehmen. Susanne Huber (Freie Wähler) sagte, das in der Bevölkerung heiß diskutierte Thema verdiene eine „sorgfältige Abwägung“. Ernst Grünwald (Wählergruppe Ammerland) meinte, die Mühe sei man den nachfolgenden Generationen schuldig. Professor Matthias Richter-Turtur (Grüne) sprach sich ebenfalls dafür aus, um das „grenzenlose Wachstum“ der Firma zu bremsen. Denn Sorgen bereiten den Kritikern nicht nur die Flächenversiegelung und die Zersiedelung der Landschaft, sondern auch der Schwerlastverkehr, der zum Teil mitten durch Münsing nach Degerndorf rollt. Der Bauantrag der Firma Agrobs auf Grundlage des BImSch-Gutachtens im nächsten Tagesordnungspunkt wurde folglich abgelehnt. Agrobs-Geschäftsführer und Gemeinderat Simon Berger (Einigkeit Degerndorf) war von der Beratung und Beschlussfassung ausgeschlossen.